credendo vides

3fgBdW

Die für die Freimaurerei fundamentale Denkfigur des Großen Baumeisters aus der Sicht des FO

Br. Dieter Sommer, Zirkelkorrespondenz November 2015

So lautete der Auftrag des komm. Zirkelmeisters für eine Darstellung im QC- Zirkel Westfalen-Lippe. Wie stets in QC Kreisen war das Verhältnis A.F.u.A.M. Brüder zu FO Brüdern etwa 9:1. Somit war diese Darstellung realiter für mich also eine Erklärung des OrdensBegriffes „Dreifach Großer Baumeisters der ganzen Welt“ für die Brüder der humanitären Großloge. Auch ein Bruder der Großloge A.F.u.A.M. hatte den gleichen Auftrag aus Sicht der humanitären Freimaurerei darzustellen. Er bezog sich primär auf die im Lehrlingsritual der A.F.u.A.M. enthaltenen Gebete und ihren unterschiedlichen Bezug zum „Großen Baumeister“.

Nun der Text für die FO-Darstellung.

Beginnen möchte ich mit dem Hinweis, dass mir keine Festlegung durch den Freimaurer Orden bekannt ist, in der der Begriff 3fach großer Baumeister der ganzen Welt und die Bezeichnung Obermeister exakt definiert sind. Was ich Euch also jetzt vortrage ist einzig und alleine die heutige Sicht eines einzelnen Bruders der Großen Landesloge und keine offizielle Verkündigung. Nun ist diese Sichtweise stets geprägt durch die Herkunft des berichtenden Bruders, entstammt er einer tiefgläubigen katholischen Familie oder ist er in sehr freizügig denkendem protestantischen Umfeld aufgewachsen oder vielleicht vollkommen kirchenfern erzogen worden. Der Freimaurer Orden vereinigt alle diese Brüder unter einem Dach.

Unabdingbar ist jedoch, dass er sich nicht als Atheist darstellt und jedwede Form transzendenten Sinnes ablehnt.

bevor über einen Suchenden gekugelt wird, erhält dieser Unterlagen, in denen auch die sog. Ordensregel enthalten ist. Er kennt diese also, bevor er seinen Aufnahmeantrag unterschreibt. Die Ordensregel ist Bestandteil des Gesetzbuches der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, dem Freimaurer Orden.

Dort steht unter:

1. Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland ist eine durch ein feierliches Gelübde geschlossene Bruderschaft.

2. Der Freimaurer Orden setzt den Glauben an Gott, den er unter dem Bilde des „Dreifach Großen Baumeisters der ganzen Welt“ verehrt, und an die göttliche Weltordnung voraus. Ohne diese Voraussetzung kann die Lehr-und Übungsweise des Ordens nicht wirksam werden.

3. „Die Lehrart der Großen Landesloge ist auf das Christentum begründet. Unter Christentum ist aber nicht die Zusammenfassung verschiedener Glaubensartikel zu verstehen, sondern die alleinige Lehre Jesu Christi, wie sie in der Heiligen Schrift enthalten ist.“ Eine ältere Ausgabe der Ordensregel enthielt den Zusatz, dass dieses Christentum „die eigentliche Richtschnur für alles freimaurerische Streben bilden muss“ und legte damit besonderes Gewicht auf die ethischen Forderungen unseres „Obermeisters“. Die Bibel — heißt es weiter — bleibt daher die unerschütterliche Grundlage unserer Ordenslehre: sie ist die Hauptquelle unseres Verständnisses, unser höchstes auf dem Altar liegendes Licht.

4. Im Bewusstsein ihrer Gotteskindschaft nennen sich die Ordensmitglieder untereinander BRÜDER und fühlen sich in diesem Brudersinne mit allen Freimaurern der Welt verbunden.

Die Ordensmitglieder achten die religiöse Überzeugung eines jeden anderen Menschen

5. Der Freimaurer-Orden verlangt von jedem Mitglied ständige Arbeit an der Ausbildung seiner Persönlichkeit. Vernunft und Gewissen, innere Freiheit und Selbsterkenntnis sowie das Bewusstsein der Verantwortung sind wesentliche

Mittel, sich der Erkenntnis des Ursprungs, des Wesens und der Bestimmung des Menschen und allen Seins zu nähern.

Die weiteren Artikel befassen sich mit der Verwirklichung der Menschenrechte, Schaffen von Frieden und Eintracht, der Einhaltung von Ordnung und Gesetz und der stufenweisen Lehrart der „Königlichen Kunst.“ So weit die Ordensregel.

Das Ziel freimaurerischen Tuns ist innere Wandlung – metanoia – oder wie es im Freimaurer Orden heißt „Verwandlung“. Werde, der Du bist! Dazu verwenden wir die Rituale.

Freimaurerische Rituale, meine lieben Brüder, sind generell als Initiationshandlungen anzusehen. Darauf wird auch in der Instruktionsarbeit der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer hingewiesen , in der sie auch als Schöpfungsakte bezeichnet werden.

Solche Rituale gehorchen dem Prinzip der Einweihungsrituale, wie sie aus indigenen Völkern bekannt sind, aber auch von den Mysterienbünden des Altertums oder der christlichen Taufe. Sie bestehen aus den drei Teilen Ablösen vom alten Denken und Tun, Übergang (sog. Liminalphase) und Angliederung an eine neue Idee oder Verhaltensweise.

Für die Ablösephase werden die oft missverstandenen Waffen im Ritual des Freimaurer Ordens gebraucht, Hammer, Degen, Dolch, Streitaxt, Schwert. Sie dienen als kraftvolle Metapher für das Abtöten des Alten, die Ablösung und ermöglichen wirkungsvolle körperliche Erfahrbarkeit. Diese Ritualwaffen zu verdammen wäre, genauso wenig sinnfällig, wie bei der Taufe das Wasser zu verbieten.

Die Struktur der Initiation wird im Ritualgebäude der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in allen Einweihungsgraden konsequent eingehalten. Die Rituale der höheren Grade, Andreasloge und Kapitel, stellen dahingehend keine Ausnahme dar, sie sind rituell miteinander verwoben und haben einen systematischen zusammenhängenden Gang von I bis X.

Hammer, Degen, Dolch, Streitaxt, Schwert dienen als kraftvolle Metapher für das Abtöten des Alten

Im Gegensatz zu philosophischen Gesprächskreisen, geisteswissenschaftlichen Studien, Bibellesungen oder Bücherstudium, gar Medienlektüre setzen Rituale immer „handelnde Personen voraus“. Rituale schließen stets Bewegungen ein, niemals nur stillsitzen oder unbewegtes Zuhören!! Das heißt der ganze Körper, nicht nur das Denkmodul, wird im Ritual als Handlungsmedium verwendet. Rituelle „Erfahrungen [werden] immer gleichzeitig auf der kognitiven (verstandesgemäß), der emotionalen und der körperlichen Ebene“ gemacht. So können diese Erfahrungen.. [als] neuronale Verschaltungsmuster im Gehirn [neu] verankert werden“. Das heißt im Klartext, Rituale bewirken eine reale Veränderung in unserem Gehirn!

Sinnbilder und Symbole, sowie symbolhaftes Handeln müssen nicht zwingend verstanden, sondern erfahren, gespürt werden. Dazu hilfreich sind einfache, emotionale Formen statt hochkomplexer Dogmen. Dabei ist es auch nicht wichtig, ob der Ritualinhalt, ob Metaphern, Legenden, Geschichten historisch verbürgt und rational korrekt sind oder dem aufklärerischen Zeitgeist entsprechen. Hauptsache das Ritual wirkt,– bewirkt Verwandlung. Dazu lesen wir in Originalpublikationen von 1879:

„Unsere ganze Symbolik geht darauf aus, durch sinnliche Eindrücke geistige Lehren zu erteilen und durch äusserliche Erscheinungen in bestimmter Absicht auf Herz und Gemüth zu wirken.“

Um dies in der Freimaurerei umsetzen zu können, haben unsere Vorväter neben der Vernunft das Gewissen als markante Kräfte menschlicher Wesenheiten auserwählt. Sie sind zu Symbolen in unseren Tempeln geworden. Mit der Aufklärungszeit ist eine starke Betonung der Vernunft, oftmals auch lediglich der Verstand, als maßgebliche Eigenschaft des Menschen hervorgetreten. Doch hat man insbesondere durch Analyse der vernunftbetonten Wissenschaften mit der Zeit erkannt, dass stets und in jeder Situation die Vernunft nur soweit agieren kann, wie die eigenen Gefühle es zulassen. „Emotionalität, Sympathie und Antipathie, Angst und Abwehr bilden den primären Rahmen, in dem sich unsere

Vernunft entfalten kann“. Daher ist es ein grundlegender Irrtum, wenn wir annehmen, wir könnten einem anderen Menschen Meinungen und Gefühle ausreden. Logische Argumente gegen sie vorzubringen ist so lange ohne Erfolg, bis die Gefühle des anderen mitmachen und damit eine andere Einsicht möglich wird.

Diese grundlegende Kenntnis menschlicher Wesenhaftigkeit wird im Ordensritual seit Anbeginn nutzbringend angewendet.

Ich werde nun diese grundsätzliche Sichtweise, der vorrangigen Bedeutung der gefühlsbetonten, ja der unbewussten Seite unserer Seele für den Prozess der Wandlung an einigen Beispielen zeigen, die ich vorhin in der sog. Ordensregel bereits aufführte.

Nun möchte ich Euch bitten, auf jeden Fall zu vermeiden, dass Ihr euch unter dem Begriff Gott eine ältere Vaterfigur, vielleicht mit grauem Bart und dreieckigem Heiligenschein vorstellt, wie man sie in Kirchen des 17. und 18. Jahrhunderts allerorten findet.

Gott heißt vom germanischen Wortstamm her: der Angerufene

Gott, der im Freimaurer Orden, als „3 fach großer Baumeister der ganzen Welt“ verehrt wird, heißt vom germanischen Wortstamm her, der Angerufene! Darum beginnt und schließt eine jede Tempelfeier im Freimaurer Orden mit einem anrufenden Gebet, wie z.B.: Herr, Unser Gott! Sei mit unserer Arbeit; segne sie und gib uns Kraft, sie zu Deiner Ehre zu vollbringen. Amen!

Vergleichbares finden wir in allen 3 Ritualen der Großloge A.F.u.A.M., direkt vor dem Gelöbnis. Dort heißt es z.B. im Gesellengrad: Großer Baumeister aller Welten! Dein Segen sei mit uns in dieser Stunde…Gib ihnen die Kraft, nicht mehr vom Ziel abzuirren und lasse den Flammenden Stern leuchten auf all ihren Wegen.

In beiden Ritualsystemen, A.F. u. A.M. sowie FO, wird in diesen Gebeten eine direkte „Du“ – Ansprache gewählt. Gleiches finden wir im Originalritual von Friedrich Ludwig Schröder von 1801, wo es heißt: Du! dessen Hand der Welten Bau gegründet, Ihn lenkt und hält in seinem Wundergang… An der Tafel heißt es dann bei Schröder: Als, Allmächtiger! Dein Werde! Dieser Welt: das Daseyn gab, senktest in den Schooß der Erde Nahrung, Stärkung, Du herab…

Das Wort „Gott“ ist kein Bild, wir können uns darunter nichts Bildhaftes vorstellen. Mit unseren Sinnen und unserem Denken ist der Begriff „Gott“ nicht fassbar. Wir brauchen ein Gottesbild, das uns berührt. In Anlehnung an Bilder des Dombauhandwerkes und unter Bezug auf biblische Hinweise wurde der 3fach große Baumeister als Gottesbild erwählt. Doch eignet diesem Begriff eigentlich primär die „schöpferische Eigenschaft“, eine Wesenhaftigkeit, die weit in der Transzendenz liegt und auch emotional nur unzureichend erfasst werden kann. Wenn auch nicht vergessen sei, dass der Baumeister einer Dombauhütte nicht nur schöpfend sondern auch stark sozial tätig war, quasi die Vaterrolle in der Hütte inne hatte.

Der Freimaurer Orden verwendet zur Stärkung der Erfahrbarkeit zusätzlich zum 3 fach großen Baumeister eine Reihe von Begriffen im Verlaufe seines gesamten Ritualgebäudes. So finden wir z.B. die Bezeichnung Herr, höchster Bauherr, Vater der Liebe, göttlicher Vater, Wohltäter, Jehova, Adonei, Salomo und Ordensherr. Diesen Begriffen wohnt vorrangig eine starke positive, wärmende Kraft inne. Damit unterstützt das positiv konnotierte Gottesbild die rituelle Verwandlungshandlung hin zu einem wirkungsvollen, erfolgreichen Ziel. Denn nur dann ist Verwandlung möglich, wenn der an Selbsterkenntnis und Selbstveredelung arbeitende Freimaurer der Wandlung und dem Ziel vollkommen bejahend zugeneigt ist. Dies sicher zu stellen ist eine der wesentlichen Aufgaben ritueller Begrifflichkeiten und Handlungsfortgänge. Bereits in den Originalakten des Freimaurer Ordens, die 1766 vom schwedischen Kanzleirat Karl Friedrich Eckleff an Br. von Zinnendorff übermittelt wurden, finden wir neben dem Begriff „allwissender und höchster Architekt“, den „großen Baumeister dieser Welt“, „den höchsten Meister“ und den „himmlischen Salomo“ als metaphorische Umschreibung für Gott.

Die Variabilität der Begriffe im Ordensritual erhöht die seelische Erfassbarkeitsbreite und damit die Wahrscheinlichkeit, das freimaurerische Ziel nicht nur auf einem ganz schmalen Pfad, sondern auf großer Bandbreite zu erreichen. Daher finden sich bereits in der sog. Verräterschrift Masonry Dissected von Samuel Prichard 1730, die Bezeichnungen God, Almighty God, Grand Architect and Contriver oft the Universe. Im Anfangs-Gebet von Prichards „Three Distinct Knocks“ 1760, begegnet uns dann der Baumeister der Welt. „O Lord God, thou great and universal Mason oft the World“.

Schauen wir auf die ältesten Baumanuskripte, den Old Charges aus der Zeit zwischen 1300 und 1500 so finden wir z.B. im Anfangsgebet des Cooke Manuskripts gleichartig positiv motivierende, seelisch aufbauende Begriffe.

Dort steht:

Also: Schöpfer und Vater.

Gedankt sei Gott unserem glorreichen Vater und Gründer und Former des Himmels und der Erde, und von allen Dingen, die darin sind,

Eine wesentliche seelische Auswirkung des positiven Gottesbildes ist die Schaffung von Sicherheit und Vertrauen. Jeder, ob Bruder oder Suchender, der sich einem Initiationsritual unterwirft, begibt sich in fremde Hände und muss einen Teil der im gesellschaftlichen Rahmen ihn schützenden Selbstkontrolle an andere abgeben.

Das geht nur mit einem hohen Maß an Vertrauen in das Gesamtsystem. Durch die Anrufung des 3 fach großen Baumeisters der ganzen Welt wird sichergestellt, dass nicht ein einzelner Mensch, sei es der Zeremonienmeister, der Logenmeister, der Großmeister oder der Ordensmeister seinen womöglich individuellen, dogmatischen Willen aufprägen kann. Er ist an eine höhere, transzendente Kraft gebunden, der er rechenschaftspflichtig ist. Dadurch wird ein bestimmtes Maß an Demut verbürgt, wobei das Gewissen des Einzelnen die verbindende Größe darstellt.

Überheblichkeit, Hybris und menschliche Schwäche erhalten so ein Korrektiv, Persönlichkeitskult wird minimiert. „Scheingottheiten“, wie monetärer Gewinn, technischer Fortschritt, Wohlstand und Konsum werden durch Anbindung an die Transzendenz als einzig anzustrebende Größe ausgeschlossen. Die Bruderschaft kann sich mit Vertrauen und Sicherheit dem Erleben des Rituals unterwerfen.

Das christliche Menschenbild ist in uns abgespeichert

Meine Brüder, dieser Aspekt berücksichtigt die Tatsache, dass die Freimaurerei niemals eine eigenständige Religion ist, sondern sich wie alle Mysterienbünde- als solche wird die Freimaurerei geschichtswissenschaftlich gesehen an die Religion in ihrem Wirkungsbereich anpasst. Dahinter steckt eine tiefe Kenntnis vom archetypischen Verhalten des Menschen. Aus der aktuellen Hirn- und Verhaltensforschung wissen wir, dass jeder Mensch bereits im pränatalen Zustand, aber insbesondere im Zeitraum der Kleinkindamnesie (also bis zum 3. Lebensjahr), an die er sich nicht mehr erinnern kann, viele grundsätzliche Dinge seiner Umwelt, seiner Mutter, seiner Verwandten und deren Ansichten erlernt. So wird ein jeder von uns, die wir im christlichen Abendland groß geworden sind, das dem Christentum inhärente freiheitliche Denken (das sich aus dem Ebenbild Gottes ableitet), seine Ethik und seine Lebensweise und das Gottesbild selbst unbewusst aufgenommen haben. Weihnachten und Ostern, der Stern von Bethlehem, liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, sowie das christliche Menschenbild sind in uns abgespeichert. Dagegen sich zu wehren ist vollkommen erfolglos, da wir es gar nicht im vollen Bewusstsein haben, es aber dennoch fester Bestandteil von uns ist.

In den bereits erwähnten Eckleff´schen Akten von 1766 steht bereits, wie als vorweggenommene Bestätigung der modernen Betrachtungsweise:

„[es] ist des Ordens vornehmster Zweck, dass Jeder seine Pflichten erfülle, zuerst gegen Gott und auf die Weise, wie es die Religion, in welcher er in Jugendzeit unterrichtet ist…vorschreibt; dann…“

Welche freimaurerischen Bilder würden also schneller und tiefer in uns reagieren, als Bilder, deren grundsätzliche Struktur bereits in uns vorhanden ist? Darum sind alle ursprünglichen freimaurerischen Systeme durch ihren geographischen Ursprungsort vom Innersten her christlich geprägt, von woher sie auch Alttestamentarisches übernehmen. Dies lässt sich an den noch im aktuellen Ritualgut der Großloge A.F. u. A.M. vorhandenen Bibelstellen deutlich ausmachen, wo es z.B. heißt: „Suchet, so werdet ihr finden, Bittet, so wird euch gegeben, Klopfet an, so wird euch aufgetan.“(Matth. 7, 7) bzw. das Buch des Heiligen Gesetzes, das der Ordnung und Ausrichtung des brüderlichen Glaubens zugrunde liegt (wie es in der Instruktion in I heißt) oder die Verwendung von Psalm 90 usw.

In den Johannislogen des Ordens wird der Zusammenhang zum Schöpfer, zu Jesus und zum Licht durch das Aufschlagen der Bibel im ersten Kapitel des Johannisevangeliums gleich zu Beginn der Tempelarbeit hergestellt. Heißt es dort: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht. (Schöpfung).

Weiter heißt es: (Johannes) war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, das alle Menschen erleuchtet. Und schließlich: Und das Wort ward Fleisch, und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater…

Wir erkennen hier wieder die Zweiheit von Schöpfer und Vater

Mit Bezug zum Johannistag und der freimaurerischen Lichtsymbolik, die hier auch in der Bibel aufscheint, haben früher höchstwahrscheinlich die meisten Logen die Bibel beim Johannisevangelium aufgeschlagen.

Ich möchte noch auf eine Symbolik hinweisen, die aus dem Text „und das Wort ward Fleisch…“ und dem bekannten nachfolgenden Neutestamentlichen Geschehen aufscheint. Wir betrachten unsere Rituale als Initiationserlebnisse, Ablegen des Alten, Übergang, Wiedergeburt oder Schöpfung. Das christliche Bild des Gottes, der als Sohn auf der Erde lebt und stirbt und durch die Rückkehr als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel Wiedergeburt symbolisiert, ist eine herausragende metaphorische Geschichte für das freimaurerische Bild der Initiation. Jesus wird im Freimaurer Orden als Vorläufer eines jeden Bruders betrachtet, denn er ist ja den Weg eines normalen Menschen gegangen. Er wird daher mit dem symbolischen Begriff „Obermeister“ bezeichnet und gilt als ethisch nachahmenswertes Vorbild.

Mit diesem Bild verknüpft ist ein weiterer Aspekt, der typisch für Mysterien und Initiationsbünde ist. So schreibt der Mythenforscher Mircea Eliade: [Da] man im Diesseits, durch das Mysterienerleben,… immer wieder (symbolisch) stirbt, um zu Neuem wiedergeboren zu werden,..[ist] die Unsterblichkeit.. ein Zustand… ,…auf den man sich schon in dieser Welt vorbereitet, ja, an dem man schon jetzt teilhat. Hier bekommt die Akazie, der immergrüne Zweig, den wir aus unseren Ritualen kennen, ihren wegweisenden symbolischen Sinn, der mit der christlichen Symbolik ein gemeinsames Ziel hat.

Die Verwendung von Gebeten im Ritual stellt ein Sicherheit und Vertrauen schenkendes Instrument dar

Lasst uns zum Abschluss noch einen Augenblick beim Thema Gebet verweilen, ein Ritualbestandteil, der bereits in den ältesten Manuskripten verbrieft ist.

Unabhängig von der stärkeren oder schwächeren Zuordnung einer Großloge zu einem bestimmten Gottesbild, stellt die Verwendung von Gebeten im Ritual ein Sicherheit und Vertrauen schenkendes rituelles Instrument dar. Hinzu kommt dass die Kürze und die Wiederholung eines immer gleichen Textes eine„Mantra“ artige Gebetsform aufweist. Die Wiederholung des ach so bekannten Textes führt zur Vertiefung des seelischen Zustands der anwesenden Brüder. Dies ist ein quasi meditativer Vorgang, bei dem die Seele immer aufnahmefähiger wird und das rationale Denken zu diesem Zweck in den Hintergrund tritt.

Das Gebet im Ritual soll zur Verstärkung dieser emotionalen Erlebnisfähigkeit rituell festgeschrieben sein, also nicht ständig variieren.

Theologisch-mythisch betrachtet, wird durch die Bitte um Unterstützung der Dreifach Große Baumeister in den Ritualrahmen integriert. Aus anthropologischer Sicht tragen die Gebete und das Vertrauen in den göttlichen (transzendenten) Schutz dazu bei, potentielle Stressfaktoren weniger bedrohlich erscheinen zu lassen, Übergangssituationen ohne seelischen Schaden zu meistern und die Gemeinschaft in ihrem inneren Zusammenhalt zu stärken.

Zusammenfassung: der Freimaurer Orden verwendet christliche Symbolik, da sie sowieso in uns seelisch verankert ist. Der Dreifach große Baumeister der ganzen Welt wird als Schöpfer und Vater angesprochen und stellt ein freimaurerisches Bild für Gott dar. Die christliche Symbolik greift auf die emotionale Erfahrbarkeit des Bruders zu und gibt Sicherheit und Vertrauen, nimmt die Angst vor dem Tode und gibt hohe ethische Grundregeln vor: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.

Daher beginnt jedes Ritual des Freimaurer Ordens mit den Worten:

Ehre sei Gott,
dem allerhöchsten dreifach großen Baumeister der ganzen Welt

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