credendo vides

Die Wesen

2003©Janine S. I. Wenzel
***

Die Auserwählte

Kapitel 1

„Maggy, aufwachen!“
Das kann nur meine Mutter sein – ihre schrille Stimme ist unverwechselbar.
Es ist Freitag, der letzte Schultag vor den Ferien.
Heute gibt es Zeugnisse.
Ich bin fünfzehn Jahre alt und gehe noch in die neunte Klasse. Ich gehe auf ein Gymnasium und durchlebe die wahrscheinlich schlimmsten Jahre meines Lebens.
Meine Eltern haben sehr häufig Zoff und meine kleine Schwester ist ein kleines großes Monster.
Hobbys habe ich auch: Sich in Büchern vergraben, malen oder zeichnen, im Wald spazieren gehen und Geige spielen.
Meine Eltern kümmern sich wenig um mich, weil meine Schwester Sophie sie viel in Anspruch nimmt.
Die Klassenkameraden halten mich für mehr als merkwürdig, da ich nicht wie sie, das neuste im Radio höre, sondern irische Musik höre oder selber spiele. Ich trage keine Schlaghosen und Tops, sondern abgetragene, meist auf dem Flohmarkt gekaufte Sachen und im Gegensatz zu ihnen, die auf Sport und Englisch stehen, mag ich gerne Zeichnen und Erdkunde. Außerdem hasse ich Leona, das hübscheste, aber auch zickigste Mädchen in unserer Klasse.
Jeder mag sie, nur ich nicht. Sie hat lange, glatte, blonde Haare, ein makelloses Gesicht, strahlende blaue Augen und immer die teuersten Klamotten; einen Freund nach dem anderen und Spitzennoten.
Ich bin wohl das größte Gegenteil von ihr: Langes krauses Haar, das überwiegend rot ist, aber auch schwarz, blond, braun und grau enthält. Schwarze, funkelnde Augen, die sehr gefährlich aussehen können, wenn ich will. Mein Gesicht ist mit Sommersprossen übersäht, noch dazu habe ich eine mittelgroße Narbe an der Schläfe.
Laut meiner Klassenkameraden bin ich potthässlich – laut meiner Mutter bin ich wunderschön, nur die Narbe störte ein wenig.
Ich bin sehr unbeliebt.
Außer meinem Schäferhund „Max“, habe ich eigentlich kaum Freunde.
Wir wohnen in New Orleans – und ich habe nicht die geringste Lust aufzustehen.
Doch was sein muss, muss sein. Ich erhebe mich langsam und bewege mich ins Badezimmer. Als ich gewaschen, gekämmt und angezogen in der Küche auftauche, werde ich mit einem müdem „Guten Morgen“ begrüßt, von meiner Mutter auf einen Stuhl geschoben und von meiner Schwester böse angeguckt.
Was ich ihr wohl wieder getan habe?
Im Fernsehen wird gerade die Lottoshow angekündigt. Meine Mutter sprintet ins Wohnzimmer um ihren Schein zu holen. Sie spielt schon seit fünf Jahren Lotto und hat noch nie mehr als 100 Dollar gewonnen.
Wann gibt sie es endlich auf?
O.K. sie gewinnt sowieso nichts.
Also, was soll ich hier? Es ist auch schon spät. Vielleicht sollte ich lieber losgehen. Sophie ist schon weg, dann geh ich auch mal.

In der Schule habe ich heute sehr viel gelernt:
Beim Frühstück, dass ich die einzige bin die Erdnussbutter mit Käse mag, beim Musikunterricht, dass ich keinen einzigen Ton richtig treffe und bei der Zeugnisausgabe, dass ich nicht sitzen bleibe!!!
Ich habe zwei Einsen, sechs Zweien, drei Dreien und zwei Vieren. Einen Durchschnitt von 2,36. Mein bestes Zeugnis in den letzten drei Jahren.
Leona hat natürlich überall Einsen. Die dumme Kuh kotzt mich echt an.
Nachdem ich die drei letzten Schulstunden in der neunten Klasse überstanden habe, trotte ich nach Hause.
Dort erlebte ich eine große Überraschung: Meine Mutter ist zu Hause. Eigentlich arbeitet sie um diese Zeit.
Doch ihre Erklärung ist um noch einiges überraschender. Sie hat im Lotto gewonnen!
Fünf richtige!
Insgesamt 2,75 Millionen Dollar!
Dad, Ma, Sophie und ich sind so überrascht, dass wir erst Stunden später merken, dass uns die Welt jetzt offen steht. Ma und Dad können endlich ihre Schulden bezahlen und haben schlagartig kein Streitthema mehr.
Unsere Familie hat außerdem beschlossen nach Irland zu ziehen. Wir waren schon dreimal dort im Urlaub und wären da am liebsten nicht mehr weggegangen.
Sophie stellte sich ein bisschen quer, schließlich hatte sie Freunde hier, doch als meine Eltern meinten, sie könne hier ja auf ein Internat gehen – war sie auf einmal sehr für das Irlandprojekt begeistert.
„Es gibt ja auch Briefe. Dann schreibe ich meinen Freunden eben.“
Was ist so schlimm daran in ein Internat zu gehen? Ich meine das wären doch fast nur Vorteile!
1. Sie müsste nicht mit anpacken alles in Kartons zu packen, sie bleibt ja hier.
2. Sie würde mich nicht mehr mit ihrer Anwesenheit stören und
3. müssten sich nicht alle Familienangehörige anhören wie scheiße ihr Leben ist.
Ja, wir sind mitten in den Vorbereitungen. Was man alles machen muss, wenn man in ein anderes Land ziehen will.
Ich bin ja so aufgeregt!
In Irland habe ich mich schon immer wohler gefühlt als in Amerika, und ich habe sehr oft davon geträumt dort zu leben. Aber wenn es dann soweit ist, dann ist alles anders.

„Maggy, wo hast du die Koffer mit den Klamotten hingebracht?“ – Das ist mein Vater.
Er arbeitet an einem Buch für Archäologie und ist Professor an einer Universität.
Seinen Job gab er nur ungern auf, doch als seine Bewerbungen an der Universität in Galway angenommen wurde, hat er seinen Verlust schon fast wieder vergessen. Galway hat immerhin die zweitbeste Universität in Irland.
Die einzige Bedingung ist, dass er in spätestens sechs Wochen anfangen muss.
„In der Abstellkammer, rechts hinter dem Schrank!“ Ich hatte die Koffer vor drei Stunden dort hingestellt.
„Danke Schatz! Weißt du vielleicht auch wo deine Mutter ist? Ich habe das ganze Haus durchsucht!“
Meine sehr schlaue Antwort darauf war: „Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube sie hat vorhin gesagt sie macht in der Stadt noch ein paar wichtige Erledigungen!“
„Gut dann rufe ich sie jetzt auf Handy an, kennst du die Nummer?“ Das war eine intelligente Frage von Dad, er müsste eigentlich wissen, das ich davon keine Ahnung habe, nebenbei interessiert mich das auch nicht.
Deshalb antworte ich: „Nein, aber Sophie müsste sie kennen!“
„Die ist bei Alisha und kommt erst um 20:00 Uhr nach Hause!“ – Unglaublich, in ihrem Alter musste ich um Punkt 18:00 Uhr zu Hause sein!
„Dann steht sie im Adressbuch!“, antworte ich darauf. „Sicher?“ Warum glaubt mir mein Vater nicht? Lüge ich so viel?
Wir hören unsere Haustür. Ma ist wieder da.
„Franziska! Wo warst du? Hast du an unsere Hemden gedacht?“ Das war also das Problem! Er wollte Ma sagen das sie an diese coolen Holzfällerhemden denken soll.
„Ich war in der Stadt um neues, vollständiges Geschirr zukaufen. Ja ich habe auch an die Hemden gedacht, und weil Sophie die niemals anziehen würde, habe ich ihr noch ein paar schicke Sweatshirts gekauft.
Maggy, du hast jetzt zwei blaue, zwei grüne und zwei rote in Größe XXL, ist das in Ordnung? Und die Hans, dir habe ich die gleichen Hemden in Größe XL gekauft, O.K.?“
Das ist meine Mutter!
Sie kennt meinen Geschmack in und auswendig – im Gegensatz zum Rest meiner Familie.
Die kaufen mir nämlich alles viel zu klein für meinen Geschmack!!
Ich liebe Sachen die viel zu groß sind, vier oder fünf Größen. Mein Dad versteht das nicht und meine Schwester hält mich für nicht ganz dicht.
Was Klamotten angeht bin ich die Sparsamste in der Familie. Entweder ich trage die Klamotten von meinen Kusinen weiter, kaufe die Sachen auf den Flohmarkt oder Ma kauft die Kleidung, aber in XXL oder in XL. Dad kommt damit nicht klar, weil die Sachen sogar ihm zu groß sind.
Meine Ma ist ein Schatz, auch wenn sie sehr temperamentvoll ist.
Sie hat im Supermarkt als Kassiererin gearbeitet, den Job aber sofort aufgegeben, als sie in Lotto gewonnen hatte. Gestern hat sie hat im Internet geguckt, wie viel ungefähr ein Häuschen in Irland kostet. Wir wollen natürlich in die Ecke von Galway ziehen, weil da Dad arbeitet.
Ma hat ein Haus in Salthill, einem Dorf nahe Galway, gefunden. Es ist zwar total alt, aber wunderschön, sogar Sophie hat es gefallen.
Telefonisch haben wir gleich einen Termin gemacht, um es uns anzusehen, dann hat Ma noch vier Tickets „First Class“ gebucht.
Die Flüge gehen nächste Woche Donnerstag. Wir haben also nicht mehr viel Zeit alles zu packen. Und was macht Sophie? Sie hat nichts besseres zu tun, als sich mit ihren Freunden zu treffen und einen ganzen Tag Abschied zu feiern.
Da fällt mir ein ich muss Ma noch was fragen!…
„Ma, was ist eigentlich mit Max? Den nehmen wir doch mit, oder?“
„Klar, Maggyspatz! Er muss allerdings erst sechs Wochen unter Quarantäne. Dann kann er zu uns!“
„Was? Er muss unter Quarantäne? Er ist doch vollkommen gesund!“
„Ich weiß das, du weißt das, doch der Staat weiß es nicht. Es ist nicht schlimm für Max!“ Sehr witzig ich sehe meinen Hund Max, meinen einzigen Freund, sechs Wochen nicht. Es ist zum heulen. Ma nimmt mich in den Arm und tröstet mich, doch was bringt es?
Ma und Dad haben mir Max vor drei Jahren geschenkt, damals war er sieben Wochen alt. Er war der süßeste Hund der Welt und das ist er heute noch.
Im Moment liegt Max auf seiner Decke und schläft. Er sieht so süß aus! Was soll ich machen? Ich kann nichts machen! Das ist die bittere Wahrheit.

Kapitel 2

Wir stehen jetzt am Flughafen von New Orleans. Max kommt in sechs Wochen nach. Unsere Kleiderkoffer sind bereits sicher im Bauch unserer Maschine. Wir haben insgesamt sieben Kleiderkoffer. Außer Kleidung ist da natürlich auch Waschzeug und ein wenig Essen drin.
Der Rest unserer Sachen ist gestern mit einem Schiff losgefahren. Das Zeug kommt in drei Wochen an.
Solange wohnen wir in Hotels und sehen uns Häuser an. Unser Auto haben wir verkauft, wir haben noch 3500 Dollar dafür bekommen. In Irland kaufen wir ein neues Auto. Da wir gehört haben, das die Straßen dort sehr schlecht sind, wollen wir uns einen Geländewagen kaufen. Wir können es uns ja jetzt leisten. Unser Haus wird von unserem Exvermieter bereits weiter vermietet.

Die gesamte Clique von Sophie ist gekommen um sich von ihr zu verabschieden.
Oh mein Gott!
Die können doch mitkommen, wenn sie Sophie nicht alleine lassen können.
Klar das geht nicht, aber besuchen können sie sich doch!!
Haa! Unser Flug wird angemeldet. Wir sollen uns auf den Platz begeben.
Unser Flugzeug ist grau mit blauen Streifen. Wir gehen jetzt die Stufen der Gangway rauf. Wir müssen im vorderen Teil des Flugzeuges bleiben, weil dort in der 1. Klasse unsere Plätze sind.
Da der Gang sehr schmal ist, müssen wir hintereinander gehen. Sophie und ich sitzen am Fenster, Ma und Dad neben uns. Die First Claas ist echt toll. Ich bin nicht so eingequetscht wie sonst und kann mich richtig ausbreiten. Unsere Abteilung hat sogar eine eigene Toilette.
Jetzt kommt gerade die Stewardess und fragt was wir essen wollen, auch total anders, normalerweise bekommt jeder das gleiche und basta.
„Guten Tag, die Damen und der Herr. Was wünschen sie zu essen?“ – Meine Güte sagt die das förmlich! Wir sind doch keine Könige, oder so was – Mein Vater antwortet: „Lachsfilet mit Kartoffeln und Salat und ein süßen Roten.“
„Und für mich bitte den großen Französischen Salat und Tomatencremesuppe,“ – Seit wann isst meine Mutter Suppe? – „und den trockenen Weißen!“
„Ich möchte einen großen Burger mit viel Ketchup, ja??“
Das war klar, dass meine Schwester Fast Food haben will, doch da ist sie hier falsch!
„Tut mir leid, aber Burger haben wir nicht!“
Hab ich es mir doch gedacht, jetzt kommt die große Szene von Sophie: „Was??? Sie haben keine Burger? Was ist das denn für ein Saftladen?! Ich…“
„Sophie! Benimm dich! Wo hast du den diese Ausdrücke her?“ Weiß Ma immer noch nicht, dass wir in der Neuzeit leben und diese Ausdrücke geradezu in der Schule lernen?? „Na gut, dann nehme ich eben das Jägerschnitzel mit Kartoffelcrossies. Das haben sie doch, oder? Und eine große Cola.“ Sophie scheint klein beigegeben zu haben.
Nun bin ich dran.
Was nehme ich nur?
Ah, ich weiß!
„Und Sie?“ Die Stewardess wird anscheinend ungeduldig.
„Ich möchte bitte Schweinemedaillons mit Kräutersoße und Kartoffeln. Und dazu ein Mineralwasser.“
Meine Mutter guckt mich ungläubig an und fragt: „Seit wann isst du Schweinemedaillons mit Kräutersoße und Kartoffeln?“ „Seit ich die bei Holly gegessen habe“, war meine, ein wenig freche Antwort darauf.
Holly ist einer meiner wenigen Freundinnen, die aber vor drei Monaten nach Kanada gezogen ist. Da fällt mir ein der sollte ich mal schreiben oder sie anrufen.

Unser Flug war ganz schön lang und ganz schön kompliziert. Erst sind wir von New Orleans nach New York geflogen (6 Stunden). Dort haben wir 1,5 Stunden Pause gemacht. Dann sind wir nach Shannon geflogen (8 Stunden). Haben da dann 1 Stunden pausiert und sind danach innerhalb einer halben Stunde bis Galway geflogen.
Nun sind wir hier und suchen uns ein Auto aus.
Wir können uns zwischen zwei Autos nicht entscheiden: Land Rover und Rover Discovery.
Wir haben uns jetzt doch entschieden, weil das Geschäft zumachen will.
Wir haben einen dunkelblauen Land Rover gekauft. Der Geschäftsführer war ganz aus dem Häuschen. Er meinte, dass er noch nie erlebt habe, dass alles auf einmal in bar bezahlt wurde.
Wir suchen jetzt eine Bleibe für die Nacht.

Ich liege in einem gemütlichen Bett in einem kleinen Hotel in Galway. Es ist 8:00 Uhr morgens. Um 9:00 Uhr gibt es Frühstück.
Ich höre meine Schwester im Nebenzimmer.
Sie steht gerade auf, ihr Bett quietscht gewaltig.
Ich sollte mich auch mal anziehen. Was trage ich heute? Genau – mein selbstgebatiktes T-Shirt, meine Latzhose, meinen Schlapphut und ein Holzfällerhemd.
Im Bad treffe ich Sophie, sie hat ihre dunkelblaue Schlaghose, mit dem ausgefransten Hosenbein und ihr knallrotes, enges, bauchfreies Top an.
Darüber wird sie wahrscheinlich ihre Jeansjacke tragen.
Wir beide putzen die Zähne und gehen in den Speisesaal. Ma und Dad warten schon.
Es gibt Brötchen mit Marmelade, Käse, Wurst, und Erdnussbutter. Ratet mal was ich gegessen habe!
Klar, Käse mit Erdnussbutter, und zwar zwei Brötchen. Meine Schwester hat nur die Stirn gerunzelt.
Nach dem Frühstück sind wir gleich losgefahren um uns das Haus anzusehen.
Wir fahren 15 Minuten bis Salthill.
Das Haus finden wir leicht.
Es liegt ein bisschen außerhalb.
Die Besitzerin steht schon am Gatter.
Sie hat grauweißes Haar, ein faltiges, aber strahlendes Gesicht. Ich schätze sie Ende fünfzig, Anfang sechzig.
Mir ist aufgefallen, dass fast alle Iren freundlich lächeln, und nicht miesmuffig die Weltgeschichte durchwandeln. –
Die Frau heißt Mrs. Farlow und wohnt, weil das Haus für sie alleine zu groß ist, in einer kleinen Wohnung in Dublin. Sie geht jetzt zur Haustür und schließt auf.
Zu Dad meint sie: „Ich mach jetzt ein paar Besorgungen im Dorf, wenn ich wieder da bin, werden sie wahrscheinlich soweit sein, zu wissen ob sie es nehmen. Ich lass´ ihnen den Schlüssel hier.“
„O.K., wir sehen uns.“ Das war Dads Antwort. Das Haus sieht noch besser aus als auf dem Foto. Der Garten ist riesig groß. Und wie es aussieht hat das Haus zwei bis drei Stockwerke.
Wir gehen in das Haus.
Als erstes betreten wir eine relativ große Halle mit einer Treppe in der Mitte.
Die Treppe ist aus Holz und schwingt breit aus.
An den Seiten, also an den Wänden, sind mehrere Türen.
Wir betreten einen Raum nach den anderen. Im ersten ist eine sehr große Küche. Alles ist aus Holz, was aus Holz sein kann. Die Küche hat auch einen großen Kamin.
Der nächste Raum ist ein Badezimmer. Es ist ziemlich groß. In die Dusche hätten wir vier mühelos gepasst, ohne Platzangst bekommen zu müssen. Die Farben hier sind blau und gelb, es stehen mehrere Vasen mit Sonnenblumen herum. Der Toilettendeckel ist mit einer Sonnenblume bemalt.
Am besten gefällt mir der Raum der danach kommt. Er ist mittelgroß und voller Musikinstrumente. Hauptsächlich Geigen, aber auch Flöten, Trommeln, Gitarren und Liederbücher. Die Geigen gibt es wirklich in allen Größen. Welche, die wohl für Zweimetermenschen gebaut wurden, und welche für Barbiepuppen. Ich habe gleich eine Geige für meine Größe genommen, und ein Liedchen gespielt.
Meine Schwester hat sich die Ohren zugehalten und ist rausgegangen.
Meine Mutter sagt spontan: „ Wenn wir dieses Haus nehmen schenke ich dir dieses Zimmer.“
„Das wäre echt cool, Ma! Danke!!“
Wir folgen Sophie. Sie ist schon im nächsten Raum. Der Raum ist klein, aber sehr elegant ausgestattet. Die Gardinen sind aus Seide. Der Stoff ist hellblau. Die Couch ist aus mittelblauen Leder. Die beiden Sessel auch. Der kleine Tisch aus dunklem Buchenholz. Ansonsten sind noch zwei hohe, aber schmale, Regale im Zimmer. Sie sind voll mit Büchern, Figuren und Kerzen. Dieser Raum scheint gebaut worden sein, damit man sich mal ausruhen kann.
So, nun kommt der letzte Raum im Erdgeschoss. Die Tür ist größer als die übrigen. Wir öffnen die Tür und fallen fast vornüber vor Überraschung.
Der Raum ist voller Regale und Schränke, die mit Büchern geradezu vollgestopft sind. Man hat kaum Platz sich zu bewegen, so voll ist das Zimmer.
Wenn ich die Bücher alle Lesen würde, wäre ich in hundert Jahren noch nicht fertig. Ich glaube, dass wir hier die meiste Zeit verbracht haben. Dad will hier erst raus, wenn er ein bestimmtes Buch findet. Ma sagt dazu nur: „Lasst uns schon mal weiter gehen Kinder, wer weiß wie lange der noch braucht.“
So gehen wir weiter. Bevor wir uns weitere Zimmer ansehen können, müssen wir drei die Treppe erklimmen. Als wir oben sind, können wir uns nicht entscheiden welche Tür wir zuerst öffnen wollen. Ich sage spontan: „Lasst uns rechtsrum gehen. Es wird so oder so jede Tür geöffnet.“
„Okay! So machen wir das!“
Ist meine Schwester krank? Hat sie Fieber?? Seit wann nimmt sie meine Vorschläge an? Ma öffnet die erste Tür.
Uns kommt ein Hauch von Rosa entgegen. In diesem Zimmer ist wirklich alles Rosa. Die Gardinen, der Teppich, das Himmelbett, die Wände und die Möbel. Es ist eindeutig, dass es ein Schlafzimmer ist. Sophie springt aufs Bett und ruft: „Das ist mein Zimmer!“
„Nicht so hastig,“ lacht Ma, „ wir sehen uns erst mal die anderen Zimmer an.“ Ma, Sophie und ich gehen weiter. Das nächste Zimmer ist wieder ein Badezimmer, und was für ein Badezimmer! Alles voller kunstvoll bemalter Fliesen. Die Badewanne ist bestimmt 3 mal 3 Meter. Und die beiden Waschbecken sind zusammen bestimmt fast so groß wie eine normale Badewanne. Der Toilettendeckel scheint vergoldet zu sein und der Spiegel ist in einen silbernen Rahmen befestigt.
Es kommen noch drei Räume dann sind wir drei mit der Besichtigung fertig. Von unten kommt ein lauter Aufschrei der sich nach: „Na endlich!“, anhört. Das ist bestimmt Dad. Er wird das Buch gefunden haben. Er kommt die Treppen hochgestürzt. Atemlos bleibt er vor uns stehen und fängt an zu erzählen. „Fransiska! Sophie! Maggy! Seht her! Das Buch was ich gesucht habe ist noch von der ersten Auflage! Es ist über hundert Jahre alt. Viele Bücher sind so alt. Maggy, du lernst doch Latein! Da sind bestimmt über zweihundert Bücher die in Latein geschrieben sind. Sophie du lernst Französisch! Es gibt genug Bücher, mit denen du lernen kannst! Franziska…“
„Nun beruhig dich erst mal! Du willst uns also sagen, dass wir uns die anderen Räume gar nicht ansehen müssen, sondern auf jeden Fall das Haus nehmen?“
…Stille,… dann sagt Dad: „Schon, aber das Haus wird irre teuer sein mit den ganzen Büchern und den Möbeln. Mindestens 1,5 Millionen Dollar.“
Ma stockt ein bisschen als sie antwortet, trotzdem zeigt ihre Stimme eine gewisse Festigkeit: „Das mag wohl sein, doch haben wir uns nicht auf so etwas in der Art eingestellt? Lass uns doch erst mal abwarten, welchen Preis sich Mrs. Farlow gedacht hat.“
„Wie du meinst! Doch was machen wir, wenn sie an noch mehr Geld gedacht hat? Ich meine, gerechtfertigt wäre es.“ Dad ist echt stur! Warum wartet er es nicht ab? Kein Wunder, dass Ma nur noch sagt: „Warten wir es ab!!“
Die nächsten Zimmer guckt sich Dad mit an. Keiner sagt was. Niemand. Eines der Zimmer hat ein Doppelbett mit einem großen Kleiderschrank. Ich denke das Zimmer werden Ma und Dad nehmen.
Das vorletzte Zimmer ist wunderschön, wenn ich darf, nehme ich es als Schlafzimmer. Es ist in hellblau und weiß gehalten, das Bett ist sehr breit, fast so breit wie lang. Der Kleiderschrank ist weiß.
Das letzte Zimmer wird bestimmt als Gästezimmer benutzt werden. Es hat zwei Betten, zwei Kleiderschränke und noch genug Platz um weitere Luftmatratzen auf den Fußboden zu legen.
Ein Auto fährt vor. Das wird Mrs. Farlow sein. Dad geht raus, wir folgen ihm. Dad fängt an zu reden: „Da sind sie ja, Mrs. Farlow! Wir haben schon auf sie gewartet!“ „Das ist ja schön Mr. Brown. Wie haben sie sich entschieden?“
„Nun ja. Wir haben schon Interesse, würden sie uns vielleicht den Preis verraten?“
„Selbstverständlich! Ich dachte an 600.000 Dollar!“ Ma und Dad erstarren.
„Mit Möbeln, Musikinstrumenten und Büchern?“
„Natürlich! Oder glauben Sie die will ich alle rausschleppen? Wohin soll ich mit dem Kram?“
Dad scheint es immer noch nicht zu glauben. Nach einer Weile schielt er zu Ma. Ma schielt zurück. Ma und Dad gucken Sophie und mich an. „Haben Sie uns irgendetwas über dieses Haus verschwiegen? Dass es hier spukt oder dass sich hier ein Mädchen mal das Leben genommen hat?“
„Wie kommen sie darauf?“ Die Frau ist sichtlich entsetzt. Nun ist alles klar, das Haus gehört uns.

Kapitel 3

Wir wohnen hier jetzt schon eine Woche. Doch bevor wir hier eingezogen sind, hatten wir noch drei Wochen Erkundigungs-Ausflüge gemacht. Wir waren in Dublin, Cork, Shannon, Waterford, Wexford, Sligo, Letterkenny und Killarney. Man kann fast sagen wir waren überall in Irland, nur nicht im Norden Irlands. Dort herrschen nämlich Bürgerkriege. Ma sagt, wenn es dort ruhiger wird, fahren wir auch mal dorthin. Unsere Sachen sind zwei Tage eher gekommen als geplant. Da gute Möbel bereits im Haus sind, haben wir unsere alten verkauft.
Es ist unglaublich, da haben wir in Lotto gewonnen und machen noch mehr Gewinn, indem wir unser Auto und unsere Möbel verkaufen.
Ich habe mein Zimmer bereits fertig gestaltet. Auf dem Nachtschränkchen befinden sich jetzt eine Lampe, das Buch, das ich gerade lese und mzum Glücksbringer, ein Elefant aus Jade. Mein Kleiderschrank aus Buche, weiß gestrichen, ist voll mit meinen Klamotten. Das Regal ist mit meinen Lieblingsbüchern, der Musikanlage, Kobold-, und Feenfiguren und Kerzen vollgestopft. Ich habe auch eine Vitrine, wo ich meine Edelsteinsammlung, Elefanten-sammlung, Münzen und mein Porzellan aufhebe.
Auf dem Holzfußboden liegt jetzt mein Flickenteppich, den wollte Ma schon wegwerfen. Zum Glück hat Dad sie überrascht, als sie zur Mülltonne ging. Er hatte sie gefragt ob ich damit einverstanden wäre, als Ma darauf nicht antwortete, meinte Dad nur noch, dass er mich an ihrer Stelle fragen würde. Das tat Ma auch. Ich riss ihr nur den Teppich aus der Hand und lief in mein Zimmer. Ma kann zwar der liebste Schatz sein, wenn sie will, aber auch ziemlich fies sein. Erst wollte ich ihr nicht verzeihen, doch als sie zu mir ins Zimmer, kam um sich zu entschuldigen und mir einen wunderschönen, glatt geschliffenen Edelstein geschenkt hat, hatte ich meinen Zorn fast schon wieder vergessen.
Meine Wand habe ich mit Fischen, Walen, Delphinen, Kraken und Unterwasserpflanzen bemalt.

Sophie hat sich irgendwie verändert. Vielleicht liegt es daran das Alisha, Fiona, Sally, Mia und Barbette nicht auf ihre Briefe, Sms und Anrufe antworten. Bei Sally hat sie jetzt schon fünf mal auf den Anrufbeantworter gesprochen, unbeantwortet. Mia hat sie zwei Briefe geschrieben, keiner kam zurück. Und Barbette hatte sie drei Sms geschrieben. Es ist unglaublich. Sie war angeblich so beliebt, doch es scheint sie keiner zu vermissen. Ein bisschen tut sie mir leid.
Sophie hat ihr Zimmer kaum verändert. Wenn man von den vollgepackten Schränken, dem bezogenem Bett und der frisch rosa angestrichenen Wand absieht ist, alles noch wie vorher. Sophie ist oft in ihrem Zimmer und hört Musik. Seit neustem leiht sie sich von mir Irische CDs aus und hört sie Stunden lang. Allmählich mache ich mir echt Sorgen um sie. Früher hat sie meine Musik verachtet, in letzter Zeit fragt sie mich öfter, ob ich ihr was auf der Geige vorspielen kann. Ich hoffe wirklich, dass sie nicht krank wird.
„Welche Krankheit soll das sein?“, hat Ma mich gefragt, als wir darüber gesprochen haben. Ich weihte meine Mutter in meine Befürchtungen ein.
„Vielleicht wird sie depressiv, weil sie niemand zu vermissen scheint? Oder ihr hat jemand etwas angetan und sie kann oder will nicht darüber reden?!“
„Das kann sein. Doch ich glaube eher sie wird erwachsener und versucht dich mehr zu verstehen. Und vielleicht hat sie es bereits. Du vergräbst dich schließlich auch mehrere Stunden am Tag und liest, spielst Geige oder hörst Musik.“
Da kann Ma ja recht haben, aber was ist wenn ihr wirklich etwas schlimmes passiert ist? Was mach ich mir für Sorgen? Es wird sich schon herausstellen was los ist.

Gleich gibt es Abendbrot. Das ganze Haus riecht schon nach Hähnchen mit Kartoffeln. Ma ruft, wir sollen in die Küche kommen. Ich habe riesigen Hunger.
Als alle am Tisch sitzen und etwas auf ihren Tellern haben, fängt Ma an: „Ich habe eine wichtige Frage mit euch zu klären! Was machen wir mit dem übrigen Geld?“
„Wie viel haben wir eigentlich noch?“, ist Dads Frage.
„Ungefähr 1,6 Millionen Dollar. Wollen wir es an Verwandte verschenken?“
Ma hat Ideen! Was machen wir wenn Dad seinen Job verliert? Oder er stirbt? Wie überleben wir dann? Sollen wir dann unser Haus verkaufen? Ich höre mich sagen: „Warum legen wir es nicht an? Für alle Fälle! Als Reserve.“
„Das wollte ich auch vorschlagen!“, schloss sich Sophie mir an.
„Aber Jane hat Geldprobleme!“
Das war wieder Ma. Was sie nur mit ihren Verwandten hat. Die sind alle in Amerika.
Dad meint: „Du kannst ihr ja Geld leihen. Mir ist egal was ihr mit dem Geld macht. Ich bin wunschlos glücklich.“ Ma scheint es aufgegeben zu haben mit ihren Verwandten, denn sie sagt lachend: „Ich bin dann ja wohl eindeutig überstimmt. Dann legen wir das Geld eben an.“
Damit ist das Thema wohl erledigt.
Wir essen alle still unsere Hähnchenkeulen. Als mein Knochen kaum noch Fleisch hat, fragt Sophie mich: „Ma hat dir doch das Musikzimmer geschenkt, oder?“
„Ja, klar hat sie das, wieso?“
„Es sind doch auch Gitarren drin, oder?“
„Ja!“
Worauf will sie hinaus?
„Kann ich vielleicht eine haben? Du spielst doch sowieso nicht, also brauchst du sie auch nicht?!! Oder doch?“
„Nein. Aber wozu brauchst du sie?“
Wohin soll dieses Gespräch führen?
„Ich möchte wieder spielen. Doch dazu brauche ich eine Gitarre. Wir können dann ja vielleicht mal zusammen spielen.“
Ich entsinne mich. Sophie hatte vor drei Jahren Gitarrenunterricht bekommen, hat es aber vor einem Jahr wieder aufgegeben. Ich bin jetzt echt verwundert. Ich hätte niemals gedacht, dass sie wieder anfängt.
Bei so einer tollen Idee kann ich natürlich nicht nein sagen, deshalb antworte ich: „Ja, klar. In den Liederbüchern sind ganz tolle Irische Lieder drin. Die können wir ja vielleicht einstudieren.“
Sophie ist eindeutig begeistert. Ma und Dad schmunzeln, sagen aber nichts.

Dad muss jetzt anfangen zu arbeiten und unsere Ferien sind in einer Woche auch wieder zu Ende. Sophie und ich werden aufs Gymnasium in Galway gehen. Wir sind schon angemeldet. Dad will gerade die Haustür aufmachen – wir haben uns übrigens schon gut eingelebt – als er sich noch einmal umdreht und mich, weil ich gerade in der Nähe stehe, fragt: „Weißt du zufällig, wo meine Federtasche abgeblieben ist? Ich habe sie ganz sicher in meine Aktentasche getan, bevor ich die in den Karton gepackt habe, doch da finde ich sie nicht!“
„Vielleicht hat die Tasche ein Loch und die Federtasche ist rausgefallen.“
Was für ein Mist habe ich jetzt schon wieder von mir gegeben? So ein großes Loch würde doch auffallen. Dad scheint meine Gedanken zu lesen, denn er sagt: „So ein großes Loch hätte ich doch bemerkt!“
„Dann kann ich dir auch nicht helfen!“ Mehr, fällt mir dazu auch nicht ein. Dad ist nicht der einzige, der etwas vermisst, mir fehlen ein paar Socken, meine Lieblingssocken, und die kleinste Geige der Sammlung. Ich erinnere mich nicht, sie irgendwo anders hingelegt zu haben. Außer mir hat auch niemand anderes den Schlüssel zu diesen Raum. Oder doch? Oder spukt es hier doch und Mrs. Farlow hat uns angelogen. Wer weiß!?
Sophie hat mir anvertraut, dass auch sie etwas vermisst. Ein paar Murmeln ihrer Sammlung. Das ist schon alles ein wenig merkwürdig.

Max ist eben wieder gekommen. Dad hat ihn geholt. Er ist noch ein wenig verwirrt, das hier ist ja nicht nur ein neues Haus, sondern auch ein neues Land.

Pieppiep! Pieppiep!… Ich hasse Wecker. Warum müssen die eigentlich so einen bescheuerten Klingelton haben? Es ist sieben Uhr morgens, erster Schultag in Irland und ich bin superdoll aufgeregt. Ich springe aus dem Himmelbett und singe „Whiskey in the jar“, während ich ins Badezimmer stürze. Ich hüpfe unter die Dusche. Das Wasser ist sehr kalt. Das warme Wasser wird erst um 8 Uhr angeschaltet. Das ist aber gar nicht so schlecht, so werde ich immerhin richtig wach. Nach dem Duschgang putze ich Zähne und ziehe mich an. Heute ist das olivgrüne Trägerkleid dran. Es ist warm und es regnet nicht, also warum nicht. Als ich mit anziehen fertig bin, gehe ich runter in die Küche um Frühstück zu machen, doch vorher wecke ich Sophie und Dad. Ma kann ja noch ein bisschen länger schlafen. Dad torkelt in das Badezimmer im Obergeschoss, Sophie in das, in dem ich auch war. Ich muss Kaffee für Dad kochen. Sophie möchte bestimmt Kakao trinken. Ich nehme Orangensaft. Dann sollten Marmelade, Käse, Wurst und Erdnussbutter auf den Tisch kommen. Toast in den Toaster, fertig. So einfach geht das.
Beim Schulbus komme ich mir dann doch ein bisschen verloren vor. Schließlich kenne ich niemanden. Jeder hat jemanden mit dem er schwatzen kann nur ich nicht. Meine Schwester hat sich verzogen. Wo steckt sie? Da ist sie und sie quatscht schon mit einem anderen Mädchen.
Jetzt kommt ein Mädchen auf mich zu. Es spricht mich an: „Hallo! Du bist auch neu, oder?“
Ich nicke stumm. Ich glaube ich bin ein bisschen verlegen. Doch das Mädchen spricht, ohne darauf zu achten weiter: „Ich bin auch neu. Ich heiße Lissy Smith. Und du?“
Nun muss ich wohl doch antworten. „Ich heiße Mag Brown. Werde aber immer Maggy genannt. Kommst du auch in die zehnte?“
„Ja. Ich habe ein bisschen Angst.“
„Warum?“ Ich bin jetzt doch neugierig.
„Ich bin von Dungannon bei Belfast hier hergezogen. Ich kenne hier wirklich niemanden, außer dich. Außerdem habe ich Angst, dass ich in der Schule nicht mitkomme. Weißt du, ich bin Vollweise und reise von einer Pflegefamilie zur anderen. Zur Zeit lebe ich bei Tierarzt Dr. Grewer. Der ist eigentlich ganz nett, aber er verlangt das ich mich in der Schule anstrenge. Ich bin oft alleine und wünsche mir häufig eine Schwester oder einen Bruder.“
Am liebsten würde ich ihr jetzt meine Schwester anbieten, doch ich glaube das käme ein bisschen unpassend.
„Ich bin auch ganz neu, nur dass ich auch noch Ausländer bin. Ich komme aus Amerika. Ich kenne also auch niemanden, außer dich!!“
Lissy lächelt ein bisschen erleichtert. Wir sind ja jetzt zu zweit.
Der Bus ist noch ganz leer, als er bei uns ankommt. Wir sind anscheinend die erste Haltestelle. Im Bus sitzen Lissy und ich nebeneinander. Wir unterhalten uns über die Fächer, die wie mögen und die wir hassen.
Wir stellen fest, dass wir beide Erdnussbutter mit Käse total gerne mögen, dass wir beide Erdkunde und Zeichnen lieben und uns nur die Klamotten kaufen, die uns gefallen bzw. die wir bequem finden. Lissy erzählt mir gerade: „Du kommst aus Amerika, deshalb bezweifle ich, dass du weißt, dass wir Iren alles wesentlich lockerer nehmen. Aussehen, Benehmen und Geschmack sind uns relativ egal, wir achten eher auf die inneren Werte, und deine scheinen in Ordnung zu sein.“
In der Schule gehen wir beide zusammen zum Direktor, Mr. Wittert. Er erzählt uns, wo unsere Klasse ist, welche Klassenlehrerin wir haben und wie die Schulordnung lautet. Nachdem wir bei ihm waren, gehen wir in unsere Klasse. Mrs. Marsh hat uns freundlich aufgenommen. Der Rest der Klasse übrigens auch, was ich echt nicht gedacht hätte. In meiner alten Klasse wäre das nicht passiert, es sei denn ich hätte gleich geklärt, dass ich voll „in“ bin. Lissy hat wahrscheinlich Recht. Hier sind sie viel lockerer. Man muss sie sich nur ansehen, einige laufen schlimmer rum als ich sonst.
Da Lissy und ich beide neu sind, sollen wir neben einander sitzen. Während der ersten Stunden merke ich, dass ich mit dem Stoff nicht nachhinken werde. Lissy scheint sich in dem Bereich auch keine Sorgen mehr zu machen.
Lissy ist total nett, sie redet nur ein bisschen viel. In der Pause haben wir uns einen kleinen Tisch ergattert. Wir quatschen die ganze Zeit bis zum nächsten Klingeln. „Wollen wir uns heute Nachmittag vielleicht treffen? Ich würde dich gerne in mein Geheimnis einweihen, natürlich nur, wenn du verspricht nichts weiter zu verraten!“
Warum spricht sie in Rätseln?
„Ja klar! Und ich schwöre bei der Ehre meiner Urgroßmutter, dass ich nichts sagen werde.“
Was für ein lächerlicher Spruch. Natürlich werde ich nichts weitersagen.
Aber der Spruch ist trotzdem billig.

Als ich zu Hause ankomme, merke ich, dass etwas nicht stimmt. Ma kommt zu mir und meint: „Setz dich erst mal.“ Es muss etwas Furchtbares passiert sein. Vielleicht ist jemand gestorben?
Dad kommt zu mir, langsam fängt er an zu sprechen: „Maggy hier wurde eingebrochen.“
Ich kann es nicht fassen. Ich bin entsetzt, ich kann nur ein paar Fragen hervorwürgen.
„Aber wer? Was wurde denn gestohlen? Weiß die Polizei Bescheid?“ Dad lächelt ein wenig, doch als er antwortet, wird er wieder ernst. „Wir haben keine Ahnung wer es war, es sind auch keine Spuren vom Aufbrechen der Tür oder eines Fensters. Wir wollten erst mit dir reden, bevor wir die Polizei alarmieren. Du bist nämlich auch betroffen. In deinem Musikzimmer fehlen zwei kleine Geigen, eine kleine Flöte und eine Minigitarre. Mir wurde das Buch geklaut, welches ich am ersten Tag in der Bücherei gefunden habe – ich habe das Buch überall, in allen Büchereien und Bucharchiven gesucht und es hier gefunden, noch dazu in der ersten Auflage – und es wurden mehrere deiner Elfen-, und Koboldfiguren gestohlen.“
Es ist unglaublich, wer klaut Musikinstrumente die viel zu klein für normalwüchsige sind, Koboldfiguren und ein Buch?
„Paps? Welches Buch ist das eigentlich, das du aus der Bücherei hast. Über Kobolde?“
„Was für ein Stuss reimst du dir denn zusammen? Was soll ich mit Koboldbüchern? Es ist ein Buch über die Geschichte.“ Irgendwie kann ich das nicht glauben. Es könnten doch Kobolde gewesen sein, denen das Buch gehört. Schließlich sind auch Miniaturgeigen verschwunden und Elfenfiguren auch.
„Sonst geht es dir aber gut, oder? Auf was für Gedanken kommst du? Elfen und Kobolde! Wir sind doch nicht im Märchenwald!!“
Irgendetwas verheimlicht uns Dad. Vielleicht will er herausfinden, ob es die wirklich gibt. Okay, das hört sich fatal an, aber kann doch sein!! Schließlich ist es ziemlich verdächtig, wie er sich benimmt. Er zieht das Thema zu sehr runter, so, als ob er mir ganz schnell klarmachen wolle, das ich das sofort wieder vergessen soll. Ist doch merkwürdig, oder?
Ich rufe bei Lissy an um ihr abzusagen, ich möchte lieber Ma Gesellschaft leisten, sie ist noch ganz durcheinander. Doch Lissy hat ein interessantes Argument, das mich umstimmt. Unser Telefonat hört sich ungefähr so an:
„Hi, Lissy! Ich kann leider nicht zu dir. Bei uns wurde eingebrochen. Und es fehlen ein paar Sachen. Ma ist noch ganz durch den Wind. Ich würde gerne bei ihr bleiben.“
„Das ist ja ganz schön von dir. Doch das Geheimnis, welches ich dir anvertrauen wollte, hat mit dem Einbruch zu tun. Überleg es dir lieber noch mal. Dann ist nämlich alles einigermaßen geklärt. Für dich zumindest. Deine Eltern und deine Schwester dürfen davon nichts wissen, weil ich sie nicht kenne und ihnen deshalb nicht vertrauen kann. Bitte komm!“
„Na schön, aber nicht lange!“
„Es dauert schon bis zu zwei Stunden, bis du alles verstanden hast.“
„Wie Bitte? Bis zu zwei Stunden? Bis dahin ist meine Mutter abgekratzt vor Verwirrung. Geht es nicht auch kürzer?“
„Es kommt drauf an wie schnell du verstehst was wir meinen. Ich sagte bis zu zwei Stunden, nicht das es zwei Stunden dauert. Vielleicht auch nur eine oder eineinhalb Stunden. Aber bitte komm. Es ist für mich wichtig, aber auch für dich und deine Familie.“
„Wir?“
„Meine Freunde und ich. Du wirst sie noch früh genug kennen lernen!“
„Na gut. Aber wann? Jetzt gleich?“
„Am besten wäre es. Bei euch kommt doch sowieso gleich die Polizei vorbei. Dann bist wenigstens du nicht mehr im Weg!“
„Danke!! O.K., bis gleich!“

Kapitel 4

Lissy wohnt nicht weit von mir weg. In zehn Minuten bin ich bei ihr. Was sie mir wohl zeigen will? Ich bin ganz schön neugierig. Sie hätte mir am Telefon ja wenigstens einen Hinweis geben können, aber nein das geht ja nicht.
Ich stehe gerade vor ihrer Tür. Ich muss eine altmodische Glocke betätigen. Gleich nach dem ersten Gong öffnet sich die Tür. Lissy steht in der Tür.
„Wenn du schnell nach Hause willst, brauchst du nicht rein kommen. Wir gehen in den Wald.“
„Na gut, wenn du meinst. Ist es denn weit?“
„Nein! Allerhöchstens zehn Minuten.“
Sie hat Wort gehalten. Nach sieben Minuten bleibt sie auf einer Lichtung stehen. Die Lichtung sieht sehr gemütlich aus.
„Thurles? Wo bist du? Ich bin es Lissy!“
Vor mir macht es ‚plop’ und eine 40cm große Gestalt taucht vor mir auf. Eindeutig männlich. Er hat einen schwarzen Schnurr- und Spitzbart, einen Helm aus Kokosnussschale, mit kleinen Steinen besetzt, eine Knollennase und dunkle Augen. Er steckt in festen Stiefeln und gegerbter Kleidung. Sein Geruch ist herbsüßlich. Man kann versuchen es als Mischung aus süßem Waldduft und herben Bier zu erklären. Interessante Mischung, ich muss schon sagen.
„Hallo Lissy! Wer ist denn das? Hast du einen Grund sie mitzubringen?? Ich hoffe ja!“
Ich muss schon sagen, dieser Typ gehört nicht zur freundlichsten Sorte. Warum redet er so abgehackt und schnell??
„Ist was passiert? Warum überschlägst du dich so? Das ist Maggy. Man kann ihr vertrauen. Sie muss eingeweiht werden. Sie wohnt nämlich im Druiden Haus.“
Lissy ist verrückt, sie redet mit einem Zwerg, versucht ihm weiß zu machen, dass ich in einem Druiden Haus wohne und glaubt, dass ich eingeweiht werden muss. In was soll ich eingeweiht werden?
„Wer ist das ?“, frage ich Lissy unsicher, das alles kommt mir doch sehr merkwürdig vor,
„Was wollt ihr mir sagen?“
„Darum sind wir hier,“ versucht Lissy mich zu beruhigen. „Das ist Thurles. Er ist der Anführer der Kobolde. Wir sind seit drei Jahren befreundet. Du wohnst in dem Haus, in dem alle Schätze der Kobolde aufbewahrt wurden bzw. werden.“
Wie bitte? Es gibt Kobolde? Hat Dad mich doch angelogen? Haben die Kobolde ihm das Buch geklaut, weil es ihnen gehört und er ihnen sonst auf die Spur gekommen wäre? Ich wiederhole mich, ich weiß.
„Was? Bitte noch mal von vorne! Welche Schätze? Gold?“ Lissy lacht und antwortet: „Nein. Aber ich denke, Thurles kann dir das besser erklären. Schließlich ist er ein Kobold.“
„Na gut. Wenn es sein muss. Aber ich verlange von dir das du es niemanden weiter erzählst!“
Wie käme ich dazu? Warum traut mir keiner?
„Natürlich verrate ich es niemanden!!“
Thurles guckt noch ein bisschen misstrauisch, fängt dann aber hastig zu erzählen an.
„Mein Name ist Thurles. Ich bin Anführer der Kobolde von den Grafschaften Galway und Tyrone.
Außer Kobolden gibt es noch andere Wesen der Kelten, zum Beispiel Elfen, Gnome, Einhörner, Zwerge, Riesen, Nymphen, Waldgeister und noch viele mehr. Zur Zeit haben wir zwei ziemlich große Probleme. Das erste: Es gibt Wesen, die uns vernichten wollen. Wie diese Wesen heißen, weiß ich nicht. Wir vermuten, dass diese Wesen einen Anführer haben. Sie halten viele von uns gefangen. Täglich sterben welche, weil sie uns unsere wichtigsten Mineralien vorenthalten. Midrulat. Midrulat brauchen wir, damit wir nicht austrocknen. Wenn wir nicht täglich 3mg zu uns nehmen, dann trocknen wir aus und sterben. Wir können nur zum Leben wiedererweckt werden, wenn unser ganzer Staub aufgesammelt und zum Zauberbrunnen gebracht wird. Doch der wurde bis heute nicht gefunden. Du wirst noch davon erfahren.
Unser großer Herrscher Oginos kann uns nur wenig helfen, weil er nicht weiß, wogegen wir kämpfen müssen, wir wissen nur hinter, was sie her sind: unseren Schätze. Sie sind alle im Druiden Haus aufgehoben. Und wenn du mit deiner Familie dort wohnst, seid ihr ganz schön eingewickelt.“
Toll, jetzt weiß ich Bescheid. Doch von welchen Schätzen redet er? Von denen die uns gestohlen wurden? Vielleicht sollte ich das mal fragen?!
Gedacht, getan.
„Ja und nein! Die kleinen Geigen haben wir zum Spielen und Musizieren gebraucht und wir brauchen sie immer noch. Ich hoffe du hast nichts dagegen. Aber benutzen kannst du sie ja sowieso nicht.
Die Murmeln deiner Schwester beinhalten Midrulat. Wenn du noch mehr dieser Murmeln hast dann sag mir Bescheid, wir können das Zeug immer gebrauchen.
In deinem Haus soll ein Schatz sein, laut unseres Buches, er soll unendlich viel Midrulat enthalten. So müssten wir uns keine Sorgen mehr darum machen.
Nun zurück zum zweiten Problem. Das Buch, das dein Vater in der Bibliothek gefunden hat, gehört uns. Es verrät alles über uns,“ – also doch! – , „und kein Mensch darf dieses Wissen haben. Er weiß von uns, woher, weiß ich nicht. Er wird uns gefährlich, er hat wahrscheinlich vor, uns an eure Presse zu verraten und dann sind wir verloren. Zum Glück hat er jetzt keine Beweise mehr.
In beiden Punkten kannst du uns sehr behilflich sein. Wie wir wissen, hast du einen Plan von eurem Haus…“
„Wozu brauchst du den denn? Glaubst du, in ihm ist eingezeichnet, wo euer Schatz liegt?“
„Das nicht! Aber es könnte Hinweise auf Geheimgänge geben. Kannst du uns den Plan vielleicht besorgen?“
„Ich habe einen noch besseren Plan! Morgen fängt eine Fortbildung für Dad an. Und Ma und Sophie gehen zum Arzt. Dann bin ich drei Stunden alleine. In der Zeit könnte ich oder könnten wir das Haus mal unter die Lupe nehmen.“
Thurles guckt mich an und auf einmal strahlt sein Gesicht.
„Das ist keine schlechte Idee! Ich denke darüber mal nach. Am besten setzte ich mich erst mal mit Oginos in Verbindung. Lissy kann dir währenddessen unseren Wald zeigen. Ist das okay, Lissy?“
„Aber immer doch!“
Nachdem dieses tolle Gespräch zu Ende ist, will mir Lissy den Wald zeigen. Was an diesem Wald wohl so besonders ist? Für mich sieht er aus wie jeder andere.
Lissy zieht mich mit, weil ich ihr zu langsam bin. Ich stolpere über einen Stein und fliege auf die Nase. Lissy kann sich kaum halten vor Lachen. Zum Glück ist mir nichts passiert. Man kann sich ja so schnell ein Bein brechen! Weil es so lustig ist, wie Lissy kichert, muss ich einfach mit kichern.
„Fällst du oft auf die Nase mit so komischen Verrenkungen?“ Lissy scheint sich nicht im Klaren zu sein, warum ich hingeflogen bin!
„Nein, eigentlich nicht, nur wenn meine Freundin mich plötzlich an den Arm packt und mich mitziehen will.“
Lissy ist still.
„Sorry! Ich wusste nicht… . Entschuldige, war keine Absicht!“
„Lissy, übertreib nicht! Das wollte ich damit jetzt nicht sagen! Vergiss es einfach! Es ist nichts passiert und alles ist paletti! Lass uns weitergehen.“
Alles ist jetzt in Ordnung. Und wir gehen schweigend weiter. Bis mir etwas einfällt, was die Stille durchbricht. „Lissy! Was ist mit meiner Mutter?! Ich wollte doch bei ihr sein! Wir müssen umkehren!“
„Ganz ruhig Maggy. Deine Mutter schläft und vermisst dich nicht! Außerdem bleibt im Wald die Zeit stehen. Wir verpassen also nichts.“
„Was??! Hier bleibt die Zeit stehen? Gut, dann habe ich nichts gesagt.“ Unglaublich, die Zeit kann also stehen bleiben!
Nach weiteren zehn Minuten kommen wir an einer großen, alten Eiche an.
„Schau genau her, Maggy! Du musst an diesen Ast ziehen, dann öffnet sich die Eiche und du kannst hindurch.“ Wir stehen beide in der Eiche, vor uns ist ein Tor. Neben dem Tor sind sechs Knöpfe. Lissy drückt auf den ersten Knopf, plötzlich öffnet sich das Tor und uns kommt eine grüne Landschaft entgegen. Als wir durch den Baum hindurch gegangen sind, schließt sich der Baum. Nun sind wir nicht mehr im Wald, sondern auf einer Wiese. Und noch etwas ist anders. Wir sind nur noch 50 cm groß. Das Merke ich daran, weil eine Blume vor mir steht. Sie ist irgendwie größer als normale Blumen. Sie geht mir nämlich bis zur Hüfte. Und das finde ich schon merkwürdig.
Vor uns erscheint eine total niedliche Elfe. Oder nennt man dieses Wesen anders?
Zumindest hat sie überhaupt nichts an. Ihre Flügel sind silberig und glänzen in der Sonne. Ihr Haar ist blond . Im Licht sieht es aber aus, als ob es golden wäre. Ihre Augen sind strahlende, blaue Sterne und ihr Duft gleicht dem Sommerduft. „Hallo Lissy! Wen hast du uns denn da mitgebracht? Ist sie deine Freundin?“ Ihr Stimme gleicht kleinen Glöckchen.
„Es ist so viel passiert seit du letztes mal weggegangen bist! Ich muss dir so viel erzählen.“
„Hallo Ardee! Ich habe dir auch total viel zu erzählen. Darf ich bekannt machen? Das ist Maggy! Maggy, das ist Ardee. Wir sind schon lange befreundet.“
„Sag, mal Lissy! Kennst du alle hier?“
Meine Stimme klingt ein wenig ungehalten. Ich muss unbedingt meine Aggressionen einschränken, noch dazu, wenn sie so überflüssig sind.
„Nein, wie kommst du darauf? Bis jetzt habe ich dir doch nur Thurles und Ardee vorgestellt.“
Sie hat ja recht. Vielleicht bin ich ja ein wenig Eifersüchtig, weil sie so eine tolle Welt kennt? Nein, ich bin sogar ganz bestimmt ein wenig Eifersüchtig. Lissy hat ja so zum Glück! Alle mögen sie, fast jeder kennt sie und sie weiß über alles Bescheid. Hat sie vielleicht das Buch lesen dürfen? Ich mach mir echt unnötige Gedanken. Was interessiert mich das? Warum gönne ich es ihr nicht? Meine Großmutter hat Recht. Ich will immer im Mittelpunkt stehen, und wenn es mir nicht glückt, dann bin ich sauer. Ich bin echt schlimm.
An mir rauscht ein geflügeltes Wesen vorbei und ich blicke ihm hinterher. Irgendwie ist das Wesen bezaubernd, aber irgendwie auch nicht. Es ist rot. Seine Flügel sind golden. Außer einen Lendenschurz und ein Paar Lederne Stiefel hat es nichts an. Ein bisschen erinnert es mich an ein Teufelchen. Lissy und Ardee scheinen es nicht bemerkt zu haben. Die beiden unterhalten sich. Jetzt lacht Lissy. Mehr bekomme ich nicht mit. Meine Gedanken beschäftigen sich mehr mit dem roten Wesen…
„Maggy? Wollen wir weiter gehen?“ Ardee ist weg, ich gucke Lissy verdutz an. Ob ich was verpasst habe?
„Wo ist Ardee?“
„Sag mir jetzt nicht das du das nicht mitbekommen hast!? Was ist los mit dir du bist so komisch! Bedrückt dich irgendetwas?“
Wir gehen weiter und unterhalten uns nebenbei.
„Nein wirklich. Ich habe nicht mitbekommen, wohin Ardee geflogen ist.“ Was ist nur los mit mir?
„Ardee hat gesagt, dass sie noch mal weg muss. Ihr Vater wollte was von ihr. Wir treffen uns im Pub mit ihr. Hast du das nicht mitbekommen? Du hast ihr doch auf Wiedersehen gesagt!“
„Was? Ich habe gar nichts gesagt. Und ja, es bedrückt mich was.“
Ich habe nicht vor, ihr von meiner Eifersucht zu erzählen, oder das vom roten Wesen, aber ich glaube jetzt zu wissen, wieso sich meine Schwester so verändert hat. „Sag mal, machst du dir über irgendetwas Sorgen?“
„Nein! Ich habe nur gerade erfahren das es Kobolde, Elfen, Gnome, Riesen, Zwerge, und Waldgeister gibt. Zufällig dreht meine Mutter gerade durch, weil in unserem Haus eingebrochen wurde, sich aber niemand erklären kann, wie. Mein Vater ist ein Schwindler und ein Dieb und meine Schwester ist wie umgewandelt. Sie ist nett, sanft und lieb. Reicht das?“
Ich sollte mir den Sarkasmus abgewöhnen. Schließlich ist das nicht witzig. Außerdem habe ich gerade gewissermaßen meine einzige Freundin beleidigt. Zum Glück scheint sie das nicht unbedingt mitbekommen zu haben. Dafür versucht sie mich zu beruhigen und redet auf mich ein wie auf ein krankes Tier.
„Maggy! Warum hast du mir das nicht gleich gesagt? Kann ich dir vielleicht helfen? Vielleicht kann dir ja Tralee helfen. Die hat immer einen Rat.“
„Tralee? Wer ist das nun wieder?“ So viele Namen kann ich mir niemals merken! „Sie ist die Besitzerin vom Pub Fairymoon. Und kann fast immer helfen.“
„Der Pub heißt Mondfee? Was ist eine Mondfee? Ist Tralee eine?“
Mein Wissensdurst wäre erst mal gestillt, wenn ich diese Fragen ausführlich beantwortet bekäme.
„Also, ja Tralee ist eine Mondfee, eine der letzten, wenn ich bemerken darf. Eine Mondfee, braucht kein Midrulat, dafür muss sie sich jeden Voll- und Neumond aufladen, indem sie zum Moonriver geht, der ist übrigens nicht weit von hier, und dort ein Ritual erfüllt. Frag mich nicht welches, ich habe keine Ahnung. Wir sind übrigens gleich da!“
„Womit soll ich eigentlich bezahlen, wenn ich was trinken will? Ich habe doch gar kein Geld für diese Welt!“
„Du brauchst auch keins. Die Wesen sind garantiert nicht die Erfinder des Geldes. Sie sind hier sehr gastfreundlich, fröhlich, großzügig und wollen nichts dafür. Außer vielleicht, dass man sich auch freundlich, großzügig und nett verhält.“
Das ist mir zu viel. Das ist ja wirklich ein Märchenland. So was habe ich nicht einmal in meinen Träumen erlebt.
Ich habe noch so viele Fragen auf dem Herzen, so dass Lissy schon ganz erschöpft ist, vom vielen Fragen Beantworten.
Wir sind soeben im Pub Fairymoon angekommen. Zum Glück sind wir so klein, sonst würden wir niemals da hinein passen. Der Pub besteht aus einem umgekippten, sehr dicken Baumstamm. Der Baum musste an die 140 Zentimeter Durchmesser haben.
Ich habe mich erst gefragt warum wir niemanden begegnet sind, doch nun habe ich einen Lösungsvorschlag. Der ganze Pub ist vollgestopft mit Wesen. So viele Fantasiegestalten auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen. Hier sind bestimmt alle Bewohner diese Landes. Wer keinen Sitzplatz mehr erwischt hat, der steht an der Theke oder lehnt an der wand. Alle haben einen Krug in der Hand.
Ein Wunder, dass sie alle hier reinpassen. Ich kann sie leider nicht alle beschreiben, dann wäre ich nämlich Weihnachten noch nicht fertig. Aber bei ein paar, die nun wirklich ziemlich wunderlich aussehen, mache ich mir die Mühe.
Der Pub besteht aus ganz vielen kleinen Pilzen. Größere werden als Tische benutzt, kleinere als Stühle. Aber die Pilze sind gigantisch im Vergleich zu denen, die mir bekannt sind. Hier haben die Pilze alle Farben. Graublau, grau, braun, beige, schwarz, weiß, rot mit weißen Punkten oder umgekehrt und hellgrün schattierte.
Auf den kleineren Pilzen sitzen Wesen aller Arten. Zierliche Elfen mit weißsilbernem Haar. – Zumindest glaube ich, dass es Elfen sind. – Kobolde mit schwarzen, roten oder braunen Bärten. Wesen, bei denen man das Gesicht nicht sehen kann, weil lange, strähnige Haare darüber hängen und Frauen, die eine üppige Oberweite und hübsche Gesichter haben und derbe Sprüche ablassen.
Lissy zieht mich zur Theke. Hinter ihr sitzt auf einem Pilz eine wunderschöne Frau. Sie hat ein kurzes Kleid an. Es ist von silberner Farbe und geht ihr bis zu den Knien. Da drunter hat sie eine Netzstrumpfhose an. Sie hat einen sehr großen Busen, pechschwarze Haare und bernsteinfarbene Augen. Sie poliert gerade ein Glas und träumt vor sich hin, bis sie Lissy bemerkt. Langsam lächelt sie. Ob das Tralee ist?
Bingo! Das ist Tralee.
Ich komme darauf, weil Lissy sie so angesprochen hat.
Ich hätte gedacht ihre Stimme gleicht Glocken, aber falsch gedacht! Stattdessen antwortet eine rauchige Stimme, die ich vielleicht einer hundertjährigen Oma zugeordnet hätte: „Ach Lissy! Kommst du auch mal wieder? Und wer ist deine Begleiterin? Bestimmt eine Freundin, oder?“
„Ja, klar! Das ist Maggy! Und sie hat ein paar Problemchen. Wir hoffen, dass du uns weiter helfen kannst!“
„Na, dann lass mal hören.“

Als wir endlich fertig sind, Tralee zu erklären, was los ist, meint sie: „Ich glaube, ihr solltet besser Mullingar fragen…“
„Was diesen Stinkstiefel von Wahrsager?“
„Ja den. Der Stinkstiefel hat mehr Lebenserfahrungen, als ich. Maggy es tut mir wirklich leid, dass ich dir nicht richtig helfen konnte, aber ich weiß leider keinen Rat außer, dass du mit deiner Schwester und deinem Vater reden musst! Das mit deiner Mutter legt sich bestimmt wieder!“
Unglaublich es gibt wirklich Wahrsager! Welches Wesen er wohl ist?
„Weißt du wo Mullingar wohnt?“ Mehr weiß ich nicht zu fragen, ein Glück, dass Lissy so schnell das Wort ergreift.
„Ich habe eine Karte!“ Und zu Tralee sagt sie: „Danke für deine Hilfe! Kannst uns bitte drei Honigweine fertig machen? Ich hole sie gleich ab!“
„Aber gern!“
Lissy und ich suchen uns einen Tisch bzw. Pilz. Keiner ist mehr frei, aber zum Glück ist Ardee schon da und hat uns einen Tisch freigehalten. Sie lächelt uns an.
„Hallo Ihr! Ich dachte schon, ihr kommt nicht mehr. Wo wart ihr?“
„Wir waren noch bei Tralee, Maggy hat nämlich Probleme zu Hause! Und dann habe ich noch drei Honigweine bestellt!“ Man sieht an Ardees Gesichtzug, dass Lissy jetzt etwas Falsches gesagt hat. Oder bilde ich mir das ein?
„Du Lissy, das ist ganz lieb von dir, dass du an mich gedacht hast, aber ich habe mir schon einen Kleesaft bestellt! Was machen wir jetzt?“
Lissy lacht.
„Was regst du dich so auf? Dann teilen wir uns eben den letzten Wein! Ist doch nichts dabei! Was wollte eigentlich dein Vater von dir?“
Ich höre gespannt zu. Ich möchte schließlich alles über die Wesen erfahren. Und viel fragen werde ich auch.

Kapitel 5

„Paps hat bemerkt, dass meine Hausarbeiten nicht mehr so gewissenhaft gemacht wurden und deshalb wollte er wissen warum.“
Ich bin sehr erstaunt und kann mich nicht zurück halten.
„Ihr Wesen habt ein Haus? Und Hausarbeiten müsst ihr auch erledigen? Wo wohnst du denn? Habt ihr auch Straßennamen oder so was in der Art?“
Ich überschlage mich geradezu. Lissy guckt Ardee erstaunt an. Die schaut erstaunt zurück. Dann lachen beide wie auf Kommando los.
„Du bist echt niedlich! Du möchtest wohl alles über uns erfahren?“, fragt mich Ardee, als sie sich vom Lachen erholt hat. Lissy kann zur Zeit nicht mehr sprechen, weil sie gerade einen Lachkrampf hat. Ich lächele Ardee an und nicke.
Ardee lächelt zurück und fängt dann an meine Fragen zu beantworten: „Also, ja wir haben Häuser. Jedes Wesen ein anderes, deshalb kannst du hier Lehmhütten, Holzhütten, Steinhäuser, Ausgehöhlte Baumstämme, Höhlen, Zelte und noch viele andere Behausungen vorfinden. Jeder ist sein eigener Architekt. Und wenn es ein Haus gibt, gibt es natürlich auch Hausarbeiten.
Meine Mutter ist vor drei Jahren gestorben, sie war Kriegsgefangene bei den Riesen und ist ausgetrocknet, weil man vergessen hat sie mit Midrulat zu versorgen. Mein Vater hält sich seit dem aus der Politik raus. Und dass ich mich darin verlaufen könnte, will er schon gar nicht. Na ja, zumindest wohnen wir seitdem alleine in dem Haus. Wir haben uns ein Haus aus allen möglichen gebaut: Holz, Stroh, Lehm, Torf, Stein, Gras und Schilf.
Unser Haus ist ein Traum. Dad und ich haben uns die Arbeit im Haus aufgeteilt. Ich bin für Kochen, Abwaschen und Gartenpflege verantwortlich.
Doch ich erledige zur Zeit mit Thurles einen geheimen Auftrag und mache dann immer alles ein bisschen schnell im Haus.“
Sie lächelt mich verschmitzt an.
„Wie du siehst halte ich mich nicht an Vaters Vorschriften. Ich bin mehr in die Politik vertieft, als meine Mutter und mein Vater es zusammen mal waren.
Vielleicht habe ich einiges übersehen, als ich so schnell mit der dummen Hausarbeit war. Zumindest ist es meinem Vater aufgefallen und der stellte mich zur Rede. Was sollte ich ihm erzählen? Die Wahrheit? Bestimmt nicht. Der hätte mich glatt im Haus eingesperrt, damit mir nichts passieren kann. Er hält mich immer noch für ein kleines Kind, dabei bin ich schon lange über zweihundert Jahre alt!“
Ich bin baff! Über zweihundert Jahre alt? Menschen werden nicht älter als hundert, und dann auch nur wenn sie blind, taub, stumm oder gelähmt sind. Ardee ist über zweihundert Jahre alt und noch fit wie ein Turnschuh. Wie alt wohl ihr Vater ist? Tausend? Ardee erzählt weiter. Sie hat eine schöne Stimme und sie erzählt witzig.
„Nun ja…, was wolltest du noch wissen? Ach ja! Wir wohnen im Wald, am Moonriver. Neben uns wohnen noch zwei Familien. Einmal ein älteres Gnomenpärchen, ich kenne sie nicht. Sie halten Distanz zu anderen Wesenarten.
Und eine kleine Zwergenfamilie. Vor kurzem haben sie Nachwuchs bekommen. Der Minizwerg ist echt zum Klauen. Total süß.
Wir haben keine Straßen, deshalb können wir auch keine Straßennamen haben. Unsere Adressen geben wir mit Wald, Feld, Sumpf oder Wiese an. Unsere Häuser haben aber Nummern, wie bei den Menschen. Insgesamt haben wir fünf ,Länder’. Dieses hier heißt Mayo. Also lautet meine Adresse:
Ardee Elfe / Am Moonriver 7a / Mayo.“
Ich sehe Ardee ein wenig pikiert an. Den gleichen Namen hat nämlich auch eine Grafschaft. – Okay, nicht nur die Länder haben die Namen von Grafschaften, nein, die Namen der Wesen klingen genauso, wie einige Dörfer in Irland, soweit ich das nach Thurles und Ardee beurteilen kann. –
Ardee sieht wahrscheinlich meine Grimasse und versteht sie zu deuten.
„Ja Maggy! Genau wie die Grafschaft Mayo. Die anderen vier Länder haben auch Namen von irischen Grafschaften. Galway, Tyrone, Kerry und Tipperary sind ihre Namen. Ich war noch nie dort, aber wenn ich kann, bin ich bald in Tyrone. Mit Thurles.“
Es ist unglaublich! Wiederhole ich mich schon wieder?
Lissy hat sich vom Lachen erholt. Nun, da sie wieder reden kann, ergreift sie auch gleich das Wort. Ardee redet ja nicht mehr.
„Hier Maggy! Das ist eine Karte von den fünf Ländern. Dann kannst du dir vielleicht alles ein bisschen besser vorstellen.“
Sie zeigt mir eine Karte, ich studiere sie, dann steckt sie diese wieder in ihre Tasche.
„Wo hast du die denn her?“
Ardee wirkt erstaunt. Das scheint sie jetzt nicht erwartet zu haben. Bevor Lissy antworten kann, frage ich: „Wo sind eigentlich unsere Honigweine?“
Lissy nimmt die Farbe von weiß an. Ganz langsam.
„Ach du Schreck! Die habe ich ganz vergessen! Bin gleich wieder da!“
Drei Minuten später ist sie wieder bei uns. Sie sieht um einiges erleichterter aus als eben.
„Tralee war zum Glück nicht böse auf mich. Sie ist sogar so nett gewesen uns den Wein warm zu stellen.“
Ich komm mal wieder nicht aus dem Staunen raus.
„Den Wein trinkt man warm?“
„Ja klar! Sonst schmeckt der nicht.“
Damit ist das Thema abgehakt. „Nun zurück zu deiner Frage.“
Typisch Lissy. Bevor ein neues Thema angefangen werden kann, müssen erst alle Fragen beantwortet werden.
„Ich habe die Karte von Trim bekommen. Der hat sie mir netterweise gemacht, weil ich mich andauernd verlaufen habe.“
Wir reden noch eine ganze Weile. Wie lange kann ich nicht sagen. Meine Armbanduhr ist stehen geblieben. Womöglich liegt das daran, weil die Zeit hier nicht existiert. Doch langsam möchte ich nach Hause. Am Besten frage ich Lissy, ob wir langsam losgehen können.
„Lissy? Können wir langsam nach Hause?“
„Wieso?“
„Ich möchte gerne zu meiner Mutter.“
„Die vermisst dich nicht. Wenn du zu Hause ankommst, fragt sie höchst wahrscheinlich, wieso du schon wieder da bist.“
„Das mag wohl sein, dass meine Mutter mich nicht vermisst, aber ich vermisse sie. Ich würde gerne bei ihr sein.“
Lissy verdreht ein wenig die Augen, doch sie macht Anstalten aufzustehen. Vielleicht hat sie nicht so ein Verständnis dafür, weil sie selbst keine Eltern hat, um die sie sich Sorgen machen kann?
Ich bin ein bisschen erleichtert. Leider sagt Ardee noch etwas, etwas, das uns dazu bringt uns wieder hinzusetzten.
„Wartet mal! Wir müssen erst mal besprechen, wann wir uns morgen bei Maggy treffen.“
„Hey! Woher weißt du, dass wir uns treffen wollen??“ Lissy scheint sehr überrascht zu sein.
„Ich habe vorhin Thurles getroffen. Der hat mich eingeweiht. Ich komm also morgen auch mit.“
Ich setze mich auf den Pilzhocker an den Felsentisch und trinke den Rest von meinen Wein aus. Der schmeckt übrigens sehr gut.
Ich habe vor Lissy und Ardee reden zu lassen und allerhöchstens zu nicken, wenn ich einverstanden bin. Ich merke, dass ich hundemüde bin.
Apropros Hund, ich muss heute noch mit Max gehen. Vorher lege ich mich aber noch mal hin, sonst kippe ich noch aus den Latschen.
„O.K. dann wollen wir mal… Maggy? Wann hattest du noch mal sturmfreie Bude?“
Grrr… Lissy! Sie hindert mich mein Versprechen zu halten. Ich muss etwas sagen: „Von 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr.“
„Gut, dann komme ich kurz vorher, zusammen suchen wir dann den Plan vom Haus! Um kurz nach fünf kommen Ardee und Thurles. Dann gehen wir in die Bibliothek und untersuchen diese mal.“
„Was soll ich dazu noch sagen?“, ist meine Frage darauf. Ausnahmsweise weiß Lissy darauf keine Antwort. Als ich mir schon sicher war, dass ich das letzte Wort behalten dürfte, fängt Lissy noch mal an.
„Gehen wir jetzt eigentlich noch zu Mullingar, oder willst du erst mal Tralees Rat befolgen?“
Die Frage bringt mich tatsächlich ins Grübeln, doch dann fällt mir eine Antwort ein: „Ich versuch es erst mal mit Reden, wenn das nicht klappt, dann kann man ja immer noch zu diesem Mullingar gehen. Was ist er eigentlich für ein Wesen? Ein Gnom?“
„Wie kommst du denn darauf? Nein, er ist ein sprechender Stein. Der einzige auf dieser Welt. Laut einer Legende heißt es zwar, dass es noch einen zweiten geben soll, doch niemand hat ihn jemals gefunden.“
„Ardee meinte Gnome würden gerne unter sich bleiben und du meintest Mullingar wäre ein alter Stinkstiefel.“
„Stimmt. Aber was hat das miteinander zu tun?“
„Ich habe keine Ahnung. Mein bauch sagte mir, das es nach diesen Informationen ein Gnom sein muss. Wie er darauf gekommen ist, weiß ich allerdings nicht.“
„Ist ja auch egal. Kommst du jetzt, oder willst du doch hier bleiben?“
Wir stehen auf. Als wir drei am Tresen vorbei gehen bedanken wir uns noch mal für die Getränke. Den dritten Wein habe ich trinken dürfen. Die anderen beiden hatten keinen Durst mehr gehabt.
Sobald wir draußen sind, bin ich plötzlich nicht mehr müde. Wir verabschieden uns von Ardee. Wir gehen weiter. In kurzer Zeit sind wir bei der Eiche. – Kommt es mir nur so vor? Oder haben wir für den Weg viel weniger Zeit gebraucht? – Ich habe mir die Wiesen jetzt genauer angesehen und mehrere Behausungen gesehen. Sie sind in der tat alle sehr unterschiedlich, so wie Ardee gesagt hat.
Wir gehen in den Baum, Lissy drückt den gleichen Knopf wie vorhin und schon sind wir ,plop’ im Menschenwald. Unsere Größe haben wir auch wieder.

Bei Lissy angekommen verabschieden wir uns. Sie geht ins Haus, morgen treffen wir uns wieder in der Schule. Sieben Minuten später steh ich vor meiner Haustür.
Für mich sind so viele Stunden vergangen, ob meine Eltern sich wirklich gleich wundern warum ich wieder da bin? Meine Uhr geht wieder.
Am Besten schenke ich Lissy glauben, dann muss ich mir keine Sorgen machen. Die Tür öffnet sich, heraus kommen zwei Polizisten, in Begleitung meiner Mutter. Den Einbruch habe ich ganz vergessen!
Jetzt bemerke ich auch den Polizeiwagen vor unserer Tür. Die Polizisten gehen an mir vorbei, grüßen und steigen ins Auto. Ma bemerkt mich und winkt mir zu. Ich winke zurück und laufe zu ihr.
„Schon wieder da? Du warst nicht länger als eine Stunde weg!“ Also stimmt es. Ich bin beruhigt, und damit Ma sich nicht wundert, sage ich: „Wirklich? Mir kam es wie mehrere Stunden vor.“
„Ist es bei Lissy schön?“
Ma! Warum musst du etwas fragen, was ich nicht beantworten kann?
„Ich weiß es nicht, wir waren draußen im Wald!“
„Oh! Schön. Warum hast du Max denn nicht mitgenommen? Der hätte sich doch riesig gefreut.“
„Stimmt schon, aber ich habe nicht gewusst, dass wir in den Wald gehen. Ich gehe gleich mit ihm!“
„Das brauchst du nicht, Sophie ist schon mit ihm gegangen. Kurz nachdem du zu Lissy gegangen bist, ist sie gekommen. Sie hat auch eine neue Freundin kennen gelernt und sie gleich mitgebracht. Zusammen sind sie mit Max spazieren gegangen. Ich hoffe du hast nichts dagegen.“
„Nein, nein, ich bin froh, dass das erledigt ist. Dann kann ich ja jetzt in die Wanne gehen. Was hat die Polizei eigentlich entdeckt?“ Ma wird still.
„Nicht viel. Nur ein paar Kratzer im Parkett und ein Vase ist umgefallen und kaputtgegangen. Die wird jetzt untersucht. Mehr haben wir nicht. Es ist hoffnungslos!“
Ich sehe Mas Verzweiflung und nehme sie in den Arm. Sie lächelt mich an. Es sieht aber nach einem gezwungenen Lächeln aus.
„Es wird schon alles gut Ma!“ Mehr kann ich nicht sagen und ich denke es ist wichtiger jetzt für Ma da zu sein und sie nicht zuzusülzen.
Wir gehen rein. Ma geht in Richtung Treppe und sagt: „Ich lege mich ein Weilchen hin. Vielleicht geht es mir dann besser!“
Ich nicke und folge ihr. Ich möchte ja baden. Ich gehe in mein Zimmer und hole meinen Bademantel, frische Unterwäsche, mein Nachthemd und meine Waschsachen. Ich hebe mein Shampoo, mein Duschgel, meine Spülung und meine Bodylotion immer in meinem Zimmer auf. Ich mag es nämlich nicht so gerne, wenn man meine ,Reinigungssachen’ benutzt. Dad, Ma und Sophie benutzen zusammen ein Shampoo, ein Duschgel und eine Spülung.
Im Badezimmer angekommen, ziehe ich meine Sachen aus, lasse Wasser in die riesige Wanne (oder in den kleinen Pool) laufen, schütte ein bisschen Duschgel ins Wasser, gehe noch mal auf die Toilette, lege mich dann in die Wanne und drehe den Hahn zu. Das ist das erste mal, dass ich hier richtig bade, sonst dusche ich nämlich. In dieser Wanne kann ich sogar schwimmen. Ich drehe mich zum Wasserhahn. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht die mysteriöse innere Intuition? Ich fasse mit der Hand unter den Hahn und bemerke einen kleinen Hebel. Ich nehme mir vor, den nicht zu vergessen.
Nachdem ich meine Haare gewaschen habe, lasse ich das Wasser abfließen und steige aus der Wanne. Ich trockne mich ab, ziehe mich an und gehe ins Zimmer. Ma schläft noch. Ich hole meine Geige raus und spiele, so leise ich kann, ein Lied. Nach zehn Minuten kommt Sophie rein. Sie schaut mich ein wenig beschämt an und fragt dann: „Maggy ich muss mit dir reden. Hast du ein paar Minuten Zeit für mich?“
„Natürlich! Setz dich! Ich wollte auch mal mit dir reden. Fang an, was bedrückt dich?“
Sophie fängt an zu stottern: „Also…, ich… . Es ist schwer zu erklären. Bestimmt hältst du mich dann für verrückt und…!“
„Beruhig dich erst mal. Ich werde dich bestimmt nicht für verrückt halten. Was ist los? Mir kannst du es erzählen. Ich werde versuchen immer für dich da zu sein, auch wenn du manchmal eine kleine Ziege bist!“
Sophie grinst mich an. „Ich bin ja auch deine kleine Schwester!“
Wir lachen, doch dann: „Mag, ich muss dir wirklich etwas Ernstes sagen. Es geht um Dad. Dir ist bestimmt aufgefallen, dass ich mich ein kleines bisschen verändert habe, das liegt daran…“
Ich falle ihr ins Wort: „Ein bisschen? Du bist wie umgewandelt! Das ist auch das worüber ICH mit dir reden wollte, ich mache mir richtige Sorgen um dich. Ist dir irgendetwas Schlimmes passiert, hast du etwas Gefährliches mitbekommen oder liegt es daran das deine Clique dich gar nicht zu vermissen scheint?“
„Nun komm mal wieder runter! Du wirst es schon gleich erfahren, doch wenn du mir immer ins Wort fällst, sitzen wir hier noch zu unserer Silberhochzeit! Also, alles fing damit an, dass Dad mir ein Buch gab. Es war sehr dick, doch ich konnte gar nicht aufhören zu lesen, so spannend war es.
Das Buch handelte von zwei Mädchen, zwei Mädchen wie wir beide. Auch sie konnten sich nicht ausstehen. Die eine hatte sogar vor ihre Schwester umzubringen. Vorher sprach sie aber mit ihrer Freundin und die meinte: „Bevor du keinen anderen Ausweg mehr kennst, solltest du sie erst mal richtig kennen lernen.“ Das tat sie auch.
Am Ende des Buches waren sie die besten Freundinnen, die es gibt, und das lag nur daran, weil die eine ihre Schwester näher kennen gelernt hat. Deshalb wollte ich dich auch näher kennen lernen.
Ich habe mir deine Musik angehört, habe selber Musik gemacht und habe mich oft zurückgezogen.
Eines Tages verstand ich dich, warum du einen eigenen Stil haben wolltest, es ist viel interessanter einen Stil zu haben, den man nur selber versteht, weil man die Sachen ausprobiert hat.“
Ich bin ein bisschen gerührt von der Rede, die mir gerade meine kleine Schwester gehalten hat. Sie hat schon Recht, aber ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht.
Aber eins frage ich mich ja doch: „Warum soll ich dich jetzt für verrückt halten?“
„Das ist ja auch nicht alles, was ich dir sagen wollte. In dem Buch war ein Zettel, mit Notizen. Die Schrift war eindeutig Dads Schrift.“
„Ja und was für Notizen waren das?“
„Das weiß ich nicht. Es war bestimmt Geheimschrift oder so. Hier ist der Zettel. Vielleicht kennst du die Schrift oder Sprache wieder. Vielleicht ist es Latein?“

Δεν Σχηατζ δεν ιχη συχηε, φινδε ιχη δορτ ωο ϖερστεχκτ, δασ γεηειμε Βυχηε. Βεττιγε ιχη δεν Ηεβελ μιτ δερ Ηανδ, σο ⎞φφνετ σιχη διε ηελλβλαυε Ωανδ. Δοχη βεϖορ ιχη ⎞φφνεν κανν δασςερστεχκ μυσσ ιχη φινδεν δεν Σχηλ⎫σσελ ιμ ςερδεχκ. Μιτ δεμ ςερδεχκ ιστ γεμειντ, δασ Γεμλδε αυφ δεμ ωιρδ γεωειντ.

„Das ist kein Latein, das ist griechisch!“
„Und was heißt das?“
„Ich habe keine Ahnung, doch das wird sich herausfinden lassen. Wozu gibt es Bücher? Ich habe eins in der Bibliothek gesehen. In dem werden die verschiedenen Schriften der Griechen, Chinesen, Ägypter und anderen Völkern gezeigt. Dort finden wir bestimmt, was wir suchen. Hast du noch was anderes von Dad gefunden?“
„Ich habe gehofft, du würdest das nicht fragen!“
„Wieso?“
„Ich habe bei Dad spioniert. Einmal hat er sein tolles Buch liegen lassen, als er zur Toilette gegangen ist.“
„Das was gestohlen wurde?“
„Ja das. Der Titel lautete ,Die Wesen’. Weil ich mir darunter nichts vorstellen konnte habe ich das Buch geöffnet und darin gelesen.“
„Was stand den drin?“
„Irgendetwas über Gnome. Ich konnte nicht viel lesen, weil das meiste in dieser griechischen Schrift geschrieben war.“
Ich bin mal wieder baff und ich habe das Gefühl, dass ich mal mit Dad reden muss. Ich lächele Sophie an und tue so, als ob ich alles im Griff habe. Sophie wartet auf eine Antwort, aber ich weiß nicht, was ich sagen soll.
„Na gut. Was sollen wir jetzt machen?“
„Ich dachte du wüsstest was. Ich weiß nichts. Sollen wir Dad fragen?“
„Lieber nicht. Am besten warten wir es ab. Vielleicht hat Dad ja nur ein Märchenbuch gelesen.“
„Und warum sollte jemand ein Märchenbuch klauen? Kannst du mir das mal sagen?“
„Ich weiß es nicht! Vielleicht war es ein uralter Schinken, der sehr wertvoll ist!?“
„Ja klar! Träum weiter!! Das Buch hat etwas Geheimes!! Ich hab das dumme Gefühl, dass du was weißt!“
„Ich weiß echt nicht, worum es geht. Ich versuche dir nur klar zu machen, dass wir erst abwarten sollten, bevor wir Dad bestürmen.“
Ich bin verzweifelt. Ich darf Sophie nichts von den Wesen verraten, aber dass ich sie anlügen muss, tut mir genauso weh. Plötzlich verändern sich Sophies Gesichtszüge.
„Du hast Recht. Sorry, dass ich dich beschuldigt habe. Gute Nacht.“
Sophie öffnet die Tür und geht raus. Den Zettel hat sie auf meinem Bett liegen lassen.
Fürs „Gute Nacht“ ist es noch ein bisschen früh. Schließlich ist es erst halb fünf, aber vielleicht hat Sophie mein Nachthemd gesehen und gedacht das ich jetzt schon ins Bett gehe?
Ich fange mit meinen Hausaufgaben an. Viel hab ich nicht auf. Das war immerhin erst der erste Schultag. Trotzdem sitze ich über zwei Stunden am Schreibtisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich fast alle meine Schulbücher durchgelesen habe?
Um sieben gibt es Abendbrot.
Als alle fertig sind mit Essen, sag ich allen Gute Nacht, gehe ins Badezimmer und putze Zähne und gehe in mein Zimmer. Dort krieche ich unter meine Bettdecke und versuche einzuschlafen, doch ich kann nicht.
Ich habe zu viel erlebt. Wie war das gleich? Meine neue Freundin heißt Lissy. Der Anführer der Kobolde Thurles. Der Name von Lissys Freundin war Ardee und der von der Mondfee: Tralee. Es gibt einen sprechenden Stein namens Mullingar und der Heerscher über alle Wesen heißt Oginos. Hab ich irgendetwas vergessen? Ach ja! Die Wesen brauchen ein Mineral namens… – wie heißt es noch gleich? – … Midrulat. Dieses Mineral ist in Murmeln enthalten. Am besten kaufe ich mit Lissy morgen ein paar. Mit diesen Gedanken bin ich eingeschlafen. Auch wenn ich nicht alles durchdacht habe.

Kapitel 6

Pieppiep! Pieppiep!… Klick. Ich hasse Wecker, habe ich das schon mal gesagt? Ich glaube ja. Ich erhebe mich, gehe ins Badezimmer, wasche mich kalt ab, ziehe meinen beigen Rock und meine Bluse mit dem Tiger drauf an, wecke Dad und Sophie auf, gehe runter in die Küche und mache Frühstück.
Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich gestern genau das Gleiche gemacht habe, oder? Nein doch nicht. Ich habe mich geduscht und nicht gewaschen und ich hatte mein Trägerkleid angezogen. Jetzt kann ich beruhigt sein, dass ich den Tag nicht noch mal erlebe, oder? Was ist gestern eigentlich alles passiert?
Während ich krampfhaft versuche mich daran zu erinnern was gestern passiert ist, decke ich den Tisch.
Sophie kommt rein und lächelt mich an. Ich erinnere mich daran das ich gestern ein Gespräch mit ihr hatte. Nur, worüber haben wir uns unterhalten? Nachher fällt es mir bestimmt ein. Dad kommt und wir fangen an zu frühstücken. Hatte ich nicht mit Sophie über Dad gesprochen? Ja genau, aber wieso?
Ist jetzt egal ich muss zum Bus. Habe ich gestern nicht ein nettes Mädchen kennen gelernt? Wie hieß sie noch gleich? Mist! Hab ich alles vergessen, oder ist das mein erster Schultag und ich habe alles nur geträumt? Aber es war so real! Werde ich jetzt verrückt oder was?? Warum habe ich alles vergessen?
Ich mache mir viele Gedanken auf dem weg zum Bus. Sophie, die neben mir geht, sagt auch nichts, sie scheint sich auch mit ihren eigenen Gedanken zu beschäftigen.
An der Bushaltestelle kommt auch gleich ein Mädchen auf mich zu. Sie hat helle blonde Haare und ein Gesicht voller Sommersprossen, die sie mit mir gemeinsam hat. Das Mädchen kommt mir bekannt vor, aber ich kann mir nicht erklären wieso.
„Hi Maggy, wie geht’s?“
Peng! Alles ist wieder da. Meine Freundin heißt Lissy und wir verabreden uns heute um 17:00 mit Thurles und Ardee. Einem Kobold und einer Elfe. Wie konnte ich das vergessen? Mein Gesichtsausdruck scheint sehr besorgt auszusehen, Lissy spricht mich nämlich darauf an.
„Hey Maggy! Hast du vergessen wer ich bin oder was ist los?“ Ich druckse ein bisschen rum, rücke dann aber mit der Sprache raus.
„Für kurze Zeit, ja. Heute morgen hatte ich den ganzen gestrigen Tag vergessen. Mir ist das superpeinlich!“
Lissy lacht mir ins Gesicht.
„Das bist du nicht die einzige. Als ich die Wesen kennen lernte, hatte ich am folgenden Tag auch keine Ahnung mehr was passiert ist. Erst im laufe des Tages fiel es mir ein. Ich habe Thurles gefragt, ob mit mir etwas schlimmes geschehen ist.
Er sagte, das die Wesen alle mit einem Vergessenszauber belegen, mit denen sie in Kontakt treten. Wenn der Zauber im laufe des Tages verschwindet können sie sicher sein das diese Person nichts über sie verraten wird. Bleibt der Zauber aber, hätte diese Person das Geheimnis verraten.“
„Ist ja irre. So können sie also immer sicher sein das sie nicht verraten werden.“
„Genau!“
Da wir nicht bei all den Menschen über die Wesen reden können wechseln wir das Thema.
Ich frage Lissy: „Wann kommst du denn heute? Du wolltest doch eher kommen.“
„Ich dachte so um vier. Dann kannst du mir auch gleich dein Haus zeigen.“
„Ist gut ich wollte nur Bescheid …“
Der Bus kommt und alle drängeln sich an den Kantstein. Der Bus hält genau vor Lissys und meiner Nase. Die Türen öffnen sich. Wir stürmen zum hinteren vierer. Wir setzten uns.
„ …wissen,“ beendet Lissy gerade meinen Satz.
„Richtig!“ Was soll ich auch anderes sagen?
Plötzlich stehen zwei Mädchen vor uns. Ich kenne die beiden. Sie sind nämlich in meiner Klasse. Franzi und Eileen.
Eileen hat lange, schwarze Haare mit blauen Strähnchen. Franzi hat kurze blonde Haare mit roten Strähnen. Ich habe gleich am ersten Tag gemerkt das die beiden eng befreundet sind. Eileen lächelt uns an und fragt: „Dürfen wir uns zu euch setzten?“
„Ja klar.“
Während sich Lissy mit den beiden anderen unterhält, schweifen meine Blicke durch den Bus. Meine Augen bleiben bei meiner Schwester haften. Sie sitzt neben einem Mädchen. Ein drittes steht neben den beiden. Zu dritt unterhalten sie sich relativ lebhaft. Plötzlich dreht sich meine Schwester um, unsere Blicke treffen sich. Sie lächelt mich an. Ich lächele zurück.
Zwischen meiner Schwester und mir steht zur Zeit ein ganz neues Band. Das finde ich richtig toll.
Als wir nach 20 Minuten bei der Schule ankommen, stürzen fast alle nach draußen. Einige, unter anderem auch wir, gehen gemütlich zur Schule. Wir werden dort schon ankommen, früher oder später. Ich weiß gar nicht, was die alle haben. Schule ist nun wirklich nicht so toll, dass man dort jede Minute verbringen muss.

Wir hatten heute sieben Stunden. Es ist jetzt viertel vor drei. Mein Bus fährt in drei Minuten. Lissy steht neben mir und schaut schon ungeduldig auf die Uhr.
„Wo bleibt denn der Bus? Wir wollen doch noch Murmeln kaufen.“
Lissy hat sich mal wieder ganz umsonst aufgeregt, eine Minute später ist der Bus da.
Wir fahren drei Haltestellen und steigen dann aus. In einem Klüngelkramladen kaufen wir drei Säckchen voll Murmeln. Die darf ich auf keinen Fall Sophie zeigen. Wenn sie nämlich rausfindet das die nicht für sie sind, wird sie mich löchern bis sie weiß für wen die sind.
Wir stehen schon wieder an der Haltestelle, nur das wir jetzt nach Hause wollen. Lissy schaut schon wieder ungeduldig auf die Uhr, sagt aber nichts. Solange wir hier warten kann ich ja erzählen was in der Schule passiert ist:
In der ersten Stunde hatten wir Mathe. Mathe gehört noch zu meinen Lieblingsfächern. Ich hatte in Amerika eine zwei. Vielleicht schaffe ich ja eine eins?
Mathe haben wir bei Mrs. Marsh. Bei ihr haben wir auch noch Erdkunde und Bio.
Für alle die nicht wissen was Bio ist: Bio ist die Abkürzung von Biologie.
In der zweiten und dritten hatten wir Kunst. Zwischen den beiden Stunden war eine große Pause. Wir haben angefangen mit Ton zu arbeiten. Ich habe einen kleinen Kobold gemacht. Mr. Huston, unser Kunstlehrer, war total begeistert und Lissy flüsterte mir zu: „Die könntest du Thurles zum Geburtstag schenken!“
Ich möchte sie aber nicht Thurles schenken. Ich möchte sie behalten und meiner Sammlung beifügen.
In der vierten hatten wir Englisch, in der fünften Latein, in der sechsten Erdkunde und in der siebten Sport. Der Schultag gefiel mir ganz gut, abgesehen vom Sportunterricht. Wie sich heraus stellte ist Lissy eine hervorragende Sportlerin. Sie möchte bald Leistungssport anfangen. Sie kann schnell laufen, gut, zielsicher und weit werfen, gut fangen und weit springen. Sie hat ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl und sie ist gerecht.
Ah! Der Bus kommt!
Lissy ist ganz am Ende ihrer Nerven, immerhin ist der Bus zwei Minuten zu spät gekommen.
Lissy ist echt total nett und ich denke wir werden gute Freunde, aber einen Fehler hat sie, sie ist total ungeduldig.
Die Bushaltestelle ist fast vor Lissys Haus. Sie muss nur zwei Minuten gehen. Ich begleite sie bis zum Haus dann muss ich noch zehn Minuten gehen, bis ich zu Hause bin. Zuhause ist alles ruhig. Ob sie alle ausgeschwärmt sind? Dad arbeitet sowieso noch. Sophie hatte nach der sechsten Stunde aus und Ma?
Ich öffne die Tür. Ich habe ja zum Glück meinen Schlüssel nicht vergessen. Doch sobald ich im Haus bin, höre ich Mas Stimme: „Hallo Schatz! Wie war die Schule? Beeile dich! Das Essen steht schon auf dem Tisch. Heute gibt es Apfelmus mit Kartoffelbrei.“ Also Himmel und Erde. So nennen zumindest die deutschen Hausmütter dieses Gericht. Es schmeckt nicht schlecht, es ist aber nicht mein Lieblingsessen.
Als ich am Tisch sitze fällt mir etwas auf was mir neu ist. Was ist es nur? Meine Güte ist es so schwer? Ich finde den Fehler einfach nicht. Woran liegt das?
Oh nein ich sehe was passiert ist.
„Ma? Ist das Kleid neu?“
„Ja! Ist es dir aufgefallen? Sophie hat es gar nicht gemerkt. Ich war heute einkaufen! …“ Ich muss sie einfach unterbrechen.
„Schon wieder? Du warst doch schon in Amerika einkaufen. Und wo ist Sophie überhaupt?“
„Musst du mich immer unterbrechen? Sophie ist bei Anne. Ich hole sie dann um halb fünf ab, damit wir zum Arzt können. Ich möchte wissen ob sie krank ist. Allmählich mache ich mir auch Sorgen. Wir werden das heute feststellen.“
„Ihr wollt zum Psychiater? Ich dachte das ist der jährliche Routinelauf zum Hausarzt!“
„Naja! Vielleicht findet der heraus was los ist.“
Ich bin entsetzt. So schlimm ist Sophies Verhalten nun auch nicht. Aber ich kenne Ma nun lange genug, leider, und weiß das sie sich nicht rausreden lässt. Um das Thema zu wechseln frage ich: „Was hast du jetzt eingekauft Ma?“
„Ich bin mit dem Bus nach Galway gefahren und habe dort Kleidung für mich eingekauft. Mir fehlten ein paar Sommerklamotten, seit ich meinen Kleiderschrank aufgeräumt habe.“
Jaja. Ich habe aufgegessen und flüchte aus der Küche. Ma hat sich so verändert, seit wir genug Geld haben und sie nicht mehr arbeiten muss. Vielleicht sollte sie sich Fortbilden. Dann wäre sie beschäftigt und müsse sich nicht langweilen. Ich muss bei Gelegenheit mit ihr darüber reden.
In meinem Zimmer mache ich sofort meine Hausaufgeben. Ich bin erstaunlich schnell fertig. Ich habe genau dreiundvierzig Minuten und zwanzig Sekunden gebraucht. Ich habe die Zeit gestoppt und neben bei meinen privaten Weltrekord geknackt. Der betrug vorher fünfundfünfzig Minuten. Ich habe mich ganz schön gebessert oder?

Unten höre ich die Tür aufgehen. Das wird Lissy sein. Ich springe zur Tür, sprinte die Treppe runter und muss erfahren das, dass der Postbote ist, der ein Packet abliefert. Ich lasse den Kopf hängen, als sich im letzten Moment jemand zwischen Tür und Angel stellt. Lissy.
Sie lacht meiner Mutter ins Gesicht, weil sie gerade die Tür schließen wollte. Ich höre sie sagen: „Hallo ich bin Lissy. Ist Mag da? Wir haben uns verabredet!“
Ich kann nicht anders: „Ich bin hier Lissy! Ich dachte schon das du nicht mehr kommst!“ Ich laufe zu ihr und sage meiner Mutter: „Ma? Das ist Lissy. Meine Freundin aus der Schule.“
Ma lächelt Lissy an und antwortet: „Schön. Ich bin Franziska, Maggys Mutter.“
Mit diesen Worten führe ich Lissy in mein Zimmer. Ich lächele sie an und weise sie auf meinen Sessel. „So, nun bist du hier. Was wollen wir solange machen, bis Thurles und Ardee kommen?“
„Ich denke, du zeigst mir erst mal das Haus. Ich möchte vor allem die Bibliothek sehen.“
„Dann mal los!“
Ich zeige ihr jeden Winkel von unserem Haus. Wir sprechen keine Silbe, bis wir ins große Badezimmer kommen. Schlagartig fällt mir der kleine Hebel unter dem Wasserhahn ein.
„Lissy! Ich habe etwas merkwürdiges entdeckt, gestern als ich gebadet habe.“
„So? Was den?“
„Unter dem Wasserhahn von der Badewanne ist ein kleiner Hebel. Ob er ein Geheimgang verbirgt?“
„Das werden wir nachher erfahren. Thurles wird den Zeitstopper mitbringen. Dann haben wir genug Zeit.“
Wir gehen weiter, wieder schweigend. Ziemlich langweilig, oder? Uns fällt aber kein Gesprächsthema ein und ich glaube ich weiß auch woran das liegt. Ma ist im Haus. Aber nicht mehr lange.
Der Zeiger von der Uhr bewegt sich im Eiltempo der sechs zu, was bedeutet das es gleich halb fünf ist und das bedeutet das Ma gleich los geht um Sophie abzuholen. Sie tut mir richtig leid, aber was soll man machen?
Jetzt ist es halb fünf und Lissy und ich sind bei der Bibliothek angekommen.
„Tschüss Maggy, tschüss Lissy! Ich hole jetzt Sophie ab, damit wir zum Arzt können. Viel Spaß noch!“
„Zum Arzt? Zu welchem Arzt?“ Lissy! Ich würde dir jetzt furchtbar gerne den Hals umdrehen.
„Zum Psychiater.“ Lissy schaut mich mit großen Augen an.
„Zum Psychiater? Ist Sophie so krank?“
„Nicht wirklich, sie hat sich nur ein bisschen verändert. Ich weiß auch warum, aber Ma nicht. Sophie tut mir ganz schön leid.“
„Warum hast du deiner Mutter nicht den Grund verraten?“
„Dafür gibt es drei Gründe:
1. Wenn sie nicht zum Arzt müssten, würden sie zu Hause sein und wir könnten nicht das Haus untersuchen.
2. Ma würde es mir nicht Glauben was ich ihr erzähle
3. Würde sie sagen, dass es nicht schaden würde zum Psychiater zu gehen.“
Lissy scheint es immer noch nicht fassen zu können. Trotz allem öffne ich die Tür zur Bibliothek und Lissy ist erst mal vom Schreck erholt, weil sie einen neuen zu bekämpfen hat. Ihre Augen werden groß und größer. Am Ende sind sie so groß wie ausgewachsene Äpfel.
„Unglaublich! Hier können wir lange suchen, bis wir was finden!“
„Nicht unbedingt!“ Lissy guckt mich misstrauisch an.
„Was willst du damit sagen?“
„Das ich einen Anhaltspunkt habe! Wieso?“
„Was meinst du damit? Hast du einen Hinweis gefunden?“
„Nein, aber mein Vater. Meine Schwester hat ein Buch von ihm bekommen, darin war ein Zettel. Hier hast du ihn. Sagt er dir was?“
Ich gebe Lissy den Zettel. Sie schaut drauf, schüttelt aber mit dem Kopf.
„Was ist das für eine Schrift? Und woher weiß dein Vater das?“
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nur das, das griechisch ist. Aber ob das überhaupt was mit den Wesen zu tun hat, weiß ich ebenfalls nicht.“
„In dem Punkt kann ich dir helfen. Es ist zwar nicht sicher, aber immerhin…“
„Nun rede schon!“ Lissy ist unmöglich. Sie regt sich auf, wenn jemand zu langsam ist, aber selber ist sie die ruhe in Person.
„Ich habe Schilder in Mayo gesehen, die mit dieser Schrift beschrieben waren. Weißt du was es heißt?“
„Noch nicht…“ Währendessen greife ich in einen Schrank und ziehe ein Buch heraus mit der Aufschrift: Das Geheimnis der anderen Sprachen und Schriften.
„…,aber mit diesem Buch werden wir es heraus finden.“
Ich schlage die Seite mit den griechischen Schriftzeichen auf. Lissy und ich beugen unsere Köpfe darüber. Nach fünfzehn Minuten haben wir den Text übersetzt. Er lautet:

Den Schatz, den ich suche, finde ich dort wo versteckt das geheime Buche. Betätige ich den Hebel an der Wand, öffnet sich die hellblaue Wand. Doch bevor ich öffnen kann das Versteck, muss ich finden den Schlüssel im Verdeck. Mit dem Verdeck wird gemeint, das Gemälde, auf dem wird geweint.

Lissy und ich gucken uns an, doch bevor wir uns weitere Gedanken machen können, klingelt die Tür. Das müssen Thurles und Ardee sein.
Lissy öffnet die Tür und, ja sie sind es.

Kapitel 7

Das erste was Thurles fragt ist: „Hast du die Pläne?“ Unhöflich, oder? Ich glaube ich erahne gerade woher Lissy ihre Ungeduld hat.
„Hallo Thurles! Hallo Ardee! Wie war die Anreise? Lissy und ich haben gerade eine tolle Entdeckung gemacht! Und wir haben einen Mysteriösen Hebel gefunden. Er befindet sich im Badezimmer im Obergeschoss.“
Ich sehe die wütenden Augen von Thurles, und das unterdrückte lächeln von Ardee und ich beeile mich seine Frage zu beantworten.
„Ja ich habe die Pläne.“
„Schön! Und was habt ihr noch gefunden?“
„Einen Hebel im Badezimmer. Er könnte einen Geheimgang verbergen und wir haben einen Geheimen Text gefunden. Hier ist er. Sagt er dir irgendetwas?“
Lissy gibt Thurles den Zettel mit der Geheimschrift.
„Nun ja… es ist die alte Schrift der Wesen. Aber ich kann sie nicht entziffern. Wisst ihr die Schrift geratet in Vergessenheit.“
Lissy und ich lächeln Thurles an. Zusammen sagen wir: „Wir haben ihn übersetzten können, hier ist der Übersetzte Text.“
Ich gebe Ardee den zweiten Zettel. Thurles und sie Beugen sich darüber. Ardee zieht die Augenbraunen hoch.
„Den Text habe ich schon einmal gehört. In Mayo sang irgend so ein Wichtel diesen Text die ganze Zeit. Ich dachte den hatte er erfunden. Woher hast du den Text Maggy?“
Ich erzähle Ardee und Thurles die Geschichte. Beide runzeln die Stirn und Ardee sagt: „Wir müssen aufpassen. Dein Vater wird uns immer gefährlicher. Ich hoffe jetzt aber das er uns keine Falle gestellt hat.“ Ale schweigen. Es könnte tatsächlich sein das Dad das tut, um uns zu überlisten. Ich kenne Dads Dickkopf nur allzu gut. Thurles unterbricht meine Gedanken.
„Ich stelle den Zeitstopper an O.K.?“
„O.K.! Dann mal los.“
Als erstes gehen wir ins Badezimmer. Ich gehe geradewegs zum Wasserhahn und betätige den Hebel. Es passiert nichts.
„Scheint ein Fehlalarm gewesen zu sein!“
Doch Ardee irrt sich. Als wir bereits das Bad verlassen wollen, bewegt sich was in der Wanne. Ich mache die anderen darauf aufmerksam. Alle drehen sich wie auf Kommando um. Ich bin ganz aufgeregt.
„Es hat sich eine Falltür geöffnet!“ Lissy platzt. Sozusagen.
„Das ist ja unglaublich!“
Nun ergreift Thurles das Wort, er hat erstaunlich lange nichts mehr gesagt.
„Ich werde den Weg Auskundschaften, vorher tut niemand von euch etwas! Verstanden?“ Ardee, Lissy und ich nicken mit dem Kopf.
Thurles springt durch das Loch. Von unten hören wir einen leichten Aufprall.
„Autsch!“ Das ist Thurles. Eindeutig.
„Kommt runter! Aber passt auf! Hier ist es sehr steinig.“
Zuerst springt Ardee, danach ich und nach mir… wer bleibt übrig? Genau. Lissy. Lissy springt als letzte.
Jetzt sind alle unten. Es ist stockduster. Zum Glück hat Thurles ein Laterne mitgebracht. Wir gehen einen langen Gang entlang. An den moderigen Wänden hängen Viele Bilder und Gemälde. Lissy fragt: „Ob hier wohl auch das Gemälde ist, von dem im Gedicht die Rede ist?“
„Wie lautete denn der Vers?“, fragt Ardee.
„… mit dem Verdeck ist gemeint, ein Gemälde, auf dem wird geweint.“
„Aha! Mag? Hast du so ein Gemälde in eurem Haus gesehen?“
„Nein!“
Wir gehen weiter und betrachten die Bilder an den Wänden genau, vielleicht ist ja das Gemälde, auf dem geweint wird, dabei?
Nach einiger Zeit, kurz bevor wir dachten, dass es hier endlos dauern könnte bis wir etwas finden, sehen wir eine Tür. Thurles ist die Ruhe selbst, wir anderen flippen fast aus vor Spannung.
„Nur die Ruhe die Damen. So toll wird schon nicht sein. Vielleicht ist ja auch ein Monster hinter der Tür?“
Wir wissen das er das nur gesagt hat um uns zu ärgern, aber ein bisschen Angst bekommen wir doch. Was ist wenn er im Scherz recht hat?
Ardee, die am wenigsten Angst von uns Mädchen hat, öffnet die Tür. Uns kommt ein Schwall von Gold entgegen.
Tausende von Goldbarren sind aufgestapelt. An den Wänden sind Gemälde in goldenen Rahmen. Der Fußboden ist mit silbernen Fliesen ausgelegt und im Raum stehen mehrere Glaskästen mit Schmuck, Diamanten und kostbaren Edelsteinen. Die Steine gibt es in jeder erdenklichen Farbe. Hellblau, dunkelblau, türkis, rosa, rot, magenta, lila, violett, pink, dunkelgrün, olivgrün, mint, gelb, schwarz, weiß, und grau. Dann haben welche Punkte, Streifen oder Vierecke als Muster und andere sind gesprenkelt oder gescheckt. Ich würde sie am liebsten mitnehmen.
Als ob Thurles meine Gedanken erraten würde, sagt er: „Nichts anfassen! Wer weiß, vielleicht ist alles vergiftet? Guckt euch um, ob hier ein Gemälde ist, auf dem geweint wird. Wenn es hier keins gibt, gehen wir weiter.“
Wir verteilen uns in die vier Himmelsrichtungen, und schauen was wir finden können. Der Raum ist sehr groß, aber wir finden kein Bild auf dem geweint wird. Nach zwanzig Minuten vergeblicher Suche sagt Ardee: „Es lohnt sich nicht weiter zu suchen. Hier finden wir nichts.“
Wir gehen durch die Tür. Zum Glück bemerke ich noch, das ich mein Zopfgummi verloren habe, bevor wir die nächste Kurve erreicht haben. Ich laufe schnell zurück um es zu holen. Ich sehe es sofort. Es liegt ungefähr in der Mitte des Raumes. Als ich mich bücke, um es aufzuheben, gucke ich zufällig zur Seite und bemerke in der Vitrine neben mir ein Bild. Auf dem Bild ist eine junge Frau abgebildet. Sie hat ein Baby auf dem Arm und weint. Sie weint!! Sie weint!
Ich springe auf und laufe zu Ardee, Lissy und Thurles. Ich erzähle die tolle Nachricht und Lissy springt in die Luft.
„Endlich! Wir haben dieses bekloppte Bild gefunden. Wer denkt schon an ein kleines Bild? Im Gedicht ist schließlich von einem Gemälde die Rede!“
„Du hast Recht Lissy! Aber nun sollten wir den Schlüssel aus dem Versteck holen. Bist du nicht auch der Meinung?“
„Jaa, Ardee!“
Wir gehen zurück. Als wir bei der Tür anlangen, finden wir sie verschlossen wieder.
„Merkwürdig! Als ich eben hier war, war niemand da, der sie hätte abschließen können. Träum ich, oder was ist los?“
„Du träumst nicht. Ardee, Thurles, du und ich, wir sehen alle, dass die Tür durch einen mysteriösen Weg, verschlossen wurde. Vielleicht ist doch jemand hier?“
„In der Tat, hier ist noch jemand!“
Die Stimme klingt sehr kalt, wir haben uns alle furchtbar erschrocken. Langsam drehe ich mich um. Die anderen tun es auch. Dort steht eine kleine Person. Eindeutig ist es ein Wesen. Im Licht erkennt man sie genauer. Sie hat ein durchsichtiges Gewand an. Darunter hat sie schwarze Kleidung an. Wir Menschen würden es Unterwäsche nennen, aber ich glaube die Wesen nennen es anders. Sie hat blondrotes Haar das bis zum Kinn reicht. Sie ist ein wenig füllig gebaut und sie hat Pantoffelähnliche Schuhe an.
„Wer bist du?“ Ich hoffe Ardee hat nichts falsches gesagt! Einige Menschen regt es furchtbar auf, wenn man ihnen so eine Frage stellt.
„Ich bin Drogheda. Die Hüterin des Schlüssels. Vor langer Zeit, beauftragte der Heerscher der Wesen mich, den Schlüssel des größten Schatzes zu behüten. Er schenkte mir ein Leben das nie enden wird, ein Haus und Nahrung die nie zu Ende geht. Aber ich musste versprechen den Schlüssel nie aus den Augen zu verlieren.“
„Ich bin der Freund, vom Herrscher über die Wesen. Ich selbst bin Anführer der Kobolde von Galway und Tyrone. Wir brauchen den Schlüssel dringend. Bitte gib ihn uns. Wir werden darauf achten!“
„Das geht nicht! Ich habe mein Wort gegeben. Ich kann den Schüssel nur weiter geben, wenn die besprechenden Personen ein bestimmtes Rätsel lösen.“
„Und wie lautet dieses Rätsel?“ Thurles wurde ungeduldig und man sieht seinen Zorn in seinen Augen.
„Ich weiß nicht mehr recht, ich muss mal überlegen…, aber ihr wisst, dass ihr sterben werdet, wenn ihr das Rätsel nicht löst, oder?“
„Das weiß doch jedes Baby! Überlegen sie endlich! Damit wir anfangen können!“
Lissy ist der Geduldsfaden gerissen. Wenn man eine gute Fantasie hat, hat man ihn sogar reißen hören.
„Ich muss im Buch nachgucken. Solange müsst ihr warten! Ich bin gleich wieder da!“
Thurles hat schlechte Laune und ich bezweifle das sich das schnell ändern wird! Wir müssen ganze 15 Minuten warten, bis Drogheda endlich wieder auftaucht.
„Ich hab es!“
„Ist ja toll! Und wie lautet das Rätsel? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“
„Nur die Ruhe, Freund des Oginos. Es dauert nicht lange ihr müsst mir nur auf meine Frage eine korrekte Antwort geben.“
„Und wie lautet diese Frage?“
„Quod nomen tibi est?“
Meine Augen blitzen auf. Das ist Latein! Es ist ein Leichtes diese Frage zu beantworten.
„An wen ist die Frage gestellt?“
Ich muss das Fragen, weil sie die Frage in der Einzahl gestellt hat.
„Wozu ist das wichtig Maggy? Ich habe keine Ahnung wovon die Alte spricht. Weißt du welche Sprache sie gesprochen hat?“
„Ja Lissy!“, flüstere ich.
„Ich habe die Frage an die Elfe gestellt.“
Jetzt ist alles aus. Ardee hat nämlich, genau wie Lissy und Thurles, keine Ahnung von Latein. Ardee guckt mich hilfesuchend an. Ich versuche ihr Zeichen zu machen, doch sie versteht sie nicht.
Als wir zehn Minuten später immer noch nicht weiter sind, meint Drogheda: „Also gut, wie ich sehe weißt du nichts auf die Frage zu antworten, deshalb schlage ich euch etwas vor.
Ihr dürft euch aussuchen wer von euch die Frage beantwortet, danach müsst ihr aber noch eine andere Aufgabe erledigen.“
Thurles ergreift das Wort: „Einverstanden. Wir wählen Maggy!“
Ich will gerade anfangen die Frage zu beantworten, als Drogheda noch mal anfängt.
„Ich möchte euch warnen. Die zweite Aufgabe ist sehr gefährlich!“
„Ist ja schon gut! Es ist sehr nett von dir uns zu warnen, aber was sollen wir sonst machen? Wenn wir die zweite Aufgabe nicht annehmen, dann können wir nicht die erste lösen!“
„Du hast ja recht! Aber ihr könnt doch auf den Schlüssel verzichten!“
„Können wir nicht!…“
Während Drogheda und Thurles diskutieren, was sie können und was sie nicht können, gehe ich zu Ardee.
„Ardee ich habe eine Idee! Höre schnell zu!“
„Lass hören!“
„Ich verrate dir jetzt was du antworten musst. Wenn du die Aufgabe löst, müssen wir nicht eine zweite Aufgabe erledigen!“
„Tolle Idee! Aber beeile dich mir zu verraten was ich sagen muss! Die beiden sind gleich fertig mit diskutieren!“
„Der Text heißt übersetzt: Wie heißt du? Du musst antworten: Mihi nomen est Ardee!“
„Mihi nomen est Ardee? Woher kennst du diese Sprache?“
„Das ist Latein. Ich lerne sie in der Schule, warum Lissy das nicht gemerkt hat verstehe ich nicht!“
Lissy mischt sich ein.
„Was verstehst du nicht?“
„Ist jetzt egal! Ich erkläre es dir später!“
Thurles und Drogheda hören auf zu reden. Sie scheinen sich geeinigt zu haben.
Thurles wendet sich an Ardee.
„Ardee? Weißt du wirklich nicht was du antworten musst? Wir könnten uns Schreckliches ersparen!“
„Stell dir vor. Es ist mir eben eingefallen!“
„Das ist nicht dein Ernst, oder?“ Thurles ist fassungslos.
„Doch! Wirklich. Mir ist gerade eingefallen das ich mit Trim darüber gesprochen habe. Er hat mir ein paar Zitate aus einer Geschichte erzählt. Dieser Satz war auch dabei!“
Eins muss ich ihr lassen, flunkern kann Ardee hervorragend.
„Nun gut Elfe. Beantworte meine Frage, aber in der gleichen Sprache!“
Schock für alle. Nur nicht für Ardee und mich.
Zum Glück hatte ich mitgedacht. Ich hatte so eine innere Intuition, dass Drogheda verlangen würde, dass Ardee in der selben Sprache antworten soll. So kann sie nämlich verhindern das Ardee die Information von mir oder sonst wem hat. Na gut. Sie hätte es verhindern können, wenn ich nicht mitgedacht hätte.
„Meine Antwort lautet: Mihi nomen est Ardee!“
Drogheda ist schockiert. Noch nie, hat ihr jemand auf die Frage richtig geantwortet. Ich tröste sie ein bisschen.
„Seien sie nicht traurig! Wir bringen ihnen den Schlüssel wieder, sobald wir das Versteck gefunden haben.“
„Ihr habt mich ehrlich besiegt. Ich will euch helfen. Das Buch war nicht direkt in der Bibliothek versteckt.“
„Wie meinst du das?“
„Hinter einem Bücherregal, ich verrate nicht welches, es ist eine Geheime Tür! Dort war das Buch.“
„Danke. Dürfen wir jetzt ins Zimmer?“
„Natürlich!“
Drogheda schließt die Tür auf. Ich gehe rein und zeige den anderen drei wo das Bild steht. Thurles nimmt es und steckt es in seine Tasche.
„Wir bringen das Bild und den Schlüssel bald wieder.“
„Ist gut, aber vergesst es nicht!!“
Mit diesen Worten gehen wir zurück.
Als wir ein Stück weiter sind hören wir auf einmal ein bellen. Thurles ist irgendwie aufgeregt. Ich auch. Ich glaube das, das Max ist, der sich einsam fühlt. Plötzlich kommt uns ein Hund entgegen.
„Max!“; rufe ich überrascht, neben mir höre ich auch einen Ausruf, von drei Personen, der mich sehr sauer macht.
„Oginos! Was machst du denn hier?“
Ich bin sehr aufgebracht, mein Hund heißt doch nicht Oginos!!
„Was fällt euch ein meinen Hund Oginos zu nennen? Er heißt Max!!“
„Das ist doch nicht dein Hund! Das ist unser Herrscher Oginos. Er hat die Gestalt eines Hundes.“
„Das stimmt Mag! Ich habe ihn auch schon mal gesehen!“
„Halte doch die Klappe Lissy! Das ist eindeutig mein Hund. Ich erkenne ihn doch wieder. Schaut her. Er hat hier am Bein eine Narbe. Sein Halstuch ist rot, so wie das von Max. Seine Nase ist rosa und schwarz, genau wie bei Max. Seine Ohrentätowierung ist identisch mit der von Max…!“
Plötzlich fängt mein Hund an zu sprechen. Mein Hund.
„Ihr habt alle Recht. Ich bin Oginos, aber ich bin auch Max.“
Ich kann es nicht glauben. Dieser Hund, ich habe ihn seit drei Jahren, ist der Anführer und er hat mich nicht eingeweiht. Nicht mal sein Frauchen. Langsam verfliegt die Sprachlosigkeit und Zorn steigt auf.
„Und warum hast du mich nie darin eingeweiht? Mir hättest du doch vertrauen können! Weißt du wie ich mich jetzt fühle? Verraten. Von meinem eigenen Hund.“
„Ich konnte nicht. Wir hatten schon wesendlich schlimmere Zeiten wie jetzt. Du wärest in zu großer Gefahr gewesen. Das wollte ich nicht Verantworten.“
Mein Zorn verfliegt. Ich umarme meinen Hund, der ja eigentlich Oginos heißt und nicht Max. Doch eine Frage habe ich noch auf den Herzen.
„Wieso bist du ein Hund?“
„Vor genau drei Jahren, fünf Monaten und zwei Tagen musste ich gegen eine böse Fee kämpfen. Ich siegte. Sie starb. Doch bevor sich ihre Augen für immer geschlossen hatten sagte sie noch: „Sei verflucht! Du wirst für genau dreißig Jahre, drei Monate und dreißig Tage ein Hund sein. Nur bei Voll-, und Neumond wirst du jeweils zwei Stunden als Mensch verbringen dürfen. Und wenn diese Frist abgelaufen ist, wirst du für immer ein Mensch sein.“
Max liefen zwei dicke Tränen über die Wangen. Das macht mich sehr traurig.
„Was für ein Wesen warst du denn?“
„Du bist die erste Person die mir diese Frage stellt und du wirst auch die erste Person sein die es erfahren wird.“
Er kommt zu mir. Ich gehe in die Hocke und er flüstert mir ins Ohr.
„Ich war ein Sonnenelf.“
Das ist mir neu und ich flüstere zurück: „Was ist denn ein Sonnenelf?“
„Ich glaube die anderen warten. Ich erkläre es die wenn die anderen nach Hause gehen.“
Thurles kommt zu uns und unterbricht uns schroff.
„Können wir weiter gehen? Wir haben nicht ewig Zeit!“

Kapitel 8

Zurück brauchen wir nicht einmal die hälfte der Zeit die wir hin gebraucht haben. Max, oder Oginos, hat sich bereit erklärt uns zu begleiten. Wir unterhalten uns auf den Weg zurück zur Falltür nur über die Wesen und über das was wir die letzten drei Jahre erlebt haben.
Ich glaube Lissy ist beleidigt, weil ich mich im Moment mehr mit Max beschäftige. Ich solle ihr eine Erklärung liefern.
Wir haben die Falltür erreicht. Zum Glück führt eine Trittleiter hinauf, sonst würden wir gar nicht hoch kommen.
Natürlich hat Max Schwierigkeiten eine Trittleiter zu erklimmen, doch mit vereinten Kräften schaffen wir es. Lissy ist als erstes dran, dann komm ich. Wir sind eine Zeit alleine. Also los Maggy! Wir stehen beide stumm im Badezimmer. Unter uns versuchen Ardee und Thurles Oginos hoch zu schieben.
„Du Lissy?“
„Wenn du mir erklären willst warum du dich eben nicht so sehr um mich gekümmert hast, brauchst du das nicht.“ Ich hätte eine katzige Gegenfrage erwartet wie: „Ist was?“ oder „Was willst du?“, stattdessen hat Lissy in einem vernünftigen, freundschaftlichen Ton geantwortet.
„Zuerst war ich ein wenig beleidigt, das gebe ich offen zu, aber als mir Ardee erklärt hat, das du nicht mein Kindermädchen bist und dich auch mal mit anderen Sachen beschäftigen darfst, ist mir klar geworden das sie Recht hat. Wenn du vor hattest dich zu entschuldigen oder so was, du brauchst es nicht, stattdessen entschuldige ich mich. Maggy es tut mir leid das ich eifersüchtig auf dich war, verzeihst du mir?“
„Das muss ich mir noch mal schwer überlegen.“
Lissy hebt langsam den gesengten Kopf. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, doch jetzt können wir nicht mehr ernst bleiben. Wir beide lachen laut los. Von unten kommt ein böser Ausruf.
„Hört auf mit dem Lachen! Helft uns lieber! Oginos ist zu schwer.“
Lissy und ich drehen uns um und ziehen Oginos aus den Schacht. Nach einer weiteren Minute sind alle im Badezimmer und die Falltür schließt sich.
„Nun lasst uns in die Bibliothek gehen!“
Max hat recht und mir fällt ein das ich ihn noch ein paar Fragen stellen will.
„Max? Möchtest du jetzt eigentlich von mir Oginos genannt werden oder bist du mit Max zufrieden?“
„Nenn mich bitte weiterhin Max. Ich höre es gerne.“
„Wie alt bist du eigentlich?“
„Sehr alt!“
„Wie alt?“
„Sehr alt!“
„Belästige ich dich mit der Frage oder nerve ich dich?“
„Nur ein bisschen… Nein! Natürlich nicht. Aber ich möchte nicht auf diese Frage antworten. Vielleicht ein anderes mal. Frag mich was anderes.“
Na gut. Fragen habe ich ja genug auf dem Herzen.
„Warum warst du nicht schon eher in der Bibliothek? Du hattest ja geradezu freie Bahn. Morgens wenn Ma schläft und wir anderen weg sind hast du doch genug Gelegenheiten!“
„Das mag wohl sein, aber dein Vater ist ein ganz schlauer. Abends schließt er die Bibliothek immer ab. Er schließt sie nur auf wenn er im Haus ist…“
„Dann hätte die Bibliothek doch jetzt auch abgeschlossen sein müssen. Irgendwie verstehe ich das nicht. Es sei denn Dad ist zu Hause…“
„Das ist er bestimmt nicht.“ Lissy mischt sich in unser Gespräch.
„Ich glaube, dein Vater denkt, dass niemand Fremdes in die Bibliothek geht, wenn jemand von euch zu Hause ist.“
„Ich verstehe es trotzdem nicht. Morgens ist Ma doch da. Und jetzt ist Vormittags auch niemand da. Ma geht einkaufen und Dad ist nicht da um abschließen zu können. Außerdem, woher soll Dad wissen das Max der Anführer der Wesen ist? Das passt alles nicht zusammen!“
Keiner hat eine Antwort darauf, keiner.
Wir gehen schweigend weiter.
Kurz vor der Bibliothek bleibe ich stehen.
„Wartet kurz!“
Ich laufe die Treppe rauf, so schnell ich kann. Ich öffne jede Tür. Vielleicht ist Dad ja doch da. Als ich oben nichts finde, laufe ich wieder runter. Auch hier öffne ich jede Tür. Doch niemand ist drin. Ein bisschen bin ich erleichtert. Ich renne zurück zu meinen Freunden.
„Alles okay. Ihr könnt rein gehen.“
Ardee öffnet die Tür. Alle gehen rein. Thurles schließt sie hinter uns. Wir gehen in die Mitte des Raumes, doch was wir jetzt machen sollen, weiß keiner so recht.
„Drogheda sagte, hinter einer der Schränke liegt eine geheime Tür. Leider gibt es hier an die hundert Regale. Wo sollen wir zuerst suchen?“
„Vielleicht sollten wir nach einem Hebel oder so schauen. Womit sich die Tür womöglich öffnen lässt!?“
„Woher willst du wissen, dass es einen Hebel oder so gibt?“
„Ja also…“
Während sich Ardee und Lissy zanken, gehen Thurles und ich im Raum herum und gucken nach Hinweisen. Als zehn Minuten verstrichen sind, schüttelt Thurles mit dem Kopf.
„Wir werden nie was finden!“
„Mein Vater hat es ja auch gefunden! Und der wusste nicht einmal wo nach er suchen soll.“
„Nicht den Kopf hängen lassen Thurles. Wir schaffen es!“
„Ich weiß nicht Oginos.“
Mit diesen tragischen Worten lässt er sich auf den einen, nein den einzigen, Stuhl fallen. Er lehnt sich zurück und seufzt.
Plötzlich bewegt sich der Schrank neben dem Stuhl.
„Wir haben es gefunden!“
„Woher willst du das wissen?“
Lissy ist so pessimistisch. Warum lässt sie Ardee nicht die Freude?
Es ist wirklich eine geheime Tür. Lissy öffnet sie ehrfürchtig. Die Tür ist auf. Der Raum sieht nach einem alten Büro aus. Der Tisch ist bestimmt älter als ich. Na gut der Vergleich ist nicht gut. Wir wäre es mit: Mindestens so alt wie Ardee?
Auch nicht gut, was?! Okay… wo waren wir eben stehen geblieben? Ach ja genau…!
Nun, wir betreten jetzt das Zimmer. Lissy hat wohl die Sprache wieder gefunden.
„Leute! Ich glaube wir sind doch da, wo wir sein wollen. Was müssen wir noch mal such? Mag gib mal den Zettel her!“
Ich gebe ihr den Zettel, ich muss mir das lachen verkneifen. Ich glaube ich sehe sehr verkrampft aus. Lissy runzelt nämlich die Stirn und Ardee hält sich den Mund zu, um nicht loszulachen.
„Was habt ihr denn? Wir müssen nach einem Hebel suchen.“
Wir fangen an. Doch ab und zu musste einer von uns lachen. (Lissy ausgeschlossen.) Lissy macht sich jetzt bestimmt viele Gedanken wieso wir immer lachen müssen oder sie hat es bereits erraten. Weißt du bereits warum wir immer lachen müssen? Lissy war erst so pessimistisch bzw. negativ als wir den geheimen Raum suchten und jetzt tut sie gerade so als hätte sie ihn alleine gefunden.
Wir suchen unermüdlich, doch wir finden nichts! Ob wieder etwas dahintersteckt wie beim Stuhl? Vielleicht sollten wir mal alle Tischbeine bewegen? Oder die Sessellehne? Ich probiere es mal aus! …
Hey! Die Wand bewegt sich! Dahinter kommt ein kleiner Schrank hervor. Ob da drin der Schatz ist? Es wäre ja toll! Thurles kann nicht mehr ruhig stehen. Ardee und Max auch nicht. Lissy rutscht bald aus wenn sie sich weiter so bewegt. Ich bin die ruhe selbst. Ich komme mir dabei geradezu unbehaglich vor. Zum Glück rettet Max die Situation.
„Schließe du die Tür auf Mag. Du hast als einzige eine ruhige Hand dafür!“
„Ist gut!“
Langsam drehe ich den Schlüssel um. Alle sind mucksmäuschenstill. Was uns wohl erwartet? Ich öffne die Tür. Ich erwarte eine große goldene Truhe, doch ich werde enttäuscht. Eine kleine Truhe steht da. Der Name Kästchen wäre besser dafür geeignet.
„Nun öffne sie schon Mag!“
Ich öffne den Verschluss. Die anderen umringen mich. Alle Köpfe beugen sich über den Kasten. Im Kasten ist nur ein Brief.
„Ist das alles? Ein Brief?“
Ich bin erschüttert.
„Lies ihn vor!“
Manchmal überrascht mich Lissy echt. Das hätte ich jetzt nicht von ihr erwartet. Ich finde es erschütternd das alles umsonst war. Was erhofft sich Lissy? Wer weiß ob mein Vater den Schatz gefunden hat? Es ist furchterregend.
„Ich finde auch das du den Brief vorlesen solltest. Wer weiß was drinnen steht. Vielleicht wurde der Platz des Schatzes verändert?“
„Hör auf zu spinnen Oginos. Wer sollte das denn machen?“
„Ich weiß es nicht. Ließ ihn trotzdem vor!“
„Na gut. Also …“

Hallo ihr!!
Seit ihr mal wieder zusammen auf Schatzsuche? Ich habe es noch nie geschafft euch in die Quere zu kommen. Ihr ward immer zu schlau für mich! Doch nun scheint es mir endlich gelungen zu sein. Ich wette ihr seid jetzt besorgt und verwundert zu gleich. Wo ist euer Schatz? Nun, ich habe ihn. Ich verrate nicht wo, aber ich schlage euch einen Handel vor. Ich bekomme ein Paar Sachen von euch und ihr bekommt euren Schatz wieder. Gute Idee was? Ihr wollt bestimmt wissen wie ihr das schafft. Hier ist mein Vorschlag: Ich und meine Freunde bekommen Mullingar, den geheimen Brunnen – wo die Staubkörner von einem Wesen wieder zu leben erweckt werden können – und das Buch der Wesen. Das wäre alles. Ich wollte erst mal Bescheiden wirken. Doch bevor wir uns näher darüber unterhalten können müsst ihr erraten wer ich bin. Ich gebe euch nur ein paar Tipps.
Es gibt ein Buch von mir.
Thurles, wir kennen uns schon lange. Sehr lange.
Ich bin relativ bekannt.

Herzlichen Gruß
W.M.

Stille. Keiner sagt etwas. Nach ein paar Minuten platz Max.
„Was sollen wir jetzt machen?“
„Weiß ich nicht. Aber wir müssen heraus finden wer das ist. W.M. irgendwo habe ich diese Initialen schon mal gelesen. Angeblich kennen wir uns schon lange, aber…“
„Hör auf! Das bringt nichts. Selbst wenn wir herausfinden wer es ist. Habt ihr vor das Lösegeld einzuzahlen? Der Typ ist unverschämt! Bescheiden! Pah!“
„Reg dich nicht auf Ardee. Wir wissen das es unverschämt ist. Wenn er nur Mullingar verlangt hätte. Das hätte ich noch akzeptiert. Aber die anderen Sachen gehören rechtmäßig jedem. Nicht nur einem.“
„Ja aber Max was machen wir jetzt? Ihr braucht doch das Midrulat!“
„Das mag wohl sein, aber was schlägst du vor? Es gibt keine andere Wahl. Entweder wir zahlen das Lösegeld und kriegen den Schatz, oder wir lassen es und bekommen nichts.“
Plötzlich mischt sich Lissy in unser Gespräch ein. Sie wirkte die letzten Minuten sehr nachdenklich.
„Ich weiß wer der Typ ist. Mulrany Wichtelbold. Er hat seine Initialen nur Vertauscht. Er hat ein Buch über die bösen Mächte in uns geschrieben. Er gilt als sehr mächtig. Zumindest bei den Trollen. Und…“
„… er ist mein Halbbruder.“
„Wie kann er denn dein Bruder sein? Ich meine, ein Wichtelbold gehört doch nicht zu der Familie Kobolde, oder?“
„Ein Wichtelbold ist eine Kreuzung zwischen Kobold und Wichtel. Meine Mutter hatte zwei Männer. Sie sind inzwischen beide tot. Ihr Staub ist auf dem Friedhof zerstreut. Ich hätte nie gedacht das er dazu in der Lage wäre.“
„Mein Gott ist das Verwirrend. Ich blicke gar nicht durch.“
„Ich würde vorschlagen, wir gehen hoch in Mags Zimmer und beraten uns dort weiter!“
„Na gut, mein Zimmer ist oben, das mit der bunten Tür!“
Wir marschieren los. Kann man eigentlich etwas verschenken oder übergeben, wenn man nicht mal weiß wo es ist? Der Brunnen gilt doch als verschollen!
Wir gehen an der Uhr vorbei, es zeigt immer noch kurz nach fünf. Wie viele Stunden wohl vergangen wären, wenn die Uhr noch ginge? Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren.
Alle sind in meinem Zimmer. Ich schließe die Tür und hole eine Keksdose aus meinem Schrank.
„Was machen wir jetzt?“
„Tolle Frage Mag! Es sollte heißen: Was machen wir jetzt zuerst? Den Brunnen suchen, den Rat einberufen oder mit Mulrany reden?“ Sei nicht so fies Lissy! Woher soll ich wissen was ich fragen soll?
„Ich würde ja gerne wissen wie er an den Schlüssel kam. Oder kann er Latein?“
„Nein Mag, aber Wichtel haben Zauberkräfte. Und er ist nun mal ein halber Wichtel.“
„Schön… was machen wir jetzt?“ Ich sehe Lissys finsteren Augen.
„Nein! Was machen wir jetzt zuerst?“
Lissys Stirn glättet sich.
„Ich glaube wir sollten zuerst mal den Brunnen suchen, alles weitere ergibt sich vielleicht.“
„Glaubt ihr mein Vater hat seine Finger irgendwie im Spiel?“
„Woher sollen wir das wissen? Vielleicht. Ich denke auch, so wie Ardee, das wir zuerst den Brunnen suchen sollten.“
„Okay, hiermit schließe ich die Notsitzung. Ardee und Thurles ihr werdet zu Mullingar gehen und mit ihm reden. Ihr wisst schon wo rüber. Lissy, Mag und ich werden uns auf die Suche nach dem Brunnen machen. Wir werden aber erst morgen anfangen. Wir brauchen erst mal schlaf.“
„Einverstanden Häuptling!“
Thurles und Ardee verabschieden sich. Lissy bleibt noch ein bisschen.
„Aber nicht mehr lange ich muss noch Hausaufgaben machen!“
Es ist unglaublich! Ich kenne Lissy, Thurles uns Ardee gerade mal zwei Tage, aber es kommt mir vor wie zwei Jahre. Liegt es am Zeitstop?
Wir geleiten die beiden noch zur Tür.
„Tschüss bis morgen!“
Weg sind sie.
„Ich glaube ich gehe jetzt doch, ich bezweifle das ich Mathe so schnell schnalle.“
„Na schön. Dann, bis morgen in der Schule.“
Nun ist auch Lissy weg und Max und ich sind alleine.
„Lass uns nach oben in dein Zimmer gehen. Ich habe eine Bitte an dich. Und du hast bestimmt viele Fragen an mich.“
„Allerdings!“
Wir stiefeln wieder nach oben.
Nachdem sich die Tür geschlossen hat fangen wir gleich an zu reden.
„Ich hoffe du erzählst deinen Eltern nicht das ich reden kann!“
„Na hör mal! Als ob ich das tun wollte!!!“ Ich bin ein wenig entrüstet. – Die Uhr geht übrigens wieder. Es ist jetzt gleich halb acht. Ma und Sophie kommen gleich. –
„Ich wollte es nur gesagt haben. Tut mir leid, wenn ich dich verärgert habe.“
„Schon gut. Wie hast du es eigentlich geschafft von Amerika aus nach Irland zu kommen?“
„Ich habe den Welt-Wandel-Tunnel benutzt. Es war zufällig gleich neben unserer Wohnung.“
„Und wieso haben wir nicht gemerkt, wenn du weg warst?“
„Ich habe immer denn Zeitstop benutzt. Mann merkt nur das jemand fehlt, wenn die Zeit weiter läuft, ansonsten steht die Zeit still und niemand bewegt sich, außer die Wesen und Personen die den Zeitstopp brauchen um etwas zu erledigen.“
„Ist ja interessant.“
Es klingelt. Das wird Ma sein, mit Sophie.
„Bitte Max, habe Verständnis, falls Sophie mit mir reden will.“
„Natürlich! Das wäre ja sonst unmenschlich.“
„Du bist kein Mensch, deshalb brauchst du auch nicht menschlich handeln. Aber trotzdem …Danke!“
„Keine Ursache!“

„Hallo Mag, da sind wir wieder. Ich mache jetzt Abendbrot, solange könnt ihr noch spielen.“
Spielen? Wir sind doch keine Babys mehr!
„Hallo Mag! Ich muss unbedingt mit dir reden.
Wir gehen nach oben, diesmal in Sophies Zimmer. Wann war ich das letzte mal hier? Es muss lange her sein! Es sieht hier sehr verändert aus, fast so wie in einem Chinesischen Haus. Ob sich Sophie für die Chinesische Kultur interessiert?
„Hübsch hast du es hier!“
Sophie lächelt.
„Danke! Habe ich von meinem Taschengeld gekauft. Ich bekomme ja jetzt genug.“
„Wie war es beim Arzt“
„Bescheuert! Nach langem hin und her hieß es ich habe zu wenig Hobbys. Ma und ich sind ins Sportcenter gefahren. Sie hat mich jetzt bei Karate und Kendo angemeldet. Das waren die beiden einzigen einigermaßen vernünftigen Sportarten. Ich sollte mir wenigstens zwei aussuchen. Jetzt habe ich vier Tage die Woche Sport. Ufff!“
„Oh Gott! Du Arme.“
„In der Tat. Dafür hasse ich Ma.“
„Na. Sie hat sich Sorgen gemacht! So wie ich zu Anfang auch. Sie hatte allen Grund dazu. Du hast dich schließlich ganz schön verändert.“
„Das war klar. Jetzt stehst du wieder auf ihrer Seite, nicht wahr? Na, egal, hast du was herausgefunden?“
„Bei was?“
„Na du weißt schon. Lateinisch…“
„Du meinst die griechische Schrift!“
„Ja genau. Hast du das Buch gefunden?“
„Nein. Ich habe überall gesucht.“
„Schade!“
„Tut mir leid, ich habe mein bestes gegeben!“
„Na gut, bis nachher. Halt. Kannst du mir 10 € leihen? Ich bin gerade bankrott.“
„Wozu?“
„Ein chinesischer Fächer steht gerade im Sonderangebot. Mit einem Tiger und …“
Ich muss lächeln. Sophie hat also das Prinzip vom eigenem Stil verstanden. Ein bisschen bin ich froh, dass sie sich nicht meine Kultur ausgesucht hat. Wir wären uns womöglich in die Quere gekommen.
„O.K., aber nächsten Monat brauche ich das Geld wieder, dann kriegst du ja auch wieder Taschengeld.“
„Danke Schwesterherz!“

Kapitel 9

Es ist eben etwas Schreckliches passiert. Wir hatten, bis vor ein paar Minuten, Sport und Lissy ist bei der Reckstange abgerutscht und… Kurz gesagt: Sie liegt jetzt im Krankenhaus. Sie hat sich das Bein gebrochen. Die Ärzte meinen es ist ein komplizierter Bruch und wenn Lissy Pech hat kann sie nie wieder richtig laufen.
Jeder aus unserer Klasse hat Lissy gern. Alle trauern mit ihr. Sie ist jetzt ganz deprimiert, denn sie wollte nächste Woche mit Leistungssport anfangen. Der Traum ist in den Abgrund gestürzt und für immer verschollen.
Wie haben jetzt eigentlich Mathe, aber niemand von uns kann jetzt an Zahlen denken. Auch nicht Mrs. Marsh. Wir basteln stattdessen Genesungskarten für Lissy. Es sind viele Originelle Sachen dabei. Ich habe die Karte in Form einer Elfe geschnitten und viele Herzliche grüße darauf geschrieben.
Eileen und Franzi haben eine Klappkarte gebastelt. Am Ende drücken mir alle ihre Karte in die Hand, mit den Worten: „Bringst du sie Lissy? Grüß sie von mir! Bitte!“
Mein Ranzen ist jetzt bestimmt einen halben Kilo schwerer als vorher.
Ich habe gleich vor nach der Schule zu Lissy zu gehen. Dann müsste die Operation fertig sein. Ich hoffe es gibt keine Komplikationen.

Ich gehe kurz ins Haus und erkläre meiner Mutter alles in Kurzversion.
Sie drückt mir jetzt gerade einen Obstkorb in die Hand.
„Wo hast du den so schnell her?“
„Ich hatte mich doch beim Obstmarkt beworben, damit ich mich Vormittags nicht mehr langweile. Nun sie haben mich jetzt angestellt. Und als Begrüßungsgeschenk, bekommt man immer einen Obstkorb. Wir haben ja zu Hause Obst. Nimm ihn ruhig mit für Lissy mit. Sie wird sich freuen!“
„Danke Ma!“
Ich umarme sie stürmisch.
„Jetzt muss ich aber los!“
Hinter mir bellt etwas.
„Ich nehme Max mit!“
„Er darf doch gar nicht ins Krankenhaus!“
„Dann muss er draußen warten. Jetzt muss ich wirklich los, der Bus fährt in drei Minuten!“
Ich renne los, Max immer hinterher. Ich habe echt Glück das ich den Bus gerade noch erwische. Wir, der Bus und ich und natürlich auch Max, kommen gleichzeitig an der Bushaltestelle an.

Im Krankenhaus riecht es komisch.
Ich musste Max draußen lassen, aber dort war eine Wasserschüssel und eine anleine Stange. Zum Glück muss ich Max nicht anbinden. Wir verstehen uns ja so gut das er nicht wegläuft, außerdem versteht er mich wenn ich ihm sage:
„Ich komme gleich wieder, ich muss Lissy besuchen, du weißt doch, sie ist krank. Danach gehen wir in den Wald, einen Brunnen suchen. Ich erzähle dir später, was passiert ist.“

Nun bin ich im Zimmer von Lissy sie liegt im Bett ihr Gesicht ist mit Tränen überströmt. Die Schwester sagte mir eben, das Lissy so eben aufgewacht ist uns das ich rein dürfte, aber nicht lange!
„Hallo Mag!“
„Hallo Lissy. Ich habe hier was für dich.“
Ich gebe Lissy den Obstkorb, die Genesungskarten und ein Buch, dass habe ich noch aus meinen Zimmer geholt.
„Danke.“
Es ist still im Raum.
Dann bricht Lissy in Tränen aus.
„Mag! Was soll ich tun? Ich kann nie wieder Sport machen. Nie wieder richtig gehen! Und ich kann euch nicht mehr helfen den Brunnen zu finden! Ich…“
„Beruhige dich Lissy! Bevor du dir über so was Gedanken machst, wirst du bitte erst mal wieder gesund!“
„Ja, aber trotzdem. Ich wollte doch mitmachen. Ich hätte endlich mal etwas anderes gesehen als nur Mayo, doch jetzt? Jetzt hocke ich hier, mit einem gebrochenen Bein und mache mir Sorgen.“
„Je mehr sorgen du dir machst, desto länger dauert deine Genesung. Du musst dir um andere Dinge Gedanken machen!! In vier bis sechs Wochen bist du hier raus. In der Zeit…“
Weiter kommt ich nicht. Die Ärztin kommt in Zimmer.
„Guten Tag! Wir müssen jetzt Fräulein Smith ruhig stellen, Fieber messen, Blut abnehmen und Blutdruck messen. Würden sie so freundlich sein und den Raum verlassen?“
Ich nicke. Ich weiß das, das heißt das der Besuch für heute zuende ist. Ich würde Lissy gerne noch trösten, aber die Ärztin duldet es nicht.

„Lissy geht es schlecht! Sie ist verzweifelt. Ihr liegt die ganze Sache schwer auf dem Herzen.“
„Da magst du recht haben Mag, aber was sollen wir machen? Was können wir machen? Nichts. Lass uns in den Wald gehen. Dort ist kühle Luft und wir können gleich anfangen den Brunnen zu suchen.“
„Musst du immer an den Brunnen denken? Lissy geht es so schlecht und du…!“
„Du zerfließt fast schlimmer in Mitleid, als Lissy in Selbstmitleid. Sie tut mir doch auch leid, aber wenn wir den Brunnen nicht finden, dann könnte Schreckliches passieren!“
„Du hast ja recht.
Also gut, lass uns das Thema wechseln. Welche Anhaltspunkte haben wir?“
„Im Buch der Wesen steht nicht viel darüber, nur das der Brunnen in Mayo ist. Angeblich!“
„Was heißt das denn?“
„Das heißt, er wurde schon überall gesucht, aber nirgends gefunden. Trim hat sogar den Grund des Sumpfes abgesucht. Nichts.“
„Wer ist Trim?“
„Du wirst ihn heute kennen lernen. Und nun lass uns losgehen. Sonst wundert sich deine Mutter noch und macht sich womöglich Sorgen. Das haben wir nicht nötig!“
Wir gehen los. Bis wir im Wald sind, müssen wir noch 20 Minuten mit dem Bus fahren, und dann weitere 10 Minuten zu Fuß gehen.
Plötzlich höre ich ein bellen. Max guckt mich vorwurfsvoll an. Erst frage ich mich warum er mir nichts sagt, doch dann höre ich Stimmen hinter mir. Ich drehe mich um.
„Sieh dir das an Ann! Der Hund kennt den Weg besser, als sein Frauchen.“
Sie ziehen schallend lachend ab. Ein bisschen muss ich auch schmunzeln, doch warum will Max in die Richtung?
„Max!? Wo willst du hin?“
„Nach Tyrone natürlich!“
„Zwei Fragen. Was willst du da und wie willst du da hinkommen?“
„Wie ich da hinkomme lass mal meine Sorge sein. Und was ich dort will? Ich wohne da. Ich habe Pferde, nein Quatsch, Einhörner. – Du kannst doch reiten? – Wenn du ein Einhorn nimmst sind wir schneller!“
Erst mal komm ich nicht aus dem Staunen raus, doch, so töricht wie ich bin, frage ich: „Warum müssen wir denn schnell sein? Ich dachte die Zeit bleibt dort stehen…“
„Wenn du nicht willst, ist das was anderes. Ich wollte nur fragen. Es ist schließlich etwas Tolles, einmal auf einem weißen Einhorn zu reiten. – Oder willst du ein schwarzes? – Sie sind schließlich vom aussterben bedroht.“
„Natürlich möchte ich, aber sag mal wie können sie vom Aussterben bedroht sein? Wenn sie täglich Midrulat bekommen passiert doch nichts, oder?“
„Ich glaube ich muss dich mal aufklären. Also, Einhörner brauchen kein Midrulat, sie produzieren dieses Mineral im Körper, aber sie sind relativ naive Wesen, auch wenn sie einen hohen Anteil an Magie haben, sie sind dumm, sie haben auch nicht das Sprechen gelernt. Sie sind zu faul dazu.
Weil sie so naiv sind, sind viele von ihnen durch mysteriöser Weise zu den Menschen gekommen. Hier in der Menschenwelt werden sie zu normalen Pferden und wir haben sie nie wieder gefunden. Damals wurden die Eingänge nicht bewacht. Heute werden die Eingänge streng bewacht. Seitdem vermehren sich diese Wesen wieder, aber ihre Anzahl ist noch nicht konstant genug, deshalb werden sie noch zu den Bedrohten Arten gezählt. Genau wie die Mondfeen.“
Uff, ich muss mal alles sortieren. Wie war das?
„Wieso Mondfeen? Sind sie auch so naiv und dumm?“
Wenn ich an Tralee denke dreht sich mir der Magen um. Was habe ich nur gesagt? Tralee ist ganz gewiss nicht dumm!
„Lass das bloß keine Mondfee hören! Die flippt aus wenn sie das hört.
Du hast doch gewiss schon gehört, dass Mondfeen kein Midrulat brauchen, stattdessen aber bei Voll- und Neumond ein Ritual erfüllen müssen?“
„Ja, Lissy hat es mir erzählt.“
„Vor ein paar Jahren hatten wir Krieg, deshalb konnten viele Mondfeen nicht zum Moonriver. Er war besetzt von den feindlichen Truppen. Nur wenigen ist es gelungen heimlich ihr Ritual auszuführen. Aber ihre Zahl steigt schneller, als die der Einhörner. Ich denke in drei vier Jahren sind sie wieder auf dem Damm. Bei den Einhörnern könnte das noch ein bisschen länger dauern. Naja, zumindest sind viele Mondfeen deswegen elendig gestorben!“
Ich nicke, ein wenig bedrückt, den Kopf. Wir gehen weiter, schweigsam.
„Wir sind da!“
Wir stehen auf einer Wiese. Vor uns steht ein Baum. Eine alte Eiche.
„Die sieht ja genauso aus wie die in Salthill!“
„Stimmt! Diesen Baum gibt es genau hundertsieben-undzwanzig mal in Irland.“
„Waren auch mal mehr?“
„Oh ja! Über dreihundert! Viele sind gefällt worden.“
Das ist traurig. Ich spreche diesen Satz nicht aus, weil Max gerade versucht den Ast zu bewegen. Er kommt aber nicht ran.
„Kannst du mir vielleicht helfen? Ich kann zwar viel, aber das hier nicht!“
„Klar!“
Ich bewege den Ast und es öffnet sich die wohlbekannte Tür.
„Drücke bitte auf den dritten Knopf!“
„Dann kommen wir aber nicht nach Mayo, oder?“
„Natürlich nicht, ich möchte nach Tyrone. Falls du es vergessen hast, wir wollen zu mir nach Hause um ein Einhorn zu nehmen.“
Ach ja! Ich drücke den Knopf.
„War Lissy schon mal in Tyrone?“
Das Tor öffnet sich, aber uns kommt keine Grüne Wiese entgegen, sondern ein Gebirge.
„Lissy war bis jetzt nur in Mayo, aber sie liegt mir schon lange in den Ohren, das sie endlich mal nach Tyrone und Galway kommen will, aber ich war immer dagegen. Heute wäre sie das erste mal mitgekommen. Leider hat sie ja ein kaputtes Bein.“
Ja leider.
„Einhörner haben doch Zauberkräfte, oder?“
„Ja, in ihrem Fell, Schweif und im Horn.“
„Kann es Lissy nicht helfen?“
„Hmmm… du hast recht, das wäre eine Idee!“
wir gehen los. Es ist ganz schön schwer über die Felsen und Steine zu springen, um sicheren Halt zu haben.
Gehen wir heute auch noch zu den anderen Wesenländern?“
„Wahrscheinlich ja. Wir müssen noch zu Trim und Cashel, also nach Mayo und Kerry.“
„Dann können wir doch auch gleich noch nach Tipperary gehen!“
„Nein!!“
Ich bin erschrocken. Max hat es bestimmt, mit einem leicht strengen Unterton gesagt.
„Wieso?“
„Weil ich es nicht will!“
„Warum willst du es nicht?“
„Dort ist es gefährlich. Zur Zeit sind die Riesen mit den Zwergen im Krieg, wenn denen dazwischen funkst, bist du so gut wie Tot.“
„Das habe ich nicht gewusst!“
„Konntest du ja auch nicht, Entschuldigung. Wir sind gleich da.“
Gleich, dauert noch ganz schön lange. Ich schätze mal zwanzig Minuten.
Als wir ‚gleich´ erreicht haben, bleibt mir die Spucke weg. Vor uns steht ein riesiger Palast.
„Gehört der dir?“
„Ja, aber lass uns bitte nicht hinein gehen. Das dauert immer so lange. Lass uns gleich zu den Einhörnern gehen.“
„Na gut.“
Ein bisschen bin schon enttäuscht, aber Max hat ja recht.
Ich folge ihm auf leisen Sohlen.
Beim Stall angelangt fragt Max mich: „Was möchtest du nun? Einen Fuchs, Rappen oder einen Schimmel?“
„Einen Schimmel hätte ich gerne!“
„Ist gut. Nimm Lancelot. Er ist ein braver und leicht zu reiten!“
Ich öffne die Stalltür, wo Lancelot, mit geschwungener Schrift, dran steht und steige auf das Einhorn. Es ist wunderschön, mal wieder auf einem Pferd zu sitzen, ich habe vor fünf Jahren aufgehört zu reiten, und habe seit dem nur zweimal auf einem Pferd gesessen.
„Lass uns gehen, ich komme zu dir hoch, ich bin nicht schwer so kann das Pferd uns beide tragen und wir sind noch schneller!“
Max kommt zu mir hoch gesprungen. Er ist wirklich relativ leicht. Sobald er auf meinem Schoss sitzt, reiten wir los. Lancelot hat einen schnellen Schritt, und obwohl ich auf keinem Sattel sitzt, habe ich keine Mühe mich auf dem Einhorn zu halten. Liegt es an mir oder an Lancelot, oder einfach nur daran, das ich auf einem magischen Wesen sitze?
„Lancelot? Reite bitte nach Kerry! Wir müssen als erstes zu Cashel.“
„Was für ein Wesen ist Cashel?“
„Eine Nymphe. Die gelten als listig und verschlagen, Cashel und ihre Schwester sind aber Ausnahmen!“
Lancelot trabt los, dann fängt es an zu galoppieren und plötzlich springt er hoch, breitet seine Flügel aus, die ich noch gar nicht bemerkt habe und fliegt in die Luft.
„Lancelot kann ja fliegen!“
„Ja das kann es. Eigentlich kann nur ein Pegasus fliegen.
– Und natürlich Elfen und Trolle. –
Doch Lancelots Vater ist ein Pegasus. Ein Pegasus ist noch seltener als ein Einhorn, obwohl diese Tiere das Gegenteil von dumm und naiv sind.“
„Warum sind sie dann selten?“
„Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube die Trolle sind daran schuld!“
„Es gibt Trolle?“
„Ja natürlich. Aber nicht hier in Irland. Die leben in Skandinavien. So wie die Heinzelmännchen in Deutschland leben. Cashel kam vor Hunderten von Jahren aus Frankreich, aber es gefällt ihr hier wesentlich besser. Vielleicht liegt es daran das dort seit zweihundert Jahren Krieg herrscht?“
„Interessant! Wie lange fliegen wir noch?“
„Ah, wir sind schon in Kerry, es dauert nicht mehr lande… da! Siehst du das pinke Haus? Das ist Cashels Haus!“

Kapitel 10

„Wollt ihr Tee? Ich habe ganz tollen aus Indien!“
Wir sitzen in Cashels Wohnzimmer, oder was es auch sein mag. Sie hat uns freundlich empfangen.
Sie ist ganz hübsch. Sie hat pechschwarze Haare, und eine fast Tanzpaarente Haut. Sie ist, genau wie Ardee, unbekleidet. Aber sie hat keine Flügel. Sie hat schwarze, kleine, schmale Augen und eine kleine Stupsnase.
„Für mich bitte nicht!“
„Ja bitte!“
Ich will ihn unbedingt probieren. In solchen Dingen bin ich immer furchtbar neugierig.
„Was wollt ihr von mir? Einen Rat oder soll ich das Orakel befragen?“
„Wir bitten dich um beides! Hier ließ das bitte und sag uns was wir machen sollen. Wir wissen nicht mehr weiter.“
Ich gebe in Maxs Namen Cashel den Brief. Sie studiert ihn sorgfältig.
„Ich glaube in diesem Fall muss ich das Orakel befragen, ich bin genauso sprachlos wie ihr, aber ein weiß ich.“
„Was denn?“
„Wer den Brief geschrieben hat. Mulrany Wichtelbold!“
„Das ist schon in einer der wenigen Sachen der die wir auch schon wissen.“
„Wann befragst du das Orakel?“
„Jetzt. Es ist Zeit.“
Sie steht auf und öffnet eine Tür, die ich noch gar nicht registriert habe.
„Folgt mir, aber seit leise!“
Wir folgen ihr, so leise es geht.
Das Zimmer sieht sehr merkwürdig aus. In der Mitte ist ein Teppich, darauf sitzt Cashel jetzt. Um sie herum sind ganz viele Kerzen. Alle sind an. Langsam verschwindet sie in einer Nebelhülle.
Max flüstert mir gerade etwas zu.
„Nymphen sind die einzigen Wesen, die mit dem Orakel in Verbindung treten können.“
„Und was ist das Orakel?“
„Ein höheres Wesen. Es hat immer einen Rat. Wir wissen aber nicht wie es aussieht, wo es lebt oder was es ist. In einer Legende heißt es er lebe in einem sechsten Land, aber bisher hat noch niemand diese Land gefunden. Nymphen wissen es, aber sie verraten es nie, lieber würden die sterben.“
Mir fällt auf das es wesentlich leichter ist von Max etwas über die Wesen zu erfahren, als von Ardee, Thurles oder Lissy. Denen muss man nämlich alles aus der Nase ziehen.
„Oh höret was das Orakel zu sagen hat!“
Plötzlich fängt das Orakel an zu sprechen, mit einer heiseren stimme, aus Cashels Mund.
„Hallo Sohn und Tochter der Erde. Ihr wollt meinen Rat? Ihr seit im Frieden gekommen, deshalb will ich euch helfen. Es gibt insgesamt vier Wege die ihr gehen könnt. Entweder ihr gibt Mulrany Wichtelbold alles was er verlangt und ihr bekommt was ihr haben wollt, ihr weigert euch eure Schätze in Mulranys Hände zu legen, bekommt aber auch nicht das Midrulat, ihr holt euch das Midrulat mit Gewalt oder ihr sucht Rosslare, den zweiten sprechenden Stein.“
„Aber was bringt uns ein sprechender Stein?“
„Mag! Schscht!“
„Lass sie Oginos. Sie weiß viel zu wenig über uns, um zu wissen das man mich normaler weise nichts fragen kann. Ich mache heute einmal eine Ausnahme.
Rosslare und Mullingar sind zusammen die magischste Verbindung die es gibt. Sie wurden vor über 2000 Jahren auseinander gerissen. Seit dem sind sie muffelige Grießgräme geworden.
Gehet nun in Frieden!“
Ich bin erstaunt und der Meinung wir können den Raum verlassen. Max ist schon draußen. Ich möchte ihm folgen und habe die Tür schon fast erreicht, doch dann.
„Mag! Warte. Ich muss dir etwas wichtiges mit auf den Weg geben. Es hat mit deinem Vater zu tun.“
Ich werde hellhörig.
„Es gab Zeiten, da ging es uns Wesen nicht gut. Wir waren kurz vorm Aussterben. Als die Zeiten besser wurden waren wir nicht mehr viele. Einige Wesen gingen zu den Menschen. Zwei Jahre später erfuhren wir, das es ab jetzt Kreuzungen zwischen Mensch und Wesen gibt. Hauptsächlich waren Wichtel und Mondfeen daran beteiligt. Damals, die Zeit hieß bei euch Mittelalter, wurden viele dieser „Kreuzungen“ als Hexen und Hexer verbrannt. Heute gibt es nicht mehr viele Nachfahren von diesen Generationen, aber dein Vater ist ein Nachfahre von ihnen. Und da du seine Tochter bist, bist du auch ein Nachfahre von ihnen, das heißt von uns. Du hast viele Gaben von denen du nichts weißt. Versuche sie zu finden, sie werden dir helfen bei dieser Gefährlichen Reise.“
Das Orakel verstummt und ich bleibe verwirrt zurück. Ich gehe hinaus, wo Max auf mich wartet, wenig später kommt Cashel auch hinaus.
„Hat euch das Orakel weiter geholfen?“
„Hast du etwa nichts davon mitbekommen?“
„Nein, ich bin nur der Sprecher des Orakels, aber ich stehe ihm trotzdem sehr Nahe, und wenn ich etwas erfahren soll, sagt er es mir.“
„Danke dir noch mal Cashel, wir sind jetzt ein wenig weiter.“
„Gerne geschehen.“
„Auf Wiedersehen!“
„Bis bald“
Cashel öffnet die Tür. Wir, Max und ich, gehen raus.

„Wenn wir mit der Eiche von der Erde ins Wesenland oder anders rum reisen, dann sind neben dem Tor doch Knöpfe, oder?“
„Ja. Wo willst du hinaus?“
„Es sind sechs Knöpfe!“
„Wie kommst du darauf?“
„Ich habe es doch gesehen!“
„Dann hast du dich getäuscht!“
„Nein. Garantiert nicht!“
„Ich sehe immer nur fünf Knöpfe, seit ich denken kann.“
„Ich gebe mich geschlagen!“
Aber ich werde das nächste mal ganz genau aufpassen! Und wenn ich wieder sechs sehe, zeige ich es Max!

Wir fliegen weiter. Max hat mir eben einen Kompass gegeben. Zur Zeit fliegen wir nach Norden.
„In wenigen Sekunden sind wir in Mayo!“
Ich gucke nach unten, mir wird ein wenig schlecht. Da ich sehe den Pub Fairymoon. Und dort die alte Eiche. Doch wo will Lancelot hin?
„Zum Sumpf, Lancelot!“
Okay, damit wäre meine Frage wohl beantwortet, doch wo ist der Sumpf? Wir fliegen eine starke rechts Kurve, starten zum Sturzflug und stehen wenige Minuten später auf festem Boden. Naja, ganz so sicher bin ich mir da nicht. Die Wiese auf der ich stehe ist sehr feucht und sumpfig.
„Wir müssen da lang!“
„Wieso reiten wir nicht weiter?“
„Weil Lancelot zu schwer ist, er könnte sehr leicht versinken, was meinst du was das für eine Arbeit ist ein Einhorn aus dem Sumpf zu fischen!“
„Wie lange müssen wir denn gehen?“
„Keine Ahnung. Mal suche ich Trim ein paar Minuten und finde ihn, und mal muss ich Stunden suchen.“
Ich verziehe das Gesicht.
„Aber da er weiß das wir kommen, wird er wahrscheinlich leicht zu finden sein!!“
Meine Miene hellt sich wider auf.

Wir suchen jetzt schon seit über einer halben Stunde nach diesem Trim, ohne Erfolg. Jetzt stehen wir vor einem großen Sumpf. Es blubbert ganz schön. Ich möchte auf keinen Fall in dieser braunen Soße schwimmen müssen. Max meint, das Sumpfgeister genau das, fast den ganzen Tag tun. Ähh.
Wir stehen hier jetzt schon eine ganze Weile und langsam fange ich an mich zu langweilen.
Plötzlich werden die Blasen, die in der Brühe sind, immer größer.
„Da bist du ja Trim. Wo warst du?“
„Ich hatte vergessen, das du kommen wolltest, ich habe geschlafen.“
Aus dem Sumpf guckt ein halber Kopf heraus.
„Was hast du auf dem Herzen? Hat es etwas mit dieser Lady zu tun?“
„Halb und halb. Als erstes möchte ich dich bitten für Mag eine Karte von unseren fünf Ländern anzufertigen.“
„Ihr habt Glück, ich habe hier eine, sie sollte zwar für eine Wichtelin sein, aber für die kann ich ja schnell eine nach machen.“
„Danke das ist nett von dir.“
„Und was ist das Zweite, worum ihr mich bitten wolltet?“
„Maggy? Kannst du ihm den Brief geben?“
„Ja, klar.“
Ich gebe den Brief einer dünnen, zerbrechlich wirkenden Hand. Sie ist grünbräunlich und hat lange, sehr lange Finger.
„Danke schön.“
Er ließt den Brief ausführlich. Genauso wie Cashel es getan hat.
„Und ihr wollt jetzt wissen was ihr machen sollt? Geht damit besser zu Cashel, sie kann da mehr helfen.“
Max schweigt. Ich nehme allen Mut zusammen und fange an.
„Da waren wir schon. Sie hat uns aber nur verraten welche Möglich-keiten wir hätten. Was wir konkret machen sollen, hat sie uns nicht gesagt.“
„Und welche Möglichkeiten gibt es?“
„Entweder wir machen das was im Brief steht, wir lassen es, wir kämpfen darum oder wir finden Rosslare.“
„Rosslare? Den Namen habe ich schon mal gehört. Ist das nicht der Name vom zweiten sprechenden Stein?“
Diesmal antwortet Max.
„Ja, aber da dieser Stein im sechsten Land verschollen ist, werden wir ihn nie finden. Wir wissen ja nicht einmal wo dieses Land ist!“
„Und wie soll ich euch jetzt helfen?“
„Hilf mir eine Armee auf die Beine zu stellen, wir müssen es schaffen!“
„Oginos! Seit fast zehn Jahren schaffst du es, das Volk zu einem friedlichen Volk zu machen, du würdest so alles kaputt machen, wenn du jetzt einen Krieg herbei rufst!“
„Ich weiß, aber was soll ich sonst machen?“
„Mit Mulrany reden?“
„Woher weißt du das es Mulrany ist? Der Name ist nie gefallen.“
„Ich habe es mir gedacht. Das ist typisch für ihn. Außerdem ist er der einzige, auf dem die Beschreibung passt.“
„Du bist gut, wir haben länger gebraucht bis wir darauf kamen.“
„Tja… aber nun lasst uns überlegen was wir tun können! Habt ihr irgendeine Idee, wo man das sechste Land finden kann?“
Plötzlich überkommt es mich. Es passt ja alles zusammen.
„Ich!“
„Du? Jetzt bin ich aber mal gespannt!“
„Wenn ich die alte Eiche gehe, um hier hin zu kommen, sehe ich immer sechs Knöpfe neben dem Tor. Kein anderer tut das, nur ich.“
„Das ist ja das merkwürdige daran, bist du dir sicher? Vielleicht hast du dir das auch nur eingebildet?“
„Garantiert nicht Max! Als wir bei Cashel waren um das Orakel zu befragen, hat mir das Orakel noch etwas gesagt, als du schon draußen warst.“
„Deshalb hat das also so lange gedauert! Was hat es dir den gesagt?“
„Viele Dinge über mich und meinen Vater, es ist eine lange Geschichte, zumindest meinte es am Ende, dass ich viele Gaben hätte, die ich noch nicht entdeckt habe.“
„Und nun denkst du, dass du die Gabe hast einen Knopf zu sehen den anderen verborgen bleibt?“
„So in etwa!“
„So ein Quatsch! Hat noch jemand einen anderen Vorschlag?“
„Aber Max! Lass es uns doch ausprobieren. Kosten tut es nichts!“
„Oh doch Mag, Zeit. Wir können uns das sparen. Wenn du das könntest, würdest du die Auserwählte sein. Und das kann ich nicht glauben. Sie wird im Buch etwas anders beschrieben. Gut, es heißt sie habe lange rote Haare und ein Sommersprossiges Gesicht, auch von einer Narbe ist die Rede, aber ich glaube nicht das du ein Gehör wie ein Katze, Augen wie ein Luchs und den Geruchsinn eines Wolfes hast, oder? Du hast auch nicht das zweite Gesicht. Und du verstehst auch nicht jede Sprache und erst Recht kannst du nicht mit Tieren reden! Oder etwa doch?“
„Ich weiß nicht!“
„Ich will mich ja nicht in euren Streit einmischen Oginos, aber es ist möglich das sie die Auserwählte ist. Ich habe neue Hinweise gefunden. In denen es heißt, das die Auserwählte mit dem derzeitigen Herrscher eine außergewöhnliche Beziehung führt und das sie ein Mensch sein soll, das Wesen als Vorfahren hat. Sie soll fünfzehn Jahre alt sein, wenn man sie entdeckt. Außerdem habe ich eine Schriftrolle über die Prophezeiung gefunden. Auf ihr standen unter anderem die Buchstaben M.C.B. Das könnten zum Beispiel die Inizialien der Auserwählten sein.“
Max ist stumm, er scheint zu überlegen.
„Das mag alles passen, aber Mag hat keine Wesen als Vorfahren.“
Ich werde immer kleiner, was ist wenn ich wirklich die Auserwählte bin? Ich muss wohl oder übel mit der Wahrheit der Vergangenheit rausrücken.
„Tut mir leid Max, wenn ich dir jetzt in den Rücken falle, aber ich habe Wesen als Verwandte.“
Ich erzähle den beiden die lange Geschichte, die ich vor nicht allzu langer Zeit vom Orakel höchstpersönlich erzählt bekommen habe.
Max kann es nicht fassen, aber man sieht ihm doch an das er glücklich ist, schon mal ein Problem weniger zu haben.
„Ich habe mir erträumen lassen, die Auserwählte kennen zu lernen. Und nun? Nun, ist sie seit über drei Jahren mein führsorgliches Frauchen. Was rede ich da? Ich mutiere zu einem richtigen Hund! Mir muss geholfen werden!“
Wir lachen, auch Max.
„Gut, wenn ihr nichts weiteres wollt, dann bitte ich euch mir zu verzeihen, ich bin sehr müde und würde gerne noch ein bisschen schlafen.“
„Ist gut.“
„Ich freue mich dich kennen gelernt zu haben.“
„Und ich freue mich wenn wir uns wieder sehen.“

Wir gehen zurück. Wenige Zeit später sind wir bei Lancelot. Wir steigen auf und er fliegt hoch.
„Diesmal fliegen wir nicht weit mein Dicker, nur bis zur Eiche!“
Und dort kommen wir auch Bruchteile von Sekunden später an.
„Alle Mann absteigen!“
„Hier gibt es keine Männer nur ein Mädchen und einen jungen Hund.“
„Ich bin nicht jung!“
„Doch drei Jahre. Das ist jung.“
„Wenn ich ein Mensch bin, bin ich älter. Ungefähr sechszehn. Oder siebzehn?.“
„Das ist auch jung.“
„Zumindest jünger als ich früher war. Damals grenzte ich an 300 Jahren.“
„Wie siehst du eigentlich als Mensch aus?“
„Das ist mein Geheimnis, bis ich meinen Fluch ausgelebt habe.“
Das akzeptiere ich. Aber manchmal stelle ich ihn mir als süßen, schnuckeligen Traumboy vor. Bescheuert, oder? Ich hätte jetzt nicht gedacht das er wirklich so jung ist.
„Was ist eigentlich, wenn du den Fluch ausgelebt hast?“
„Dann werden du und ich über die Wesen regieren.“
„Wir zusammen?“
„Ja klar, ich bleibe solange im Dienst, bis ich nicht mehr kann und du muss mitregieren, weil du die Auserwählte bist.“
„Was muss eine Auserwählte denn machen?“
„Eine? Du bist die einzige die es gibt. Du musst nichts machen, außer für die Wesen da sein.“
„Aber warum ich, kann das denn niemand anderes machen?“
„Nein, deshalb heißt es ja Auserwählte. Was ist so schlimm daran? Ich meine du weißt jetzt wesentlich mehr über dich!“
„Und was wenn ihr euch täuscht?“
„Bestimmt nicht, alles passt zusammen.“
Ich verrate ihm besser nicht, das mein zweiter Name nicht mit C. an fängt. Wenn es nämlich stimmt, das die drei Buchstaben M.C.B. meine Initialen sein sollen, dann bin ich nicht die Auserwählte, das steht schon mal fest. Mein zweiter Name ist nämlich Mary. Es würde ihm das Herz brechen, wenn er das erfährt.
Wir lassen Lancelot laufen.
„Er findet den Weg nach Hause, er ist ein treues Tier!“
Wir gehen in die Eiche.

Kapitel 11

Wir sind im sechsten Land. Wir haben es geschafft. Und es war ganz leicht. Ich habe einfach den sechsten Knopf gedrückt den, den Max nicht gesehen hat. Und nun sind wir im sechsten Land.
Hier ist es wunderschön.
Wir hatten Glück das gleich neben der alten Eiche ein Schild ist. Auf dem steht: Cork.
Wir sind also in Cork gelandet. Cork ist in diesem Falle eine Stadt. So habe ich mir immer eine Mittelalterliche Stadt vorgestellt. So eng und niedlich. Hier laufen viele Wesen rum. Aber ich kenne niemanden von ihnen, genau wie Max. Aber es wäre ja auch komisch gewesen.
Ich erkenne im Horizont ein gewaltiges Schloss. Wer da wohl drinnen wohnt? Vielleicht ja das Orakel? Ich werde es noch früh genug erfahren. Hoffe ich.
Irgendwie hoffe ich auch das wir jemanden treffen, den ich oder Max kennen. Vielleicht finden wir ja jemanden im Pub. Hier in der Nähe gibt es eins. Das rieche ich! Es duftet herrlich nach Honigwein und Kleesaft. Aber ich bemerke auch noch andere Gerüche, welche die ich nicht zuordnen kann.
„Lass uns ins Pub gehen, ich habe Durst. Und vielleicht gibt es dort Wesen die uns weiter helfen können.“
„Alles klar Chef!“
Wir gehen hinein.
Im inneren des Pubs ist es fast noch voller als damals im Fairymoon. Moment! Wie hieß dieses Pub? Ich habe vergessen zu lesen wie es heißt. Wie dumm kann ein Mensch alleine sein!
Ich renne raus, um nach zu holen, was ich vergessen habe. Der Laden heißt Sunelb. Schon wieder so ein komischer Name. Wobei, Sunelb heißt Sonnenelfe. Meinte Max nicht einmal, dass er ein Sonnenelf war, als er noch nicht verflucht war?

Ich sitze mit Max und zwei Kobolden an einem Tisch. Ich bin tot müde, obwohl ich drei Birkenbiere und einen Haselnusslikör getrunken habe, die angeblich wach halten sollen. Max hat sich bisher mit einem Lindenschnaps begnügt. Unsere beide Kollegen jeweils zwei Honigbiere und ein Fichtenspiritus. – Was das ist, kann ich beim besten willen nicht sagen. –
Ich weiß jetzt das Sonnenelfen genau das Gegenteil von Mondfeen sind. Der Besitzer ist ein Sonnenelf. Er hat lang weißblonde Haare, die er zu einem Pferdeschwanz gebunden hat, eine schön gebräunte Haut und gegerbte Lederkleidung. Seine Stiefel sehen aus, als ob er sie selber gemacht hat. Er heißt Dundalk. Er ist ganz nett.
Die beiden Kobolde, die an unserem Tisch sitzen, sind Brüder, sie heißen Waterford und Wexford. Sie haben uns wunderbar geholfen. Sie haben uns erzählt das in dem Schloss das Orakel wohnt. Den richtigen Namen von diesem Wesen kennt niemand, auch wie er aussieht, weiß keiner so genau. Die Leute, die im Schloss waren, sind nie mehr zurück gekommen.
Wir haben jetzt seit Stunden über dieses Land gesprochen. Doch etwas weiß ich noch nicht.
„Wieso wart ihr nie bei uns in Kerry, Mayo, Tyrone, Galway oder Tipperary, wenn ihr davon wusstet?“
Wexford grinst mich an. Das tut er schon fast die ganze Zeit.
„Das ist einer der Dinge die wir dem Orakel versprechen mussten, wir dürfen Cork nicht verlassen.“
„Und warum? Wozu habt ihr dann die Eiche?“
Weiß ich nicht, solche Fragen müsst ihr schon dem Orakel stellen.“
Waterford löst seinen Bruder ab.
„Sollen wir euch jetzt unser Land zeigen?“
„Das ganze?“
„Cork ist klein, nur dieses Dorf und ein paar Wiesen. Aber ich denke ihr seit nur am Dorf interessiert?! Wiesen habt ihr in Mayo ja in Hülle und Fülle.“
„Ja haben wir, woher weißt du von Mayo?“
„Deine Freundin hat den Namen erwähnt, und ich habe mir gedacht, das ihr dort vielleicht wohnt.“
„Ich wohne in Tyrone und Mag in Menschenland.“
„Was? Ich habe sie für eine Elfe gehalten, die ihre Flügel verloren hat.“
Das ist ein Kompliment! Oder?
„Zurück zum Wesentlichen, ich habe hinterm Schloss einen Wald gesehen, gehört der nicht mehr zu Cork?“
Max ist ungeduldig. Ich glaube er ist ein bisschen Eifersüchtig. Vielleicht denkt er, das ich gefallen an Waterford finde? Gut, er ist charmant und nett, aber…?
„Doch Oginos. Wenn du hinein willst, bitte, aber ohne uns.“
„Wieso? Spukt es dort?“
„Indirekt schon. Seit dreihundert Jahren ist da niemand mehr gewesen. Es heißt, Rosslare ist dort gefangen, bei einem Riesen. Und wie jeder weiß sind Riesen böse und gefährlich. Den Rest kannst du dir denken.“
„Ja, aber wieso? Ich würde vor Neugierde umkommen, wenn ich nicht wüste was darin passiert.“
„Weißt du es denn? Wir wurden belehrt. Die, die hinein gingen, kamen nicht mehr heraus.“
„Ich weiß es nicht. Aber ich werde es bald erfahren, wenn ihr aber erst die Güte hättet uns das Dorf zu zeigen, wäre ich euch sehr verbunden.“
„Alles klar komm….“
Es kracht.

Ich wache auf.
„Mag? Alles in Ordnung? Ich merke eine kühlende Hundeschnauze im Gesicht. Max tut etwas, das er seit zwei Jahren nicht mehr tat, er schmiegt sein Gesicht in meins.
„Was ist passiert?“
„Du bist vom Stuhl gefallen!“
„Aber wieso?“
„Du bist vollkommen übermüdet. Das war einfach zuviel für dich. Trink das, danach fühlst du dich, als ob du zehn Stunden geschlafen hättest.“
Das Zeug schmeckt bitter und säuerlich. Okay,… wenn ich ehrlich sein soll, dann muss ich sagen, dass es furchtbar schmeckt.
„Was ist das?“
„Birkenmehl in Wermutöl und Salbeisaft mit einem Schuss Zitrone und Erdbeerkaffee. Natürlich ist auch der Saft von Enzianwurzeln, Angelikawurzeln, Wacholderbeeren und Orangenschalen drin. Auch Kalmus ist ein bisschen vorhanden. Das Ganze ist auch bekannt als Trosha.“
„Hört sich sehr appetitlich an! Ich muss schon sagen, nur leider schmeckt es zum Abgewöhnen!“
„Sag so was nicht! Mit dem Getränk locke ich die meisten Gäste an.“
Dundalk ist dazu gekommen um zu sehen, was passiert ist.
„Das müssen schon komische Gäste sein, die freiwillig so etwas trinken.“
„Wenn du schwer arbeitest und dann noch tausend Sachen um die Ohren hast, dann würdest du so etwas auch öfter trinken, auch wenn es furchtbar schmeckt.“
„Wenn du das Wermutöl rausnehmen würdest, dann wäre es vielleicht nicht so bitter. Dann würden die Leute das nicht nur trinken, weil es effektiv ist, sondern auch, weil es nicht schlecht schmeckt!“
„Das ist keine schlechte Idee. Ich probiere das mal aus. Wenn es dann noch immer so wirksam ist, dann mache ich das. Danke!“
plötzlich mischt sich Max ein: „Sag mal, könnt ihr vielleicht aufhören rumzuquatschen? Mag, wir müssen weiter! Das weißt du!“
Ich richte mich auf. Ich fühle mich nicht mehr müde, aber für wie lange?
„Wollen wir jetzt in den Wald?“
„Nicht so hektisch junge Lady, erst mal besichtigt ihr die Stadt.“
Dundalk wirkt auf einmal sehr unruhig.
„Ihr wollt in den Wald? Seit ihr des Wahnsinns?“
Max antwortet: „Nein, wir müssen. Wir müssen wegen politischer Gründe den heiligen Brunnen und den Stein Rosslare finden.“
„Kann ich euch helfen?“
„Du willst mit in den Wald?“
„Ja, ich kenne mich dort ein bisschen aus, ich war früher oft im Wald und ich fürchte keine Monster.“
„Und dein Laden?“
„Mein Bruder schafft das schon alleine!“
Nun ist es beschlossene Sache. Dundalk kommt mit.

Das Dorf ist wunderschön. Hier gibt es nicht nur Pubs, sondern auch Apotheken, Schneider, Schuster und Schulen. Ja wirklich, Schulen. Ich habe schon drei Häuser gesehen, wo einmal Wichtelschule, einmal Elfenschule und einmal Gnomenschule dran stand. Ich habe sofort gefragt, ob dort die Wesenkinder zur Schule gehen und was lernen. Wexford hat darauf lachend gefragt: Habt ihr denn keine Schulen? Ich dachte jedes Land hat Schulen.“
„Hat es auch“, hatte Max darauf nur geknurrt.
Gleich sind wir durchs ganze Dorf gegangen.
„Wir sind gleich fertig mit der Besichtigung. Seid ihr sicher, dass ihr in den Wald wollt?“
„Ja sind wir!“
Max ist schon die ganze Zeit so unfreundlich! Ob er etwas hat? Ich sollte ihn mal fragen!
Wir haben das letzte Haus betrachtet. Dundalk, Max und ich verabschieden uns von den Brüdern. Zum Abschied küsst mir der eine, ich glaube es ist Wexford, die hand. Er raunt mir leise zu: „Hoffentlich sehen wir uns bald wieder schönes Kind!“
Die beiden gehen zurück, wir schlagen einen kleinen Pfad ein, der seitlich einer Straße liegt. Max guckt den beiden bitterböse hintendrein und sieht so aus, als ob er nicht hoffen würde, das wiruns bald wiedersehen.
Der Weg ist schön, auch wenn er ein wenig uneben ist.
„Was ist eigentlich die ganze zeit los mit dir Max?“
„Ich weiß nicht. Ich mag die Brüder nicht sonderlich.“
„Da muss ich dir zustimmen. Sie sind schleimig und feige zugleich. Sie kommen jeden Tag in mein Pub. Sie schwarenzeln immer um irgendjemanden herum. Aber helfen tun sie nur in denen Sachen, in denen ihnen nichts passieren kann.“
„Sind sie so schlimm? Ich fand sie ganz nett. Gut, sie sind schleimig, aber sonst?“
„Weil sie dich mit Komplimenten überhäuft haben! Es war kaum auszuhalten!“
„Du bist eifersüchtig!“
Meine plötzliche Eingabe lässt Max rot werden, soweit das mit Fell geht.
„Nun ja…“
Ertappt! Irgendwie finde ich das süß. Ein Hund der Eifersuchtsgefühle bekommt, wenn ein paar Kobolde seinem Frauchen Komplimente machen. Wobei, Max ist ja kein richtiger Hund, sondern ein verzauberter siebzehnjähriger Junge.
Wir gehen über eine Wiese und kommen dem Wald immer näher, nun gibt es kein zurück mehr! Tapfer betreten wir das erste Stück Waldboden. Er fühlt sich gut an. Nicht zu hart und nicht zu weich, ich meine zu matschig und moderig.
„Hier ist es doch gar nicht so schlimm! Was die Brüder nur haben…“
Das ist mal wieder typisch Mag Brown.
Natürlich kann ich das noch gar nicht feststellen, schließlich sind wir noch nicht mal zwanzig Meter weit in den Wald gegangen, aber ich muss mal wieder alles ins lächerliche ziehen.
„Was erzählst du da für einen Mist? Das kannst du doch noch gar nicht beurteilen!“
Ich wusste, dass Max wieder alles kommentieren muss!
„Ja, ja!“
„Werd nicht frech! Ich bin älter als du!“
„Von wegen. Du bist drei! Ich bin fünfzehn!“
„Wir reden nicht von Hundejahren! Als Mensch bin ich siebzehn!“
„Das kann jeder sagen, beweise es mir…“
„Pssst! Hört ihr nicht?“
Dundalk wirkt angespannt. Ich halte den Mund und lausche. Da ist wirklich etwas!
„Grrr! Wer ist da? Ich warne dich! Wenn du mich ärgern willst, dann fresse ich dich zu Mittag! Wo bist du? Zeig dich!“
Es ist mucksmäuschenstill. Keiner rührt sich. Sogar atmen tut keiner. Plötzlich fällt ein Blatt von Baum. Es landet genau auf meiner Nase. Meine Nase zuckt. Ich bin kurz davor zu niesen. Zum Glück merkt Dundalk es rechtzeitig und macht etwas, so dass ich nicht niesen muss. Ich weiß nicht was, irgendetwas hat er an meiner Nase gemacht.
Doch leider scheint es nicht gewirkt zu haben. Ein paar sekunden später muss ich niesen.
„Hatschi! Hatschi!“
Das ist das Ende!
„Ich habe dich gehört wo bist du? Ich finde dich!“
Ich höre Schritte. Ich weiß das Monster ist auf dem Weg zu mir.
„Mir fällt was ein.“
Max und Dundalk drehen sich zu mir.
„Was denn? Beeile dich!“
Ich muss mich anstrengen, damit ich was höre, so leise spricht Max.
„Ich gehe zum Monster. Dann passiert euch nichts. Ich bin schließlich daran schuld, dass er weiß das es uns gibt.“
Mit diesen Worten richte ich mich auf, denn ich hatte eine geduckte Haltung angenommen und sage ganz frech: „ Hier bin ich!“
Eine große, hässliche Gestalt schaut mich an. Sie sieht nach einem Riesen aus oder nach einem Troll aus. Geschlecht: eindeutig männlich. Er hat Glubschaugen, eine Zahnlücke, spitze Ohren, eine Knollennase, wenige Haare, aber eine Kringellocke im Gesicht hängen. Er sieht furchterregend aus, aber er grinst mich an! Ja echt er grinst.
„Eine Elfe die sich verflogen hat! Willst du mit mir kommen und dich bei mir stärken?“
Ich staune. Ein furchterregendes Monster fragt mich freundlich, ob ich mich bei ihm stärken kann?
„Ja klar! Danke!“
Spinne ich jetzt? Bin ich vollkommen übergeschnappt? Bin ich durchgedreht?
Ich folge dem Riesen. Er führt mich zu einem niedlichen Haus. Mit Garten. Im Garten sehe ich einen Brunnen, einen riesigen Stein, ein Blumenbeet und einen Gemüsegarten und eine Obstplantage.
„Gefällt es dir bei mir?“
„Oh ja sehr! Wie heißt du eigentlich?“
„Offelay. Ich bin ein Riese. Du bist eine Elfe, nicht wahr? Ich habe Elfen seit Jahren nicht mehr gesehen.“
„Ich heiße Mag…“
„Dann bist du je doch keine Elfe, sondern ein Menschenwesen! Aber,… wie,… was soll ich denn jetzt machen.“
„Na das was du vor hattest. Ich tue dir nichts!“
„Wirklich?“
Der arme Kerl ist ganz schön verwirrt und durcheinander.
„Versprochen!“
„Dann glaube ich dir mal.“
Er geht ins Haus, ich folge ihm. Innen sieht es total süß und knuddellich aus. Richtig gemütlich.
„Setzt dich, ich hole Tee und etwas zu Essen.“
Ich setzt mich. Aus dem Nachbarraum ertönen Geräusche. Bestimmt holt er jetzt Geschirr heraus und setzt Teewasser auf.
Er scheint ein ganz lieber zu sein, der wegen seines Aussehens gefürchtet wird. Soll ich ihn vielleicht darauf ansprechen? Nein, lieber nicht, nachher ist er noch traurig, weil ich in ihm schreckliche Erinnerungen geweckt habe.
Er kommt wieder. Er hat eine Schürze um die Hüfte gebunden. In den Händen trägt er ein Tablett, mit einer Teekanne, zwei Tassen, zwei Tellern und einer Schüssel mit Keksähnlichem Gebäck. Sie sehen aus wie Berge, Sterne, Sonnen, Bäume und so weiter aus. Wenn er sie selber gebacken hat, hat er sich gewiss viel Mühe gegeben.
„Greif zu!“
Offelay guckt mich verlegen an.
Ich greife zu und ich muss sagen es schmeckt köstlich. Vor allem die Bäume. Mich würde interessieren was das für Teig ist. Mürbeteig ist es gewiss nicht und auch sonst kein Teig, der mir bekannt ist. Während ich esse, kommen wir ins Gespräch.
„Wieso bist du hier so alleine?“
„Ich sehe furchtbar aus, böse und schrecklich. Alle haben Angst vor mir, dabei habe ich noch viel größere Angst vor ihnen. Weil sie mich töten wollten, deshalb habe ich mich in den Wald verzogen. Hier lebe ich schon sehr lange. Die einzige Gesellschaft die ich habe ist ein sprechender Stein und auch er ist muffelig.“
„Wieso wollten sie dich töten?“
„Ich habe angeblich alle ihre Schafe gefressen. Hast du irgendwo in diesem Land Schafe gesehen?“
„Nein. Aber du hast sie nicht gegessen?“
„Aber nein, doch ich weiß wer es war.“
„Wer denn?“
Ich sterbe gleich vor Neugierde! Offelay erzählt so spannend und guckt immer so vielversprechend.
„Es waren die Trolle aus dem Norden. Sie sind in letzter Zeit oft hier. Auch wenn sie hier erbärmlich schwitzen, irgendetwas zieht sie hier hin! Ich habe schon oft versucht sie zu verjagen, aber sie sind einfach zu viele.“
„Du hast es wohl ganz schön schwer? Was?“
„In der Tat. Du bist bis jetzt die zweite die keine Angst vor mir hat.“
„Und wer ist die erste?“
„Rosslare.“
„Sonst hat jeder Angst vor dir?“
„Ja jeder.“
„Und warum gehst du nicht nach Tipperary?“
„Was ist das?“
„Das weißt du nicht? Tipperary ist auch ein Land, genau wie Cork. Dort leben viele Riesen.“
„Und wenn schon,. Wer einmal hier ist, darf nirgendwo mehr hin!“
Mir bleibt der Keks Buchstäblich im Hals stecken.
Als ich ihn einigermaßen runtergeschluckt habe, frage ich: „Nie wieder fort, du meinst, du darfst den Rest deines Lebens hier verbringen?“
„Ja, und du auch. Du kommst doch aus einem anderen Land, oder?“
„Nun konnte ich gar nichts mehr sagen. Mir ist schlecht und ich möchte zurück nach Hause. Aber das geht ja nicht mehr. Na toll. Ich darf jetzt für immer, und zwar wirklich für immer, hier bleiben. Was wird aus unserem Auftrag? Ich muss mit dem Orakel sprechen, koste es was es wolle.
„Ja, kannst du mir einen Gefallen tun?“
„Klar, alles was du willst!“
„Sicher? Es handelt sich um eine große Bitte!“
„Nun rede schon!“
„Ich bin mit zwei Freunden hier, wir müssen eine Mission bewältigen, es geht um einen Schatz. Es ist sehr wichtig und wir brauchen dafür zwei Dinge, Rosslare und deinen Brunnen!“
„Was? Dann bin ich ja ganz alleine! Dann habe ich niemanden, obwohl… Wie willst du denn von hier weg? Das geh doch nicht!“
„Ich muss einen Weg finden! Sonst sind alle Wesen verloren. Bitte, wenn alles vorbei ist, werde ich dich hier weg holen, dann kannst du nach Tipperary. Ist das ein Vorschlag?“
„Ja, das ist einer. Wo sind deine Freunde?“
„Irgendwo im Wald, sie verstecken sich vor dir!“
„Ich glaube es nicht! Vor mir brauch man keine Angst haben, ich tue niemanden etwas!“
„Ich glaube dir und die Jungs werden es dir auch glauben, doch vorher…“
Offelay und ich hören plötzlich ein furchtbares Gebrüll, die Tür wird eingeschlagen und fällt um. Ein Hund und ein Sonnenelf stehen in der Tür. Die Fäuste haben sie vor sich geballt. Sie sehen aus, als ob sie in einem Wildwesternfilm sind und eine junge Frau retten wollen, die von bösen Gangstern entführt wurde. Naja, ein Teil stimmt ja auch, aber nur ein sehr kleiner Teil. Und zwar der, der besagt, das sie jemanden retten wollen nur das dafür in Wirklichkeit kein Grund besteht.
„Lass unsere Freundin in Ruhe oder dir wird was passieren!“
Ich habe jetzt erwartet das Offelay in Tränen ausbricht, aber nicht, das er lacht. Er lacht. Max und Dundalk sehen sich eingeschüchtert an.
„Für wen haltet ihr mich? Ich würde eher euch was tun, als diesem Mädchen. Eigentlich wollte ich euch helfen, doch bei eurer Einschätzung, bin ich glaube ich nicht willkommen!?“
Ich muss laut loslachen. So wie Max und Dundalk gucken, ist das auch kein Wunder. Nach ein paar Minuten, als Offelay und ich uns langsam wieder beruhigt habe, fangen sie auch an zu lachen. Wir werden wieder angesteckt und müssen weiter lachen. Nach einiger Zeit beruhigen wir uns alle und Max fragt völlig außer Atem: „Du willst uns wirklich helfen? Das habe ich noch nie erlebt. Ein Riese der kleinen Mädchen hilft. Ein guter Witz.“
Ich merke das Max zu weit gehen wird, wenn er weiter macht.
„Er will uns wirklich helfen. Er hat auch den Brunnen und Rosslare.“
Max hört auf zu ulken.
„Das ist ja toll. Wir müssen gleich die Dinge nach Mayo bringen.“
Max schweigt, als ich ihn böse angucke.
„Oh, äh, danke Offelay.“
„Kleiner Hund, ich muss dir leider ein paar Sachen sagen bevor ihr anfangen könnt. Den Brunnen könnt ihr nicht bewegen und der Stein ist sehr launisch, ihr müsst einen guten Tag abwarten, sonst ist Rosslare mucksch und wird garantiert nicht mit dir reden. Außerdem müsst ihr das Orakel um Erlaubnis bitten, wenn ihr Cork verlassen wollt. Und…“
„… Offelay opfert seine einzige Gesellschaft, um uns zu helfen.“
Dundalk, der bis jetzt geschwiegen hat, bemerkt: „Wir danken dir sehr Offelay und als Dank hast du einen Wunsch frei.“
„Den habe ich schon gewählt.“
„Und der wäre?“
Ich antworte für Offelay.
„Er möchte nach Tipperary, zu den anderen Riesen.“
„Falsch! Ich möchte Mag beschützen, bis sie mich nicht mehr braucht. Das heißt soviel wie, dass ich sie immer beschützen werde, wenn ihr weiter in ihrer Nähe seid. Wie es aussieht, seid ihr nicht in der Lage auf sie aufzupassen.“
Das Letzte sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Ich bin gerührt. Das ist echt lieb. Mich überkommt auf einmal der Wunsch diese Kreatur in den Arm zu nehmen, auch wenn sie schleimig, ekelig und schrecklich aussieht. Ich befolge meinen inneren Wunsch und mache eine interessante Entdeckung, Offelay ist warm, weich, trocken und riecht nach Blumen.
Offelay ist erstaunt über meinen Überfall, grinst aber zufrieden und erwidert meine Umarmung.
„Nun beeilt euch mal ihr Schmusekatzen. Wir wollen sehen ob wir mit Rosslare reden können.“
Max rennt vor, er ist ja auch mit Abstand der schnellste von uns.
Plötzlich hören wir einen furchtbaren Schrei, so als ob die Welt untergehen würde.
„Oh nein!!“
Wir sprinten los und finden Max aufgelöst und traurig vor. Der Brunnen ist verwüstet und der Stein ist weg, dafür ist ein Kästchen da.
Dundalk öffnet es ehrfürchtig. Und was ist drinnen? Natürlich! Ein Brief, und ich kann mir auch denken vom wem.
„Ließ ihn vor Dundalk, schlimmer kann es bald nicht kommen.“
„Na gut, wenn du meinst, aber ich glaube er wird doch noch schlimmer. Also…

Da bin ich wieder, wie in alten Zeiten, ich habe Neuigkeiten für euch. Wir haben drei Geiseln. Und Rosslare und Mullingar. Ich glaube ihr müsst euch beeilen mir das Buch zu geben. Sonst wird der Schatz bald nicht mehr existieren und die Geiseln auch. Den Brunnen wollen wir auch! Der in dem Garten von dem Trampeltier ist ein gewöhnlicher, ihr könnt es überprüfen, wenn ihr wollt. Und da ist noch etwas, das Mädchen, diese Mag, möchte ich auch haben, verstanden. Ich habe nämlich das Gefühl das sie die Auserwählte ist, die einzige, die ,die Steine wieder zusammen kriegt. So das wär’s erst mal. Ihr hört von mir und merkt euch eins, ich beobachte euch, Tag und Nacht.
Bis demnächst
W.M.

„So dreist, so unverschämt. So.. wie kann er es wagen?“
„Beruhig dich Max. Das ändert jetzt auch nichts daran. Wir müssen uns etwas überlegen!“
„Wir können nicht Dundalk. Der Typ beobachtet uns ununterbrochen, eine falsche Bewegung und wir schlagen uns mit unseren eigenen Waffen. Ich hätte einen Plan, aber ich kann ihn nicht verraten, das ist das Pech daran. Er wäre die Lösung, doch leider kann ich ihn nicht bekannt geben.“
„Wenn der Plan wieder lautet: Ich opfere mich für euch, dann vergiss es, der ist wirklich gemeingefährlich, selbst wenn Offelay gefährlich gewesen wäre, wir hätten dich befreien können, aber Mulrany ist zu stark!“
Offelay wirkt auf einmal sehr erschrocken.
„Mu…mu…Mul…rany? Der Heerscher der Trolle? Der ist doch nicht etwa…? Ihr müsst mir alles erzählen, alles was ihr wisst, dann kann ich euch helfen.“
Also erzählen wir ihm alles, wirklich alles, von Anfang an, und der begann, als ich erfuhr das es die Wesen gibt.
Nach langer Zeit sind wir fertig, wir haben abwechselnd erzählt, so, damit keiner von uns einschläft. Offelay hat uns kein einziges mal unterbrochen. Er hat angestrengt gelauscht. Nun versucht er uns zu helfen, mal sehen was dabei rauskommt.
„Ich weiß wo er lebt und das er schon lange dort ist. Er wohnt in einem unbekannten Land hinter dem Wald, ich war noch nie da, ich weiß nicht wo da, es könnte ein Tagelanger Fußmarsch sein oder ein Fünfminütiger. Ich weiß es nicht, nur eins, er hat schon vor langer Zeit Trolle aus dem Norden geholt. Mehr weiß ich nicht, aber vielleicht hilft es euch ja!“
„Es hilft uns in der Tat, wir wissen zum Beispiel das es noch mehr Länder gibt.“
„Das sowieso. Cork ist eine Insel, es gibt aber noch mehr unerforschte Inseln im Wesenreich. Vielleicht gibt es noch tausend Länder?!“
„Das wäre sogar möglich. Vielleicht sollten wir mal durch den Wald durch gehen? Wer weiß was wir finden? Der Brunnen ist auf jeden Fall da, das ist klar.“
„Okay Offelay, lass uns gehen. Mag? Bist du sehr müde? Wenn ja, dann schlafen wir erst mal eine Runde. Wir könnten alle ein bisschen Schlaf vertragen.“
„Nein, nein es geht noch, lass uns erst mal losgehen, wenn wir übers Wasser müssen schlafe ich im Boot, und wenn nicht, dann fällt mir sicher noch etwas ein.“
Dundalk öffnet Offelays Gartentor und wir gehen los. Tiefer in den Wald hinein. Hoffentlich gibt es hier keine wirklichen Monster!

Kapitel 12

Ich bin doch ein geschlafen. Im stehen!! Offelay hat mich dann getragen. Als ich gefragt habe, ob ich was verpasst habe, sagte erst keiner etwas, doch dann meinte Dundalk todesernst: „Wir wurden von einer Horde Trolle überfallen, zum Glück waren sie so dumm und hatten ihre Waffen vergessen, so konnten wir sie mühelos besiegen! Ein Wunder, dass du nicht aufgewacht bist!“
Also mal ehrlich, irgendwie kann ich das nicht glauben. Ich wäre doch sofort aufgewacht! Ich akzeptiere trotzdem diese Information und sehe mich um, wo wir wohl sind? Leider kann ich nichts sehen, es ist stockduster. Deshalb frage ich.
„Wo sind wir jetzt? Noch im Wald?“
„Nein, wir gehen gerade über eine Brücke. Unter uns ist Wasser, deshalb rate ich dir nicht zu fallen, es könnte schwer sein dich im Dunkeln wieder zu finden.“
Mich schauderts. Es riecht ekelig. Offelay setzt mich ab. Ab jetzt gehe ich wieder selbstständig. Die Brücke ist moderig und sehr glatt. Ich nehme Maxs Rat sehr zu Herzen, denn es wäre wirklich nicht so toll, wenn ich ins Wasser fallen würde. Mein Herz klopft wie wild.
Unter uns höre ich es blubbern. Mir jagt ein Schauer über den Rücken.
Mich fröstelt es. Es ist Nacht und es ist kalt, soviel habe ich schon mal mitbekommen.
„Wir sind gleich drüben!“
„Woher weißt du das Max?“
„Instinkt!“
„Ah ja. Wie lange gehen wir jetzt eigentlich schon über diese Brücke?“
„Schon sehr lange, mehrere Stunden, würde ich sagen. Oder was meint ihr?“
„Länger!“
„Was? Ihr wollt mir weiß machen das ich fast einen ganzen Tag geschlafen habe?“
„Länger!“
„Hör auf mit deinem „Länger!“ Gib Mag eine Vernünftige Antwort Offelay.“
„Na gut. Also du hast mindestens zwei Tage geschlafen. Das ist hier ja nicht die erste Brücke.“
„Sondern…?“
„Die fünfte!“
„Oh je. Habe ich lange geschlafen!“
„Das war auch nötig. Wenn wir in der Menschenwelt gewesen wären, würden wir jetzt schon über zwei Wochen unterwegs sein.“
„Max, du jagst mir Angst ein! Willst du damit sagen das ich zwei Wochen geschlafen habe?“
„Nein, ich meine, wir beide, du und ich, wir sind schon über zwei Wochen unterwegs. Dundalk und Offelay sind erst seit knapp einer Woche dabei!“
Mir wird schlecht. Das mir gar nicht aufgefallen ist wie schnell die Zeit vergangen ist.
„Da, ich sehe Gras!“
Offelay reißt mich aus meiner Trance.
„Du hast recht!“
Max scheint begeistert zu sein. Und wirklich, ein paar Minuten später stehen wir auf festen Boden.
„Bin ich müde!“
„Ich auch!“
Ich und Max gucken uns an, dann sagt Max: „O.K. lasst uns einen Unterschlupf suchen! Mag und ich werden dann Wache halten.
„Da vorne ist eine Höhle, dort können wir erst mal hin.“
Wir versuchen die Höhle zu finden, die Dundalk meint. Da, ich sehe sie. Dundalk und ich zeigen sie den anderen. In der Höhle riecht es ganz gut, zumindest besser als auf der Brücke. Offelay und Dundalk legen sich hin und schlafen schlagartig ein. Beide schnarchen, aber nur leise.
„Was glaubst du wie lange sie schlafen?“
„Och, in ein paar Minuten sind sie wieder hellwach!“
„Wie kommst du denn darauf?“
„Du hättest sie sehen müssen, als du geschlafen hast. In der Zeit haben wir drei mal Rast gemacht, jedes Mal waren sie sehr müde, aber sie haben nie mehr als eine halbe Stunde geschlafen.“
Ich gucke verlegen weg, denn ich habe mehr als zwei Tage geschlafen. Ein bisschen peinlich ist das schon!
„Hast du Hunger?“
„Oh ja, ein bisschen.“
Erst jetzt merke ich, das mir schon eine Zeitlang der Magen knurrt.
„Wir haben Beeren gefunden, in Tausenden. Und Dundalk hat drei reife Käse mitgenommen. Die Sachen sind im Rucksack von Dundalk, hol doch bitte einen halben Käse und ein paar Beeren heraus.“
Ich gehorche. Der Rucksack ist nicht sehr groß, aber als ich hineingreifen will, merke ich das er von innen mindesten dreimal so groß ist wie von außen.
Ich nehme den einen halben Käse und ein Bündel mit Beeren. Sie sind Weinrot, riesengroß und sehen ein bisschen nach Birnen aus.
Ich breche den Käse in zwei Teile und lege Max den einen vor ihm auf den Boden und öffne das Bündel mit den Beeren.
Der Käse schmeckt gut. Die Beeren auch, aber mit Birnen Geschmack ist das nicht zu vergleichen, eher mit Kirschen und Bananen. Der Käse hat einen leichten Nachgeschmack von Nüssen, ansonsten schmeckt er nach würzigem Gauda. Mittelalt würde ich sagen.
„Woraus ist der Käse gemacht?“
„Aus vielen guten Zutaten. Ich finde das, das der beste Käse ist den ich je gegessen habe. Er heißt „Schorim“. Ein komischer Name, aber schmecken tut er trotzdem. Dundalk hat mir nicht viel über den Käse verraten, nur seinen Namen, das er ihn selber macht, und das er hauptsächlich aus Nüssen, Ardaramilch und geheimen Gewürzen besteht.“
„Was ist denn Ardaramilch?“
„Milch von einem Ardara!“
„Und was ist ein Ardara?“
„Ein Vogel.“
„Komm schon! Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!“
„Na gut, ein Ardara ist ein Vogel. Eine Kreuzung zwischen Strauß, Pinguin, einer Ziege und einem Gnomen. Wie das passieren konnte weiß ich nicht, aber die Milch schmeckt gut. Dundalk hat erzählt, dass es mal auf einem Ardarahof gelebt hat. Nachts soll das ganz schön laut gewesen sein. Er sagte, er hätte nachts nie ein Auge zu bekommen. Das Geschrei von einem Ardara ist schrecklich.“
„Bin ich froh das ich euch kennen lernen durfte. Aber sag mal, hast du schon mal einen Troll gesehen? Weißt du wie so einer aussieht?“
„Nein ich habe noch nie einen gesehen.“
„Aber ich!“, dröhnt es aus der Ecke, Offelay ist aufgewacht, „Sie sind rot, behaart, haben nur einen Lendenschurz und ein Paar Stiefel an und sie haben Flügel. Es gibt sie in so gut wie jeder Größe. Manche sind kleiner als Elfenkinder, andere sind größer als ich! Früher haben sie sich immer einen Spaß gemacht und haben meinen Gemüsegarten zerstört. Ich hoffe wir begegnen keinen. Sie sind gute Kämpfer und wir haben nur zwei Schwerter, eine Keule und einen Dolch. Damit kommen wir nicht weit.“
„Ich habe auch schon mal einen gesehen, als ich das erste mal in Mayo war, damals ist einer an mir vorbei geschwirrt. Ich fand das Kerlchen ganz witzig, aber wenn man das jetzt von der anderen Seite ansieht…“
„Die Viecher sind gemeingefährlich!“
„Na gut!“
„Was schreit ihr so? Gibt es einen besonderen Anlass dafür?“
„Tschuldigung Dundalk, wir haben über Trolle diskutiert und sind wohl ein bisschen laut geworden.“
„Ist das der einzige Grund? Oh Mann, ich hätte zu Hause bleiben sollen.“
„Sag das nicht! Wir brauchen dich, du bist uns eine tolle Hilfe.“
„Ganz ruhig Mag, das sind alles tolle Argumente, aber du hast eigentlich kein Recht sie auszusprechen. Die meiste Zeit unseres Zusammenseins hast du nämlich geschlafen.“
„Na und.“
„Hört auf! Nachher streitet ihr noch und das können wir am wenigstens gebrauchen! Komm, wir gehen weiter, es sind ja jetzt alle wach.“
„Da bin ich mir sicher Offelay. Sieh mal!“
Ich zeige mit dem Finger auf den Eingang der Höhle. Man sieht nur undeutlich, aber man sieht, einen Haufen von Krabbelzeug. Alle weichen erschrocken zurück.
„Bantrys. Hat jemand Feuer oder so mit?“
„Was sind Bantrys? Sind die gefährlich?“
„Nicht direkt.“
„Tolle Antwort Dundalk!“
„Dann mach es doch besser Max!“
„Bei dir heiße ich immer noch Oginos! Bantrys sind furchtbar zerfressen, sie nagen alles an, und wenn es nichts besseres gibt auch Lebewesen.“
„Oh mein Gott! Was machen wir jetzt? Wenn wir Feuer brauchen, dann brauchen wir ein Feuerzeug, oder Streichhölzer!“
„Oder trockenes Holz und Feuersteine.“
„Mag, Offelay, haltet den Mund, alle beide. Auch du Oginos. Wir brauchen schnell einen Plan. Hat jemand etwas zum Feuer machen oder ist hier was in der Höhle?“
„Nein, aber eins ist in der Höhle.“
„Was denn?“
„Hungrige Geschöpfe.“
„Kannst du auch mal an etwas anderes denken, Max?“
„Nein. Ich möchte nicht gefressen werden Mag, du etwa?“
„Nein, aber wenn du solch eine Panik machst, wird es auch nicht besser!“
Plötzlich ertönt ein greller Schrei in der Dunkelheit. Dundalk zeigt mit beiden Händen auf die Bantrys.
„Sie bewegen sich. Sie sind auf den Weg zu uns.“
Nun bin nicht einmal ich mehr ruhig. Große Panik bricht aus, doch dann fällt mir was ein. Ich wühle in meinen Taschen, in meiner Hose sind fünf und in meinem Hemd zwei. Irgendwo muss es doch sein! Ich finde es nicht! Letzte Tasche, da muss es sein, sonst sind wir verloren. Ich schwitze. Meine Hand ist nass. Da! Ich hab es. So schnell, mach es an Mag!
„Klick!“
Ein helles Licht erscheint in der Dunkelheit, ich hatte ein Feuerzeug in meiner Hosentasche.
„Mag! Du hast uns gerettet. Bantrys haben Angst vor Feuer. Sie werden jetzt verschwinden.
Alle atmen auf, nur die Bantrys nicht. Die suchen eiligst das Weite.
„Jetzt lasst uns diesen Ort aber schnellstens verlassen, bevor noch mehr Bantrys kommen.“
Wir stimmen alle Max zu. Der Ort ist uns nicht mehr geheuer.
Draußen ist es bereits hell geworden.
„Komisch!“
„Was ist komisch Offelay?“
„Sieh mal Mag, ich kenne mich gut mit dem Klima, Vegetationen und Tieren im Wesenland aus, aber ich habe noch nie erlebt das sich Bantrys in Wiesen aufhalten. Sie sind eigentlich typische Sumpftiere.“
„Du ich glaube da habe ich eine Erklärung. Mulrany ist doch ziemlich böse, er hat auch die Trolle auf seine Seite geholt, was ist wenn er das gleiche mit dem Bantrys gemacht hat?“
„Dann sind wir verloren! Bantrys gibt es hier in Scharen!!“
„Das mag wohl sein Dundalk, aber Bantrys sind noch harmlos gegen Riesen, du ausgeschlossen Offelay. Was ist wenn er die auch noch auf seine Seite holt?“
„Max! Mach mir nicht noch mehr Angst als ich sowieso schon habe!“
Wir gehen weiter, meine Beine sind zwar erschöpft, ich weiß nicht wieso, aber wir müssen weiter. Ich frage mich wie lange wir wohl noch gehen müssen.
Plötzlich sehe ich in der Ferne ein Schloss, es ist dunkel. Vollkommen dunkel. Schwarz. Vollkommen schwarz. So etwas Trostloses habe ich noch nie gesehen. Der Himmel ist bewölkt, es scheint kein Sonnenlicht durch die Wolken. Es ist eine Trostlose Gegend und immer noch haben wir kein Plan, oder doch, aber wir können sie nicht austauschen, weil Mulrany uns die ganze Zeit beobachtet. Bestimmt wohnt er da.
„Schaut, da ist ein Schloss.“
„Ja und bestimmt wohnt Mulrany da drinnen.“
„Du hast recht Mag, das kann sein, aber sieh mal die kleinen Häuschen um dem Schloss. Glaubst du jemand würde freiwillig in Mulranys Nähe wohnen?“
„Ja ich kenne jemanden, Trolle!“
„Werde nicht gleich pessimistisch Max. Vielleicht hat Dundalk ja recht, obwohl ich mir die Dunkelheit noch nicht ganz erklären kann.“
„Meinst du Mag?“
„Lass uns überraschen, darin sind wir schließlich bald Meister!“
„Wenn wir uns beeilen, sind wir in drei Stunden da!“
„Dann beeilen wir uns eben ein bisschen!“
Wir marschieren schnellen Schrittes weiter. Wir schaffen es sogar in zwei ein halb Stunden da zu sein.
Die Häuser sind hübsch und niedlich, ich kann nicht glauben, das hier Trolle leben. Wir werden sehen was hier los ist!
„Was wollen wir jetzt machen?“
„Ja, Oginos, eine tolle Frage. Leider habe ich keine Antwort darauf. Vielleicht sollten wir einen Einwohner such und ihn Fragen?“
„Das dachte ich auch zuerst, aber irgendwie ist hier keiner. Niemand!“
„Vielleicht sind sie auf einem Fest?“, frage ich Vorsichtig.
„Das glaubst du doch selber nicht!“, antwortet Max barsch, „eher sind die auf einer Trauerfeier!“
„Das könnte sogar stimmen! Lasst uns mal auf den Friedhof gucken!“
„Ja gut, schaden tut es bestimmt nicht!“
Wir gehen weiter, vielleicht ist hinter dem Schloss der Friedhof?
Ja da ist einer. Viele Menschen, nein Wesen sind da. Alle sind in schwarz gekleidet. Großes Schluchzen kommt uns entgegen. Alle Köpfe sind gesenkt. Hier muss jemand bedeutendes gestorben sein. Vielleicht der Herrscher?
„Entschuldigung? Können sie mir vielleicht helfen?“
Ich frage einen kleinen Gnomen, zumindest glaube ich das es einer ist.
„Schscht!“
Na gut, dann versuche ich es eben bei jemand anderes!
Ich muss noch sechs weitere fragen, eher sich einer bereit erklärt mir zu antworten.
„Was willst du? Die Herrscherin trauert, ihr Sohn wurde von einem Troll getötet!“
„Ich bin fremd hier und würde gerne wissen, wo ich bin!“
„Du bist hier in Malin Head. Dem geheimen Land. Wie bist du hier hingekommen?“
„Über das Wasser! Wieso?“
Das Wesen vor mir bekommt große Augen, dann wird es wieder normal und ist plötzlich verschwunden.
Ich suche Max und die anderen. Ein wenig abseits finde ich sie, sie unterhalten sich mit einer geduckten Gestallt. Ich gehe zu ihnen, beim näheren betrachten, sehe ich das diese Gestalt kein geducktes Wesen ist, sondern ein winziges Mädchen. Vielleicht ist das ja ein Kind?
„Hallo!“
„Hallo Mag. Hast du was heraus gefunden?“
„Ja, wir sind in Malin Head, dem geheimen Land. Als mich der Gnom fragte woher wir kommen, und ich es ihm gesagt habe, ist er plötzlich verschwunden. Ob er Angst vor mir hatte?“
„Nein!“
„Sondern?“
„Nachher,… darf ich vorstellen? Das ist Athlone. Die ist die Schwester des Toten.“
„Ich betrachte das kleine Mädchen, das sich bereits vor eine Blume gekniet hat und den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen hält. Sie hat nur einen leicht durchsichtigen Rock an, ansonsten nichts. Sie ist süß und einfach zum klauen, aber ihre Trauer wirkt leicht ansteckend.
Ich versuche es mal auf die sanfte Weise.
„Du hast ihn sehr geliebt, nicht wahr?“
Das Mädchen schaut mich mit großen Augen an.
„Oh, ja! Er war immer wie ein Vater für mich. Weißt du, mein Vater starb als ich vierzig war, ich kann mich kaum mehr an ihn erinnern.“
„Wieso ist er denn gestorben? Ich dachte ihr seit unsterblich!?“
„Sind wir auch, doch wen meinst du jetzt meinen Vater oder meinen Bruder?“
„Deinen Bruder.“
„In unserem Land wurde das Midrulat knapp, du weißt was Midrulat ist?“
„Ja, ich wurde aufgeklärt.“
Ich versuche das Mädchen an zulächeln. Doch es gelingt mir nicht, der Versuch scheitert.
„Ach so, ich dachte nur, weil du ein Menschenwesen bist. Nun gut, zumindest hat, als das Midrulat knapp wurde, mein Bruder gesagt, das er auf seine Portion verzichtet, wenn er damit das Leben eines anderen retten kann. Den Rest kannst du dir denken. Er starb gestern. Er hat es zwei Tage ohne Midrulat ausgehalten. Er litt schrecklich. Meine Mutter ist in dieser Sache eiskalt. Sie ist im Schloss.“
„Und sie trauert nicht um ihren Sohn?“
„Nein, er hat ihr den Thron streitig gemacht. Das Volk mochte ihn lieber als sie.“
„Wie hieß dein Bruder?“
„In diesem Land spricht man nicht über die Namen der Toten.
Hier gibt es nur eine Wesensorte. Wir sind die Maliner. Wir haben noch nie unser Land verlassen, deshalb gibt es uns nirgendwo anders. Und ihr seit die ersten die in unser Land gekommen sind, wie habt ihr das eigentlich geschafft? Seit ihr mit der Eiche gereist? Ma sagte doch sie ist kaputt!“
„Nein, wir sind übers Wasser gekommen. Bitte lauf jetzt nicht weg! Wir brauchen deine Hilfe. Hast du noch den ganzen Staub von deinem Bruder?“
Das Mädchen ist sichtlich verwirrt.
„Ja habe ich, er ist unter der Blume vergraben, könnt ihr ihn wieder zum Leben erwecken? Und wie konntet ihr übers Wasser kommen? Die alten Greise meinten ich gehe in den sicheren Tod, wenn ich in den Wald gehen und die Brücken benutze.“
„Wenn du uns begleitest, dann können wir deinen Bruder vielleicht wieder zum Leben erwecken. Wir suchen den heiligen Brunnen. Und über die Brücken zu gehen war wirklich nicht schwer. Allerdings müssen wir weiter nach Norden, wir kehren erst mal nicht zurück. Ich habe nur eine Frage an dich, begleitest du uns, auch mit dem Risiko zu sterben?“
„Um meinem Bruder zu helfen tue ich alles!“
„Das ist schön, kannst du uns vielleicht eure Insel zeigen?“
„Nein!“
Das klingt so fest uns ernst, das ich nicht wiedersprechen mag, aber wissen warum würde ich gerne, aber erst mal halte ich den Mund.
„Entschuldigung. Ich bin in Trauer und du kennst unsere Sitten bestimmt nicht. Verzeih mir, wir können uns doch später im Pub treffen. Ich möchte noch ein bisschen hier bleiben. Doch bevor ihr geht, muss ich euch warnen, lasst euch nicht mit dem Maliner ohne Namen ein, er ist der Spion meiner Mutter, und die hätte bestimmt nichts gutes mit euch vor!“
„Ach du Schreck! Du meinst doch wohl nicht einen kleinen Kerl, rote Haare, keine Schuhe, eine Warze am Kinn und eine Art Kleid als Kleidung, oder?“
Mir wird abwechselnd heiß und kalt. Es wird noch schlimmer, das Mädchen wird nämlich weiß.
„Doch, dass ist er! Oh nein! Flieht! So schnell ihr könnt! Ich folge euch bald!“
„Vorher muss ich wissen wie du heißt!“
Leider werde ich nie erfahren wie dieses Mädchen heißt, Max schnappt nach meinem Hosenbein und zieht mich mit. Als sie antwortet, bin ich schon aus der Hörweite.

Kapitel 13

Wir sind im Wald, in Richtung Norden.
„Du bist echt toll Mag, ich hätte niemals so mit Athlone reden können!“
„Danke für das Kompliment Offelay, aber… Moment mal! Athlone? Woher weißt du ihren Namen?“
„Sie hat ihn mir gesagt. Und Max hat sie dir doch vorgestellt, als Athlone, oder etwa nicht?“
Moment, stimmt! Ich dumme Kuh, das habe ich total verschwitzt! Ich Volltrottel!
„So Max, du wolltest mir sagen wieso der Maliner vor mir verschwunden ist?“
Max geht zwar weiter, macht aber keinen Anstallt mir zu antworten.
„Max? Max!? Hallo? Schläfst du?“
„Wie? Was? Nein, ich habe gerade etwas überlegt. Was wolltest du?“
„Ich habe gefragt, ob du mir jetzt sagst, warum der Maliner abgehauen ist!“
„Ach so. Er hält dich für die Auserwählte und ist schnell zur Königin gelaufen und wenn es dieser Maliner ohne Namen ist, dann sollten wir froh sein das Athlone uns geholfen hat!“
„Max? Waran hast du gerade gedacht?“
„Wie wir es schaffen Mulrany zu besiegen. Ich habe auch einen Plan, aber ich kann ihn euch leider nicht verraten, wegen zweierlei Gründe. Weil Mulrany uns belauscht und weil ich erst etwas herausfinden muss.“
„Interessant. Du hast einen Plan, ich habe einen Plan! Habt ihr auch schon einen Plan?“
Offelay und Dundalk schütteln mit dem Kopf.
„Nicht wirklich. Aber ich habe schon eine Ansatz Idee, ich muss nur noch daran herum feilen. Doch Mag? Was bringt es, wenn wir alle eine Idee haben? Wir können sie doch nicht austauschen.“
„Das nicht, aber wir können sie aufschreiben.“
„Vergiss es Mag, Mulrany beobachtet uns, also wird er auch sehen was wir machen.“
„Das glaube ich nicht! Wenn er uns sehen würde, dann wäre er doch schon lange hier und würde uns fangen! Außerdem…wie sollte er das schaffen?“
„Du hast recht, aber wir sollten nichts riskieren!“
„Krach!“
Dundalk ist gestolpert. Er rappelt sich hoch.
„Nichts passiert! Doch was ist das für eine komische Form für ein Stein.“
„Hey, das ist kein Stein! Das eines der wohlberühmten Kästchen, des berühmten Mulrany!“
Meine Ironie lässt zu wünschen übrig, sie wird immer schlimmer!
„Mag! Du hast recht! Soll ich vorlesen?“
„Natürlich! Fang an. Wir wollen wissen, was der Typ jetzt wieder zu meckern hat!“
Offelay zögert, doch dann fängt er an, der Brief ist wie immer unverschämt.

Hallo liebe Freunde!
Ich vermisse euch! Wo bleibt ihr? Wenn ihr in dem Tempo gegangen wäret, wie ich es vorgesehen hatte, dann wäret ihr schon lange da!
Macht euch keine Hoffnung! Athlone ist in ihrem Zimmer eingesperrt, von ihrer Mutter, eine reizende Frau, so freundlich!
Beeilt euch, sonst wird euren Freunden was passieren! Und Mag, du bleibst dann für immer bei mir, verstanden? Max werden wir dann in den Hexenkessel werfen und deine anderen Freunde werden dann dem Orakel geopfert. Wie findest du das? Wenn diese Feierlichkeiten dann zu Ende sind, wirst du mich heiraten und wir werden eine glückliche Familie sein, du wirst Kinder bekommen, und ich werde Herrscher über alle Wesenländer. Malin Head, Achill Head, Cork, Galway, Tipperary, Mayo, Tyrone und Kerry. Ich erwarte euch in spätesten drei Tagen! Sonst sind meine Geiseln und eure Freunde verloren! Bis bald,
W.M.

„Jetzt reicht es, wir brauchen einen Plan und wir werden uns per Brief verständigen. Wir brauchen nur Stifte und Papier.“
„Ich habe welches Oginos.“
„Das ist gut Dundalk! Hole es heraus, wir brauchen es jetzt gleich.“
Dundalk wühlt in seiner Tasche.
„Ich habe immer noch keinen Plan Mag. Ist das schlimm?“
„Nein, aber hast du was dagegen, wenn wir dich dann als Tisch benutzen?“
„Nö!“
Eifriges Treiben stellt sich bei uns ein. Erst suchen wir uns ein sicheres Versteck, dort schreiben wir alle, Offelay ausgeschlossen, unseren Plan auf. Als wir alle fertig sind, vergleichen wir die Texte.
„Ich bin dafür, dass wir Mags Plan nehmen. Der scheint am einfachsten zu sein. Nur eine Sache musst du versprechen, du musst vorsichtig sein.“
„Ja klar, obwohl… ich habe noch eine Frage.“
Ich krickele noch schnell was auf einen Zettel. Max schaut mich mit erschrockenen Augen an.
„Ach du Schreck, das habe ich ganz vergessen!“
„Zum Glück habe ich da noch eine Notlösung.“
Ich schreibe noch mal etwas auf einen Zettel. Diesmal schaut Dundalk sich das an. Dann zeigt er es Max. Gemeinsam sagen sie einstimmig: „Es ist zwar nicht die perfekte Idee, aber die einzige Lösung.“
Ihr seit jetzt garantiert neugierig, was wir alles so aufgeschrieben haben. Ihr erfahrt es ja nachher, es sei denn wir sterben alle vorher!

Wir gehen weiter immer weiter, wer weiß wie lange wir noch gehen müssen? Wir machen wenig Pausen, um nicht unnötig in Verzug zu kommen. Wir sind jetzt einen weiteren Tag weiter gegangen und jetzt hören wir das Meer vor uns. Und hinter uns?

Kapitel 14

„Wartet! Wartet! Hier bin ich! Wartet auf mich!“
Eine kleine Gestallt läuft hinter uns her, mit einer tollen Geschwindigkeit. Es ist Athlone. Sie rennt wie der Wind.
„Schnell, schnell. Wir müssen fort. Übers Wasser. Beeilt euch.
Wir rennen los. Max ist ganz vorne.
„Hier ist ein Boot! Es sieht ziemlich stabil aus, lasst es uns nehmen.“
Er springt hinein. Offelay hinterher. Danach ich, dann Dundalk. Zuletzt Athlone.
„Rudert los!“
Wir rudern. Wir rudern um unser Leben, auch wenn wir nicht wissen warum.
Als das Ufer kaum noch zu sehen ist, meint Athlone: „Ihr könnt aufhören, wir haben erst mal genug Schwung!“
„Was ist eigentlich los Athlone? Ist jemand hinter uns?“
„Mag! Ich muss dir soviel erzählen! Wäret ihr nicht da gewesen, dann wäre ich jetzt tot!“
„Wieso das? Und woher weißt du meinen Namen?“
„Na, Max hat dich doch damit angesprochen! Außerdem bist du jetzt superaktuell in unserem Land, aber lasst mich von vorne beginnen!“
„Okay, aber erst, ist uns jemand gefolgt?“
„Sie gehen nicht aufs Wasser! Aber das kommt noch. Also…
… als ihr weggegangen seit habe ich noch ein wenig Zeit am Grab verbracht, aber nicht viel. Das war auch gut so. Als ich nämlich zum Schloss kam, und die Tür öffnen wollte, hörte ich aus dem Garten, wie meine Mutter und dieser Maliner ohne Namen sich unterhielten.“
„Was sagten sie?“
„Meine Mutter fragte: „Sind sie auch ganz sicher das sie die Auserwählte ist? Wenn ja, dann müssen wir morgen sofort nach ihr suchen! Ich brauche dieses Geschöpf dringend!“
Der Maliner fragte darauf: „Und warum nicht schon heute? Wir würden Zeit gewinnen!“
„Ich muss meine Tochter aus dem Weg schaffen! Sie ist mir im Weg, vor allem, wenn sie sich mit den Fremden anfreundet! Ich werde sie heute, sobald sie nach Hause kommt, in ihren Zimmer einsperren und vertrocknen lassen! Ich könnte sagen, dass sie sich auch geweigert hat, weiter Midrulat zu nehmen.“
Mehr hatte ich nicht gehört. Ich bin in mein Zimmer geschlichen und habe einen Rucksack mit Essen, Trinken, meinem Bruder und ein paar anderen Dingen gepackt und bin geflohen, doch leider wurde ich entdeckt. Seitdem folgen sie mir, aber sie haben Angst vor Wasser und werden uns hierhin nicht folgen!“
„Zum Glück konntest du fliehen!“
„Ja, und wenn ihr nicht gewesen wäret, dann hätte ich nie erfahren was meine Mutter plant und wäre jetzt womöglich tot! Mag wir müssen was tun, du bist in großer Gefahr! Wenn du wirklich die Auserwählte bist, dann sind jetzt alle hinter dir her!“
„Aber warum? Warum bloß? Uns warum ich?“
Ich habe noch nicht vor den ersten Buchstaben meines zweiten Namens zu verraten, aber wann soll ich sonst tun? Nachher bin ich tot, und nur weil ich nicht gesagt habe, das mein zweiter Name mit M anfängt und nicht mit C. , wenn es dann stimmt und diese Buchstaben wirklich meine Initialen sein sollen.
Ich muss es jetzt tun, bevor es zu spät ist!
„Leute? Ich muss euch etwas wichtiges sagen! Laut irgendeiner Prophezeiung müsste meine zweiter Name mit C anfangen, leider trifft das nicht zu! Ich heiße Mag M. Brown.“

Stille.

Plötzlich zerbrach die stille
„Wie konntest du mich so betrügen?“
„Max! Ich konnte nicht anders. Für dich wäre damals eine Welt zusammen gebrochen.“
„Ach, und jetzt bin ich glücklich, weil du es mir erzählt hast, oder was?“
Die Kälte in seiner Stimme lässt mich schweigen. Es ist bitter von einem Freund die härteste Strafe zu bekommen. Vollkommene Nichtachtung. Alle sitzen schweigend im Boot, niemand sagt etwas. Niemand.
Athlone beugt sich zu mir rüber.
„Kannst du mir vielleicht jetzt erzählen, welches Risiko ich eingegangen bin?“
Ich erzähle es ihr. Leise und kurz. Eigentlich habe ich keine große Lust es ihr zu erklären, aber einer muss es ja tun. Und ich will sie nicht auch noch verlieren. Als sie Bescheid weiß, schweigt sie wieder. Sie sieht aus, als ob sie anstrengend überlegte. Nach einigen Minuten, sie kamen mir wie Stunden vor, schreit sie: „Mag! Zieh deinen linken Schuh aus. Los“
Ich gehorche. Ein leicht schweißiger Geruch kommt mir entgegen. Ich hatte die Schuhe ja mehrere Tage nicht ausgezogen. Oder waren es einige Jahre?
„Die Socke auch! So ist gut zeig mir jetzt deine Sohle! Ja genau so!“
„Athlone? Was machst du da? Guckst du ob ich Blasen oder Warzen habe? Oder was ist los?“
Plötzlich hellt sich ihr Gesicht auf, auch Maxs Gesichtausdruck ist plötzlich freundlicher.
„Sag nicht das du das Mal gefunden hast.“
„Doch habe ich! Mag? Du bist die Auserwählte, auch wenn du Mag M. und nicht Mag C. heißt.“
„Welches Mal meint ihr?“
„Siehst du diesen Leberfleck, an deinem großen Zeh?“
„Ja klar, den habe ich seit meiner Geburt. Was ist damit?“
„Er hat die Form eines Kleeblattes. Das Erkennungszeichen von Irland und gleichzeitig von der Auserwählten!“
Irgendwie bin ich erleichtert das es so ist und irgendwie auch nicht. Immerhin ist Max nicht mehr auf mich sauer, oder doch?
„Max? Wollen wir Frieden schließen? Es tut mir leid! Ich hätte es dir sagen müssen, aber ich hatte dabei so ein komisches Gefühl, deshalb hatte ich es nicht getan!“
„Mir tut es auch leid! Ich hätte Verständnis für deine Gefühle haben sollen. Außerdem steht nirgendwo, das diese Buchstaben wirklich deine Inizialien sein müssen. Sie können ja auch eine ganz andere Bedeutung haben. Verzeihst du mir noch einmal?“
Ich lache Max an, er springt auf mich und stupst mich mit seiner Nase an.

„Land in Sicht!“
Athlone ist ganz aufgeregt, aber das ist ja auch verständlich! Sie war noch nie woanders, als in Malin Head!
Der Bug des Bootes stößt an das Land. Es ist hier sehr nebelig! Offelay geht voran.
„Krach!“
Was jetzt wohl wieder passiert ist? Offelay ist gegen ein Schild gelaufen. Was auf ihm steht ist schwer zu entziffern. Das Schild ist grau, es ist nebelig und die Buchstaben sind kurz vorm abblättern. Doch mit Müh und Not schaffe ich es: Achill Head.
Apropos, da fällt mir so viel ein was ich fragen wollte, aber vorerst vergessen hatte. Nun fällt es mir wieder ein.
„Lasst uns einmal Rast machen. Ich habe ein paar Fragen und eine Pause können wir alle gebrauchen!“
„Ist gebongt! Außerdem habe ich auch eine Frage, ich habe nämlich etwas noch nicht richtig verstanden!“
„Na gut, aber wir dürfen nicht allzu lange, eine Pause machen! Wir haben noch eineinhalb Tage, dann müssen wir bei Mulrany sein! Sonst sind die Geiseln Tod! Habt ihr eine Idee wer es sein könnte?“
„Nee, vielleicht welche, die wir gar nicht kennen? Oder Familienmitglieder?“
„Lasst uns überraschen! Mag fang an, sonst sitzen wir hier übermorgen noch!“
„O.K. Dundalk! Also, als erstes würde ich ganz gerne wissen wieso alle Interesse an mir haben, Max du meintest doch ich müsste nichts besonderes machen, nur für die Wesen da sein.“
„Nun ja, ich habe dir da ein bisschen verschwiegen, weil ich wusste, wenn ich es dir jetzt erzähle, dann bist du weg. Also, die Auserwählte hat geheime, unglaubliche Zauberkräfte, sie ist die einzige die, die Steine wieder vereinen kann. Wie du das machen musst weiß ich nicht. Außerdem hast du so viel Lebensenergie, das du deinem Lebenspartner etwas davon abgeben kannst, so das ihr beide ohne Probleme bis zu 700 Jahre alt werdet. Auch wenn ihr Menschen seit. Mehr weiß ich auch nicht, aber ich glaube es beantwortet deine Frage erst mal!“
„Danke Max, vielen Dank, das du mir so schnell Bescheid gegeben hast! Ich verstehe dich nicht! Auf mich bist du sauer, wenn ich dir etwas verschweige, aber für dich ist es ganz normal, wenn du mit etwas sehr wichtigem erst später rausrückst!“
„Hey Kinder! Keinen Streit! Hatten wir das eben nicht schon?“
„Ja schon, aber habe ich nicht recht?“
„Doch hast du! Nun stell deine zweite Frage!!“
„Woher wusste Mulrany, dass es nicht nur fünf Länder und ein geheimes Land gibt, sondern ein paar mehr gibt? Er musste doch auch hier langgereist sein, wenn er hier von Bescheid wusste!!“
„Du hast recht, das hätte auffallen müssen! Vielleicht löst sich das Problem, wenn wir bei ihm auf der Burg sind!?“
„Willst du jetzt deine Frage stellen Athlone? Dann wären wir nämlich fertig mit der Pause und wir könnten weiter gehen.“
Max kaut, wahrscheinlich auf einem Stück Käse.
„Ja gut, ich wollte wissen wo wir den Brunnen finden können. Wir sind jetzt in Achill Head, hier wohnt Mulrany, der selbst nach den Brunnen sucht. Hier wird er nicht sein. In Malin Head ist er auch nicht. Ihr habt in den anderen Ländern alles durchsucht. Wo ist also der Brunnen?“
Ich höre ihr aufmerksam zu. Recht hat sie ja. Doch da fällt mir was ein.
„Es gibt vier Orte wo er sein könnte. Entweder in einem weiteren Land, bei uns im Haus, auf dem Meeresgrund, oder doch bei Offelay im Garten, nur das er, so wie bei den Steinen, nur mit meinen Händen wieder magisch wird!“
„Hey Mag! Das ist eine Möglichkeit, nein falsch, das sind vier Möglichkeiten. Bist du mit einer zufrieden Athlone?“
„Ja Dundalk, bin ich. Jetzt können wir weiter gehen.“
Wir stehen alle auf, ich mach einen Schritt vor und stolpere über etwas. Ich kann mir schon denken was es ist. Leider habe ich Recht!
„Oh nein! Nicht schon wieder!“
„Was ist Mag?“
„Nichts schlimmes Athlone, nur wieder ein Brief von diesem Erpresser!“
„Oh, soll ich den Brief lesen? Wie viele von denen habt ihr eigentlich schon?“
„Warte mal, ich zähl mal! Eins, zwei, drei. Das ist jetzt also der vierte!“
„Mann ist der fleißig, es wäre nur toll zu wissen wie er es schafft, die Briefe immer zuzustellen!“
„Das fragen wir uns alle, ließ vor. Wir brennen schon darauf zu erfahren, was er uns jetzt androht!“
„O.K. Also,…“
“Müsst ihr alle mit also anfangen? Geht das nicht auch so?“
„Reg dich ab Mag, außerdem hast du auch so angefangen!“
„Von wegen!…“
„Hört ihr mir jetzt zu? Sonst kann ich es mir auch sparen vorzulesen!
Hört zu!

Hallo,
ich will euch diesmal nichts androhen. Ihr sollt euch einfach nur beeilen. Und deine Frage Athlone, kann ich dir gerne beantworten. Ich habe die Kästen schon anfangs dort platziert. Ich habe Zauberpapier hinein gelegt, dass ich von hier aus beschriften kann. Verstanden? Und Mag? Du kannst dir schon mal etwas ausdenken, was du dir zur Hochzeit wünscht und was du tragen möchtest! Ich habe hier Schneider und Künstler aus China, Irland, Deutschland, Frankreich und Afrika! Du hast also alle Möglichkeiten der Welt. Wie wäre es mit Seide? Überleg es dir.
Ich habe mir übrigens überlegt, das wir deine Freunde erst nach der Hochzeit opfern, dann können sie deinen schönsten Tag miterleben! Ich freue mich, auf bald!
W.M.

P.S. Ihr seit in vier Stunden bei mir! Ihr könnt euch also Zeit lasen!“

„Mulrany! Wenn du mich hörst! Dann sage ich dir jetzt was ich mir zur Hochzeit wünsche! Das du meine Freunde nicht opferst!!“
„Mag! Bist du bescheuert? Ich hoffe der Typ hat es nicht gehört, den Wunsch musst du dir für etwas wichtiges aufheben! Offelay hat mich in euren Plan eingeweiht! Per Brief natürlich und es wird schon klappen, du musst dir also keine Sorgen machen!!“
„Ach Athlone! Ich kann an gar nichts mehr glauben!“
Plötzlich mischt Max sich ein, er war vorausgelaufen um zu gucken wie unser nächster Weg aussieht.
„Ich auch nicht!“
„Wieso. Müssen wir durch einen Sumpf?“
„Schlimmer! Es ist nicht mehr weit bis zum Schloss, aber vorm Schloss ist ein Irrgarten. Wenn wir Pech haben, dann finden wir da nie heraus!“
„Oh mein Gott! Können wir nicht einmal Glück haben?“
„Vielleicht kommt das Glück am Ende? Wir wissen es nicht! Lasst uns versuchen das Beste daraus zu machen!“
„Okay, dann mal vorwärts!“
Moment mal! Habe ich nicht mal in irgendeinem Buch gelesen wie man ganz schnell aus einem Labyrinth heraus kommt? Ja genau. Man muss, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt immer links abbiegen. Oder war es rechts? Ich bewege mich nicht, bevor ich das Rätsel gelöst habe!
„Wartet mal! Ich habe da eine Idee!“
„Dann schieß mal los!“
„Ich habe mal gelesen wie man aus einem Labyrinth raus kommt, doch ich weiß jetzt nicht, ob man immer links, oder immer rechts abbiegen muss!“
„Die gute alte Mag! Sie bringt uns immer wieder zum staunen!“
„Ja und ich kann ihr weiter helfen. Ich habe das gleiche Buch gelesen. Man muss immer rechts um. Zumindest, wenn es ein klassisches Labyrinth ist!“
„Gut Max. Dann lasst uns das mal ausprobieren!“

Kapitel 15

Ich glaube das ist kein klassisches Labyrinth! Wir sind hier schon mindestens eine Stunde und wir sind schon dreimal am Eingang wieder vorbeigekommen. Wir haben schon vieles ausprobiert. Immer rechts, immer links und rechts, links, rechts, links, auch das hat nicht gebracht. Wir müssen noch: links, rechts, links, rechts, links, rechts ausprobieren, dann haben wir die „einfachen“ Theorien versucht. Wenn das jetzt nicht klappt, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen! Wir fangen noch mal von vorne an.
„Wir müssen jetzt links!“, kommandiert Max.
„Leute! Ich bin sicher, hier sind wir zum ersten mal! Das ist der Anfang!“
Athlone hat sich leider geirrt, zehn Minuten später sind wir wieder am Eingang.
„Ich muss mich ausruhen.“
„Was machen wir jetzt? Wenn wir so weiter machen, dann kommen wir hier nie raus, geschweige denn in vier Stunden!“
„Wir wissen das Mag. Doch was sollen wir jetzt machen?“
„Ich weiß nix Max. Dundalk weißt du was?“
„Nein leider nicht, oder?… Doch! Offelay stell dich mal hin! Mag? Klettere aus seine Schultern! Siehst du den Ausgang?“
„Warum ich?“
Ich steige mühsam Offelays Rücken hoch.
„Weil du von uns die zweit Größte bist, auch wenn du geschrumpft worden bist.“
„Tut mir leid! Ich sehe wohl den Weg zum Schloss, aber eine Hecke ist davor gewachsen!“
„Was? Dann sind wir also eingeschlossen?“
„Weiß ich nicht Max. Vielleicht ist es eine geheime Tür?“
„Na gut. Dann lasst sie uns ausprobieren! Versuchen kostet nichts!“
„Wenn es sein muss!“
Ich springe ab und laufe mit Offelay hinter den anderen her, die sind nämlich netterweise vorgelaufen!
„Wartet auf uns!“
„Beeilt euch! Was können wir dafür wenn ihr so lange braucht?“
„Wir kommen ja schon, wartet trotzdem!“
Sie warten natürlich nicht, ist aber nicht so schlimm, wir holen sie schon ein!
Fünf Minuten später stehen wir vor der eventuellen Tür.
„Guck noch mal, ob sie es wirklich ist.“
Sie ist es.
„Wie können wir sie öffnen?
„Einfach gegen drücken?“
Wir versuchen es. Es klappt! Wir schließen die Tür wieder.
„Was machen wir jetzt genau?“
Ich beuge mich vor und flüstere Athlone ins Ohr.
„Ich und du, wir gehen jetzt alleine zu Mulrany. Die anderen warten hier. Sie werden wissen wann wir sie brauchen.“
„Na gut!“
Athlone und ich gehen durch die Tür. Der Rest bleibt im Garten.
Wir gehen einen Weg hoch. Neben ihm wächst von Blumen bist Bäumen alles. Hier ist es geradezu schön, irgendwie unpassend für einen bösen Wichtelbold.
„Irgendetwas stimmt hier nicht!“
„Du hast recht Mag. Hier ist irgendetwas komisch. Eine merkwürdige Atmosphäre! Sieh mal da vorne! Das ist bestimmt Mulrany.“
In der Tat. Doch er empfängt uns nicht mit den Worten die ich erwartet hätte.
„Lauft, lauft! Verschwindet. Kehrt um! Ich erkläre euch nachher alles.“
„Moment mal! Was heißt hier umkehren? Wir sind nicht gekommen um uns verarschen zu lassen! Lass uns verhandeln. Jetzt. Ich will schnell nach Hause.“
„Das können wir gleich klären! Jetzt lauft erst mal zurück!“
„Nein! Wir wollen jetzt das, wofür wir hier her gekommen sind!“
„Hallo Mag! Ich habe dich schon erwartet! Wir haben bereits alles geklärt. Ich und Ardee. Hör nicht auf den Verbrecher, er will dir jetzt weiß machen das ich dich betrügen will. Er hat einen an der Klatsche!“
„Thurles! Wie habt ihr das gemacht? Ich hole schnell Max und die anderen!“
„Die anderen? Und wer ist das in deiner Begleitung?“
„Die anderen sind ein paar Freunde und das hier ist Athlone, genauer wirst du es gleich erfahren!“
„Ja gut, Wache? Bringt den Verräter weg! In tiefste Verlies! Und sagt dem Hausmädchen, das es Tee aufkochen soll!“
Ein hässliches Wesen kommt aus dem Eingangstor. Es grinst wie ein schleimiges Etwas. Es hat einen riesigen, ekeligen Mund und winzige Ohren. Es packt Mulrany am Arm und zerrt ihn ins Haus.
Ich renne so schnell ich kann zurück, neben mir läuft Athlone, wir kommen beim Irrgarten an. Max, Dundalk, Offelay! Kommt mit! Alles ist gut. Ich erkläre euch gleich alles!“
Ich renne zurück. Hinter mir laufen alle meine Freunde. In wenigen Minuten stehen wir alle vor Thurles.
„Hallo Oginos! Und alle seine Begleiter auch. Kommt herein. Geradeaus dritte Tür links. Ihr könnt euch schon mal setzen!“
Komisch, ich habe das Gefühl, dass sich Thurles anders benimmt als sonst. Ob er etwas schlimmes erlebt hat? Und wo ist Ardee?
Der Raum ist groß. In der Mitte ist eine große Tafel, mit gut riechenden Essen. Offelay sitz als erstes am Tisch. Wir anderen wenig später auch. Es ist gemütlich. Es fehlen nur noch Ardee und Thurles.
Plötzlich geht das Licht aus.
„Schnapp!“
„Was ist passiert?“
„Ich weiß es ni…, wir sind an die Stühle gefesselt.“
„Genau, und ihr werdet auch erst mal dort bleiben!“
„Thurles! Was soll das?“
„Hast du es immer noch nicht kapiert? Ich bin der Verräter und nicht mein kleiner Bruder! Hier sind meine Geiseln!“
„Paps! Sophie? Ardee! Sag mal Thurles, bist du durchgedreht? Was haben wir dir getan?“
„Nichts. Zumindest nicht direkt. Ich befreie euch jetzt von euren Stühlen. Ihr könnt euch im Schloss frei bewegen, nur nachts verbringt ihr im verlies, aber kapiert eins, wenn ihr versucht zu fliehen, dann habt ihr automatisch euer Testament gemacht, verstanden?“
„Klick!“
Wir sind frei und Thurles ist weg. Was ist in ihn gefahren? Und was haben Vati und Sophie damit zu tun?
„Sophie? Dad? Was macht ihr hier? Ardee kannst du uns vielleicht erklären was passiert ist?“
„Max? Was machst du denn hier?“
„Hans, weißt du das denn nicht? Ich bin der Hund der deine Tochter immer begleitet!“
„Paps! Spinn ich jetzt? Max spricht!“
„Ich höre es Sophie!“
Athlone wird wütend, ich hätte ihr nie zugetraut das sie so laut werden kann.
„Kann mir vielleicht irgendjemand erklären wer ihr seit, was wir machen sollen und wie ihr hier hingekommen seit? Es würde mich echt interessieren was wir jetzt machen können. Wir sind jetzt acht Leute. Zusammen müssen wir es schaffen! Ardee, oder wie du auch heißen magst, du fängst bitte an. Ich glaube du kannst uns am meisten weiter helfen!“
„Muss das sein? Es ist so furchtbar demütigend!!“
„Ja du fängst an!“
„Na schön, aber seit mir nicht böse, ich weiß das ich dumm war und ich wünschte ich könnte es rückgängig machen!“
„Nun fang schon an!“
„Okay, als Thurles, Lissy, Max, Mag und ich uns abgesprochen haben, sind Thurles und ich zu Mullingar gegangen, die sind jetzt übrigens oben im Salon. Wir haben ihn gefragt, eben alles was wir abgesprochen haben. Er war einverstanden damit, das wir ihn mitnehmen. Wir haben eine Art Schubkarre gebaut und haben ihn damit transportiert. Wir sind Mag und Max gefolgt, so gut es ging, es war schwer euch zu folgen, aber Thurles schien genau zu wissen wo ihr ward. Ich bin ihm blind links gefolgt, ohne zu wissen was er wirklich vor hatte! Als wir in Malin Head angekommen sind, waren wir bei der Königin. Zufällig habe ich ein Gespräch belauscht, in dem es hieß, das Thurles vor hatte die Auserwählte zu finden und die Macht an sich reißen will, ich war starr vor Schreck, aber ich hörte weiter zu. Die Königin hat davon gesprochen, das ihr die Auserwählte entwischt ist, und das sie sich bereit erklärt ihm zu helfen. Leider wurde ich entdeckt wie ich lauschte, seit dem war ich Thurles Gefangene. Wir sind mit einem Grab gereist und sind hier rausgekommen. Da habe ich herausgefunden, das Mulrany und Thurles zuerst vorhatten, gemeinsam zu siegen, aber Mulrany stellte sich plötzlich quer, was er davon hatte, habt ihr gemerkt. Jetzt mache ich mir vorwürfe. Thurles will dich als Eigentum benutzen und dich mit der Königin verschmelzen, Mag! Dann will er „euch“ heiraten. Wenn ich dir helfen kann, dann sag es mir!“
Damit beendet sie ihre Geschichte.
„Danke Ardee, du hast mir bereits viel geholfen und du brauchst dir wirklich keine Vorwürfe machen!!“
„Danke Mag!“
„Mag! Kannst du mir mal erklären was hier los ist? Wer sind diese Leute? Und warum sind wir so klein? Und…“
„Bitte Mag versuch es ihr zu erklären, dann erzähle ich dir was, außerdem habe ich eine Idee!“
„O.K. Papi! Sophie? …”
Ich erkläre ihnen alles. Alles was mir einfällt, manchmal unterbricht mich Max und verbessert mich, aber es kommt nicht häufig vor. Dad hört auch zu. Er scheint Vieles zu wissen, doch einiges scheint sogar ihm neu zu sein. Am Ende meint er: „Mag ich wollte es dir so oft erzählen! Ich kam nur nie dazu, weißt du, meine ganzen Reisen waren nie wirklich geschäftlich. Ich war in Paris, Peking, Berlin, Dublin, Belfast und Athen. Ich habe Unterlagen von meinen Vorfahren gesucht.“
„Wie hast du es erfahren?“
„Ich habe in einer alten Truhe meiner Großeltern, damals war ich fünfzehn, ein Tagebuch gefunden. Alles stand drinnen. Seitdem weiß ich was ich bin. Ein sechzehntel Kobold, ein viertel Wichtel und ein achtel Nymphe. Das war ein Schock für mich, auch als ich erfuhr das deine Ma schwanger war. Ich habe erst viel zu spät registriert das ich einen Mischling in die Welt gesetzt habe. Ich habe angefangen zu forschen. In Paris fing ich an. Dort lebte mein Urgroßonkel einmal. Seine Sachen wurden in einem Museum aufbewahrt. Ich stahl ein Buch. In dem Stand Vieles und Interessantes. Auch das seine Nachfahrin einmal die Auserwählte sein würde. Ich wusste das du es warst. Aber ich war feige. Bitte frag mich nicht aus, mehr als dies will ich euch vorerst nicht verraten. Mein Plan…“
„… kannst du nicht verraten. Thurles wird dich hören!“
„Ja aber…“
„Halt den Mund. Ja, Dad so spricht man nicht mit seinem Vater, aber du weißt ja wieso ich das mache!“
„Ja mein Kind, ich werde den Mund halten.“
„Soll Ma jetzt eigentlich im Dunkeln bleiben, oder wird sie auch noch eingeweiht?“
„Das müssen wir abwarten, aber sagt mal, wie hat euch Thurles hier hin geholt?“
„Tja, das ist was, was wir noch nicht wissen, aber die Elfe kann dir da gewiss weiter helfen!“
„Sei nicht so gehässig Dad. Ardee weißt du noch was, was uns von nützen sein könnte?“
„Ja, es gibt drei Spiegel. Den Spiegel der Zeit, der älteste, Spiegel der Fantasie und Spiegel der Welten.
Thurles hat sie seit einiger Zeit alle drei. Mit dem Spiegel der Welten ist er zu deinem Vater und zu deiner Schwester gegangen, während sie schliefen. Es war ein gemeiner Trick, aber wir wissen ja jetzt, das er dazu fähig ist. Mit dem Spiegel der Fantasie wird er euch verschmelzen, dich und die Königin.“
„Königin! Königin! Wer ist diese Königin?“
„Meine Mutter! Und ich werde sie vernichten, darauf kannst du wetten. Sie ist ein Miststück. In ihr lebt der Teufel, aber wahrhaftig!“
„Wie heißt deine Mutter? Ich kann das Wort Königin nicht mehr hören!“
„Ich auch nicht Sophie. Sie heißt,… sie heißt Killarney. Früher war sie nicht so, sie ist so seit Dad tot ist.
Langsam sterben alle in unserer Familie. Dad, Brüderchen, wer ist der nächste? Dreimal dürft ihr raten! Ich bin die Glückliche. Noch dazu werde ich von meiner eigenen Mutter umgebracht! Oh Ma! Ich hasse dich dafür, du verdienst es nicht zu leben!“
Keiner wiederspricht ihr, auch wenn sie jetzt nur die schlechten Sachen aufgezählt hat. Nun gut, wenn ich so überlege. Im Moment passiert uns wirklich nicht gerade viel Gutes. Um es genau zu sagen, gar nichts!
Es ist zum heulen!

Kapitel 16

„Mag! Mag! Hör mir zu! Ich bin es Lissy! Du musst durchhalten. Ich komme. Mit einer Armee. Ungefähr hundert Mann. Das sind nicht viele, aber immerhin etwas. Du musst versuchen Thurles hinzuhalten. Wir sind in zwei Tagen da. Halte durch! Wir kommen, grüße Ardee von mir!“

„Aufstehen! Frühstück!“
Ich schrecke aus dem Schlaf. Hatte ich geträumt oder ist Lissy hier? Der Gefängniswächter, gleichzeitig der Typ der Mulrany weggebracht hat, weckt uns. Wir sind gestern ins Verlies gebracht worden. Hier ist es kalt und es stinkt nach Moder. Unser heutiges Frühstück, oder besser gesagt unser erstes Frühstück hier untern, besteht aus einem schimmeligen Brot und einer Schüssel mit faulem Wasser. Irgendwie ekelig.
Ich bewege mich zu den andern. Ich bin immer noch ein wenig bedröppelt. Der Traum war irgendwie echt. Vielleicht war es eine Voraussehung?
„Nicht trödeln! Ihr sollt gleich zu meinem, und später auch eurem Gebieter gehen. Mädchen! Du sollst schon jetzt gehen!“
„Ich?“
„Ja du. Wie war dein Name noch mal?“
„Mag!“
„Na gut. Mag, komm mit!“
Ich bin sehr aufgeregt. Was will der Typ jetzt von mir? Reicht es nicht das er uns alle in seiner Gewalt hat? Muss er mich jetzt demütigen?

„Hallo Mag. Ich muss mit dir reden!“
Thurles empfängt mich, aber ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Mit einem führsorglichen, fast väterlichen Ton.
„Was willst du Thurles?“
„Dich auf meine Seite ziehen. Ja ich weiß, das wirst du nie tun, aber höre dir wenigstens meine Geschichte an!“
Der spinnt ja! Was fällt ihm ein? Mich auf seine Seite ziehen. Der hat echt einen Vogel.
„Mach es kurz.“
Ich habe jetzt echt keine Lust mir irgendwelche Lügengeschichten anzuhören!
„Es fing damit an das ich zufällig nach Malin Head gekommen bin. Ich habe Killarney kennen gelernt. Eine wunderschöne Frau. Sie hat mich geradezu in ihren Bann gezogen. Es war schlimm. Sie hat mich sozusagen hypnotisiert. Ich konnte nicht anders. Ihr Vorschlag war, das wir heiraten, die Auserwählte finden und die Macht an uns reißen. Ergebnis: Wir sind seit fünfzig Jahren verheiratet. Seit einiger Zeit kann ich aber wieder frei denken. Ich will mich von ihr lösen, dazu brauch ich aber deine Hilfe!“
„Das glaubst du ja wohl selber nicht. Für wen hältst du mich? Hör auf zu lügen! Ich kann das nicht ab! Wenn du mich entschuldigtst? Ich gehe zurück zu meinen Freunden. Die sind nämlich garantiert ehrlicher als du!“
Thurles stutzt. Das schien er nicht erwartet zu haben.
„Du bist schlau Mag, aber glaubst du, du bist schlauer als ich? Ich kenne deine Magie, aber du nicht. Wenn du auf unsere Seite kommst, dann wirst du sie Spüren können. Du bist dazu auserkoren dich mit uns zu verbünden!“
„Pah!“
Ich drehe mich um, um zur Tür zu laufen, aber plötzlich war da keine Tür mehr. Ich war eingesperrt. Ich überlege nicht lange, mir ist eine tolle Idee gekommen. Mein Traum! Ja klar. War das nicht ein Stückchen Macht? Ich versuch es erst mal langsam.
„Was ist mit Lissy? Hast sie dir nie etwas bedeutet?“
„Zu Anfang, ja das hätte man Zuneigung nennen können, aber jetzt?
Sie ist schlimmer als du. Jetzt liegt sie mit einem gebrochenem Bein im Krankenhaus. Sie wird dir nicht helfen können.“
„Weißt du das genau?“
„Worauf willst du hinauf?“
„Nichts, nichts…“
Ich glaube wir unterhielten uns ziemlich lange. Ich kann nicht genau sagen, wie lange, aber es hätten Tage sein können. Jetzt ist er fast so weit, das er mich überredet, mich ihm anzuschließen. Zum Glück kommt die Königin. Ja, zum Glück, denn sie zeigt mir ungewollt, den geheimen Weg aus diesem Höllenraum. Während sich Thurles aufregt, dass sie ihn gestört hat, und sie sich zu verteidigen versucht, verlasse ich schleunigst den Raum. Ich erkunde mich ein bisschen im Schloss. Schaden kann es ja nicht. Und vielleicht finde ich etwas was ich gebrauchen kann!

Das Schloss ist ziemlich aufregend, aber vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, das ich jetzt gesucht werde? Ich habe gleich das ganze Schloss gesehen, aber noch nichts was mir weiter helfen könnte!
An den Wänden hängen komische Fackeln, sie haben die Formen, von kleinen roten Wesen, hey die habe ich schon mal gesehen, das sind Trolle. Wobei, wo sind die eigentlich?
Wenn man vom Teufel spricht. Ich muss schnell hinter ein Wandvorhang springen. Ein kleiner Trupp Trolle marschiert den Gang runter.
„Wo sich dieses Mädchen wohl versteckt?“
„Woher soll ich das wissen? Sie scheint ganz schön schlau zu sein, für ein Menschenwesen, meine ich!“
„Vielleicht ist sie ja hinter diesem Vorhang?“
Mir bleibt das Herz stehen.
„Nein bitte nicht“, flüstere ich fieberhaft.
„Nachschauen kostet ja nichts!“
Nein, bitte nicht, ich will nicht. Gott! Verschone mich bitte!
„Guck nach, und trödle nicht!“
Ich höre ein rascheln, ein Vorhang wird zur Seite geschoben. Nanu? Hier bewegt sich ja gar nichts!
„Hier ist nichts!“
„Hab ich es mir doch gleich gedacht. So schlau ist sie nicht. Wahrscheinlich ist sie nach oben zu Aussichtsturm geflohen. Geht weiter.“
Mit diesen Worten marschieren sie ab.
„Klock!“
Meine Güte, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Das war ganz schön knapp. Zum Glück scheinen die nicht zur intelligenten Sorte der Wesen zu gehören!
Schnellen Schrittes gehe ich weiter. Gott sei Dank war ich schon oben.
Es wird immer kälter, umso tiefer ich ins Schloss gelange. Mir kommen immer mehr Truppen und Gruppen entgegen, vor denen ich mich zum Glück immer schnell verstecken kann.
Ich muss an vielen Bildern vorbei, bei denen ich das Gefühl habe, das sie mich beobachten. Ich wünschte ich hätte wenigstens einen Gefährten. Aber niemand ist hier. Nicht mal Max, auch Athlone nicht, ganz zu schweigen von jemand anderes. Doch das könnte sich ja ändern, wer weiß schon was passieren wird?
Ich höre Geräusche. Schnell springe ich hinter eine Zimmerpflanze, ja die gibt es hier, und versuche angestrengt zu deuten wie dieses Geschrubbe zustande kommt. Das Geräusch verschwindet nicht. Es wird auch nicht lauter oder leiser. Es bleibt unverändert. Ob das ein Angestellter ist der einfach nur putzt? Ich verlasse mein sicheres Versteckt, und versuche das Rätsel zu lösen.
Tatsächlich. Da schrubbt ein kleiner Gnom, oder was es auch sein mag, den Boden.
„Warum kann dieser bescheuerte Thurles nicht selbst den Boden wischen wenn er ihn blitzen sehen will? Wozu soll hier eigentlich alles sauber sein? Für diese unnötige Hochzeit? Die arme Mag. Ich wünschte ich könnte ihr helfen, aber ich bin ja nur ein kleiner Angestellter. Nur ein dummer Zwerg.“
„Du kannst mir helfen, helfen hier raus zu kommen!“
Der Zwerg zuckt erschrocken zusammen. Ob ich ihn erschreckt habe?
„Was machen sie denn hier?“
„Sie? Duze mich ruhig. Ich heiße Mag, und du?“
„Callan. Ich bin ein Zwerg. Ich kann dir nicht helfen. Zwerge sind dumm, hässlich und bescheuert.“
„Wer sagt so was denn?“
„Viele. Meine Mutter, Thurles, Thurles und Killarney.“
„Sind das alle?“
„So ziemlich!“
„Dann sind diese Leute dumm und nicht du. Du warst nur dumm, das du ihnen geglaubt hast. Willst du weiter putzen oder mit mir kommen und mir helfen?“
„Ich würde dich liebend gerne begleiten, aber ich kann nicht. Ich muss erst das ganze Schloss putzen!“
„Alleine?“
„Nein. Vierzig andere Zwerge helfen mir.“
„Na siehst du. Die können deine Arbeit ruhig mitmachen.“
„Na wenn du es sagst! Ich komme mit!“
Er steht auf und wirft den Schwamm in den Eimer, zieht seine Schuhe an und stellt sich neben mich.
„Ich bin fertig!“
„Kennst du einen Weg aus dem Schloss, den niemand anderes kennt?“
Es ist eine doofe Frage, aber vielleicht habe ich ja Glück.
„Ich kenne zwei, die nur ich und zwei andere kennen und einen den ich gestern gefunden habe, bei dem bin ich mir aber nicht so sicher, ob Thurles den nicht doch kennt.“
Meine Augen leuchten auf, zumindest glaube ich das.
„Das ist ja toll! Wo sind diese Gänge, oder Orte?“
„Komm mit! Ich zeige sie dir!“
„Du wirst niemanden etwas zeigen! Du wirst im Kerker landen.“
Mist! Wir sind entdeckt worden! Warum läuft nur alles schief?
Wir werden von hinten gepackt. Ich drehe mich langsam um und schaue in ein Gesicht, ein wirklich hässliches Gesicht.
„Oh nein! Ein Riese!“
Der Riese bringt uns zurück in den Kerker. Nun bin ich da wo ich angefangen habe. Mit einer gelungenen Tat und einer misslungenen Tat. Ich habe einen unschuldigen Zwerg in meine Probleme gezogen, aber ich habe auch Zeit verschwendet. Und das ist gut wie sich nachher herausstellen wird. Erinnerst du dich an meinen Traum? Dann wirst du auch wissen, warum es gut war, Zeit zu verschwenden.
„Wo warst du? Wir haben uns alle furchtbare Sorgen gemacht! Bist du abgehauen?“
„Nein, ich erzähle es euch, aber nur wenn ihr verspricht den Mund zu halten.“
Ein zustimmendes „Ja!“, höre ich aus acht Mündern. Aus Maxs, Dads, Sophies, Athlones, Ardees, Offelays, Callans und Dundalks Mund.
Ich erzähle von meinem Traum, dem Gespräch mit Thurles und von meinen Ausflug. Callan wird freundlich aufgenommen und es wäre alles gut, wenn nicht das Hauptproblem existieren würde!

Kapitel 17

Wir haben noch lange geredet. Bis in die tiefe Nacht. Kurz bevor wir eingeschlafen sind, kam Thurles rein er sagte: „Die Geiseln dürfen abhauen. Ich halte meine Versprechen, doch wenn sie morgen früh nicht weg sind, dann werden sich auch für sie die Toren für immer schließen! Gute Nacht!“
„Ich bleibe hier! Wenn Sophie gehen will habe ich nichts dagegen, aber ich bleibe!“
„Ich auch, ich werde bis zum bitteren Ende kämpfen!“
„Seid ihr verrückt geworden? Ihr werdet gehen, alle drei! Es ist schlimm genug das der Rest von uns wenig Chancen zum Überleben hat, dann müsst ihr nicht auch noch euer Leben aufs Spiel setzten!“
„Aber Mag! Zusammen können wir doch viel mehr schaffen!“
„Nein, in diesem Falle leider nicht! Bitte geht, bitte erfüllt mir meinen letzten Wunsch. Mehr will ich doch gar nicht!“
„Na gut. Wächter? Wir gehen!“
„Wenn es sein muss! Aber nur ihr drei! Auf nimmer wieder sehen! Und kommt ja nicht wieder!“
Jetzt sind wir nur noch zu sechst! Ob ich die anderen auch noch befreien kann?
„Wächter?“
„Ich heiße Sligo, verstanden?“
„Okay. Sligo? Könntest du bitte Thurles holen? Ich muss dringend mit ihm reden!“
„Muss das sein? Ich wollte eigentlich schlafen!“
„Bitte! Nur ganz kurz, wenn alles klappt, wirst du auch befördert!“
Die Augen von diesem dummen, hässlichen Geschöpf leuchten hell auf.
„Das wäre toll! Hier im Kerker ist es echt öde. Wenn ich befördert werden würde, würde ich ein eigenes Büro bekommen und nur ab und zu streife gehen müssen. Spitze! Bis gleich!“
Und schon verschwindet er in die Dunkelheit.
„Offelay! Nicht schlafen! Komm her und breche die Stangen auf! Callan! Komm her. Du musst die anderen aus dem Schloss bringen. Max, Dundalk und Athlone. Einer muss bei mir bleiben, die anderen beiden gehen mit Callan und Offelay. Los, los, beeilt euch.“
Alle spurten, wie die bekloppten.
Drei Minuten später sind nur noch Athlone und ich im Kerker, die anderen sind weg. Offelay hat die Eisenstangen wieder zurück gebogen, sodass sich niemand denken kann, wie die anderen fliehen konnten.
Eigentlich wollte Max bei mir bleiben, doch Athlone hatte einfach das bessere Argument. Sie ist schließlich die Tochter von Killarney. Und sie kann besser helfen, wenn es um handarbeitliche Sachen geht, denn Max ist nun mal ein Hund und kann mir in der Beziehung nicht helfen.
Wir stellen uns schlafen, doch schon wenig später sind Thurles und Sligo bei uns.
„Wo…wo sind sie alle?“
Athlone antwortet auf Sligos Frage mit einer sehr schläfrigen Stimme: „Weiß ich nicht. Wir sind eben eingeschlafen, weil du so lange brauchtest um Thurles zu holen.“
„Du hast sie alleine gelassen? Du Volltrottel!! Du bist entlassen, fristlos.“
„Aber,…“
„Verschwinde!“
„Und… mein Geld?“
„Wofür? Dafür das du meine Gefangenen verloren hast? Du.. du…, hau lieber ab, bevor ich dich zu Fischfutter verarbeiten lasse!“
Weg ist er. Ich kann mir ein Grinsen nur schwer verkneifen. Einer weniger!
„So Mag, hast du es dir anders überlegt? Willst du doch auf meine Seite kommen?“
„Weißt du Thurles, ich wollte zuerst, mit der Bedingung, dass du meine Freunde in Ruhe lässt, aber das hat sich ja jetzt erledigt. Die haben mich tatsächlich im Stich gelassen! Aber wenn ich so überlege, ich hätte schon Interesse, doch wenn Athlone sterben muss, geht es doch nicht.“
„Athlone muss ja nicht sterben! Wir kriegen das schon geklärt. Ich bin ja nur froh, das wir dich jetzt nicht mehr zwingen müssen, dich uns anzuschließen. Kommt mit wir gehen jetzt erst mal was essen!“
„Thurles? Da wäre noch etwas! Jetzt wo ich mich freiwillig euch anschließe, werde ich mit Killarney doch nicht mehr verschmolzen, oder?“
„Nein, aber das besprechen wir am Tisch genauer.“
„Und Athlone?“
„Sie darf bleiben und sie kann gehen, was sie will, aber eins geschieht ihr garantiert nicht! Sie wird nicht sterben!“
„Schön, gehen wir jetzt essen?“
„Ihr geht essen. Killarney und ich müssen deine Freunde suchen. Oder nicht Freunde, wie du willst. Es gibt Hasen. Beeilt euch also, sonst wird er zäh.“
„Aber dann können wir doch gar nicht beim Essen besprechen, was jetzt passieren wird.“
„Ich komme etwas später. Jetzt beeilt euch! Bis später!“
„Wir stehen alleine vorm Kerker. Wo müssen wir hin?“
„Immer der Nase nach!“
„Toll Athlone! Damit kann ich was anfangen! Ich habe da noch eine Frage!“
„Die wäre?“
„Glaubst du sie hören uns ab?“
„Nein, aber wir sollten trotzdem nichts sagen, was zu unserer angeblichen Einstellung nicht passt. Am besten reden wir über unwichtige Dinge, oder darüber das wir es hier toll finden!“
„Na, wenn du meinst.“
Wir gehen schweigend weiter.
Der Spruch“ Immer der Nase nach“ passt übrigens doch. Man riecht im ganzen Haus, das es was zu Essen gibt. Es duftet toll.
„Eindeutig, der Geruch kommt hier her!“
„Da könntest du recht haben Mag, öffne einfach mal die Tür!“
Die Tür quietscht. Ein scheußliches Geräusch, aber dahinter ist wirklich das Essen. Ein zweier Tisch ist gedeckt. Mit allem drum und dran. Daneben ist ein riesiges Buffet. Es scheint heute alles zu geben, was es nur geben kann. Gemüse, Kartoffeln, Fleisch aller Art, tausend verschiedene Suppen, Pudding, Torte, Kuchen, Pasta, Aufläufe und so weiter und so fort. Sogar Pommes gibt es. Hier in Irland heißt ein Gericht: Fish and Chips. Ich glaube das sind Pommes mit gebackenem Fisch. Ich bin mir aber nicht sicher.
Athlone stürzt sich auf die Festtafel. Ich hinter her.

Es schmeckt wirklich wunderbar. Wir haben lange nicht mehr so was Gutes gegessen. Wir langen beide zu. Am Ende ist fast alles aufgegessen. Wo Thurles wohl bleibt?
Da kommt er auch schon. Zum Glück ohne die Königin.
„Hallo da bin ich, wie ich sehe hat es euch geschmeckt!?“
„Oh ja, das war lecker.“
„Das ist schön. Leider habe ich die Flüchtlinge nicht gefunden. Sie sind wie vom Erdboden verschluckt.“
„Das ist wirklich komisch! Gibt es vielleicht Geheime Gänge?“
„Natürlich! Die wurden ja auch durchsucht.“
„Das ist wirklich merkwürdig.“
Thurles guckt uns misstrauisch an, sagt aber nichts.
„Was ist jetzt mit unserer Besprechung? Was passiert jetzt mit uns?“
„Ich hatte erst mal große Mühe, deine Mutter zu überreden, dann habe ich es aber geschafft. Sie akzeptiert dich. Aber du solltest ihr nicht über den Weg laufen. Was dich angeht Mag, so ist meine Frau nur damit einverstanden, dass du du bleibst, wenn du uns mit deinen Mächten und Fähigkeiten immer zu Verfügung stehst.“
„Das bin ich selbstverständlich, allerdings geht das nur, wenn ich erfahre, was für Mächte ich habe. Ich habe sie bisher nicht entdeckt.“
„Das ist sehr einfach. Du hast telepatische Fähigkeiten, und deine linke Hand hat geheime Kräfte, die du allerdings selbst herausfinden musst! Aber ich weiß, das sich deine Kräfte erst völlig entwickeln, wenn du erwachsen bist.“
„Wenn’s weiter nichts ist! Cool! Doch was ist jetzt mit Rosslare und Mullingar?“
„Das kann bis morgen warten! Meine Frage ist, wo ist der Brunnen?“
„Das muss ich noch überlegen. Ich habe mir mehrere Theorien überlegt, aber ich glaube das kann auch bis morgen warten!“
„Du hast recht! Dann würde ich sagen, dass wir jetzt schlafen gehen! Oder habt ihr noch was auf dem Herzen?“
„Ich würde gerne wissen wo wir schlafen! Oder sollen wir im Kerker übernachten?“
„Nein, nein! Ihr schlaft im Gästezimmer Nummer sieben!“
„Und wo ist dieses Gästezimmer? Oben, unten, rechts, links?“
„Im zweiten Gang, die lilafarbene Tür!“
„Und wo ist das Bad? Ich meine, wir müssen uns morgens ja waschen!“
„Du kannst es nicht verfehlen! Es ist gleich neben eurem Zimmer, blaue Tür, silberne Türklinke! Brauchst du noch mehr?“
„Ist was zu trinken im Zimmer? Nachts kriege ich immer so einen schrecklichen Durst!“
„Neben jedem Bett steht eine Flasche Mineralwasser und ein bunter Plastikbecher!“
„Dann wäre erst mal alles geklärt, Gute Nacht!“
„Bis morgen, und schlaft schön!“
„Das werden wir bestimmt…“
Weg ist er, wir begeben uns in den zweiten Gang.
„…nicht!!!“
„In der Tat, wir werden nicht schlafen, ich weiß nicht, irgendwie habe ich hier ein komisches Gefühl!“
„Ich auch, und meiner Mutter kann man nicht trauen, lass uns lieber wach bleiben, zum Glück bin ich nicht müde!!“
„Welche Farbe soll die Tür haben?“
„Lila, aber weißt du was? Wir nehmen diese Tür hier! Und morgen werden wir gucken wie unser Zimmer aussieht!“
„Das ist eine gute Idee!“
Wir öffnen eine Tür, mit der Farbe rosa, denn wenn Thurles morgen fragen sollte, wieso wir nicht im Lilazimmer geschlafen haben, dann können wie sagen, das wir das hier für lila hielten.
Das Zimmer sieht sehr freundlich aus, es ist in Pastelltönen gestrichen, also hellrosa, hellblau, gelb und hellgrün. In der Mitte des Raumes steht ein riesiges Himmelbett. Da hätten wir zu zehnt locker rein gepasst.
Na gut, das ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber zu zweit haben wir massenhaft viel Platz.
Wie sich herausstellt gibt es in diesem Zimmer nicht nur zwei Wasserflaschen und zwei bunte Plastikbecher, sondern auch einen riesigen Plätzchenteller und viele Bücher. Zwei Kleiderschränke gibt es auch. Da drinnen sind echt tolle Sachen. Kleider, Schlafanzüge, Nachhemden, Röcke, Hosen, Blusen und Pullover. Ich nehme mir einen gelben, Athlone sich einen blauen Schlafanzug, er passt wie angegossen. Nachdem wir uns umgezogen haben, kriechen wir unter die Decken, legen uns den Teller mit den Plätzchen zwischen uns und unterhalten uns die ganze Nacht. Alles ist toll, der Teller füllt sich immer nach und wir werden überhaupt nicht müde.

Die Uhr zeigt sechs Uhr morgens. Athlone guckt mich beschwörerisch an, was so viel wie “Lass uns im anderem Zimmer nachsehen“ heißen soll.
„Komm wir gehen rüber!“
„Lass uns vorher was anziehen.“
„Nein, wir ziehen uns Sachen aus dem anderen Raum an.“
„Du hast recht, sonst verraten wir uns noch!“
„Wenn die uns abhören, haben wir uns schon lange verraten. Lass uns beten, das sie uns vertrauen!“
Wir schleichen in unser vorgehsehendes Zimmer. Das was wir jetzt sehen, lässt mein Herz erstarren. Es ist schwer zu erklären was hier vorgefallen ist, denn es ist so schlimm. Das Zimmer hier sieht fast so aus, wie das Zimmer in dem wir die Nacht verbracht haben, mit dem kleinen Unterschied das, das Himmelbett ein bisschen anders aussieht. Es hat goldene und nicht silberne Füße und es ist rosa und nicht lila. Außerdem ist das Bett von gut zwanzig Schwertern durchbohrt.
„Zum Glück das wir hier nicht geschlafen haben!“
„Ich verstehe nur nicht, warum sie mich töten wollten, ich meine ich bin doch die Auserwählte, die, die sie so dringend brauchen!“
„Stimmt! Komisch ist das schon.“
„Lass uns schnell was anziehen und dann nach unten gehen, ich habe Frühstückshunger!“
„Ich auch!“
In diesem Zimmer sind, genau wie auch beim anderen, zwei Kleiderschränke. Wir öffnen beide und wühlen in ihnen. Zum Schluss haben wir was gefunden. Athlone hat sich für einen bunten Rock entschieden und ich mich für ein enges Miederkleid aus hellem Leder. Schick sehen wir jetzt aus!
„Wo müssen wir jetzt eigentlich hin?“
„Ich würde sagen in den gleichen Raum wie gestern, oder?“
„Was besseres fällt mir auch nicht ein.“
Doch wo war dieser Raum? Es scheint, als ob sich das Schloss über Nacht umgebaut hätte.
Mit großer Mühe finden wir es schließlich. Auch wenn die Tür verschlossen ist, man riecht, dass es etwas Gutes zu Essen geben wird. Es duftet nach gebratenem Speck und Rührei!
Uns kommt ein Schwall von leckern Düften entgegen, als ich die Tür öffne.
Der Raum hat sich nicht groß verändert, nur, das jetzt das Buffet aus Frühstücksgerichten besteht.
Im Raum steht Thurles, neben ihm eine wunderschöne Frau. Sie hat eine tolle Figur. Sie trägt eine Art Anzug, wo aber die Ärmel und Hosenbeine fehlen, und sie hat einen durchsichtigen Umhang an. Sie hat blonde Locken und eine rosige Haut.
„Ma! Ich verschwinde!“
Weg ist sie. Tür auf, Tür zu.
„Was ist denn nun passiert?“
„Nichts! Meine Tochter hat Angst vor mir, sonst nichts!“
„Und da tun sie nichts gegen?“
„Wieso sollte ich? Sie hat doch Angst vor mir und nicht ich vor ihr!“
„Ich hätte auch Angst vor ihnen!“
Die Frau schweigt, mit Grund würde ich sagen.
„Nun gut Mag, wie ich sehe hast du bereits etwas Anständiges an! Diese abgetragenen Gammelkleidung ist auch nichts für dich. Wir haben entschieden, das dir jetzt der ganze dritte Gang gehören wird. Du hast eine Privatküche, ein eigenes Badezimmer und so weiter und so weiter.“
„Das ist ganz schön und gut, aber warum wolltet ihr uns töten? Das Bett war durchbohrt mit Schwertern, zum Glück hatten wir woanders geschlafen!“
„Wie, mit Schwertern durchbohrt? Wieso sollten wir dich umbringen wollen?“
Killarney ist eindeutig nervös, sehr nervös. Ob sie den Anschlag zu verantworten hat?
Auch Thurles bemerkt ihre zappeligen Bewegungen.
„Ist was Schatz?“
„Natürlich ist was mit ihr, sie hat uns töten wollen!“
„Ist das war?“
„Also, weißt du,… ich dachte wir…, ich dachte wir brauchen diese Göre nicht mehr. Schließlich… schließlich haben wir die Steine, und… und, ach Liebling! Es tut mir Leid. Ich habe falsch gedacht, ich weiß, aber ich war eben der Meinung…“
Thurles Gesicht verfärbt sich, erst wir es gelb, dann orange und jetzt ist es rot. So rot es nur geht.
„Sag mal, spinnt du? Diese „Göre“ ist für uns Existenzwichtig, wenn wir sie nicht haben, dann können wir einpacken! Wage es nie wieder diesem Geschöpf irgendetwas anzutun!“
Das klingt gut, das alles klappt besser, als ich erwartet habe. Jetzt muss Lissy nur noch mit ihrer Armee ankommen. Dann wäre alles in Butter.
„Nun zu dir Mag, ich muss mit dir Einiges abklären, deine Freundin Athlone kann ruhig dazu kommen.“
„Typisch! Jetzt holst du dir einen Staat, der dir hilft mich vom Thron zu stoßen!“
Mit Tränen im Gesicht, stürmt die Königin aus dem Zimmer.
„Ich hole sie kurz!“
„Beeile dich aber!“
Wie oft habe ich dieses Wort schon gehört? Zehntausendmal!
Athlone sitzt auf der Couch im Salon. Sie weint. In der Hand trägt sie einen Krug.
„Athlone! Ist was passiert?“
„Nein, nein. Soll ich mitkommen?“
„Du kannst, wenn du willst. Deine Mutter ist weg!“
„Gott sei Dank. Wenn es so ist, dann komme ich gerne mit.“
Zusammen machen wir uns auf den Weg zu Thurles.
„Ach gut das ihr da seit, ich habe gerade eine tolle Nachricht von einem Bediensteten bekommen, sie haben einen neuen Geheimgang gefunden! Wollen wir uns den angucken?“
„Natürlich, wie viele Gänge habt ihr den hier im Schloss?“
„Zwanzig sind uns bekannt, aber es gibt bestimmt noch mehr.“
„Doch bevor wir den Gang untersuchen, sagst du mir das, was wir eben nicht mehr geschafft haben!!“
„Ich wollte dir nur sagen, das wir euch nicht mehr abhören, ich vertraue euch jetzt voll und ganz, was Killarney darüber denkt, weiß ich nicht. Vielleicht hört sie euch ab, aber ich habe ihr schon gesagt das sie nichts hören wird, was gegen euch spricht.“
„Danke für dein Vertrauen. Ich habe mir gedacht, dass der Brunnen nur an vier Stellen sein kann. Entweder unter Wasser, in einem weiterem geheimen Land, hier in Achill Head oder es ist doch der Brunnen bei Offelay, nur das er wieder zum Leben erweckt werden muss.“
„Und was glaubst du, kommt am ehesten in Frage?“
„Ich denke mal in einem weiterem Land.“
„Du hast Glück, ein Land gibt es noch. Es heißt Dingel.“
„Woher kennst du die ganzen Länder? Ich meine, mit der Eiche kannst du nicht dahin reisen und ansonsten gibt es keine Möglichkeiten, oder etwa doch?“
„Ich habe sie durch Zufall entdeckt. Ein geheimes Grab. Es kann sich öffnen. Im inneren sieht es so ähnlich, wie in der Eiche aus.“
„Interessant! Das musst du mir unbedingt zeigen wenn wir den Gang gesehen haben!“
„Wir haben ja unendlich viel Zeit!“
„Und was wird Killarney dazu sagen?“
„Nichts! Sie wird davon nicht erfahren!“
„Und was ist wenn sie uns abhört. Dann erfährt sie es doch!“
„Es wäre kein Weltuntergang! Ich erkläre es euch mal in einer ruhigen Minute!“
„Dann lasst uns aufbrechen, wir haben zwar ewig Zeit, aber ich würde gerne heute noch Dingel sehen!“
„Ich auch, komm Thurles. Wir wollen gehen!“
„Momentchen, wir müssen dafür ein paar Vorbereitungen treffen!“
„Was denn?“
„Ihr wollt doch wahrscheinlich, nachdem wir den Gang erkundet haben, gleich nach Dingel, oder?“
Ein einstimmiges „Ja“ erklingt im Raum.
„Dann müssen wir Vorräte für mindestens einen Tag einpacken. Wenn wir dort aufgehalten werden, dann brauchen wir Nahrung, deshalb sollten wir besser Essen für mehrere Tage einpacken.“
„Ich habe da noch eine Frage Thurles. Wieso hast du in deinem Brief, Dingel nicht erwähnt?“
„Im welchen Brief?“
„Na, den wo du meintest, das du Herrscher über alle Wesenländer werden willst!“
„Ach der, Mulrany hat ihn geschrieben, er weiß nicht von diesem Land!“
„Wieso habt ihr ihn eigentlich hintergangen? Er hat euch doch nichts getan, oder etwa doch?“
„Nein, aber er störte. Wir waren zu dritt. Zu zweit ist es schon schwer sich die Herrschaft zu teilen, aber zu dritt?“
„Ihr hättet ihm wenigstens ein Land geben können!“
„Nein, hätten wir nicht! Der Grund ist schwer zu verstehen, ein anderes mal!“
„Immer heißt es: Ein anderes mal! Wieso kannst du es uns nicht erklären?“
„Darum. Ihr werdet es noch früh genug wissen, so lange müsst ihr euch eben gedulden!“
Athlone und ich lassen die Köpfe hängen. Ich hasse es zu wissen, wenn jemand etwas weiß, mir es aber nicht verraten will.

Ich habe letzte Zeit immer gehofft, das Lissy ganz schnell kommt, doch nun bete ich zu Gott, das sie noch mindestens ein Tag fern bleibt. Es wäre echt dumm, wenn sie angreift und ich am anderen Ende der Welt bin.
Unsere Vorbereitungen sind im vollem Gange und wahrscheinlich gleich abgeschlossen.
„Mag? Hast du den Rucksack mit den Schlafsachen?“
„Der ist hinter der Tür Athlone. Haben wir was vergessen?“
„Nein, warte mal…“
Sie kommt zu mir und flüstert mir ins Ohr.
„Ich will meinen Bruder mitnehmen, wenn wir wirklich den Brunnen finden, dann kann ich ihn ganz schnell zum Leben erwecken!“
„Das ist eine gute Idee, aber Thurles sollte das nicht mitbekommen!“
„Ich passe schon auf!!“
Geschwind packt sie den Krug mit ihrem Bruder – Man, hört sich das bescheuert an! – in den Rucksack und schnürt ihn schnell zu, schon kommt Thurles um die Ecke.
„Die Köchin hat uns genug Essen eingepackt, Schlafzeug haben wir auch, uns fehlt nur noch ein Messer, ein Seil und ein wenig Geld.“
„Geld? Ja natürlich! Dingel ist zwar genauso Gastfreundlich wie die anderen Länder und auch sonst unterscheidet sie nicht viel, aber die Wesen in Dingel wollen bezahlt werden. Ich verstehe die Leute nur allzu gut.“
„Hast du denn Geld?“
„Ja, oben in der Schatzkammer. Könnt ihr, während ich ein wenig Geld hole, ein Seil und ein Messer besorgen? Ihr müsstet beides in der Küche finden, und wenn nicht, dann fragt die Köchin! Bis gleich!“
„Unglaublich! Ich glaube der würde uns jetzt sein letztes Hemd schenken!“
„Du hast recht Mag. Der geht mit uns um, wie mit seinen besten Freunden!“
„Wir sollten sein Vertrauen aber nicht ausnutzen! Außerdem glaube ich nicht, das sie uns nicht weiter abhören!“
„Lass uns nicht darüber reden. Wir sind jetzt auf seiner Seite! Verstanden?“
Aye, aye Sir! Komm wir holen jetzt ein Messer und ein Seil!”
„Ich bin kein Sir! Ich bin wenn schon eine Lady!“
„Schon verstanden!“
Wir traben los, wo war die Küche doch gleich? Ach ja hier.
Ich klopfe an.
„Herein! Aber pass auf! Der Boden ist frisch gewischt!“
Athlone öffnet die Tür.
„Können wir bitte ein Messer und ein Seil haben?“
Plötzlich fangen alle im Raum an zu tuscheln und die Köchin verneigt sich so tief, das ihre Nasenspitze fast den Boden berührt.
„Natürlich eure Hoheit. Larne? Hole das scharfe Parkermesser und das neue Seil!“
Die Frau richtet sich wieder auf. Larne ist ein kleiner Gnom. Eindeutig. Er ist beharrt und ist notbedürftig angezogen.
„Damit wir das gleich klar stellen! Ich bin nicht eure Hoheit und auch sonst kein Fräulein! Ich bin ganz einfach Mag. Und nur weil ich die Auserwählte bin, heißt das nicht das ich eine Namensänderung durchgemacht habe, ist das klar?“
Ich bin aufgebracht, versuche aber in einem ruhigen Ton zu reden.
„Natürlich! Entschuldigung Mag!“
„Na, das klingt doch gleich viel besser! Haben sie vielleicht auch eine Landkarte von hier?“
„Nein! Wir kennen uns nur im Schloss aus, den Rest von diesem Land haben wir noch nie gesehen. Unser Herrscher erlaubt es nicht, er hat Angst das wir versuchen zu fliehen, wenn wir wissen wie es hier aussieht!“
„Trotzdem Danke!“
Larne kommt wieder herein. Ein Seil in der linken Hand und ein Messer in der rechten Hand.
„Hier bin ich! Braucht ihr sonst noch was?“
„Nein, danke! Wir werden euch aber garantiert bald wieder besuchen!“
Athlone schließt die Tür hinter uns.
„Dieser Larne, der kommt mir irgendwie bekannt vor, aber ich weiß nicht wo ich ihn schon mal gesehen habe.“
„Vielleicht hast du ihn mal auf eurem Schloss gesehen?“
„Ich weiß nicht,…Nachher fällt es mir bestimmt ein! Ist es vielleicht…? Nein!“
„Was ist vielleicht?“
„Ach nichts! Ich dachte nur, dieser Larne wäre der Junge, den meine Mutter in einem Schilfkorb gefunden hatte, aber er war es doch nicht, dieser Junge hatte nämlich schwarze Haare und nicht rote!“
„Das kling so wie in einer Bibelgeschichte. Kannst du mir vielleicht sagen wann ihr erwachsen seit, wann ihr „alt“ werdet und wann ihr uralt seit?“
„Was ist eine Bibelgeschichte?“
„Ein Buch, das über unseren Gott erzählt. Es stehen viele gute und wichtige Dinge drinnen.“
„Wir haben auch einen Gott. Er heißt Nuadu. Er kann aber nur mit den Nymphen reden, das habe ich mal gelesen.“
„Können wir das nachher besprechen? Kannst du vielleicht erst meine Frage beantworten? Es interessiert mich brennend!“
„Na schön. Mit hundertundfünfzig Jahren ist man erwachsen. Mit tausend Jahren fängt man an zu altern und ab tausendsiebenhundert ist man uralt.“
„Wie alt bist du jetzt?“
„Ich werde in zehn Jahren hundertfünfzig.“
„Dann ist dein Vater also seit hundert Jahren tot.“
„Ja.“
„Wollten wir uns hier treffen?“
„Ich glaube ja!“
„Die Tür ist zu geschlossen!“
„Komisch! Was machen wir jetzt?“
„Mir zuhören!“
„Wer bist du?“
Vor uns taucht eine kleine Person auf. Sie ist schmal und zierlich. Sie hat eine Honigfarbene Haut und dunkelbraune Haare. Ihr Gesicht kann ich nicht sehen, weil sie mit ihrem Rücken zu uns sitzt. Sie redet laut und deutlich.
„Ich bin Kinsale, die Schwester von Cashel. Ich komme von Lissy. Sie will im Morgengrauen angreifen, es sei denn ihr habt was dagegen.“
„Gut das du kommst! Sag Lissy sie soll übermorgen angreifen. Wir müssen etwas erkunden und brauchen dafür das Vertrauen von Thurles. Er ist nämlich der eigentlich Verräter. Sag ihr ich erkläre ihr alles später.“
„Ist gut. Soll ich ihr noch etwas ausrichten?“
„Wie konnte sie mit gebrochenem Bein hier herkommen?“
„Das ist eine lange Geschichte. Sie wird sie dir erzählen, wenn ihr wieder da seid.“
„Gut, dann haben wir eigentlich nichts mehr auf dem Herzen. Oder weißt du noch was Athlone?“
„Wäre es nicht besser wenn Lissy jetzt angreift, wenn Thurles weg ist? Die Trolle gehorchen nur ihm, nicht seiner Frau. Es wäre leichter die Burg zu stürmen, wenn Thurles nicht da ist!“
„Du hast recht! Na gut. Kinsale? Planänderung! Ihr greift doch im Morgengrauen an, aber wir kommen erst später dazu! Wir versuchen den Brunnen zu finden!“
„Ich werde es Lissy ausrichten! Bis bald!“
Und weg ist sie, so schnell wie sie gekommen ist.
„Die Tür ist jetzt auf!“
„Das ist schon alles merkwürdig. Ich blicke gar nicht mehr durch.“
„Ich auch nicht!“
„Wo blickt ihr nicht durch?“
„Ach, eben war die Tür abgeschlossen! Und jetzt ist sie wieder auf. Wir dachten erst, das wir uns doch woanders treffen wollten.“
„Ich hatte von innen abgeschlossen, weil Killarney nach mir sucht. Mir ist eben erst klar geworden, das ihr ja auch noch rein wollt!“
„Na dann ist ja gut. Brechen wir jetzt auf?“
„Ja, ich habe nur noch auf euch gewartet. Habt ihr das Messer? Und das Seil?“
„Ja.“
Los geht es.

Kapitel 18

Wir sind da! Im geheimen Gang. Hinter einem Vorhang war ein Hebel. Wenn man am ihm zog, ging eine Falltür in der Mitte des Ganges auf. Wir sind alle durchgeschlüpft. Hinter uns hat sich die Tür wieder geschlossen.
Jetzt stehen wir vor einem riesigen Garten. In der Mitte ein Brunnen. Um ihm herum sind viele Pflanzen. Ein riesiger Baum mit allen möglichen Früchten gibt es auch und… Halt! Der Brunnen! Ob es der Brunnen ist?
„Ein Brunnen!“
„Ja ein Brunnen! Glaubt ihr das es der Brunnen ist den wir suchen?“
„Ich hoffe es Mag. Lasst uns gucken ob er es sein könnte.“
„Woran erkennen wir es?“
„Das Wasser muss hellgrün sein.“
„Es ist grün!“
Ob es wirklich der gesuchte Brunnen ist? Es wäre ja toll!
„Und was wollen wir jetzt machen?“
„Ich weiß es nicht, vielleicht sollten wir gucken, ob hier jemand wohnt?“
„Aber wo? Hier ist doch nur der Garten! Ich sehe keine Höhle, kein Häuschen, keine Behausung. Wo sollte jemand wohnen?“
„Vielleicht im Brunnen?“
„Mag! Auf was für Gedanken kommst du?“
„Wenn ihr das nicht untersuchen wollt, dann müssen wir selber herausfinden, ob der Brunnen echt ist.“
„Aber wie?“
„Ganz ruhig Thurles! Wir können ihn nur testen, wenn wir ein totes Wesen haben. Hat jemand eins dabei?“
Ich hatte eigentlich nicht vor was jetzt passierte.
„Ich habe meinen Bruder dabei.“
„Kommt nicht in Frage!“
„Aber wieso Thurles? Was hast du dagegen? Er hat dir doch nichts getan!“
„Nein, aber ich ihm. Denkt jetzt nichts falsches. Okay du darfst ihn zu Leben erwecken, aber nur wenn ihr mir glaubt, was ich euch jetzt erzählen will.“
„Ist es so schlimm?“
„Ja, aber ich habe es nicht getan!“
„Was denn?“
„Es fing damit an, das ich deine Mutter besucht habe. Es sollte eigentlich heimlich geschehen, aber dein Bruder belauschte uns. Er wurde entdeckt. Deine Mutter erpresste ihn. Sie sagte, das sie dich umbringt, wenn er nicht vorm Volk sagen würde, das er kein Midrulat mehr nimmt.“
„Was? Er hat es nicht freiwillig gemacht?“
„Nein. Es tut mir leid, aber ich habe das nur am Rand mitbekommen. Ich musste ja schnell fliehen!“
„Tja Thurles, an deiner Stelle würde ich mich erst mal verstecken, bevor mein Bruder sich auf dich stürzt. Wir werden ihm alles erklären!“
„Danke. Ich gehe in den Garten, wenn ihr ihn ins Wasser taucht.“
„Dann geh jetzt!“
Thurles dreht sich langsam um. Er ist ein wenig unsicher. Am Ende geht er aber doch mit festen Schritten tiefer in den Garten.
„Ich bringe sie um!“
„Wen?“
„Meine Mutter natürlich. Hast du schon mal so was unmenschliches gesehen? Die hat kein Herz im Leib.“
„Du hast recht. Wenn du meine Hilfe brauchst, dann sage es mir, ich unterstütze dich gerne!“
„Danke, aber das muss ich alleine aus machen!“
„Ist schon okay!“
Langsam öffnet Athlone den Krug in ihrer Hand, den sie aus der Tasche geholt hat. Langsam schüttet sie den Staub ins Wasser. Nichts geschieht.
„Oh nein! Es ist nicht der richtige Brunnen! Alles ist verloren!“
Athlone bricht Tränenüberströmt zusammen. Was soll ich jetzt tun? Trösten lässt sie sich nicht. Sie schüttelt mich ab, sobald ich sie berühre.
Ich fühle mich sehr hilflos. Ich kann nichts machen, oder etwa doch? Ich schaue mir den Brunnen genauer an. Er besteht aus rosa Backsteinen. Auch wenn sie sauber sind, sehen sie sehr alt aus. Hier muss jemand wohnen, sonst wäre der Garten doch total verwildert! Meine Blicke schweifen über den Brunnen, plötzlich habe ich einen Einfall. Wieso nicht? Probieren geht über studieren! Ich stehe auf, meine Hände erfassen die kalten Steine. Nach ein paar Sekunden fühlen sie sich aber warm und gemütlich an, ja gemütlich! Im Geiste spreche ich ein paar Worte, bitte lasse es gelingen. Athlone hat niemand anderes, sie braucht ihren Bruder!
Plötzlich fängt das Wasser an zu glühen, in Neongrün. Athlone schreckt hoch.
„Was hast du gemacht?“
„Ich habe nur ein paar Worte gedacht, und ich habe den Brunnen berührt.“
„Glaubst du, du hast es geschafft?“
„Ich weiß es nicht!“
Es ist zum Verzweifeln!
Das Leuchten hört so plötzlich auf, wie es gekommen ist. Stattdessen zappelt ein Lebewesen im Wasser. Ist es doch gelungen?
„Carlow! Du lebst! Warte ! Wir helfen dir. Mag, wo das Seil?“
„Das hat Thurles, er ist doch mit dem Rucksack weggegangen.“
„Ach ja! Und was machen wir jetzt?“
„Athlone helf mir! Ich kann nicht mehr lange über Wasser bleiben!”
„Mag! Halte mich an meinen Füßen fest, ich ziehe ihn raus.“
„Das ist Wahnsinn! Vergiss es!“
„Nun mach schon!“
Widerwillig gehorche ich ihr. Wundersamer Weise schaffen wir es. Wie wir das hinbekommen haben, weiß ich allerdings nicht.
„Danke! Wie hast du das geschafft? Und wo sind wir, wer ist das und… erzähl mir mal was alles passiert ist, seit ich tot bin. War ich überhaupt tot?“
„Ja natürlich! Das hier ist Mag, die Auserwählte. Ihr hast du zu verdanken, das du wieder lebst. Wir sind in Achill Head, mit Thurles. Zur Zeit sind wir in einem geheimen Gang im Schloss. Wie du siehst stehst du vor einem Brunnen, es ist der heilige Brunnen der, den wir so lange gesucht haben! Den Rest erzähle ich dir, wenn wir etwas mehr Luft haben, ich meine Zeit. Ich darf dir nicht zu viel erzählen weil Thurles in der Nähe ist. Ich erkläre dir das wenn wir sicher unter uns sind.“
„Das klingt ja sehr spannend! Hallo Mag, ich bin Carlow, aber ich glaube, das du das schon mitbekommen hast, oder?“
„Natürlich, ich habe ja Ohren, ich bin Mag, ganz einfach Mag.“
„Bist du wirklich die Auserwählte?“
„Das sagen alle, ich bin zwar noch nicht ganz überzeugt, aber es wird schon stimmen.“
„Natürlich stimmt es. Sie hat das Mal, und auch ansonsten stimmt alles was in der Prophezeiung steht.“
„Na dann,… wo ist eigentlich Thurles? Ich wollte ihn eigentlich mal was fragen, was er zum Beispiel bei unserer Mutter zu suchen hat!?“
„Das erklären wir dir, Thurles ist indirekt ein wichtiger Mann, und wir wollen nicht das er im Blutbad endet.“
„So weit wollte ich es eigentlich nicht kommen lassen!“
„Wir wollen dir trotzdem erklären was abgelaufen ist.“
„Kennt ihr überhaupt die ganze Geschichte?“
„Thurles hat sie uns erzählt.“
„Dann denke ich mal, das er sie euch ein bisschen falsch erzählt hat.“
„Wie kommst du darauf?“
„Ihr redet von ihm, als ob ihr ihn verteidigen müsst!“
„Ja müssen wir das denn nicht? Weißt du denn, das er von der Sache so gut wie nichts mitbekommen hat?“
„Wie bitte? Das hat er euch erzählt?“
„Ja!“
„Dann ist er ein größerer Lügner als ich dachte!“
„Was soll das nun wieder heißen?“
„Also gut, ich fange noch mal von vorne an, aber ihr dürft mich nicht unterbrechen!“
„Das versteht sich von selbst!“
„Ein mal, als dieser Thurles Mutter besucht hat, habe ich sie heimlich belauscht, leider wurde ich entdeckt. Ma hatte mich erpresst. Ich muss auf das Midrulat verzichten, oder du würdest sterben. Ich habe dich so doll lieb. Dir sollte nichts passieren, deshalb bin ich darauf eingegangen. Zwei Tage später war ich tot, glaube ich zumindest.“
„Das wissen wir auch, aber worüber haben die beiden geredet?“
„Darüber, wie sie uns beide umbringen, damit wir ihnen nicht im Wege stehen.“
„Lügner! Du gemeiner Hund!“
„Thurles! Wolltest du nicht im Garten bleiben?“
„Ich wollte, aber dann hörte ich, wie der da Lügengeschichten über mich verbreitet.“
Von da hinten kannst du uns doch gar nicht verstehen!“
„Kann ich wohl!“
„Und wenn schon, das Problem, wer was richtig gesagt hat, besteht noch immer. Wie wollen wir herausfinden, wer lügt?“
Athlone guckt mich fragend an, plötzlich habe ich eine Idee, es muss nur eine Bedingung erfüllt werden.
„Der Brunnen! Mein ihr, das er Lüge und Wahrheit auseinander halten kann?“
„Weiß ich nicht, wir müssen es ausprobieren.“ Athlone ist hin und her gerissen, wer hat Recht?
Ich trete an den Brunnen heran. Ich lege meine Hände wieder auf die kalten Steine. Nach ein paar Sekunden sind sie aber warm und gemütlich, na ja, vielleicht ist das wirklich ein bisschen übertrieben! Im Gedanken spreche ich ein paar Worte. Wie sollen wir herausfinden wer lügt? Kann uns nicht jemand helfen?
„Auserwählte! Du kennst den Lügner! Aber ich mag dir gerne helfen! Du hast dieser Person schon Vieles geglaubt, doch er hat dich immer hereingelegt. Überleg mal! So schwer ist das wirklich nicht! Ich bin bei Lissy. Wir warten auf dich. Du musst nicht nach Dingel. Wenn der Krieg vorbei ist, dann gehen wir gemeinsam dort hin. Es ist schön da, und du hast da nichts zu suchen, zumindest jetzt nicht! Überrumpel den Verräter und komm zurück. Wir brauchen dich, und am meisten braucht dich Max, es geht ihm nicht gut, beeile dich!“
„Thurles? Kannst du mir bitte deinen Rucksack geben?“
„Wieso? Was willst du damit?“
„Ich brauche das Seil daraus, damit ich Carlow fesseln kann!“
Ich blinzele Athlone schnell zu, sie versteht. Schnell ergreift sie ihren Bruder, der versucht zappelnd sich loszureißen. Sie flüstert ihm was ins Ohr, er scheint erleichtert zu sein, tut aber so, als ob er immer noch krampfhaft versucht sich loszumachen.
„Woher weiß du, das er der Verräter ist?“
„Ich weiß es. Der Brunnen hat es mir gesagt. Habt ihr es nicht gehört?“
„Nein, aber ich glaube dir. Du bist schließlich die Auserwählte!“
Er wirft mir das Seil zu. Ich fange es und drehe mich zu Carlow.
„Nun hab ich dich!“
Thurles reibt sich siegessicher in die Hände. Wie kann man nur so doof sein wie er? Echt, es ist schon komisch, oder weiß er das ich ihn überlisten will?
Während des Gehens drehe ich mich wieder zurück und mache einen Satz nach vorne. Drei Minuten später ist Thurles ein hübsches Packet.
„Das hast du toll gemacht Mag! Doch woher wusstest du das nun wirklich?“
„Hast du es nicht gehört? Das Orakel hat mit mir geredet. Wir müssen zurück, wir können uns Dingel ansehen, wenn der Krieg vorbei ist.“
„Aber wenn das Orakel zu dir gesprochen hat, dann verstehe ich nicht, wieso Thurles dir das abgekauft hat.“
„Das verstehe ich auch nicht Athlone. Vielleicht hat er es ja doch gewusst?“
„Das bleibt wahrscheinlich für immer ein Geheimnis.“
„Da könntest du Recht haben.“
„Lasst uns endlich aufbrechen, ihr Tratschtanten!“
„Ja, ja Brüderchen!“
Wir gehen den Pfad zurück. In einer Birke wartet eine Tür, das man sie öffnet. Hinter dieser Tür, wartet eine endlos lange Wendeltreppe, das man sie betritt und hinter dieser Treppe wartet noch eine Tür. Und dahinter wartet eine hübsche Frau. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor.
„Oh, oh. Hallo Killarney! Interessiert es dich nicht, deine beiden Kinder wohlauf zu sehen?”
„Mich würde es interessieren, wo mein Mann ist. Wo habt ihr ihn?“
„Wir haben ihn gefesselt. Wenn du uns gehen lässt, dann kannst du ihn wieder haben.“
„Wo ist der Haken? Warum habt ihr es so eilig zu gehen?“
„Glaubst du allen Ernstes, das wir uns hier wohl fühlen?“
„Nein, aber Thurles wird was dagegen haben, wenn ich die Auserwählte gehen lassen habe!“
„Na schön, du musst uns nicht gehen lassen. Aber du bekommst dann auch nicht Thurles und wir haben kein Midrulat vorrätig!“
„Na gut. Geht! Aber beeilt euch. Wenn Thurles wieder frei ist, dann bezweifle ich, das ihr noch lange frei sein werdet.“
„Okay. Eins, zwei, drei!“
Wir lassen Thurles los, er rollt die Treppe runter, wir drei laufen los. Zum Glück kenne ich mich hier schon ein bisschen aus, ich kann ungefähr zeigen, wo wir hinmüssen.
Nach zehn Minuten haben wir es geschafft aus dem verdammten Schloss zu fliehen. Nun müssen wir nur noch die anderen finden.
„Ob sich deine Freunde im Wald aufhalten?“
„Bestimmt! Woanders können sie doch gar nicht Schutz finden!“
„Carlow? Willst du überhaupt mitmachen? Ich meine, du hast dich noch nicht wirklich dazu geäußert. Du hast ja nichts verbrochen!“
Carlow lacht: „Warum bist du eigentlich dabei Schwesterchen?“
„Ich wollte. Dieses Abenteuer versprach mir, das du wieder lebendig wirst. Und das Versprechen wurde nicht gebrochen, doch wie stehst du jetzt dazu?“
„Ich bin dabei. Mag hat mir das Leben wieder geschenkt, das wäre das mindeste was ich ihr zurück geben kann!“
„Ihr beide seit echt lieb! Vielen Dank!“
Wir haben den Waldrand erreicht, und werden gleich begrüßt.
„Da seit ihr ja! Wir haben dich schon vermisst Mag. Beeile dich. Max geht es sehr schlecht, Lissy ist auch bei ihm.“
„Was ist passiert Offelay?“
„Wir sind in einen Steinbeben geraten, in Kerry. Max wurde schwer verletzt. Er verlangt schon lange nach dir, zum Glück bist du jetzt da!“
Mein Herz bleibt gleich stehen. Max darf nicht sterben. Nie, niemals.
„Wo ist er?“
„Im roten Zelt. Sag ihm das er nicht sterben soll, wir alle brauchen ihn noch!“
Meine Augen suchen eiligst das rote Zelt. Wo ist es nur? Wo?
Ah, da! Ich laufe hin, so schnell es geht, im Zelt begegne ich Lissy.

Kapitel 19

„Hallo Maggy! Endlich bist du da! Max schläft gerade, bleibe du ein bisschen bei ihm, nachher können wir uns genauer unterhalten.“
Ich sehe den Gipsverbannt an ihrem Bein und die Krücken, die sie gerade aufnimmt.
„Was suchst du hier? Du gehörtst ins Bett Lissy!“
„Lass das mal meine Sorge sein!“
Langsam, aber sicher, humpelt sie aus dem Zelt. Im Zelt rührt sich was.
„Mag? Bist du hier?“
„Ja, Max! Ich bin hier. Ich komme!“
Leise krieche ich zu seinem Lager. Es besteht aus vielen Decken und Kissen. Schon von weitem merke ich, das Max stark fiebert.
„Mag! Ich muss dir noch was sagen, bevor ich sterbe!“
„Du darfst nicht sterben! Hör auf zu spinnen! In ein paar Tagen bist du wieder fit!“
Max versucht zu lächeln.
„Mach dir nichts vor. Meine Hinterbeine sind beide gebrochen. Mein ganzer Bauch ist aufgeschlitzt und ich habe viel Blut verloren. Es wäre ein Wunder wenn ich das überlebe. Es ist unmöglich. Ich bitte dich nur um eines. Lass dir das Buch der Wesen geben. Ich möchte noch einmal den Vollmond erleben. Im Buch steht, dass so was geht, aber du musst dafür etwas tun. Ich weiß nicht mehr was es war, aber es steht im Buch. Bitte tue das für mich.“
Ich kann sie nicht mehr zurückhalten. Ich habe mir zwar vor genommen nie wieder zu weinen, doch jetzt purzeln mir die Tränen das Gesicht herunter.
„Weine nicht Mag. Ich werde über dich wachen wenn ich da oben bin.“
„Ich habe dich lieb.“
Es ist still im Raum, nein im Zelt. Max atmet ruhiger, ruhiger als vorher. Mein Schluchzen hört langsam auf. Ich weiß nicht, was ich mache, wenn Max nicht mehr da ist.
„Ich dich auch. Ich möchte jetzt schlafen. Besucht du mich morgen wieder?“
„Ich werde dich so oft besuchen, wie es nur geht.“
Max ist schon am Schlafen, leise gehe ich nach draußen. Ich kann mir nicht mehr helfen, was soll ich jetzt tun? Ich habe keine Ahnung. Ob Lissy weiß, wo das heilige Buch ist? Wann ist der nächste Vollmond? Was muss ich machen?
„Mag? Was ist los mit dir? Kann ich dir helfen?“
Dundalk, der Sonnenelf, kommt auf mich zu.
„Weißt du wo das heilige Buch ist?“
„Ja, das Orakel hat es. Kennst du das Orakel überhaupt schon?“
„Nein, aber ich habe schon zweimal mit ihm gesprochen. Kann ich jetzt zu ihm?“
Dundalk schüttelt ungläubig mit dem Kopf, lässt sich aber sonst nichts anmerken.
„Bestimmt. Er ist im Zelt dahinten!“
Mit seiner Hand zeigt er auf ein großes Zelt. Es liegt ein bisschen abseits von den anderen.
„Wie sieht er aus?“
„Das ist leider eine Frage die ich dir nicht beantworten kann. Er läuft immer mit einem Umhang herum. Er ist sehr nett, aber er besteht darauf, dass wir akzeptieren, dass er sich nicht zeigen will.“
„Ich gehe jetzt gleich zu ihm. Sag Lissy bitte, dass ich nachher komme. Ich muss sie Vieles fragen.“
„Ist gut, und viel Glück.“
„Danke, das werde ich brauchen!
Ich mache mich auf den Weg zum Zelt des Orakels. Da ich schlecht anklopfen kann, gehe ich einfach hinein.
„Hallo Mag. Ich wollte dich schon lange mal wieder sehen. Ich weiß warum du hier bist und ich werde dir gerne helfen!“
„Das ist sehr nett von ihnen, aber ich wollte noch was anderes.“
„Du kannst mich ruhig duzen. Das tut hier jeder!“
„Na schön.“
„Dir liegt viel an Max, oder?“
„Oh ja! Er hat mir so viel geholfen. Ich habe ihn sehr gerne.“
„Kann man das auch Liebe nennen?“
„Ich weiß es nicht. Ich war noch nie verliebt, erst recht nicht in einen Hund.“
„Max ist kein Hund. Er sieht zwar so aus, aber eigentlich ist er ein Mensch.“
„Ich weiß. Er hat mir gesagt, das er noch einmal den Vollmond erleben will und dazu brauche ich das Buch.“
„Nein, dazu brauchst du das Buch nicht.“
„Wieso?“
„Heute ist Vollmond, solange wird er es aushalten.“
„Bist du sicher?“
„Ja, das bin ich.“
„Weißt du was ich machen kann, damit Max nicht sterben muss?“
„Nein, vielleicht gibt es einen Weg. Nur leider kennt den Niemand.“
„Woher weißt du dann, das es einen Weg gibt?“
„Das weiß ich nicht. Ich glaube, es ist tief in mir. Ich muss dir ein Geheimnis verraten!“
„Warum ist es ein Geheimnis?“
„Weil ich es bis jetzt niemanden erzählen durfte, aber du bist die Auserwählte!“
„Ich werde es niemanden weitersagen.“
„Danke!“
Langsam öffnet er seinen Mantel. Vorsichtig nimmt er die Kapuze ab. Vor mir steht ein Mann. Er hat weiße Haare und einen weißen Bart. Er sieht alt und müde aus. Plötzlich fällt mir etwas auf.
„Großvater! Ich dachte du wärest tot!“
„Ich bin tot, zumindest in der Menschenwelt. Ich bin jetzt das Orakel und gleichzeitig eine Verkörperung von Nuadu. Vom Gott der Wesen.“
„Athlone hat diesen Namen schon mal benutzt, aber mir fällt jetzt nicht ein warum.“
„Sag deinem Vater aber nichts davon, bitte. Er hat so getrauert, als ich an Krebs gestorben bin.“
Ich verstehe. Nur leider werde ich immer verwirrter. In so kurzer Zeit, habe ich so viele Freunde gefunden. Verstorbene wieder gesehen und Wesen glücklich gemacht. Ich bin total durcheinander. Ich glaube, ich sollte mal ausgiebig schlafen!
„Großvater? Darf ich das Thema kurz wechseln?“
„Natürlich, und ich glaube ich weiß auch warum.“
„Wie soll es weiter gehen? Einmal meinte Max, wenn alles gut wird, dann wachen wir zusammen über die Wesen. Jetzt steht aber ein Krieg kurz bevor, Max liegt im Sterben und ich fühle mich ziemlich kraftlos!“
„Ich kann dich gut verstehen! Ich denke mal das du, wenn der Krieg zu Ende ist, alleine herrschen musst.“
„Aber wie? Ich muss doch die Schule noch machen, und so weiter.“
„Hast du schon mal davon gehört, das die Zeit stehen bleibt, wenn du hier bist?“
„Ja, natürlich, aber eines würde mich trotzdem interessieren! Wieso gibt es hier auch Tag und Nacht, Sonne und Mond, Stunden und Minuten, wenn doch angeblich die Zeit stehen bleiben soll?“
„Hier im Reich der Wesen, herrscht ein ganz anderes Prinzip. In gewisser Maßen gibt es hier eine Zeit. Man kann sie nur nicht mit der Zeit im Reich der Menschen vergleichen!“
„Ach so!“
„Ich schlage dir was vor. Wir gehen jetzt rüber zum Hauptzelt, und lassen uns von Tralee ein warmen Honigwein machen? Es wird jetzt immer kälter. Bald ist Winter!“
„Tralee ist auch hier?“
„Ja natürlich, hier ist jeder, der dich kennt und den du kennst. Also auch Cashel und ihre Schwester. Tralee, Ardee, Dundalk, Offelay, Wexford und Waterford.“
“Die Brüder sind auch hier?”
„Ja, und auch noch ein paar, die du noch nicht kennst, aber kennen solltest. Du wirst sie im Laufe der Zeit kennen lernen.“
„Gute Idee, mir ist auch ein bisschen kalt.“
Mein Großvater setzt die Kapuze wieder auf und macht den Mantel zu. Zusammen gehen wir in das größte Zelt, was hier steht. Es ist mir noch gar nicht aufgefallen. Im Inneren sieht es fast so aus, wie im Pub Fairymoon. Hier ist es voll und warm. Mit meinem Großvater versuche ich mich zum Tresen zu drängeln. Ich bemerke einen blonden Schopf, das müsste Lissys sein. Sie ist die einzige die so helle Haare hat.
„Da bist du ja! Ich wollte gerade jemanden fragen, ob er nach dir suchen kann.“
„Das ist nicht mehr nötig Lissy. Tralee? Kannst du dem Orakel und mir jeweils ein Honigwein machen?“
„Schon fertig!“
„Das geht aber flott!“
„Lissy hat vorbestellt. Sie hat erwartet, das du das bestellen wirst.“
„Danke Lissy! Und da du auch hier bist, wirst du mir jetzt erst mal erzählen, warum du nicht im Bett bist!“
„Vor ein paar Tagen, es kann auch vor ein paar Wochen gewesen sein, hat Trim mich besucht. Er hat von euch erzählt. Damals war noch alles in Butter, doch dann kam das Orakel zu mir. Ich war sehr überrascht. Es erzählte mir von deinen Problemen und von Thurles Verrat. Ich wollte euch natürlich helfen, aber mein Bein schmerzte fürchterlich und ich konnte nicht auftreten. Da schlug das Orakel vor, das ich die Kräfte der Einhörner benutze könnte. Ich stimmte zu. Es mixte mir einen Heilungstrank. Jetzt kann ich schmerzfrei umherhumpeln, kann aber nie wieder richtig gehen.“
„Ich danke dir vielmals, das du mir hilfst. Ich wäre sonst wahrscheinlich schon Tod. Und dir danke ich natürlich auch Orakel!“
Mein Großvater grinst mich an, soweit das mit vermummten Gesicht geht.
„Das war doch selbstverständlich. Du bist die Auserwählte!“
Das Zelt verstummt. Kein Laut mehr. Ich höre nicht mal mehr einen Atemzug. Sind alle gestorben?
„Du bist die Auserwählte?“
„Ja Lissy, die bin ich. Und ich sage dir, ich würde alles darum geben, wieder normal zu sein.“
„Warum hast du mir nie davon erzählt?“
„Weil ich es noch nicht allzu lange weiß. Ich habe dich doch solange nicht mehr gesehen!“
„Dann hättest du mich doch gehört, als ich dich gerufen habe.“
„Ich habe dich gehört, aber zuerst hielt ich es für einen Traum, und habe ihn schnell wieder vergessen, doch dann erfuhr ich von Thurles, das ich Hellseherische Kräfte habe.“
„Kein Wunder, wie ich erfahren habe, bist du zum Teil Wichtel und Nymphe!“
„Woher weißt du das schon wieder?“
„Wir haben deine Schwester und deinen Vater getroffen, der hat uns das Neuste erzählt. Er wollte erst mit uns kommen, aber das Orakel hat ihn zum Glück umstimmen können!“
Auf einmal stürmt ein Zwerg in das Zelt. Ich habe ihn noch nie gesehen.
„Wer bist du denn?“
„Das ist unwichtig! Ich komme von Thurles. Er will euch sagen, das er morgen, den Krieg eröffnet!“
„Hast du denn keine Angst, das wir dich nicht mehr gehen lassen?“
„Doch habe ich, aber mein Herrscher sagt immer, das Zwerge unnütz sind, und das es nicht schlimm wäre, wenn ich sterben würde!“
„Sag mal spinnst du? Denken alle Zwerge so wie du?“
„Ja klar, jeder weiß, das wir doof sind! Auch du müsstest das wissen, Freundin von der Auserwählten!“
„Das ist nicht wahr Limerick! Wir Zwerge sind nicht dumm. Wir sind nur dumm, wenn wir glauben was dieser Idiot von Thurles erzählt!“
„Callan, du Verräter! Wie konntest du uns im Stich lassen?“
„Ich hatte keine Lust mehr, mich herum schupsen zu lassen! Du kannst das auch! Du musst dich nur uns anschließen!“
„Vergiss es! Darf ich jetzt gehen? Oder wollt ihr mich wirklich festhalten?“
„Geh! Aber komm ja nicht wieder!“
„Ich denke nicht im Traum daran Auserwählte!“
Der Zwerg dreht sich mit erhobenem Kopf um und marschiert aus dem Zelt.
„Wer war das denn Callan?“
„Limerick. Wir waren mal Freunde, aber ich habe das ungute Gefühl, das sich das erledigt hat.“
„Sei nicht traurig, jetzt hast du ja uns!“
„Du hast recht Mag! Gute Nacht! Ich lege mich jetzt schlafen. Ich bin todmüde und morgen müssen wir ja wahrscheinlich kämpfen!“
„Gute Nacht Callan! Und ich würde vorschlagen, das wir auch ins Bett gehen. Morgen wartet ein langer Tag auf uns!“
Alle im Zelt, und das sind eine Menge, stimmen mir zu. Sie sagen sich gegenseitig „Gute Nacht!“ und gehen raus in ihre Zelte. Am Ende sind nur noch Großvater, Lissy und ich da.
„Bevor wir auch ins Bett gehen, muss ich noch zwei Sachen klären.“
„Schieß los Maggy, ich bin auch müde.“
Lissy gähnt mir genau ins Gesicht.
„Warum führen wir Krieg? Es stirbt doch sowieso keiner! Oder etwa doch?“
„Eigentlich nicht, aber wir können die anderen so schwer verletzten, das sie nicht mehr weiter kämpfen können. Wenn wir alle außer Gefecht setzten, können wir uns Thurles und seine Frau vornehmen!“
„Aber Lissy! Das bringt doch nichts! Nur Leid und Trauer!“
„Was schlägst du dann vor’?“
„Wir unterhalten uns mal mit den beiden. Vielleicht können wir das ganze mit Worten regeln?“
„Er will doch nur Macht! Das können wir vergessen. Das bringt nichts!“
„Wer weiß? Wir können ihm doch auch entgegen kommen und er kommt uns entgegen! Er will herrschen? Das kann er doch. Er kann doch ein paar Länder haben, und wenn er sie ordentlich führt, wird das Volk nicht auf ihm verzichten wollen, und wenn er fies wird, dann wird ihn das Volk absetzten. So kommt niemand zu Schaden!“
„Das wäre die Idee Maggy! Das sollten wir wirklich ausprobieren!“
„Okay, das wäre geklärt, was wolltest du als zweites geklärt haben?“
„Wo soll ich schlafen?“
„Lissy schaut mich mit großen Augen an.
„Da hast du viele Möglichkeiten. Du kannst bei mir, Max oder sonst wen schlafen. Überall ist noch Platz, aber ich denke du willst zu Max, oder?“
Krampfhaft versuche ich die Tränen runterzuschlucken, aber es scheitert. Weinige Sekunden später, ist mein Gesicht total nass.
„Ja, wenn es geht, würde ich gerne bei ihm schlafen!“
Lissy streichelt mir über den Rücken.
„Er wird es schaffen! Mach dir keine Sorgen!“
Ich schüttele heftig mit dem Kopf.
„Nein, das wird er nicht. Er hat zu viel Blut verloren. Er kann allerhöchstens noch drei Tage weiter leben.“
Nun stockt auch Lissy. Das scheint sie nicht erwartet zu haben. Sie schweigt und ich merke, das auch ihr die Tränen über das Gesicht laufen, auch wenn ich es nicht sehe.
„Gute Nacht!“
Mein Großvater verlässt schweigend das Zelt. Er hat die ganze Zeit eben nichts gesagt.
Auch Lissy greift nach ihrer Krücke.
„Ich glaube es ist besser, wenn wir jetzt ins Bett gehen!“
„Ist gut. Schlaf schön!“
„Ich werde es versuchen, gute Nacht!“
Wie in Trance schleiche ich zu Max. Er liegt unverändert auf seinen Lager. Er atmet nur sehr flach, aber er atmet noch, zum Glück!
„Max?“
„Hmm?“
„Wie geht es dir?“
„Nicht besser, aber auch nicht schlechter. Hast du im Buch nachgesehen?“
„Nein, aber das wäre auch nicht nötig, heute ist Vollmond.“
„Das ist schön, weißt du wie spät es ist?“
„Nein, leider nicht, aber es müsste gleich Mitternacht sein.“
Schon laufen mir die Tränen wieder über das Gesicht. Leise fange ich an zu schluchzen.“
„Weine nicht! Komm her zu mir.“
Ich höre seine Stimme kaum, nur so gerade eben. Ich beuge mich runter zu ihm. Ich lege mich neben ihn. Sein Atem wird ruhiger.
„Bitte sterbe nicht!“
„Haben wir nicht schon vorhin darüber diskutiert?“
Mehr sagt er nicht, und ich glaube es ist auch gut so. Langsam legt er seine Schnauze auf meinen Arm. Sie fühlt sich warm und weich an. Sie beruhigt mich ein wenig.
Gemeinsam warten wir auf Mitternacht. Wann ist es endlich so weit? Plötzlich fällt mir was ein.
„Willst du überhaupt, das ich sehe wie du als Mensch aussiehst?“
„Ja, und du sollst die einzige sein!“
Wir verfallen wieder in Schweigen. Sekunden scheinen Stunden zu sein und Minuten Tage. Es war eine Unausstehliche Zeit. Doch bald haben wir es geschafft.
Plötzlich regt sich neben mir, unter der Decke, etwas. Es ist so weit. Im dunkeln kann ich so gut wie nichts sehen. Doch es reicht aus. Neben mir liegt ein Junge. Er hat blonde Haare, blaue Augen und ein sommersprossiges Gesicht. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann hätte ich ihn für Lissys Bruder gehalten, soviel Ähnlichkeit hat er mit ihr.
„Mag? Ich muss dir etwas sagen. Es fällt mir leichter, das als Mensch zu sagen als, als Hund. Wir kennen uns schon seit über zwei Jahren. Und ich habe dich immer gewissermaßen bewundert, doch mir fällt auf, das es mehr ist als nur Bewunderung, ich liebe dich. Ich werde dich immer lieben, egal was passiert.“
Wir purzeln schon wieder die allgemein bekannten Tränen runter.
„Ich liebe dich auch Max. Mehr, als ich jemals für möglich hielt! Ich habe das nie wahr genommen, weil du ein Hund warst.“
Was jetzt passierte kann ich nur schwer beschreiben, aber es ist wunderschön. Max küsst mich. Mehr nicht, aber es ist ein wunderschönes Gefühl. Die Stunde die uns verbleibt ist sehr kurz. Ich verstehe das nicht. Erst kriechen die Stunden nur dahin und jetzt sind sie viel zu schnell vorbei. Max verwandelt sich zurück, zurück zu einem kranken Hund.
Auf einmal spüre ich, wie sich meine Hände blitzschnell auf Max bewegen. Sie umfassen seine Pfote. Ich spüre wie Energie durch meine Hände rast. Es ist ein merkwürdiges Gefühl.
Ich weiß nicht wie lange ich in dieser Phase verharre, aber es war eine lange Zeit. Ich sehe wie die erste Sonnenstrahlen ins Zelt fluten.
Langsam lasse ich meine Hand los. Bitte, bitte! Lass es geholfen haben!
„Mag? Bist du noch da?“
„Ja, was ist?“
„Bleib bitte bei mir!“
„Das geht nicht! Ich,… ja ich bleibe bei dir!“
Es hat nicht geholfen. Es hat nichts gebracht! Ich habe versagt und nun darf ich zuschauen, wie mein Hund und mein Freund verreckt. Ich fühle mich richtig beschissen!

„Mag! Wir brauchen dich! Du musst raus kommen! Wenn du es nicht zum Kampf kommen lassen willst, dann musst du jetzt kommen. Thurles wartet, aber nicht mehr lange.“
Max schläft, ob ich ihn für einen Moment alleine lassen kann? Bestimmt.
Ich lege, so vorsichtig ich nur kann, seine Pfote neben meine Hand. Er atmet regelmäßig, aber in schweren Zügen.
„Ich komme Lissy. Warte mal kurz.“
So leise es nur irgendwie möglich ist, verlasse ich den Raum.
„Thurles wartet im großen Zelt. Er meint, wenn du nicht endlich auftauchst, dann geht er wieder, hoffen wir, das es noch nicht zu spät ist!“
„Ja Lissy. Ich kann nicht hexen!“
„Doch kannst du, zumindest besser als ich!“
„Toller Witz. Kommst du mit, oder nicht?“
„Ich gehe so lange zu Ardee und Athlone. Vielleicht ist Carlow auch bei ihnen. Viel Glück!“
„Danke, bis nachher!“
Ich schiebe den Vorhang, der als Eingang dient, zur Seite. Thurles scheint sehr ungeduldig auf mich zu warten.
„Wo bleibst du? Ich wollte gerade gehen!“
„Schön für dich. Aber ich glaube, das sogar du, einem sterbenden Freund nicht gern alleine lässt, oder liege ich da falsch?“
„Wer stirbt denn? Deine Oma?“
„Nein, Max. Wenn du mit dem Namen nichts anfangen kannst, dann sagt dir der Name Oginos ja vielleicht etwas?“
„Was? Oginos stirbt? Wieso?“
„Er ist verletzt. Schwer. Er hat sehr, sehr viel Blut verloren. Er hat nicht mehr viel Zeit!“
„Das ist ein Scherz, oder?“
„Nein, leider nicht! Du hast Glück, du kannst mir jetzt viel abluchsen. Ich bin geschwächt und traurig, du hast jetzt eine einmalige Chance!“
„Ich werde sie aber nicht ausnutzen. Ich werde versuchen fair zu bleiben.“
„Danke. Was forderst du?“
„Ich mache jetzt Vorschläge, du musst nicht mit ihnen einverstanden sein, okay?“
„Ja, jetzt fang bitte an!“
„Ich würde gerne das Buch haben, wenn das nicht geht, wenigstens eine Kopie. Ich möchte wenigstens drei Länder zum regieren und ich möchte die Erlaubnis haben, zu machen, was ich will. Und ich will die beiden Steine!“
„Akzeptiert, aber nur, wenn du nichts machst, was dem Volk schadet. Du trägst die Verantwortung wenn etwas passiert und das Volk kann dich absetzten, wenn es dich für unfähig hält. Aber es interessiert mich doch, was du mit den Steinen willst! Du kannst sie schließlich nicht verbinden!“
„Das mag wohl sein, aber du könntest sie verbinden, und das wäre mein Ende.“
„Dann habe ich einen Vorschlag. Jeder bekommt einen Stein, und damit sie sich nicht alleine fühlen, dürfen sie sich einmal in der Woche sehen.“
„Das ist okay, aber wie wollen wir das organisieren?“
„Das besprechen wir ein anderes mal. Jetzt habe ich gerade keinen Nerv dafür. Solange darfst du beide behalten!“
„Wenn du das ernst meinst, dann weiß ich nicht, warum wir jemals Krieg führen wollten! Du bist eigentlich voll O.K.“
Thurles lächelt mich an. Wieso ist er nur so böse gewesen? Ich kapier das einfach nicht!
„Bekomme ich jetzt das Original Buch, oder nur eine Kopie?“
„Ich denke, eine Kopie wird genügen, oder?“
„Ja, welche Länder darf ich haben?“
„Ich dachte an Achill Head, Malin Head und Dingel!“
„Perfekt. Jetzt hoffe ich nur, das Killarney auch damit einverstanden ist.“
„Das wird sie nicht. Sie will die ganze Macht haben. Sie will meine Magie und alles, was sie sonst noch abstauben kann!“
„Da könntest du Recht haben. Was soll ich jetzt machen?“
„Ich hätte eine Idee, aber ich bezweifle, das sie dir gefallen wird!“
„Nun sag schon!“
„Sag ihr, das, wenn sie damit nicht einverstanden ist, ich einen Fluch aussprechen werde, gegen den sie nichts tun kann. Ich habe meine Kräfte erforscht, ich weiß jetzt wann ich sie wie einsetzten kann!“
„Na gut. Ich habe auch keine bessere Idee, ich hoffe nur, das sie mit dieser Erklärung zufrieden ist.“
„Das wird sie schon.“
„Der Brunnen gehört mir auch, oder? Ich meine, er ist auf meinem Grundstück!“
„Natürlich, nur leider habe ich das dumme Gefühl, das er ziemlich unmagisch ist, wenn ich nicht in der Nähe bin!“
„Wir werden es sehen!“
„Ist gut!“
„Dann sage ich mal auf Wiedersehen. Bis bald.“
„Tschüss, wir werden uns bestimmt irgendwann noch mal über den Weg laufen!“
Thurles stürmt aus dem Zelt. Er scheint szum Glück kaum fassen zu können.
Lissy kommt herein.
„Und wie ist es gelaufen?“
„Wir haben ein kleines Problem weniger. Thurles ist mit seinen jetzigen Rechten zufrieden und er muss jetzt nur noch seine Frau dazu bringen, das gleiche zu denken.“
„Es hat geklappt? Wir können nach Hause?“
„Ja das können wir.“
„Du hörst dich so traurig an. Ist was passiert?“
„Sag mal Lissy, bist du doof ? Max stirbt ! Weißt du was das bedeutet ? Er ist bald nicht mehr da!“
„Entschuldige Mag! Ich bin in der Tat doof. Es tut mir Leid. Ich bin ein Volltrottel! Verzeih mir noch einmal, bitte!“
Was soll ich darauf antworten? Ich weiß es nicht. Ich bin zur Zeit so hilflos! Woran liegt das nur? Wegen Max? Lissy nimmt mich in den Arm. Was passiert? Genau! Mir laufen schon wieder Tränen über das Gesicht. Woher habe ich nur so viel Tränenflüssigkeit?
„Ich gehe noch mal zu ihm!“
„Soll ich mitkommen?“
„Ich würde gerne mit ihm alleine sein!“
„Ist okay, ich gehe zu Tralee. Bis nachher!“
Schnell laufe ich zu Max, hoffentlich ist er noch nicht aufgewacht! Nein, er schläft noch immer in der gleichen Haltung wie vorhin. Jetzt regt er sich. Ob er aufwacht? Wieder Nein. Er hat sich im Schlaf nur umgedreht.
Leise lege ich mich neben ihn. Mit der Zeit werden meine Augen immer schwerer. Es dauert nicht lange und ich bin in einen traumlosen Schlaf gefallen.

Kapitel 20

„Ich wünschte ich könnten beiden helfen, aber ich weiß nicht wie. Hast du eine Idee Athlone? Oder du Ardee?“
„Nein, mir fällt nichts ein. Vielleicht weiß das Orakel was?“
„Ardee du Dummchen, er hätte doch schon längst etwas getan, wenn er etwas wüsste!“
„Bist du sicher Athlone? Vielleicht hat ihn noch niemand gefragt?…“
„Psst! Sie wacht auf!“
Ich blinzele. Die Sonne scheint mir genau ins Gesicht. Ich liege neben Max. Ein Stückchen weiter flüstern drei Mädchen miteinander. Schlaftrunkend richte ich mich auf.
„Was macht ihr denn hier?“
„Wir wollten sehen wie es euch geht! Ihr schlaft seit zwei Tagen und da haben wir und Sorgen gemacht. Wir haben Frühstück mitgebracht!“
„Was? Wir haben zwei Tage durchgeschlafen?“
„Ja, wie geht es dir?“
„Ich fühle mich, als wäre ich eben gerade in den Schlaf gefallen.“
Ich drehe mich reflexartig um, um zu sehen wie es Max geht. Er schläft seelenruhig, als ob es ihm prima ginge. Ob er ins Koma gefallen ist? Vielleicht sollte ich ihn mal wecken? Er hat bestimmt auch Hunger!
„Max? Hast du Hunger? Es gibt Frühstück!“
„Hmm?“
Irgendwie benimmt er sich anders, anders als vorher!
„Hast du Hunger? Wir haben Kakao und belegte Brötchen mitgebracht!“
„Lissy! Guten Morgen. Ja, ich habe Hunger. Kann ich ein Brötchen haben? Mit Wurst bitte!“
„Geht es dir gut?“
„Ich weiß nicht, ich fühle mich irgendwie schmerzfrei. Bin ich tot? Sind wir alle tot?“
„Nein. Bestimmt nicht. Ich lasse euch den Korb hier, wir müssen noch mal weg!“
„Tschüss!“
Weg sind sie. Was ist passiert während wir schliefen? Max geht es gut, aber wieso?
„Mag? Was hast du mit mir gemacht? Ich fühle mich so gesund!“
„Ich weiß es nicht. Ich habe dich berührt. Ich habe gebetet. Ich habe alles mögliche gemacht.“
„Hast du mich geheilt?“
„Ich weiß es nicht! Vielleicht? Geht es dir wirklich gut?“
„Ja, und Wunden und Schmerzen spüre ich gar nicht mehr.“

Es ist schwer Mensch und Hund auseinander zuhalten, aber irgendwie muss ich das schaffen, Max ist schließlich beides. Ich fühle mich komisch, wenn ich daran denke, das ich Max geküsst habe. Damals war er ein Mensch, jetzt ist er wieder ein Schäferhund.
Ach, ist mir jetzt auch egal. Wenn ich mir jetzt den Kopf darüber zerbreche was sein könnte, werde ich am Ende nur wieder enttäuscht. Jetzt zählt nur eins. Max lebt!!

Die Tage vergingen. Ich lernte die anderen Wesen, die mir auch helfen wollten, kennen, und ich half dabei mit ab zu räumen. Ich bin richtig erleichtert das kein Krieg stattfinden wird.
Craigavon ist nicht dieser Meinung. Er wäre der Anführer der Schlachten gewesen.
Er ist ein Wesen, das steht für jeden fest, aber was er ist, weiß keiner, und ich habe das Gefühl, dass er das auch nicht weiß.
Er steckt in einer Art Rüstung. Nur seine Haare, Ohren, Hände und Füße schauen heraus. Er hat mir erzählt, das er seit über zweihundert Jahren in dieser Rüstung steckt. Er kommt einfach nicht mehr heraus.

Wir sind mitten in den Abbauvorbereitungen. Danach heißt es dann: Ab nach Hause. Lissy humpelt über den Platz und will überall helfen. Keiner kann sie zur Vernunft bringen.
Was passiert wohl danach? Wir haben den Brunnen gefunden. Wir wissen wo der zweite Stein ist und wir haben keinen Konflikt mehr mit Thurles. Alles scheint in Ordnung zu sein zu sein, aber ist es das auch? Ich kann diese Frage ganz ehrlich, überhaupt nicht beantworten. Vielleicht kann das jemand anderes machen?
„Warte mal Mag! Ich muss dich mal was fragen!“
„Oh! Hallo Orakel! Was hast du auf dem Herzen?”
„Ich habe mir etwas überlegt! Hast du Lust zu reisen?“
„Natürlich, aber wohin? Wieso? Hat das einen besonderen Grund?“
„Ja. Ich habe ein Buch gefunden, hier ist es. Lese es durch, dann weißt du wohin es geht und warum wir da hin müssen. Ich muss noch mal weg, bis später!“
Weg ist er, was ich noch nicht ganz verstehe, wie die Wesen es schaffen, einfach so zu verschwinden. Er hat mir ein Buch in die Hand gedrückt. Der Titel lautet: Die Wesen Chinas/ Was sich im Himalaja verbirgt
Will mein Opa damit sagen. Das wir nach China reisen? Aber wieso? Ich muss das Buch lesen! Es interessiert mich jetzt ganz schön!
Ich will ins Zelt gehen, doch da macht mir eine bestimmte Person einen Strich durch die Rechnung. Lissy.
„Hey Maggy! Bist du mit packen fertig? Der erste Trupp geht in zwei Stunden los. Ich gehe mit. Athlone, Dundalk, Offelay, Ardee und Carlow. Kommen Max und du mit?”
„Könnt ihr eine Stunde länger warten? Dann kommen Max, Nuadu und ich gerne mit.“
„Ach, Nuadu auch?“
„Ja, oder hast du was dagegen?“
„Nein, ich war nur ein bisschen überrascht, bis später, ich sage den anderen Bescheid.“
Lissy humpelt von dannen.
Jetzt kann ich das Buch doch nicht lesen. Ich muss Max und Nuadu Bescheid geben, dass wir in drei Stunden aufbrechen. Dann gehe ich die beiden mal suchen, ach! Da ist Max schon.
„Halt! Max, ich muss dir was sagen. Wir brechen in drei Stunden auf.“
„Danke Mag, aber Lissy hat mir das gleiche vor drei Minuten gesagt.“
„Dann ist gut. Wir sehen uns. Ich muss noch mal zum Orakel und meine Sachen packen.“
„Deine Sachen sind gepackt, sie liegen auf deinem Bett!“
„Ach ja. Das habe ich schon wieder vergessen.“
„Übernimmt dich nicht. Tschüss!“
„Bis gleich!“
Nun muss ich aber los. Wo das Orakel wohl hingegangen ist? Vielleicht ist er bei Tralee?

Fehlanzeige.
„Hallo Tralee! Weißt du, wo Nuadu ist?“
„Nein, leider nicht. Aber schau mal dahinten, da sind zwei Wesen von hinten, der eine hat einen schwarzen Mantel an.“
„Stimmt. Danke schön. Kannst du mir vielleicht einen Kleesaft machen?“
„Natürlich. Kommt gleich.“
Ich gehe langsam zu den beiden Gestalten. Jetzt erkenne ich, das einer von ihnen Thurles ist. Und der andere stellt sich glich darauf als Nuadu heraus.
„Was macht ihr denn hier?“
„Hallo Mag! Thurles ist so nett, und erklärt uns, wie wir ganz schnell nach Hause kommen.“
„Das ist aber nett von dir. Aber wie soll das gehen?“
„Ihr benutzt einfach das Grab.“
„Welches Grab?“
„Ich weiß nicht von wem es ist, aber es ist hinter unserem Schloss, auf dem Friedhof.“
„Was du nicht sagst. Und wo auf dem Friedhof ist es?“
„Das will ich euch zeigen.“
„Oh, dann ist gut. Nuadu? Ich wollte dich gerade was zu diesem Thema fragen. Lissy hat mich gefragt, ob ich nicht mitkommen will. Der erste Trupp startet in zwei Stunden.“
„Danke, aber Max hat mir das eben schon gesagt.“
Sag mal, ich muss wohl gar nichts mehr machen. Es wird ja alles schon von anderen erledigt. Na schön, dann nicht. Dann kann ich jetzt immerhin lesen.
„Mag? Ruh dich noch ein bisschen aus. Ich lass mir jetzt von Thurles zeigen wo dieses Grab ist, und dann hole ich dich. Es wird nicht lange dauern, solange kannst du ja das Buch lesen.“
„Ist gut Nuadu. Ich bin im Zelt, wenn du mich suchst.“
„Bis nachher.“
Ich gehe an Tralee vorbei und nehme im Vorbeigehen den Kleesaft mit, den sie mir auf die Theke gestellt hat. Sie lächelt mich an, sagt aber nichts. Ich lächele zurück und gehe wortlos aus dem Zelt. Tief atme ich die frische Luft ein. Es ist wirklich kalt, aber egal. Langsam gehe ich zu meinem Zelt.
Nun habe ich Zeit zu lesen, oder will mich wieder jemand unterbrechen?
Wie es aus sieht nein, dann ist ja gut. Mein Lager ist sehr weich. Ich strecke mich aus. Das tut richtig gut. Ich schlage die erste Seite auf. Ich bin nicht mehr ansprechbar. Das Buch ist spannend, es fängt so an:

Sie tauchen jetzt in die Geschichte Chinas ein. Nicht nur Könige und Kaiser lebten zu dieser Zeit. Nein, auch wir, wir kleinen Wesen. Ich heiße Atherny, ich bin in Irland geboren, aber ich lebe seit hundertfünfzig Jahren in China, im Himalajagebirge. Ich habe die hier lebenden Wesen studiert. Ich bin auf interessante Ergebnisse gestoßen und auf fast vergessende Geheimnisse…

„Mag? Hörst du mich? Wir starten gleich. Kommst du?“
Maxs Gebrüll reißt mich aus meinen Gedanken. Ich bin dem Buch halb durch, so spannend ist es. Ich versuch mich aufzurappeln, scheitere aber einige Male, ehe es klappt.
„Ich komme!“
Schnell! Buch in den Rucksack, Rucksack zu, los!
„Da bist du ja!“
„Nur die Ruhe. Ich bin schließlich kein D-Zug.“
Ich kann Max kaum folgen, so schnell rennt er los. Nach einiger Zeit treffen wir auf die anderen, alle sind mit einem Rucksack beladen.
„Folgt mir. Wir sind schneller zu Hause als ihr denkt.“
„Na dann mal los!“
Das Orakel geht vorneweg. Wir, damit meine ich Lissy, Max, Athlone, Carlow, Offelay, Dundalk, Ardee, und mich, folgen ihm.
„Thurles hat mir erzählt, das man mit diesem Grab in jede Zeit, in jedes Land und in jeden Kontinent reisen kann. Und das in wenigen Sekunden. Wir reisen aber nicht nach Hause, sondern in einen anderen Kontinent.“
„Wieso? Wo willst du denn hin? Was willst du da?“
„Die gleichen Fragen hatte mir Mag gestellt, liebe Athlone, und jetzt kann sie diese Frage am besten beantworten, zumindest glaube ich das.“
„Ja Nuadu, das kann ich. Wir werden nach China reisen. Dort werde wir einen japanischen Kobold besuchen. Er hat die Wesen erforscht. Zusammen werden wir dann einen Drachen besuchen. Den Rest verrate ich nicht.“
Den Rest des Weges redet keiner mehr, alle scheinen ziemlich aufgeregt zu sein. Jeder ist in seinen eigenen Gedanken vertieft, doch nach einiger Zeit wird die Stille unterbrochen.
„Wir sind da!“
„Wo sind wir?“
„Auf einem Friedhof. Wir werden jetzt in dieses Grab da steigen. Von dort unten können wir hinreisen wo wir wollen.“
„Bist du sicher?“
„Ja natürlich, schaut nur her.“
Nuadu wirft einen kleinen Kieselstein auf das Grab. Plötzlich bewegt sich die Erde. Das Grab schwebt! Es ist unmöglich dies zu beschreiben, doch es ist Wirklichkeit, da bin ich mir sicher. Nach einer kleinen Weile ist der Spalt so groß, das eine Person in unserer Größe Mühelos hindurch passt. Offelay könnte Schwierigkeiten haben, aber keine großen. Nacheinander kriechen wir hindurch.
Im Inneren erwartet uns nichts großes, nur ein Gang mit tausend Türen.
„Auf der linken Seite müsste eine Tür sein, über der „Asien“ stehen müsste. Helft alle suchen. Zusammen finden wir die Tür am schnellsten.“
Schnell ist fast unmöglich. Hier gibt es tausend Türen, mindestens! Aber gut, irgendwo muss sie ja sein. Ich wünsche uns allen viel Spaß.

Spaß? Was habe ich da gesagt? Wir suchen seit Stunden, aber die Tür scheint unsichtbar zu sein. Wo ist sie? Ich krieg `ne Kriese!
„Wo ist diese bekloppte Tür?“
„Ich weiß es doch nicht! Thurles meinte irgendwo links.“
Na gut, dann suchen wir mal weiter, doch wo ist sie? Wo? Wo ist diese …? Moment mal! Links ? Das hier ist Rechts. Ist das noch Niemanden aufgefallen?
„Suche stopp!“
„Hast du sie Mag?“
„Nein, aber wir suchen alle auf der falschen Seite!“
„Wieso falsche Seite?“
„Sag mal Lissy. Überlege mal. Wir sollen links such, aber auf welcher Seite sind wir gerade?“
„Ähh, rechts?“
„Genau, wisst ihr jetzt was wir tun müssen?“
Mehrer Hände klatschten gegen mehrere Stirnen. Alle wussten jetzt worauf ich angespielt habe. Die Suche geht plötzlich wieder flott ans Werk, und das soll was heißen, nach drei Minuten hören wir alle einen lauten Ausruf von Max.
„Ich habe sie!“
„Wirklich? Toll.“
Alle stürmen auf Max. Ich bleibe kurz vor der Tür stehen. Wir haben sie!
Ohne ein weiteres Wort gehen wir gemeinsam hindurch. Hinter der Tür ist nur noch Licht. Licht.
Es dauert einige Zeit bis ich mich an das Licht gewöhnt habe. Ich erkenne nun schon ein paar Konturen. Da! Ist das nicht… Klick! Plötzliche Dunkelheit. Ich höre gackerhaftes Gelächter.
„Ihr glaubt doch wohl nicht ernsthaft, dass ich mich mit nur drei billigen Ländern, einem dummen Stein, und ohne dich, Mag abfinde, oder?“
„Thurles! Ich hätte es wissen müssen, wieso ist mir das nicht aufgefallen?“
Es hätte mir wirklich auffallen müssen!
„Wo sind wir?? Bestimmt nicht in China!“
Offelay ist eindeutig verwirrt.
„Natürlich seid ihr nicht in China. Ich habe vorher die Schilder vertauscht. Ihr seid hier in einem ganz normalen Raum. Und ab jetzt seid ihr in meiner Gewalt! Ich werde euch in den Kerker werfen. Jetzt ist Krieg, und ihr seid meine Kriegsgefangenen!! Hahahaha!!“
Sein Lachen ist kalt und unnatürlich.
Plötzlich werden wir von kräftigen Armen gepackt.
„Abführen! Jetzt habe ich Mag, die Auserwählte, Athlone, ihre Tochter, Carlow, ihren Sohn, Nuadu, das Orakel und Oginos, den Anführer aller Wesen in Irland. Mehr kann Killarney nun wirklich nicht wollen.“
„Oh doch, das kann ich! Was ist mit diesem Craigavon? Der Truppenanführer der Feinde? Wenn wir den nicht bei Seite schaffen, dann haben wir keine Chance den Krieg zu gewinnen! Seine Armee ist unbesiegbar. Und was ist mit Trim? Diesen komischen Sumpfgeist? Der hat den beste Orientierungssinn, den man finden kann. Der findet jeden Weg, wenn er etwas finden will. Und Tralee, diese…“
„Hallo Schatz! Was machst du denn hier? Ich dachte du wolltest oben in den Gemächern warten?“
Killarney hat uns allen einen ganz schönen Schrecken eingejagt!
Die Trolle, in den unterschiedlichsten Größen, führen uns ab.
Wir werden zurück ins Schloss gebracht, und in den Kerker geworfen. Jetzt sind wir verloren! Wie sollen wir die anderen warnen? Wenn sie überraschend angegriffen werde, haben wir schon automatisch verloren. Aber was wollen sie mit uns machen? Was bringt es ihnen uns gefangen zu halten?
Nuadu beugt sich zu mir rüber.
„Sie können uns vertrocknen lassen! Vielleicht nicht Max, Lissy, dich und mich, aber die anderen. Und wenn sie unsere Kameraden besiegen, dann werden sie die auch zu Kriegsgefangenen machen, und ebenfalls vertrocknen lassen.“
„Sag mal, kannst du Gedanken lesen? Du hast eben alle meine Fragen beantwortet!“
„Natürlich kann ich Gedanken lesen! Das ist mein Beruf! Aber deine Gedanken hätte jeder lesen können, sie waren dir geradezu ins Gesicht geschrieben.“
Mein Großvater lächelt mich an.
„Aber was machen wir jetzt?“
„Ich denke mal abwarten, Thurles wird schon einen Plan haben.“
Und was machen wir, wenn er die Anderen wirklich vertrocknen lassen will?“
„Dann müssen wir beten. Vielleicht hilft uns ja der wahrhaftige Nuadu!!“
Daran zweifele ich ein bisschen, ich habe das dumme Gefühl, dass uns der wahrhaftige Nuadu auf die Probe stellt. Und ich glaube auch, dass Großvater Bescheid weiß, aber nichts sagen darf.

Die Nacht war ziemlich lang. Keiner hat geredet und keiner konnte einschlafen. Der eine Troll, der an unserer Zelltür steht, meinte, dass Thurles morgenfrüh bekannt gebe was er tun würde.
Jetzt ist es so weit, Thurles müsste bald kommen.
Da ich in der Nacht nicht schlafen konnte, habe ich mich mit grübeln beschäftigt. Ich glaube ich habe mich in keiner Nacht so angestrengt eine Idee zu bekommen. Mir ist aufgefallen, dass bis jetzt alles so gelaufen ist, wie Thurles es wollte. Den Plan, den wir ganz am Anfang hatten hat er uns durchkreuzt, indem er so tat, als wäre er der Retter aller. Er hat uns reingelegt, was das Friedensangebot angeht. Was würde er als nächstes tun? Ich glaube, wir müssen unsere Denkart verändern.
Ich bin jetzt fix und foxi. Jetzt könnte ich schlafen. Jetzt ist es zu spät.

Kapitel 21

Ah, da kommt ja auch unser Meister persönlich.
„Guten Morgen! Habt ihr alle gut geschlafen?? Ich werde euch jetzt erst mal erzählen, was mit euch passiert. Also: Mag du wirst in drei Tagen mit Killarney verschmolzen. Ein Tag vorher wirst du mich heiraten.“
„Aber warum gerade in drei Tagen? Es wäre für euch doch viel einfacher, wenn du das heute alles erledigst!“
„Vielleicht Mag, aber wir haben auch unsere Rieten, und eine davon ist, dass man nur bei Neu -, oder Vollmond heiratet. Heute und morgen werden wir uns damit beschäftigen dir ein Hochzeitskleid herzurichten und alles andere vorzubereiten.“
„Aber…“
„Du wirst alles noch früh genug erfahren. Jetzt kommen wir erst mal zu euch anderen. Orakel! Du wirst uns wohl immer dienen müssen. Wir können jetzt, da wo wir dich haben, dich nicht wieder gehen lassen. Dafür sind deine Kräfte zu wertvoll.
Ihr beide, Athlone und Carlow, ihr werdet auf Befehl eurer Mutter sterben müssen. Ihr werdet ab sofort kein Midrulat mehr bekommen. In spätestens zwei Tagen seid ihr dann ja wohl hin.
Das gleiche wird mit dir, dir und dir auch passieren“, er zeigte auf Dundalk, Ardee und Offelay, „Max, du wirst auf Mags Hochzeit geopfert und du Lissy, bei dir müssen wir noch überlegen, was wir mit dir machen. Wir sind uns nicht sicher, ob wir dich laufen lassen sollen, mit Vergesslichkeitstrank natürlich, oder ob wir dich auch töten sollen. Killarney hatte auch die Idee, dass wir dich zu einer Angestellten machen. Du kannst dich also überraschen lassen!“
„Thurles, du meintest doch in dem einem Brief, dass ich einen Hochzeitswunsch habe, oder!“
„Ja, aber der Wunsch ist beschränkt, du kannst dir nicht alles wünschen! Also, deine Freunde werden hingerichtet, so oder so.“
„Danke für die Information, ich werde mir einen Wunsch überlegen. Ich kann mir ungefähr vorstellen was ihr mir nicht erfüllt!“
„Gut, dann wäre das ja erst mal geklärt. Ich hole dich in zwei Stunden ab, solange kannst du dich von deinen Freunden verabschieden!“
Er geht. So ein Idiot! Was soll ich jetzt machen? Er hat sich voll abgesichert!
„Und nu? Was wollen wir jetzt machen? Jeder hat sein Schicksal. Was sollen wir machen?“
„Ach Lissy! Ich weiß es nicht. Ich werde jetzt schlafen, dann kann ich versuchen mit Tralee zu reden!“
„Du spinnst! Tralee ist da draußen, du bist hier drinnen, außerdem, wie willst du das im Schlaf machen?“
„Telepathie! Thurles hat mir erzählt, das ich die Fähigkeit habe, mich telepatisch mit jemanden zu verbinden.“
„Ah ja, und du glaubst das klappt?“
„Lass sie es doch versuchen Lissy, wir müssen jeden Versuch wahr nehmen, der uns helfen kann! Außerdem kann uns jedem ein bisschen Schlaft gut tun, das reinigt den Kopf!“
Max wendet sich wieder ab.
Nach und nach legen sich alle hin. Hoffentlich kann ich einschlafen! Ja ich kann!

„Tralee? Tralee, wo bist du? Ich muss dir was wichtiges sagen!“
„Maggy! Ich bin hier. Aber warum bist du nicht in China, sondern in meinem Traum?“
„Das ist kein Traum, das ist eine Nachricht von mir! Wir sind nicht in China, das war eine Falle, von Thurles. Wir sind alle im Kerker. Du muss alle warnen! Thurles wird euch alle angreifen. Wach auf und sag es den anderen, schnell!“
Die Verbindung wird abgebrochen.

„Und? Hat es geklappt?“
Ich liege auf dem Boden, um mich herum acht Gestalten, darunter ein Hund.
„Was ist passiert? Warum liege ich hier?“
„Du wolltest doch mit Tralee Verbindung aufnehmen! Plötzlich hast du im Schlaf geredet, mit Tralee. Am Ende hast du geschrieen und die kompliziertesten Verrenkungen gemacht.“
Dundalk schüttelt immer noch den Kopf vor Ungläubigkeit.
„Echt? Tut mir Leid, wenn ich euch erschreckt habe. Mir geht es gut. Ist Thurles schon da? Der ist schon lange wieder weg, er meinte, wir sollen dir Bescheid sagen, das er dich zu Abendessen abholt. Wenn du dann noch schläfst sollen wir dich wecken. In einer Stunde ist es so weit.“
Wie bitte? Will Großvater mich auf dem Arm nehmen?
„Was? Ich habe so lange geschlafen? Wie ist das möglich? Ich… ich verstehe einfach nicht die Zeit hier.“
Wie zufällig, schaue ich auf meine Armbanduhr. Ich hätte jetzt erwartet das sie Stillsteht oder gar nicht mehr existiert, aber nein. Der Sekundenzeiger bewegt sie ordentlich Sekunde für Sekunde fort.
„Hää? Warum geht meine Uhr jetzt auf einmal? Ich dachte, die geht hier nicht! Kann mich mal jemand aufklären?“
Großvaters Gesicht ist starr wie eine Maske. Er zeigt keinerlei Gefühle. Er guckt weder bösartig, noch gutmütig.
„Deine Uhr hat sich umgestellt. Sie hat sich jetzt an das Zeitgefühl hier gewöhnt. Du erinnerst dich doch, als wir über Zeit gesprochen haben, oder?“
„Ja!?“
„Dann müsstest du doch wissen wie das läuft!“
„Ja, aber warum hat sie so komische Zeitintervalle. Das finde ich mehr als komisch! Das ist hier noch schlimmer, als in unserer Welt!“
„Das ist nun mal so, weil diese Welt hier magisch ist. Sie hat viel mehr Einflüsse auf die Menschen. Es ist also kein Wunder, dass du hier die Zeit viel stärker empfindest.
Wenn du auf etwas wartest, dann dauert für dich Jahre, und wenn du etwas so weit wie möglich wegschieben willst, dann ist es in einer Minute so weit. Liege ich damit richtig?“
„Ja!“
„So ist es in der Menschenwelt auch, aber nicht so extrem.“
Okay, jetzt habe ich es verstanden.
Au! Was ist das denn? Ich sitze auf einem Klumpen. Ist es Erde oder Stein? Ach ja! Jetzt weiß ich es. Ich habe es ganz vergessen den Wesen zu geben. Wie lange hab ich die jetzt in der Tasche? Wochen? Oder Monate?! Am besten hebe ich mir die auf, bis es notwendig ist sie zu benutzen.
„Sagt mal, wie lange könnt ihr eigentlich ohne Midrulat auskommen?“
Ich glaube es ist lange her, als mich das letzte mal acht Personen so angeguckt haben. Als ob ich total verblödet wäre. Was kann ich dafür das ich noch nicht alles über die Wesen weiß?
Ich habe schon fast gedacht, dass mir keiner mehr antwortet, als Carlow anstand machte die Frage zu beantworten.
„Kommt drauf an. Es gibt einige, die halten nur ein oder zwei Tage aus, andere schaffen es über fünf Tage. Mein Vater hat mir mal erzählt, das sein Onkel Kriegsgefangener war. Über zwei Wochen. Er hat keinen Tag Midrulat bekommen. Aber er hat es geschafft lebendig wieder rauszukommen. Doch leider ist er nicht genügend versorgt worden und ist dann im Bett gestorben.
Bei uns im Schloss hängt irgendwo eine Medalie, zu Ehren meines Großonkels.“

Thurles hatte den anderen gesagt ich soll zu Abendessen bereit sein mit ihm zu gehen. Er meinte es gibt um 19:00 Uhr Essen. Wir haben es jetzt 19:30 Uhr. Wo bleibt er? Kann er nicht mal eine winzige, unbedeutende Abmachung einhalten?
Endlich quietscht die Zelltür und Thurles kommt ihn Begleitung seiner Frau reinstolziert.
„Bist du fertig Mag? Du wirst jetzt mit Killarney gehen. Sie wird dir ein Raum zeigen, in dem du dir zwei Kleider auswählen wirst, welche du einmal heute zum Speisen tragen wirst und zum anderem Mal übermorgen auf deiner Hochzeit.“
Killarney ist eine starke Frau, ich merke es gerade. Sie hat einen ziemlich festen Griff. Jetzt schleift sie mich gerade aus dem Kerker. Und mit schleifen, meine ich schleifen. Sie zieht mich Buchstäblich über den Boden.
„Schatz! Sei nicht so grob mit ihr! Was kann sie dafür, das du nicht die Auserwählte bist? Fasse sie ein bisschen sachter an!“
Killarney bleibt stehen. Und wirklich, sie ist ab sofort sanfter mit mir. Sie hat ihren Griff gelockert und sie lässt mich jetzt normal gehen. Kann es sein, dass es erst hieße, das sie die Auserwählte sein und dann aber rauskam, das ich es bin? Wenn ja, dann ist es kein Wunder, das sie so ein Groll auf mich hat. Vielleicht sollte ich sie darauf mal ansprechen? Natürlich muss ich es unauffällig anfangen!
„So, da sind wir. Geh rein und such dir deine Kleider aus! Ich warte hier draußen.“
„Kannst du nicht mit rein kommen? Ich weiß bestimmt nicht welches ich anziehen soll, ich kann so was ganz schlecht abschätzen!“
Killarney scheint ein bisschen froh zu sein, dass ich sie gefragt habe, sie lächelt mich sogar an.
„Wenn du willst. Komm mit, ich habe schon welche zur Seite gelegt, gleich hier drüben, die dir bestimmt gut stehen würden!“
Sie stellt mich vor einem Haufen von Kleidern. Schon auf den ersten Blick sehe ich, das sie nichts für mich sind. Sie sind voller Rüschen, Spitzen und anderem unnützem Zeug. Aber ich will nicht unhöflich erscheinen, also…
„Doch nicht die, was glaubst du wer ich bin! Die hat Thurles rausgesucht, er ist so ein Schwachkopf was Kleidung angeht, aber man kann nicht alles haben! Nein, ich meine die hier drüben!!“
Sie kommt auf mich zu, fünf Kleiderbügel in der Hand. Und die Kleider sind wirklich hübsch.
Das erste ist aus einer Art Leder, ich kann aber nicht sagen, ob es wirklich Leder ist. Es ist zumindest blau und hat ein eng geschnittenes Mieder, Träger und einen weiten Rock. Das nächste ist rot. Es ist mit Blümchen bestickt. Es sind aber nicht zu viele, so kann man es nicht als kitschig benennen. Dieses Kleid hat Trompetenärmel und einen weiten, aber kurzen Rock. Das dritte Kleid ist beige. Es ist zwar hübsch, aber nichts für mich. Es ist sehr eng geschnitten und sehr kurz. Das vierte ist kreppartig. Dieser Knitterstoff den man nicht bügeln muss. Auch diese Kleid hat Trompetenärmel und einen weiten Rock, nur das dieses Kleid bis kurz über den Boden geht. Es ist moosgrün und hat einen breiten Ledergürtel, der die Taille, wenn man eine hat, betont. Das letzte ist schlicht schwarz und aus Seide. Es liegt eng an und geht gerade runter. Die Ärmel gehen bis zum Ellenbogen.
„Die Kleider gefallen mir!“
„So? Dachte ich es mir doch! Du hast den gleichen Geschmack wie ich. Welches willst du denn?“
„Am besten probiere ich alle einmal an und du sagst dann welches mir am besten steht.“
„So können wir das natürlich auch machen.“

Die Uhr zeigt schon 20:45 Uhr an. Jetzt hatte ich alle fünf Kleider zweimal an und wir sind noch genauso weit wie am Anfang, na gut etwas weiter. Wir konnten immerhin schon zwei Kleider ausschließen. Doch nun müssen wir uns noch für ein drittes entscheiden, das den Ring verlassen muss.
Das Schwarze und das Beige liegen zusammengefaltet auf dem Haufen mit den Rüschenkleidern.
„Ich glaube, wir nehmen noch das Rote raus. Mir ist aufgefallen, das der Rock zu kurz ist. Damit hätten wir zwei Kleider. Jetzt müssen wir uns nur noch für das Hochzeitskleid und das Bankettkleid entscheiden, was schlägst du vor? Wir müssen uns beeilen in fünfzehn Minuten gibt es Essen.“
„Ich dachte, Abendbrot gibt es um 19:00 Uhr!? Oder haben mir meine Freunde was falsches erzählt?“
„Nein, aber wer sagt, dass wir zum Abendbrot gehen? Wir essen heute zum Mitternachtsmahl. Das geht von 21:00 – 24:00 Uhr. Wir müssen uns also beeilen!“
„Okay, wir nehmen, das grüne für heute, und das blaue zur Hochzeit.“
„Machen wir das. Hier sind die dazu gehörigen Schuhe.“
Sie drückt mir ein paar blaue, schlichte Sandalen in die Hand und ein paar grüne, passend zum Kleid, offene Sandaletten mit leichtem Absatz.
Schnell ziehe ich mich um. Killarney sieht mir dabei zu, als währe sie eine Stolze Mutter. In der letzten Stunde ist viel passiert. Sie hat mir von ihrem Mann erzählt, den der gestorben ist, und das sie ihn immer noch liebt, aber sie brauchte einen König, und da war Thurles nun mal der Beste gewesen. Sie erzählte mir von Thurles` Ideen die Welt zu beherrschen. Und ihr gefielen die Ideen. Auch wenn sie einige nur belächelte. Ich erzählte ihr von meiner Angst vor dem verschmelzen und davor das ich alle meine Freunde verlieren würde. Sie reagierte sogar bestürzt und erzählte mir, dass sie das verstehe, aber nichts ändern könne. Ich glaube ihr das irgendwie nicht, aber ich glaube, dass es ganz gut war ihr so ein bisschen näher zu kommen. Jetzt hasst sie mich wenigstens nicht mehr so extrem wie vorher.

„Wie hast du herausgefunden, das du die Auserwählte bist? Woher weiß du es?“
„Trim hatte einige Hinweise gefunden, sie passten alle auf mich. Leider. Ich wünschte ich wäre nicht die Auserwählte, dann würde ich nicht meine Existenz verlieren, meine Freunde würden am Leben bleiben und mich würden alle in Ruhe lassen!“
„Aber es ist doch toll die Auserwählte zu sein! Du bist zur Zeit die wichtigste Person in Irland, wieso willst du das gegen etwas anderes tauschen?“
„Für dich ist es vielleicht toll, du wirst auch nicht mit mir verschmolzen, sondern andersrum. Wie läuft das eigentlich? Wie können wir verschmolzen werden?“
„Wir werden durch dem Spiegel der Fantasie verschmolzen. Ich werde als erstes hineingehen, fünf Minuten später wirst du mir folgen. Während wir da drinnen sind, wird Thurles ein Ritual vollziehen!“
„Habt ihr das schon mal probiert? Nur mal so als Frage. Was ist wenn es nicht klappt?“
„Es wird klappen! Thurles sagte, er habe es schon mehrmals ausprobiert und es habe immer geklappt.“
„Hat er gesagt. Ich würde ja mal nachprüfen, ob es wirklich so ist. Vielleicht hat er es nur gesagt, weil er dich nicht beunruhigen wollte?“
„Wie kannst du es wagen, so was von meinem Mann zu behaupten!“
„Ich wage es! Interessiert dich nicht, was von deinem eigenem Ich zurückbleibt? Nehmen wir zum Beispiel das Essen. Was isst du am liebsten?“
„Erdbeeren!“
„Siehst du! Ich mag Käse am liebsten. Doch was passiert, wenn wir zusammen geschmolzen wurden? Was ist dann dein Lieblingsessen? Käse mit Erdbeeren vermixt? Oder gar was ganz anderes? Schließlich hast du dann ein Teil von mir in dir. Was ist, wenn sich dein Aussehen verändert? Willst du meine hübsche Narbe abbekommen? Und was ist, wenn wir verschmolzen sind, aber meine Begabungen verschwinden? Ich will Thurles ja nicht beleidigen, aber du solltest dich wirklich erkundigen!“

Wir sind jetzt in einem Teil des Schlosses, den ich noch nicht kenne. Der Gang ist dunkel. Als ob es hier keine Fenster gäbe, aber es gibt welche. Sie sind sogar überdurchschnittlich groß. Aber es ist schon Nacht und außerdem ist der Gang in nachtblau gestrichen. Die Türen sind dafür gelb. Neongelb, um genau zu sein. Wer auch immer hier dekoriert hat. Der hat nicht nur einen interessanten Geschmack, sondern bestimmt auch einen interessanten Charakter. Hoffentlich hat hier nicht Thurles dekoriert, sonst müsste ich überlegen, ob ich nicht auch ein Stück schwarze Seele hätte, schließlich ist Thurles` Charakter nicht interessant, sondern boshaft.
„Wir sind gleich da, nur noch da vorne abbiegen, und dann die zweite Tür rechts.“
Eine Minute später sind wir da, mal sehen was kommt.

Wir sind jetzt schon beim siebten und letzten Gang. Das war das meiste Essen was ich je gegessen habe. Sieben Gänge! Das muss man sich mal vorstellen! Beim Essen wurde wenig geredet. Thurles meinte das bekäme einem nicht. Wir wollen das Unterhalten auf nach dem Essen verschieben.
Als erstes gab es eine Suppe. Danach Salat. Dann gab es Rindfleischsteak mit Soße. Als viertes wurde Spargel mit Kartoffeln serviert. Dann Gemüse mit Reis. Der erste Nachtisch war in Honig gebackene Banane und jetzt gibt es Vanilleeis mit Erdbeeren. Killarney ist schon bei ihrer zweiten Portion Erdbeeren. Wenn wir uns vorher nicht über Essen unterhalten hätten, dann hätte ich sie für verrückt erklärt, aber jetzt weiß ich ja, dass ihre Lieblingsspeise Erdbeeren sind.
Käse gab es nur vereinzelnd im Salat, leider. Killarney hat mir dann noch ihre Käsestücke gegeben, denn sie verabscheut Käse.
Gleich ist Thurles fertig, dann werde ich endlich erfahren, wie viel von mir in Killarney bleibt, oder ob ich fast ganz verschwinde.
„Schatz!?“
„Ja mein Engel? Was möchtest du? Noch mehr Erdbeeren?“
„Nein danke mir ist schon ganz schlecht! Aber kannst du mir vielleicht etwas über den Spiegel der Fantasie was erzählen? Was passiert eigentlich genau, wenn wir beide da rein gehen?“
„Ihr werdet verschmolzen! Ich dachte das wüsstest du!“
„So viel wusste ich auch schon, aber was passiert mit meiner Persönlichkeit. Schließlich kann ich nicht als „ich“ wieder rauskommen. Ein Teil von Mag steckt dann in mir!“
„Das ist mir schon klar, aber was genau passiert kann niemand genau voraussehen, denn es ist immer anders, man kann es höchstens mit einem Ritual beeinflussen, aber auch nur leicht!“
„Was!!? Du willst mir weiß machen, dass du keine Ahnung hast? Was, wenn ich nur noch halb ich bin? Was ist wenn ich total verändert bin, wenn ich da rauskomme? Was ist, wenn ich nicht mehr die Frau bin, die du liebst?“
„Tja,…“
„Dann blasen wir das ab. Das ist mir zu unsicher, nachher sind Mags Zauberkräfte ganz verschwunden, ne, da mach ich nicht. Lass sie einsperren und dann benutzen wenn wir sie brauchen.“
„Das ist natürlich auch eine Idee, aber es ist wirklich viel besser wenn,…“
„Hör auf! Es ist schließlich mein Körper, der da verhunzt werden soll. Vergiss es.“
„Na gut, dann muss ich euch beide zur Frau nehmen. Die Auserwählte wird dann eben zur obersten Konkubine und sie wird nur benutzt, wenn wir sie brauchen.“
Wie bitte? Ich werde wohl gar nicht gefragt. Oberste Konkubine? Ansonsten im Kerker? Ohne Freunde?
„Vergesst es! Da mache ich nicht mit. Erst wollt ihr mich meiner Freunde berauben, dann soll ich dieses Scheusal heiraten und obendrein sonst im Kerker hocken? Für wen haltest ihr mich, für ein Stück Holz, das man behandeln kann, wie man will?“
„Wie willst du dich denn weigern? Du bist in unserer Hand!“
„Ich mache einfach nicht das, was ihr von mir verlangt. Basta.“
„Schön, dann müssen wir dich, wenn du dich weigerst, eben foltern. So einfach ist das!“
„Das ist ein genialer Plan Killarney! Dann haben wir endlich wieder etwas Aktion im Schloss. Es ist so lange her als hier das letzte Mal jemand geschrieen hat. Vielleicht 400 Jahre?“
„Oh du bist ja so blutrünstig! Oh ja, dass gefällt mir!“
Thurles und Killarney sitzen da und reiben sich die Hände. Sie scheinen meine Zukunft bereit vollkommen zu planen. Und ich kann nichts dagegen tun! Was soll ich nur machen. Den einzigen Freund den ich habe und der nicht sterben wird ist Großvater. Aber sehen werde ich ihn wohl auch nicht oft. Alle andern werden sterben! Oh je.
„Kann ich jetzt runter zu meinen Freunden? Ich will wenigstens noch ein bisschen mit ihnen zusammen sein.“
Killarney und Thurles sehen sich an. Ihre Blicke verraten, dass ich mich zumindest in Killarney sehr geirrt habe, sie ist noch gemeiner als ich dachte.
„Ja, aber nicht länger als eine Stunde, dann müssen wir anfangen die Hochzeit vorzubereiten und da musst du bei sein, sonst bringt es Unglück!“
„Wie bitte? Nur eine Stunde? Das ist nicht dein ernst Killarney!“
„Doch ist es! Und wenn du dich nicht beeilst, sind es nur noch dreißig Minuten.“
Sie steht auf und packt mich bei der Hand. Jetzt wieder so brutal wie vorhin. Wie kann sich eine Frau in drei Stunden so verändern?

„Da bist du ja! Komm schnell! Ardee geht es schlecht, sie ist jetzt schon seit 15 Stunden ohne Midrulat. Elfen sind sehr empfindlich!“
Lissy! Lissy… weint. Ich habe sie noch nie weinen sehen. Zum Glück habe ich noch Murmeln!
„Nein!!!!!“
„Was ist los?“
„Ich fasse es nicht! Wie doof muss ein Mensch sein? Ich hatte vorhin Murmeln in meiner Hose gefunden, und ich Trottel, Vollidiot habe sie in diesem bescheuertem Zimmer vergessen. Ich verfluche mich!“
Ich bin so doof. Ich hätte den Tod von meinen Freunden hinauszögern können, jetzt ist es zu spät, die erste wird gleich sterben.
„Mag?“ Max guckt mich mit verdrehtem Kopf an.
„Mach dich jetzt nicht fertig. Früher oder später wäre das sowieso passiert.“
Vielleicht, aber ich hätte es schaffen können, bis dahin euren Tod hinauszuzögern, vielleicht so lange, bis Craigavon hier angetanzt wäre.
„Mag!?“ Ardees Stimme hört sich sehr schwach an.
„Mag, kannst du mir einen Gefallen tun? Komm mal bitte her.“
Langsam gehe ich zu ihr. Sie liegt auf dem Boden, unter ihrem Kopf hat sie Dundalks Mantel als Kopfstütze.
„Komm bitte näher!“
Ich gehe ganz nah an ihren Mund, um auch ja jedes Wort zu verstehen. Sie redet so leise, das ich sehr aufmerksam zuhören muss, die anderen gucken mich nur ratlos an.
„Bitte, bitte, wenn ihr hier je wieder raus kommt, versucht mich nicht wieder zu beleben, so wie bei Carlow. Begrabt mich und belasst es darauf.“
Sie drückt mir ein Säckchen in die Hand.
„Hier ist ein Schlüssel zu meinen Wertsachen zu Hause. Gib ihn bitte Lissy, wenn die Zeit dazu da ist.“
Ihre kalte Hand fällt auf den Boden. Lissy bricht zusammen.

Kapitel 22

„Komm, komm!! Wir haben nur noch vierundzwanzig Stunden Zeit, dann muss alles fertig sein, also beeile dich!“
„Was müsst ihr denn alles noch vorbereiten?“
„Nichts was mit dem Fest direkt zu tun hat, aber du musst dich noch der Heiligen Waschung unterziehen und zwölf Stunden fasten. Und wir sollten dir vielleicht unsere Sitten nahe legen. Unsere Hochzeiten laufen nämlich ganz anders ab, als eure.“
„Killarney hat mich pünktlich eine Stunde später wieder abgeholt. Ardees Tod hat sie nicht im Mindestens berührt. Sie hat nur verächtlich geguckt und dann mit dem Fuß einmal drüber gewischt. Selbst wenn Ardee wieder belebt werden wollte, jetzt hätte es sowie so nicht mehr geklappt. Ihr Staub ist jetzt über den ganzen Kerkerboden gefegt worden. Lissy war aufgesprungen und ist der Königin an den Hals gesprungen und ihre Tochter hat sie angespuckt. Das wäre wohl in einer Katastrophe geendet, wenn die Wachen bzw. die Trolle nicht gekommen wären um Killarney zu retten. Jetzt sind meine Freunde nicht nur im Kerker, sondern werden auch noch ausgepeitscht. Jeder von ihnen hat jetzt ein paar Striemen auf dem Rücken. Killarney hat höhnisch gelacht und mich mitgeschleift und nun bin ich in diesem Zimmer.
Ich denke so hätte mal das Badezimmer von Ludwig dem XIV, dem Sonnenkönig aussehen können. So viel Prunkt habe ich noch nie gesehen. Der Raum ist riesig, bestimmt so groß wie unsere Bibliothek. Hier sind sechs Becken, drei riesige Schränke und mehrere Duschen und Wasserhähne. Alle ist in Silber und Blau gehalten. Die Wasserhähne sind mit Saphiren besetzt und die Schranktürknaufe – was für ein kompliziertes Wort! – sind aus Diamanten. Die drei Schränke sind mit Kräutern, Schaumbädern, Seifen, Cremen und Lotionen vollgestopft.
„Du gehst dich jetzt in diesem Zimmer umziehen“, sie zeigt mit der Hand auf eine Tür, die ich noch gar nicht bemerkt habe, „und kommst dann wieder raus. Während du dich da umziehst, werde ich dein Bad fertig machen. Zieh dir einen Bademantel an, wenn du raus kommst!“
„Mach ich Killarney. Darf ich meine Freunde nachdem Bad noch einmal besuchen? Bitte!“
„Ich weiß noch nicht. Ich werde es entscheiden, wenn es so weit ist!“
Es macht ihr Spaß mir so weh zu tun. Wer weiß wie lange ich meine Freunde noch habe? Höchstens zwei Tage und das ist noch aufgerundet.
Das Zimmer in das mich Killarney geschickt hat ist klein, winzig, wenn man es mit dem Badezimmer vergleicht. Es ist blaugrün, die Wände sind mit Meeresungeheuern bemalt. Schnell ziehe ich mich aus. Ein Schrank ist auch im Zimmer. In ihm sind mindestens ein duzend Bademäntel. In allen möglichen Farben. Blau, grün, türkis, rot, lila, rosa, gelb, orange, schwarz, braun, beige und weiß. Welchen nehme ich nur? Wenigstens muss ich mir diese Frage gönnen können! Eigentlich sind ja blau und grün meine Lieblingsfarben, aber sie sind in diesem Fall eher hässlich, also nehmen wir schwarz!
Ich stecke meine Hände in die Taschen, und gehe hinaus. Plötzlich merke ich, das in der einen Tasche etwas ist. Ein Zettel und ein Beutel.
Auf dem Zettel steht folgendes:

Liebe Mag,
ich hoffe du nimmst diesen Mantel, sonst sind deine Freunde auf ewig verloren! In dem Säckchen sind deine Murmeln, ich habe sie im Zimmer 47 gefunden. Verliere sie nicht noch mal! Ich werde euch helfen hier rauszukommen, aber du musst Geduld haben.
Ich werde kommen!
Ein Freund

Yeah! Wir sind doch nicht verloren! So, schnell, Säckchen unters Kleid legen und hoffen, das es niemand findet.
„Mag? Wo bleibst du? Ich schwöre dir, wenn du versuchst die Hochzeit aufzuschieben, dann werde ich dich persönlich in die Folterkammer bringen und dir persönlich heißes Öl über die nackte Haut gießen!“
Ups!
„Ich komme, ich komme!“

Ich bin jetzt schon beim dritten Bad. Insgesamt muss ich aber sechs Bäder hinter mir bringen. Ich bin also erst bei der Hälfte!
Das erste Bad war eiskalt. Killarney sagte, es reinigt die Seele von bösen Gedanken. Die Farbe des Wassers war blau, dunkelblau und es roch nach Lavendel. Das zweite Bad war genau das gegen Teil von dem ersten. Das Wasser war kochend heiß. Gerade so, dass man noch keine Brandwunden erlitt, aber es war geradezu unerträglich. Dieses Wasser war rot, wie Blut, aber wirklich, und es roch nach Rosen. Es sollte mich von bösen Taten reinigen.
Das jetzige Bad ist auszuhalten. Es ist nicht zu heiß und nicht zu kalt. Es grün und duftet nach Rosmarin. Zum Glück nicht so extreme stark wie die anderen beiden Gerüche, die waren fast nicht auszuhalten, ich war eine Zeitlang richtig benebelt. Das hier soll mich seelisch von allen bösen Menschen lösen. Was soll der Quatsch? Jeder weiß, das für mich Killarney und Thurles die bösen Menschen sind und nicht meine Freunde. Aber vielleicht haben die Düfte auch was damit zu tun? Ich weiß es nicht, wir werden sehen. In ein an halb Stunden, um genau zu sein.
Killarney hat mir ein bisschen von dem Ritual erzählt. Wer immer auch dieses Ritual vollzieht, der muss in jedem der Bäder dreißig Minuten bleiben. Wer das nicht tut, erzielt genau das Gegenteil von dem was er will. Also würde ich nicht gereinigt werden, sondern meine Ideen und Gedanken in die Tat umsetzten. Die letzte Waschung, die ich durchnehmen werde, wird unter Hypnose stattfinden.
„So Mag, die nächste Waschung wartet! Da drüben, die Wanne am Fenster. Geh schon mal rüber, ich muss schon das nächste Bad vorbereiten“
Erst habe ich überlegt, ob ich mich weigern soll, aber ich glaube, ich sollte Killarney nicht unnötig reizen.

Dieses Bad ist komisch. Irgendwie besteht es gar nicht aus Wasser, sondern aus kleinen Blasen, zumindest fühlt es sich so an. Sehen kann ich nichts. Ich bemerke, dass es nach Salbei riecht. Killarney sagte vorhin, dass dieses Wasser gelb sein wird, ich denke mal, ich glaube ihr einfach, das ist das beste!

Endlich bin ich fertig!
Das letzte Bad war das Schlimmste, es bestand nur aus Schaum. Es war schwarz und roch sehr intensiv nach Tannen. Während der dreißig Minuten, die ich in dieser Wanne saß, hat mich Killarney in Trance versetzt. Was sie genau gemacht hat weiß ich nicht. Aber ich fühle mich genauso wie vor dieser bescheuerten Waschung. An meinen Abschaum gegen Thurles und Killarney hat sich nichts geändert.
Das Bad davor war ganz witzig. Es hat gekribbelt, so, als ob Tausende von Brausetabletten im Wasser wären, es roch nach Thymian und das Wasser war lila.
Nun bin ich fertig und sitze in einem Zimmer, wo mir gerade die Haare gemacht werden. Ich habe wieder das grüne Kleid an. Die Königin hat mir gesagt das ich aber wechsele, sobald ich meine Freunde besucht habe. Das heißt soviel wie,… wie das ich noch mal meine Freunde besuchen. Zum Glück hat niemand die Murmeln gefunden! Ich trage sie unter dem Rock, den Beutel ans Knie gebunden. Er behindert mich ein bisschen beim Gehen, aber man sieht ihn nicht. Das Mädchen, eher gesagt das Wesen, ist eine Elfe, das hat mir Killarney gesagt, hat mir die Haare ein bisschen abgetrennt und rund abgeschnitten. Es sind mindestens 15cm abgekommen. Ich kann jetzt nicht mal mehr einen vernünftigen Zopf machen, weil die vorderen Strähnen zu kurz sind. Aber was soll´s? Es wird mich sowieso kein vernünftiger Mensch mehr zu Gesicht bekommen. Also, wozu brauch ich dann eine vernünftige Frisur? Die Elfe die mir die Haare macht ist nicht sehr gesprächig, bis jetzt hat sie mir nur eine Frage gestellt. Aber auch die war nicht unbedingt bemerkenswert. Sie wollte nur wissen, ob das Haarekämmen ziept.
Gleich ist sie fertig, sie muss nur noch eine Blume in mein Haar knoten, wie sie das auch immer schaffen will, Killarney besteht darauf, und dann ist sie fertig.
So, jetzt ab zu Lissy, Max, Nuadu, Offelay, Dundalk, Athlone und Carlow.
„Mag! Du wolltest doch zu deinen Freunden, oder? Wenn du ein bisschen länger dableiben willst, dann muss du dich beeilen, in zwei Stunden muss du dort wieder weg. Du brauchst nämlich mindestens vier Stunden um das Buch zu lesen, was ich dir geben will. Die Hochzeit fängt nämlich in sieben Stunden an., also beeile dich und komm her.“
Ich glaube so schnell bin ich noch nie geflitzt.
Fünf Minuten später sind wir schon da, doch ich hab meinen Anflug von Freude gleich wieder Begraben müssen. Ich denke es steht schon fest wieso, oder? Klar. Am Anfang waren wir neun. Nach Ardees Tod nur noch acht und jetzt sind wir nur noch sieben, denn Dundalk ist nicht mehr da, und auch sieben sind wir nicht mehr lange. Athlone liegt jetzt auf dem Boden, so wie Ardee vor nicht als zu langer Zeit. Killarney hat nicht mehr als ein hämisches Grinsen dafür übrig, und als sie draußen im Gang verschwunden ist, höre ich ein schallendes Lachen.
„Athlone! Lebt sie noch?“
„Noch. Aber nicht mehr lange, es ist nur noch sehr wenig Leben in ihr“, ist die knappe und trostlose Antwort von ihrem Bruder.
Schnell stürze ich zu ihr hin.
„Hier nimm das. Es ist Midrulat!“
Ich drücke ihr eine Murmel in die Hand, sofort schmilzt sie, als ob sie erhitzt wird und läuft, durch Athlones Haut, in Athlone rein.
„Wo hast du das denn her?“
„Leise! Sonst hören dich die Trolle! Ich habe es von einem Freund. Jemand will uns helfen!“
„Ein Freund? Wer?“
Ich gebe Carlow die Murmeln und den Brief.
„Nimm du sie in Verwahrung und gebe jedem eine, der es nötig hat. Ich hoffe die reichen aus, bis wir hier raus kommen.“
Alle schauen auf einmal Hoffnungsvoller drein und einige lächeln sogar.
„Aber Ardee und Dundalk haben wir trotzdem verloren! Die können wir nicht mehr retten!“
Offelay wirkt ziemlich traurig, ich hatte bemerkt, dass er Ardee ein wenig näher kam und mit Dundalk verstand er sich schon damals, als wir noch in Cork waren, von Anfang an gut. Wie lange mag das wohl schon her sein? Eine Ewigkeit, wenn ich das bemerken darf. Und wie oft haben wir geschlafen? Kaum.
„Ja leider. Aber wir werden sie nie vergessen.“
Mein Besuch stellt sich als nicht gerade erfreulich heraus, aber immerhin habe ich Athlones Leben gerettet und den Tod der anderen ein wenig hinaus gezögert. Jetzt muss sich nur noch die Hilfe beeilen, die uns versprochen wurde.
Die zwei Stunden sind leider viel zu schnell um. Jetzt habe ich meine Freunde vorerst das letzte mal gesehen.
„Danke Mag! Ich werde dir das nie vergessen, das du mir das Leben gerettet hast.“
Wenig später ist Killarney schon da. Sie hat ein Flammenrotes Kleid an und ein Buch unter dem Arm.
„Komm Mag, du muss jetzt dieses Buch lesen und zwar ganz, sonst verstehst du unsere Sitten nicht. Wenn du dann fertig bist, müssen wir dich noch herrichten. Kommst du jetzt bitte mit, ich will die ein Zimmer zeigen, wo du in Ruhe lesen kannst.“
Plötzlich mischt sich Carlow ein:„Mutter! Kann sie nicht hier bleiben? Wir können ihr die Regeln auch näher bringen, auch ohne das sie dieses Buch lesen muss! Wenn du es nicht erlaubst, dann sage mir warum! Du bist uns in spätestens zwei Tagen los, dann muss du dich sowieso nie mehr mit uns rumschlagen, weil wir dann nicht mehr sind.“
Killarney zögert erst ein bisschen, aber dann ist sie plötzlich wieder sie selbst.
„Na gut. Schaden tut ihr das ja nicht, und mir auch nicht. Außerdem kann sie dann noch fragen stellen. Aber lasst nichts aus und vergesst nicht, das die Eheschließung in Königlichen Häusern ein bisschen anders ablaufen, wie zum Beispiel in Aufgabe sechs!! Wenn ihr irgendetwas vergesst ihr zu erzählen, dann werdet ihr allesamt gefoltert, bis der Tod euch erreicht hat!!“
Mit lauten Lachen verschwindet sie um die Ecke.

„Ja Mag. Eins kann ich dir jetzt schon im voraus erzählen, dass dir das alles nicht gefallen wird!! Ich werde dir mit Athlone zusammen die erste Hälfte der Zeremonie erklären. Max wird dir die beiden letzten Aufgaben nahe bringen, weil sie sehr persönlich sind und er dich am längsten kennt, und weiß wir er es anpacken muss. Athlone, fang du bitte an.“
Carlow verstummt. Vielleicht überlegt er gerade, wie er seinen Teil am Besten in Worte fassen kann?“
„Also gut. Aber Mag, wenn du zwischendurch vom Entsetzten gepackt wirst, dann sag mir Bescheid, dann machen wir erst eine Pause. Gut dann fang ich mal an. Am Besten erzählen wir das ganze anhand eines Beispiels. Nennen wir unseren Bräutigam Bandon und unsere Braut Kilmona. Als erstes müssen beide eine heilige Waschung über sich ergehen lassen. Die können sie gemeinsam oder getrennt durchführen. In den meisten fällen ziehen sie das gemeinsam durch, schließlich heiratet man im Normalfall auch aus Liebe und nicht, wie in diesem Fall aus Machtgier. Nach der Waschung werden die Haare geschnitten, von beiden mindestens 100g. Diese beiden „Aufgaben“ hast du ja bereits hinter dir. Dann kleiden sich Kilmona und Bandon an. Jeder bekommt einen Lederbeutel um den Hals, in dem etwas sehr Persönliches vom anderen drin ist. Das kann alles mögliche sein, wie zum Beispiel ein Foto, ein Fingernagel oder ein Haar.“
Das klingt ja schon mal eklig. Was wohl als nächstes kommt und was mir wohl Max erzählt?
Diesmal übernimmt Carlow das Wort.
„Ja, und dann geht es zur Zeremonie über. Wenn Bandon und Kilmona sich wirklich lieben, werden sie sich besonders schön gemacht haben. Kilmona wird wahrscheinlich einen Blumenkran tragen und Bandon einen Goldring. Dann werden die beiden zu einem Kessel schreiten und eine ganz besondere Suppe kochen. Die wird dazu da sein, das die beiden Fruchtbar, lange gesund und fit bleiben werden und das die Liebe lange währt. Denn ein Wesen wie wir darf nur einmal heiraten. Wenn sein Partner stirbt darf es sich nie wieder mit einem Wesen einlassen. Scheidung gibt es bei uns gar nicht und Mehrehe erst recht nicht. Es gäbe nur eine Möglichkeit doch mehrmals zu heiraten und zwar, wenn man zu den Crelonas gehört. Das ist eine besondere Religionsform aus Wales, die erlaubt öfter als nur einmal zu heiraten. Aber von ihr halten wir nichts, nicht war Athlone? Aber unsere Mutter hat sich ihr angeschlossen.“
„Ja stimmt, kurz nachdem Vati gestorben ist. Wir dachten erst, dass sie nur ein bisschen Abwechslung braucht, aber dann hat sie sich so extrem verändert. Wir hätten viel eher was unternehmen müssen. Jetzt ist es viel zu spät.“
So ist Killarney also so böse geworden, mich würde ja mal interessieren weshalb genau!! Doch jetzt muss ich erst mal erfahren wie es weiter geht.
„Naja, kommen wir zur Suppe zurück. Sie wird aus ganz bestimmten Zutaten gekocht. Sie ist fertig, wenn die Letzte Aufgabe erledigt ist, dann wird sie getrunken und der Bund der Ehe ist geschlossen. Die Zutaten sind unter anderem jeweils eure 100g Haare, Adaramilch, geröstete Bantrys, Gewürze und einiges mehr, dass ganze Rezept steht in diesem Buch.“
„Danke Athlone, aber das ganze Rezept will ich gar nicht kennen.“
Das ist wohl das widerlichste, was ich je gehört habe!!
„Muss du aber, wir sollen dir schließlich alles Nahe bringen, was in diesem Buch steht, sonst reißt sie uns den Kopf ab!!“
„Na gut, dann gib das Buch mal her.“
In diesem Buch steht folgendes:

1600ml Wasser
100g Haar der Braut
100g Haar des Bräutigams
75g geröstete Bantrys
100ml Adaramilch
100g Muttererde
200g Waldblumen

50g Sonnenblumenkerne
45g Sesam
30g Mohn
5g Ingwer
1 Prise Salz
1 Prise Zucker
1 Prise Pfeffer

„Mir wird schlecht! Das soll ich alles in einer Suppe trinken? Ihr seid ja nicht mehr ganz bei Trost!!“
„Du musst! Sonst gilt die Ehe als nicht vollkommen und sie wird zerrütten!!“
„Danke Athlone, für diesen Hinweis, aber genau das will ich doch! Meinst du allen Ernstes, dass ich mich freiwillig mit diesem Ekel verheiraten lasse? Würdest du? Ich mag Thurles nicht, ganz zu schweigen von lieben!! Ich würde jeden heiraten, der jetzt unter uns hier versammelt ist, wenn auch nicht unbedingt aus Liebe, aber ich mag euch alle gern. Aber ich hasse Thurles, dem werde ich das nicht zu liebe tun!! Erst recht nicht, wenn das heißt, das ich nie wieder heiraten darf! Wer bin ich denn?“
Auf einmal herrscht beängstigende Stille. Sogar das Atmen ist kaum zu hören.
Dann fragt mein Großvater mich: „Willst du dich wirklich gegen die Macht stellen? Du wirst zu Tode gefoltert, wenn du dich weigerst!“
„Das tun sie bestimmt nicht. Die brauchen mich. Ohne mich erlangen sie nie die Macht, die sie haben wollen. Ja, sie werden mich foltern, aber sie werden aufhören, wenn ich meine Meinung trotzdem nicht ändere. Außerdem haben wir zwei Hilfen, die uns zu Verfügung stehen. Einmal die Truppen, die draußen auf einen passenden Moment des Angriffes warten und zum zweiten die unsichtbare Person, die mir einen Brief und das Midrulat zugesteckt hat, also brauchen wir die Hoffnung nicht aufgeben!!“
Athlone scheint immer noch nicht wirklich überzeugt zu sein, denn sie schüttelt nur den Kopf und sagt: „Mag! Begreif doch endlich!! Unsere Truppen haben versagt, sonst hätten sie doch schon längst angegriffen, oder deine Telepathische Nachricht ist bei Tralee nicht angekommen! Und dein unsichtbarer Freund ist alleine, der kann nicht viel ausrichten. Gib es auf und höre zu, wie die Aufgaben weiter gehen!“
„Na gut Athlone, aber nur, wenn ihr mich unterstützt, wenn mir ein guter Plan einfällt!“
„Wenn dir einer einfällt unterstützen wir dich, aber wenn dir keiner einfällt, dann heiratest du Thurles, damit wenigstens du nicht zu Schaden kommst!“
„Ja Carlow, mach ich und jetzt raus mit der Sprache, was muss ich noch tun?“
„Schlimme Dinge Mag! Nachdem nämlich alle Dinge im Kessel sind, wird gesungen. Und zwar singt der Bräutigam als erstes ein Lied, dass, wie er meint, am besten zu seiner Braut passt. Danach singt die Braut ein Lied, dass, wie sie meint, am besten zu ihm passt. Wenn das erledigt ist, dann singt das Brautpaar und alle Gäste zusammen ein traditionelles Eheschließungslied. Wenn das erledigt ist, ist der einfache und einigermaßen normale Teil der Hochzeit hinter euch, doch dann… Max jetzt darfst du dein Bestes geben! Ich wünsche dir viel Glück.“
Carlow flieht geradezu ängstlich in eine Ecke, gefolgt von seiner Schwester.
„Sag mal, hab ich euch was getan, oder warum lauft ihr vor mir weg?“
Ein bisschen beschämt, gibt Athlone mir die Antwort: „Nein, natürlich nicht, aber Max – tschuldigung! – Oginos hat uns erzählt, dass du sehr sauer und aggressiv werden kannst und wir wollten nicht deine Wut zu spüren bekommen!“
„Wenn ich sauer bin, dann lasse ich meine Wut an denen aus, die daran Schuld sind. Wenn ich also sauer oder erbost über eine dieser bescheuerten Aufgaben bin, dann könnt ja ihr nichts dafür!“
Einsehend, dass ich es gut meine, kommen die beiden aus ihrer Ecke gekrochen und setzten sich zu den anderen. Max kommt zu mir und zieht mich in eine Ecke, gegenüberliegend von der, wo eben Carlow und Athlone gesteckt haben, und zieht mich zu ihm runter, damit ich ihn, auch wenn er flüstert, leichter verstehe.
„Also Mag, jetzt kommt der unangenehme Teil des Ganzen und ich hoffe, du bleibst wenigstens ein bisschen ruhig.
Als nächstes kommt der Schwur, der vor einem Altar geleistet wird Aber er ist mit einer besonderen Geste verkörpert. Und zwar musst du, und natürlich auch Thurles, etwas auf ein Altar legen, was dir deine Ehre bedeutet, du musst es aber am Körper tragen. Nur leider ist das Problem, dass bei königlichen Hochzeiten, immer die Kleidung die Ehre ist. Das heißt soviel wie, dass du deine gesamte Kleidung, die du dann gerade anhast, auf den Altar legen darfst.“
Ich glaube so entsetzt war ich lange nicht mehr, oder noch nie??
„Was? Ich soll mich vor gesammelter Mannschaft ausziehen, nur damit ich einen Schwur leisten darf, denn ich gar nicht leisten will? Ich bin doch nicht… ich bin doch nicht…“
Plums. Schon liege ich am Boden, das Gesicht mit Tränen übersäht.
„Womit habe ich das nur verdient?“
Athlone steht auf und setzt sich neben mich auf den Boden.
„Tut mir leid Mag. Du hast das wirklich nicht verdient. Was du alles für uns getan hast ist bemerkenswert. Du hast es wirklich nicht verdient, aber leider kann man es nicht ändern.“
„Danke Athlone, wie lautet die letzte Aufgabe Max?“
Alle sind versummt. So, als ob sie wirklich nicht erwartet hätten, dass ich so gefasst bin. Aber ich bin auch nicht gefasst. Ich werde Thurles nicht heiraten. Wenn ich jemanden unter diesen Umständen heirate soll, ist das allenfalls Max, aber ich werde nicht Thurles heiraten. Nicht um alles in der Welt!!
„Die letzte Aufgabe ist es in einer Kutsche, vor der sechs Einhörner gespannt sind, drei weiße und drei schwarze, einmal die Grenzen des Landes zu umfahren. Das heißt so viel wie, drei bis vier Stunden mit Thurles in einer Kutsche zu hocken und die Aussicht zu genießen.“
„Bin ich in der Kutsche bekleidet oder unbekleidet?“
„Deine Kleidung wird mit der von Thurles zusammen, während des Schwures verbrannt. Mag, es tut mir leid…“
„Lass mal Max, du kannst es ja doch nicht ändern.“
Leider.
Langsam schleicht sich Max an mein Ohr. Das kitzelt ganz schön und ich bin kurz davor loszulachen, nur, das wäre mehr als unnormal, das wäre krank. Also reiße ich mich am Riemen und lausche was Max mir flüstern will.
„Weißt du noch, die Nacht, in der ich schwer verletzt auf den Tod gewartet habe? In der Nacht in der du mich geheilt hast? Ich werde diese Nacht niemals mehr vergessen!“
Natürlich erinnere ich mich an diese Nacht, sie war die schönste in meinem Leben und ich werde sie nie vergessen. Leider bin ich zu geschockt um irgendetwas zu sagen, die ganze Geschichte setzt mich ganz schön unter Druck. Deshalb lächele ich nur und nicke.
Weitere 60 Minuten verbringe ich bei meinen Freunden, aber schweigend, dann kommt Killarney.
„Mag? Zack, zack!! In 20 Minuten fängt die Zeremonie an und ich muss dich noch fertig machen und dir den Beutel geben, ach ja und dir etwas entnehmen, was in Thurles Beutel kommt. Deine Freunde werden mit Mallow gehen. Sie dürfen sich frisch machen und mit auf die Hochzeit gehen, was sagst du?“
Gar nichts sage ich, denn es ist jetzt total unpassend, das die anderen mitgehen dürfen, weil dann erleben sie ja mit, das ich mich nicht trauen, sondern lieber foltern lasse! Aber was soll´s? Ich kann es ja sowieso nicht ändern!!
„Komm mit, wir müssen uns jetzt beeilen, sonst kommen wir unter Zeitdruck. Was willst du geben, um den Beutel zu füllen?“
„Hier!“
Ich gebe ihr eine abgekaute Fingernagelspitze.
„Äää! Bist du sicher, das du das geben willst?“
„Ja!“
„Na gut, und was willst du singen?“
„Welches ist den sein Lieblingslied?“
„Dirty Old Town!“
„Gut, dann singe ich das.“
Es hat zwar wenig mit ihm selbst zu tun, aber das ist mir egal. Ich werde diese Hochzeit mitmachen, bis es heißt, das der Schwur jetzt geleistet werden soll.
„Haben dir meine Kinder alles über die Rituale erzählt?“
„Ja, danke. Ich weiß bestens bescheid.“
„Gut. Dann komm mit.“
Sie packt mich bei der Hand und zieht mich in ein Zimmer. Das Zimmer besteht nur aus einem Stuhl, einem Schrank, einem Fenster und einer Tür, die in einen Garten führt, den ich noch gar nicht kenne.
Killarney hängt mir einen Beutel um den Hals und geht zur Tür.
„Wenn du die Trommeln hörst, gehst du durch diese Tür da,“ und sie zeigt auf die Tür, von der ich eben gesprochen habe, „ach übrigens, Tralee und euer Truppenführer, wie heißt er gleich? Ach, ist ja auch egal, zumindest sind die beiden jetzt in unseren Händen. Auch sie kommen zur Hochzeit. Du wirst sie also gleich sehen!“
Und schon ist sie zur Tür raus.

Kapitel 23

Bumbumbumbum Bumbumbumbum…
Die Trommeln! Jetzt ist die Zeit gekommen! Jetzt muss ich zeigen, dass ich halte, was ich verspreche, zumindest was ich mir verspreche. Ich werde die Zeremonie unterbrechen. Ich werde zwar gefoltert werden, aber das ist egal. Ich werde schon nicht sterben. Oder doch? Nein! Ich gehe jetzt raus.

Thurles hat einen feinen Anzug an. Er sieht aus, als ob er aus Seide ist, ich könnte es aber nur ganz genau bestimmen, wenn ich ihn anfassen würde, und das werde ich garantiert nicht tun.
Max, falls wir uns nicht mehr sehen sollte, ich liebe dich! Das darfst du nicht vergessen.
Die Nacht ist klar und die Sterne sind hell, aber ich sehe keinen Mond. Ach ja, wir haben ja auch Neumond. Moment mal! Bei Neumond verwandelt sich Max doch in einen Menschen. Für zwei Stunden. Oder?
„Wir haben uns heute zusammen getroffen, weil wir die Hochzeit von zwei Freunden feiern wollen. Thurles und Mag. Reicht euch die Hände und folgt dem Pfad des Kessels…“
– Mein Gott hört sich das bescheuert an!! –
„Nehmt euch eine Schale und werft die Zutaten in den Kessel.“
Zehn Minuten später sind wir damit schon mal fertig. Zum Glück werde ich das Zeug nicht probieren.
Diese Suppe schmeckt bestimmt zum Kotzen, oder? Na, ich werde es nie erfahren, oder werden Killarney und Thurles eine Möglichkeit finden, mich doch zum Heiraten zu zwingen?

Jetzt sind wir auch schon mit dem singen fertig. Thurles scheint sich gefreut zu haben, das ich sein Lieblingslied gesungen habe, wenn auch falsch. Ich kann nun mal nicht den Ton halten.
Er hat ein altes traditionelles Lied gesungen, dass ich nicht kannte. Und soweit ich das gehört habe, hat er es in gälisch gesungen. Ich habe also kein Wort verstanden, aber das ist egal.
Soeben hat der Zeremonieführer, ich nenne ihn jetzt einfach mal so, gesagt, das der Schwur jetzt stattfinden wird und ich weiß immer noch nicht genau, wie ich es anpacken soll
„Legt jetzt eure Ehre auf den Altar!“
Thurles reißt sich gerade zu die Kleider vom Leib. Soll ich ihn erst bloß stellen und dann meine Verkündung machen, oder lieber nicht? Ach, was soll´s? Ich mach es jetzt!
„Liebe Gäste! Ich werde euch jetzt etwas trauriges mitteilen müssen. Meine Freunde sind alle kurz vorm sterben. Zwei habe ich jetzt schon verloren. Ich kann jetzt nicht heiraten. Nimmt mir das bitte nicht übel! Aber ich stelle es euch frei, hier bis zum nächsten Vollmond übernachten zu dürfen, um dann das Ereignis nachzuholen.“

Ich sitze gerade in einer Kammer. An die Wand gekettet, wartend auf den Folterknecht. Thurles hat mir gesagt, dass er mich bis zum Termin der Hochzeit gefoltert hätte, wenn ich das nicht so würdevoll abgekündigt hätte. Aber besser bin ich jetzt auch nicht dran. Wenn ich mich unschicklich geweigert hätte Thurles zu heiraten, und so Thurles und Killarney in Verlegenheit gebracht hätte, würde man mich jetzt zwei Wochen durch foltern. Da ich aber so würdevoll erschienen bin, hat Thurles es auf eine Woche reduziert. Aber schrecklich wird es trotzdem werden, denn er hat angeordnet, das jeden Tag ein anderer Folterknecht kommen soll und das sie sich niemals absprechen werden. Thurles will damit erreichen, das jeder Folterknecht seine gemeinsten Instrumente benutzt und mich keiner schont.
Aber immerhin einen Lichtblick gibt es. Sie haben mir erlaubt, dass Max gleich zu mir kommen darf. Ich darf dann eine Stunde mit ihm zusammen sein, und zwar dann, wenn er ein Mensch ist, aber das weiß bis jetzt ja noch keiner.
Die Tür knarrt gewaltig, als zwei Trolle hereinkommen und Max hinein bringen. Sie schließen meine Ketten auf und gehen, ohne ein weiteres Wort, hinaus.
Max sieht nicht gut aus. Er hat drei gewaltige Kratzen einmal durchs Gesicht. Seine Kleidung ist zerrissen und an einigen Stellen mit Blut getränkt. Sein Gesicht ist schmutzig und sein Haar ist total zerzaust. Er sieht müde aus, so wie ein 80 Jähriger alter Mann.
„Was haben sie mit dir gemacht?“
„Das, was sie mit dir noch machen werden! Ich soll dir eine Nachricht von Killarney bringen. Wenn du noch einmal die Hochzeit störst, dann wird sie mich drei Wochen durchgehen foltern. Wenn du die Hochzeit aber durchziehst, dann bleiben unsere Freunde am Leben, und du darfst sie dann zweimal die Woche sehen.“
„Max! Die Frau ist verrückt, aber sie hat meine Schwachstelle gefunden. Ich will dieses Scheusal nicht heiraten, erst recht nicht unter diesen Bedingungen, aber noch weniger will ich, das sie dich Foltern. Was würdest du an meiner Stelle tun?“
„Abwarten und hoffen. Ich habe vorhin einen Zettel bei meinen Sachen gefunden. Mit der gleichen Schrift, die schon auf deinem Zettel war. Auf ihm stand, das uns jemand helfen will, und zwar noch bevor der Vollmond kommt. Es hieß außerdem noch, das du durchhalten musst, weil die Hilfe erst in sieben Tagen kommen kann.“
Mehr als mit dem Kopf nicken kann ich nicht. Max sieht total fertig aus, so, als ob er seit Wochen nicht mehr geschlafen hat. Zum Glück steht hier eine Bank, so kann er sich wenigstens setzten.
„Mag, wenn die Hilfe es nicht schafft uns zu helfen, dann wirst du die Hochzeit wieder unterbrechen, und immer wieder, solange bis uns jemand zu Hilfe gekommen ist, okay?“
„Ich kann nicht. Wenn ich nächstes mal wieder etwas falsch mache, dann werdet ihr wirklich sterben und du wirst drei Wochen lang gefoltert, ich will das nicht. Wenn ich besser nachgedacht hätte, hätte ich jetzt schon das gemacht, was Thurles und Killarney von mir wollten. Max, ich bin stark, aber irgendwann verlässt ein die Kraft. Unsere Freunde und dich wird sie sowieso töten. Sie wird ihr Versprechen nicht einhalten, also, wozu der ganze Aufwand, wenn es sowieso nichts bringt?“
„Seid wann bist du so pessimistisch? Das bist jawohl nicht wirklich du, oder? Wir werden es schaffen, Nuadu hat es mir versprochen.“
„Nuadu ist doch ein Gott! Warum kann er uns nicht helfen?“
„Der Nuadu, der bei uns ist, ist nur eine Verkörperung des Großen Nuadus. Nur der einzigartige und Wahrhaftige könnte uns helfen, wenn er wollte. Das Orakel ist nur sein Sprecher, nicht sein Ausführer.“
„Die Verkörperung von Nuadu die, die bei uns ist, ist mein Großvater. Er ist gestorben, vor ein paar Jahren. Zumindest in der Menschenwelt, aber hier kann er weiterleben. Er hat mir gesagt, das er mir immer helfen wird, wann er kann. Aber in so einer Lage kann uns keiner helfen, oder?“
„Doch jemand kann uns helfen, du wirst sehen.“
Was will er mir damit sagen? Will er mich nur aufmuntern, oder weiß er etwas, was ich nicht weiß?
„Ich habe eine Möglichkeit gefunden, wie ich vom Fluch befreit werden könnte. Aber es zu schaffen ist fast unmöglich. Ich müsste in den großen Audiendsaal um das zu schaffen.“
„Was willst du im Audiendsaal? Dort sind doch nur die drei Spiegel.“
„Genau, und mit dem Spiegel der Fantasie schaff ich es auch wieder, ich zu sein.“
„Wie willst du das denn schaffen?“
„Ich muss einfach hinein gehen und mir wünschen, das der Fluch besiegt ist und ich ein Mensch bin.“
„Und du glaubst das klappt? Woher willst du wissen, das du nicht noch was anderes machen musst?“
„Ich weiß es schon seit über einem Jahr. Ich hatte in der Bücherei von Cashel ein Manuskript gefunden, in dem alle Spiegel beschrieben waren und was man mit ihnen machen kann. Leider wusste ich bis jetzt nicht wo der Spiegel ist.“
Ab jetzt herrschte Stille, bis zu dem Punkt, als die Trolle wieder kamen um Max wieder abzuholen.
„Ich liebe dich Max!!“
Ob er es hörte steht nicht fest, ich habe ziemlich leise gesprochen.
Ab jetzt geht das foltern los und ich werde es durchhalten. Ich werde stark sein. Ich werde nicht jammern. Das steht schon mal fest!!

Der siebte und letzte Tag ist gekommen. Dann bin ich endlich mit dem Zeug fertig. Heute werde ich das letzte mal die hässliche Visage eines neuen Folterknechts zu Gesicht bekommen. Meine letzten Tage sahen ungefähr so aus: Frühstücken (Brot und Wasser), Gefoltert werden, Abendbrot essen (ein Apfel, Brot und Wasser), vier Stunden Schlaf. Wie viele Stunden ich am Stück gefoltert wurde will ich mir gar nicht ausrechnen.
„Guten Morgen!“
Mein karges Frühstück habe ich soeben beendet.
„Was machst du heute mit mir? Unterwasser tauchen, heißes Öl, Daumenschrauben, Peitschen und fast zu Tode kitzeln hatte ich alles schon. Hast du vielleicht was neues, oder muss ich das alles noch mal über mich ergehen lassen?“
„Nein, ich habe was ganz neues für dich, und zwar die Freiheit!“
Langsam drehe ich mich um. Vor mir steht ein kleiner Mann, irgendwie kommt er mir bekannt vor.
„Larne? Was machst du hier?“
„Dich befreien! Und nach dir kommen deine Freunde. Ich bin für den Wäschewagen verantwortlich, damit kann ich euch hinaus schmuggeln. Wenn ich euch alle unter die Decken verstecke kann ich ungefähr neun Leute mitnehmen, ohne das Verdacht geschöpft wird. Ihr müsst euch aber beeilen, sonst entdeckt uns noch der richtige Folterknecht. Er müsste eigentlich noch schlafen, aber auf diese Medikamente kann man sich nie verlassen. Wir sollten uns also beeilen.“
„Fahren wir zufällig an dem großen Audiendsaal vorbei?“
„Ja.“
„Könnten wir dann noch einen Spiegel mitnehmen?“
„Wenn er nicht zu groß ist, dann können wir ihn auf den Boden legen, ja.“
„Das ist gut, jetzt müssen wir uns aber beeilen! Komm.“
„Wie viele deiner Freunde willst du insgesamt retten?“
„Na alle. Wir sind ja zusammen auch nur neun. Sechs sind in Zelle sieben, dass weiß ich. Aber wo die anderen beiden sind, das weiß ich nicht.“
„Wir werden sie schon finden. Wir müssen nur irgendwie die Wachen ablenken.“
„Ach ja, die gibt es ja auch noch! Hast du eine Idee, was man da machen kann, Larne?“
„Nicht wirklich, aber uns fällt bestimmt was ein. Sonst müssen wir eben deinen Freund, diesen Riesen, mit einbeziehen. Der war schließlich auch stark genug, um die Eisenstangen auseinander zu ziehen, als ihr das erstemal geflohen seid.“
„Darüber weißt du also auch schon Bescheid?“
„Natürlich! Ich weiß sogar noch mehr über dieses Schloss und was in ihm passiert, als Thurles und die Königin zusammen. Ich lebe hier seid über dreihundert Jahren. Ich kenne bestimmt jeden Geheimgang, den es nur gibt. Nur einen nicht und der führt nach Dingel, aber das ist egal. Zumindest kenne ich zwanzig davon als einziger. Wenn das mit dem Wäschewagen also nicht klappen sollte, dann können wir immer noch einen Geheimgang nehmen.“
„Toll! Aber sage mir, warum lebst du schon so lange hier?“
Während wir uns leise und hastig unterhalten, schleichen wir den Gang entlang. Es dauert bestimmt nicht mehr lange, und wir sind bei den Kellergewölben angelangt. Solange wir noch nicht da sind, erzählt mir Larne gerade seine Lebensgeschichte.
Er ist hier geboren, und hat noch nie einen anderen Ort gesehen, außer diesen. Seine Mutter war die Hausherrin dieses Hauses. Ihr Mann war oberster Offizier und Hausherr. – Er war also so was wie der Erbe dieses Grundstückes – Aber vor hundertfünfzig Jahren, ist Mulrany mit seinem Bruder gekommen. Schon damals war Thurles ein Verräter. Solange schon. Wenn Max und die anderen das erfahren, dann fallen sie vom Glauben ab.
Na ja, zumindest sind seine Eltern eingesperrt und vergessen worden. Nett ausgedrückt heißt das, sie sind gestorben und Larne selbst ist seit dem in der Küche der Kartoffelschäler. So eine Gemeinheit, dabei hätte ihm das Schloss gehört!!
Er hat mir erzählt, dass er sich ganz viele Pläne ausgedacht hat, wie er denn Thurles hätte stürzen können, aber leider fehlten ihm jedes Mal zu viele Männer.

Kapitel 24

Puhh. Das war knapp! Beinahe hätte uns der Troll geschnappt. Wir sind soeben hinter einen Vorhang geschlüpft, hinter dem, laut Larne, ein Geheimgang sein muss. Wir sind eine ziemlich große Gruppe. Und wie allgemein bekannt ist, ist es schwerer zu fliehen, wenn die Anzahl der Flüchtlingen dementsprechend groß ist. Wir hatten glücklicherweise Zeit sparen können, weil Killarney, unbedachter Weise, Tralee und Craigavon zu den anderen in die Zelle gebracht hat. Den Trollwächter habe ich eine Zeitlang abgelenkt, indem ich ein Gespenst gespielt habe. Ich hätte echt nicht gedacht, dass das klappt, aber es klappte, sogar mit Erfolg. Larne hatte währenddessen mit einem geklauten Schlüssel die anderen befreit.
Jetzt sind wir gerade durch eine Tür gehuscht und wandern gerade durch einen Tunnel. Hier ist es echt dunkel. Man kann hier kaum die Hand vor Augen sehen.
„Wir sind gleich da! Nur noch ein paar Meter. So, da sind wir, hier trennen sich unsere Wege. Ich werde jetzt zurück gehen und sagen, dass ich euch nicht schnappen konnte. Lebet wohl!“
Athlone, ganz entsetzt, fragt nervös: „Kommst du denn nicht mit uns? Willst du wirklich zurück. Das ist doch kein Leben, was du da führen wirst!“
„Doch liebe Athlone. Ich lebe dort schon seid 300 Jahren. Dies hier ist meine Heimat und wird es auch immer bleiben.“
„Ich danke dir sehr, dass du uns geholfen hast. Ohne dich hätten wir es nie geschafft. Wir werden Thurles besiegen und dir wird das Schloss wieder gehören! Das verspreche ich dir!“
Mein Vorsatz gilt, aber ob ich ihn einhalten kann, das ist eine andere Sache.

Noch nie habe ich so einen Jubel gehört. Alle die nicht Gefangene waren jubeln jetzt was das Zeug hält. Alle sind gekommen, und jetzt wird gefeiert. Mit allen drum und dran und ich werde mit Lissy, Craigavon und Max den Schlachtplan besprechen. Aber vorher muss ich Tralee was fragen.
„Hallo Mag! Was willst du trinken?“
Tralee steht hinter der Theke im großen Zelt und putzt gerade Gläser.
„Gar nichts danke. Ich muss gleich zu Lissy und Craigavon. Wir wollen den Schlachtplan entwerfen. Es sei denn ihr habt schon einen.“
„Wir hatten einen, aber er wurde vernichtet, als uns Thurles gefangen nahm. Ich habe deine Vision erhalten. Aber als wir den Schlachtplan soeben fertig erstellt haben, kam Thurles, wie auch immer.“
Plötzlich überkam es mich.
„Der Spiegel der Welten! Thurles besitz drei Spiegel. Den der Fantasie, den der Zeit und den der Welten. Mit dem ist er gekommen und hat euch ganz hinterhältig angegriffen. Dieses gemeine Ekel!!!“
„Bist du dir sicher? Wenn das stimmt, dann können wir einen weiteren Angriff dieser Art leicht überstehen. Ich kenne eine Möglichkeit, wie man den Spiegel vernichten kann, allerdings kann man ihn nur vernichten, wenn man seine Geschwister, die anderen beiden, auch eliminiert.“
„Wie soll das gehen. Wir können doch nicht in das Schloss spazieren und einfach die Spiegel zerschlagen!!“
„Das würde sowieso nicht funktionieren. Man muss sie so zerstören, wie sie geschaffen wurden, magisch. Ich brauche dafür nur drei Dinge. Dich, als Medium, einen Kessel und Zeit. Den Rest habe ich vorrätig.“
„Das ist toll, aber gibt es nicht auch eine Möglichkeit, nur einen Spiegel zu zerstören? Der Spiegel der Fantasie ist die einzige Möglichkeit für Max, den Fluch vorzeitig zu brechen.“
„Nein, leider geht das nicht, aber wenn es dich beruhigt. Selbst mit so einem magischen Spiegel könnte er es nicht schaffen. Ich kannte die böse Fee Brosna. Sie war meine Tante. Sie war früher sehr gütig., aber als sie in China war, da hat sie der schwarze Drache verzaubert. Sie war nicht wiederzuerkennen.
Zumindest kannte ich ihre Magie und die kann niemand brechen, nicht einmal ein Gott.“
Plötzlich bläst eine Brise Haar in mein Gesicht.
„Mag? Kommst du jetzt? Craigavon hat gerade eine herausragende Idee, wie man das Schloss umlagern kann!“
„Ich komme sofort Lissy! Tralee? Ich werde den anderen von deinem Plan erzählen. Sie werden ihm bestimmt zustimmen. Wir sehen uns später!“
„Hier Mag, die werden euch wach halten. Die Vorlesungen von Craigavon können verdammt einschläfernd sein.“
Mit diesen Worten drückt sie mir ein Tablett in die Hand und wendet sich einem anderem Gast, Kinsale, zu.

Tralee hatte recht. Die Vorträge von Craigavon sind in der Tat einschläfernd. Wenn wir ihre Getränke, Waldblumenpunsch mit Waldbeerensaft, nicht hätten, dann wäre ich wirklich schon lange eingeschlafen.
„Ich bin fertig. Hat jemand eine Frage oder Bemerkung? Nein, dann ist ja gut!“
„Nicht so schnell, ich habe eine Bemerkung, und zwar eine ganz wichtige. Dieser Plan hilft uns gar nicht, wenn wir nicht vorher ein Ritual durchführen. Wir müssen die Spiegel zerstören, sonst können Thurles und Killarney uns wieder überraschen. Sie haben nämlich die drei magischen Spiegel, und wenn die nicht zerstört sind, dann sind wir nie sicher!!“
Lissy schaut mich nur zweifelnd an und Craigavon fragt: „Wie wollen wir die Spiegel denn zerstören? Mit der Hand können wir es zumindest nicht, schließlich…“
Ehrlich gesagt habe ich kein Bock mir jetzt einen zwei Stunden Vortrag anhören zu müssen, weshalb wir dieses und jenes nicht können, deshalb unterbreche ich ihn einfach mal.
„Selbst wenn die Spiegel hier wären, mit der Hand lassen sie sich gar nicht zerstören, das geht nur über einen magischen Weg und Tralee weiß wie man ihn durchführt. Glaubt mir, wenn wir jetzt nicht zuerst die Spiegel zerstören, dann können wir auch gleich zum Schloss gehen und uns freiwillig stellen!“
„Das ist einleuchtend Mag. Was braucht sie?“
„Mich, einen Kessel und Zeit, Lissy! Meinst du wir schaffen es?
„Einen Kessel kann ich besorgen, aber Zeit?“
Plötzlich mischt sich Max ein.
„Die Zeitschaltuhr hat Thurles! Also können wir die Zeit nicht anhalten und ehrlich gesagt, will ich gar nicht, dass die Spiegel zerstört werden! Der Spiegel der Fantasie ist die einzige Möglichkeit, dass ich von dem Fluch vorzeitig erlöst werde!!“
„Nein Max, du hast gar keine Chance. Der Spiegel kann dir nicht helfen. Bei jedem Fluch, ja, aber nicht bei diesem. Tralee kannte die Fee Brosna die, die dir das angetan hat. Ihre Macht war zu stark. Niemand und nichts kann dich von dem Fluch befreien!“
Ich weiß das es hart war. Ich hätte es nicht so direkt sagen sollen, aber jetzt ist es geschehen und ich kann es nicht mehr ändern.
Nach einer unheimlichen Minute Stille, ergreift Craigavon wieder das Wort.
„Vielleicht schaffen wir es auch ohne eine Zeitschaltuhr! Wir müssen jetzt nur organisiert weiter machen. Lissy und ich werden weiter an dem Schlachtplan arbeiten, schließlich muss er noch bis ins kleinste Detail ausgefeilt werden. Max und du, ihr werdet jetzt einen Kessel besorgen und dann zu Tralee gehen, den Rest machen wir schon!“
Wow, Craigavon kann sich ja sogar kurz fassen! Meine Güte, dass hätte ich echt nicht erwartet.

Mir ist heiß! Verdammt heiß! Ich sitze mit Tralee, Cashel und Kinsale um einen Kessel. In ihm brodelt es wie verrückt. Wir halten uns an den Händen und versuchen uns zu konzentrieren. Cashel gibt komische Laute von sich und Tralee summt vor sich hin. Ich habe keine Ahnung was hier geschieht, aber die drei meinen sie brauchen mich, weil ich die Kraft habe, dieses Ritual durchzuführen. Ich soll nichts machen, nur den Kreis soll ich nicht unterbrechen und konzentrieren soll ich mich auch. Nur worauf, das ist hier die Frage! Cashel meinte vorhin, das ich 13 Nymphen ersetzte, so viel Kraft habe ich angeblich. Na, wir werden sehen.
Plötzlich gibt es einen Knall, und in dem Kessel ist keine Suppe mehr, oder was auch immer da drin war, sondern etwas glitzerndes goldenes was aussieht wie Nebel.
„Was ist denn das?“
Cashel räuspert sich, aber ihre Schwester ist schneller.
„Das ist pure positive Magie. Sie besteht aus deiner, unserer und der, der Spiegel. Aber der Großteil ist natürlich von den Spiegeln.“
„Und wo ist die Suppe die da vorher drin war? Hat die sich in Luft aufgelöst?“
Tralee stellt sich erbost hin.
„Das war doch keine Suppe! Eine Suppe braucht nicht soviel Zeit und Aufwand!! Das war eine Austauschflüssigkeit. Das Fachwort dafür lautet: Falscher Nebel.“
„Falscher Nebel? Willst du mich auf den Arm nehmen? Du machst dich lustig über mich!!“
„Wie kommst du denn da rauf! Was kann ich dafür, wenn das nun mal so heißt? Ich kann es nicht ändern. Gut, er hat noch einen weiteren Namen, aber den kann ich nicht mal aussprechen. Ich weiß nur, dass dieser Name übersetzt Falscher Nebel heißt.“
„Und was machen wir jetzt mit dieser puren positiven Magie? Wegkippen?“
„Um Himmels Willen nein! Alles, nur das nicht! Okay, alles können wir damit auch nicht machen, um genau zu sein nur eins, aufteilen. Lege deine Hand in den Kessel! … Stop!“
Cashel scheint das alles genau durchgeplant zu haben. Nach einander legt jeder von uns die Hand in den Kessel und nimmt ein bisschen Magie in sich auf, aber wirklich nur ein bisschen. Vom Kesselinhalt vielleicht ein hundertstel, wenn nicht noch weniger.
„Das war keine schlechte Idee von dir Cashel, jetzt kann ich es mir wenigstens einmal sparen zum Moonriver zu gehen um mich aufzuladen. Die letzten Male musste ich immer den weiten Weg zurück legen. Mit Lancelot geht es zwar ziemlich schnell, aber es ist ja doch immer ganz schön beschwerlich.“
„Wie hast du es eigentlich geschafft zum Moonriver zu kommen, als Thurles dich gefangen gehalten hatte?“
„In der Nacht bin ich mit einem Troll kurz nach Majo gegangen und habe mich aufgeladen. Wir sind mit diesem Grab da hingekommen.“
„Ah ha!“
„Dann ist das ja geklärt. Jetzt ist nur noch die Frage offen: Was machen wir mit dem Rest? Wegkippen können wir es ja nicht.“
Auf einmal meldet sich Max, von dem ich ganz lange nichts gehört habe: „Toll Mädels, und den Rest verteilen wir an die Mannschaft. Wenn jeder die Hälfte von dem Anteil bekommt, den ihr bekommen habt, dann müsste es reichen.“
Begeistert springt Kinsale auf: „Das machen wir!“
Gesagt getan. Jetzt stehen alle, die zur Zeit auf diesem Platz wohnen, in einer Schlange, kreuz und quer. Unsere Mannschaft besteht bestimmt aus 150 Mitgliedern. Nach zwei Stunden ist der Kessel leer. Jeder hat jetzt ein bisschen Magie in seinen Adern.

„Leute, die Lage ist ernst. Unser Schlachtplan hat extreme Macken. Lissy und ich haben sie in den vergangenen Stunden entdeckt. Kurz gesagt, mit diesem Schlachtplan können wir keinen Krieg führen. Hat jemand eine Idee, was wir jetzt machen können?“
Wir sind gerade in einer Notversammlung. Zusammen sind wir sieben. Offelay, Carlow, Athlone, Max, Lissy, Craigavon und ich. Craigavon hat uns eben den Ernst der Lage erklärt. Wenn wir bis morgen keinen vernünftigen Plan haben, dann kann uns Thurles jederzeit angreifen, ohne das wir uns im geringsten wehren können. Wie wir soeben heraus gefunden haben, gibt es zum Schloss nur das Haupttor und zwei Nebentore. Und die sind alle aus Eisen. Außerdem sind um das ganze Schloss Wachen postiert und wie wir schon wissen sieht Thurles im Umfeld seines Schlosses alles, was so gemacht wird. Wir haben also schon ein Problem, wenn wir nur was auf unserem Platz machen. Der Angriff als Verteidigung fällt also schon mal weg. Wir müssen warten, bis wir angegriffen werden, und dann zuschlagen, aber wie?
Jetzt meldet Offelay sich zu Wort. Vielleicht hat er ja eine Idee?
„Und was ist, wenn wir uns einfach nur Schutzwälle und Wachtürme bauen und darauf Wachposten deponieren, die uns bei jeder Bewegung warnen können? Es reicht doch, wenn wir mit einer gut ausgebildeten, überlegenden Armee angreifen, wenn Thurles mit seinen Männern unterwegs ist.“
„Das ist keine schlechte Idee Offelay, aber bedenke, das Thurles und unsere Mutter alles sehen, was wir so machen. Wir müssen einen Plan haben, den man von außerhalb nicht mitverfolgen kann.“
„Seid wann beteiligst du dich so aktiv bei Kriegsgeschichten, Athlone? Ich dachte du verabscheust Krieg?“
„Tu ich auch Brüderchen, aber was soll ich machen? Mich daneben stellen und zu sehen? Wie wäre es, wenn wir in den Zelten, da wo wir nicht gesehen werden können, Waffen und Katapulte bauen und im großen Zelt üben? Die Wälle, die wir bauen können, sind auch nicht schlecht, aber die müssen wir so nebenbei bauen, damit es nicht auffällt!!“
Jetzt mischt Lissy sich ein.
„Das ist gut, aber was für Waffen brauchen wir? Wir sind so klein, das wir uns schlecht irgendwo einen Baum fällen können. Bedenkt, wir sind nur 50 cm groß, die Bäume aber an die 10 Meter. Wir müssten uns im Wald Äste, Steine und Blätter suchen. Wenn wir alle Mann in den Wald gehen, dann merkt Thurles doch gleich, das da was nicht stimmt.“
Max schweigt immer noch. Er schaut sich nur um und beobachtet uns, was wir machen. Bei ein paar Ideen lächelt er, bei anderen verzieht er das Gesicht. Die ganze Besprechung über hockt er nur da und erfreut uns an seinem Schweigen.
Zwei Stunden später sind wir immer noch da, wo wir angefangen haben. Jeder hat Ideen und Gedanken, daran fehlt es uns nicht, aber es gibt immer irgendjemanden, der mit dem Vorschlag eines anderen nicht einverstanden ist und macht Verbesserungsvorschläge, die dann aber auch nicht besser sind.
Wenn ich ehrlich sein soll, dann glaube ich nicht, dass wir irgendwann weiter kommen.
Plötzlich kommt Tralee rein. Auf ihrem Kopf balanciert sie ein großes Tablett, auf dem viele Leckere Sachen sind. Jedermanns Lieblingsgetränk und ein paar leckere Sachen, wie Waldbeeren, Dundalks Käse und Brot. Doch auf dem Tablett stehen nur sechs Becher…
„Mag, Besuch ist für dich da. Ich glaube er heißt Larne, oder so.“
„Larne? Tralee bist du dir sicher? Wenn er das wirklich ist, dann ist was passiert.“
„Ja, ich meine er heißt so. Komm doch einfach mit. Er sagte es sei dringend.“
„Wo ist er denn?“
„In deinem Zelt.“

Kapitel 25

Das Zelt ist dunkel, und kalt. Vorhin hat es angefangen zu schneien. Wir laufen schon alle mit Mänteln rum, nur Tralee nicht, ihr scheint die Kälte nichts auszumachen.
„Larne?“
„Mag! Da bist du ja! Wir haben auf dem Schloss ein Problem.“
„Ein… anderes als Thurles und Killarney?“
„Na ja, nicht ganz anders, es dreht sich um sie.“
„Wusste ich es doch. Was haben sie jetzt getan, haben sie sich Drachen ins Schloss geholt?“
Obwohl es dunkel ist, sehe ich, wie Larne sein Gesicht verzieht und seine Stirn hochzieht.
„Nein,… aber sie sind weg. Spurlos verschwunden. Wir haben jedes Zimmer durchforstet, sie sind nirgends zu entdecken. Jetzt vermute ich, das sie in Dingel sind, aber ich weiß nicht wo es liegt. Ja, irgendein Gang führt dahin, aber ich habe ihn nie gefunden. Thurles hat irgendwo in seinen Gemächern eine Karte, in die er alle seine Geheimgänge eingezeichnet hat. Aber seine Gemächer haben so viele Schränke und Truhen, da bin ich in zehn Jahren noch nicht fertig und die anderen im Schloss wollen mir nicht helfen, sie sagen das sie sterben werden, wenn sie etwas tun, was Thurles nicht will. Sie sind nicht umzustimmen. Kommst du mit rauf?“
Mulmig ist mir schon zu Mute, schließlich bin ich froh, dass ich endlich wieder hier bin und nicht auf dem Schloss, aber was ist, wenn es eine Falle ist? Was ist, wenn die beiden aus ihrem Versteck kommen, wenn wir auf das Schloss kommen? Aber ich kann Larne auch nicht alleine lassen.
„Okay ich komme mit, aber du musst mir versprechen, das du mir hilfst, wenn ich wieder gefangen werde!“
„Das ist doch Ehrensache! Wenn du mit hoch kommst musst du dich aber verkleiden, sonst erkennen dich die Trolle!“
Ach ja, die gibt es ja auch noch.
„Mag? Was machst du da? Wir vermissen dich schon.“
„Max! Ich gehe wieder mit auf das Schloss, Thurles und Killarney sind verschwunden und Larne will sicher gehen, ob sie sich vielleicht in Dingel verschachert haben. Wenn ich die Pläne mit den Geheimgängen gefunden habe, dann gehe ich auch wieder.“
„Wenn das so ist, dann gehe ich mit.“
„Ist gut, aber nur ihr beide. Wenn mehr mitkommen, dann könnten die anderen misstrauisch werden.“
„Ich gehe den anderen Bescheid sagen. Erkläre Max noch mal, worum es genau geht. Und Max? Suchst du in meinen Sachen bitte nach zwei alten Mänteln? Wir werden uns als Bittsteller verkleiden, damit die anderen nicht denken, das wir spionieren.“

Es wird immer dunkler, gleich sind wir auf dem Schloss, dort ist es dann hoffentlich warm.
„Am Besten fangen wir im großen Audiendsaal an zu suchen. Dort hebt Thurles immer seine wichtigsten Sachen auf und außerdem ist dieser Raum am größten, dort werden wir sowieso am längsten suchen. Kommt ich führe euch hin, dann werde ich uns was zu Essen und zu Trinken holen, und dann fangen wir an zu suchen.“
Larne verdoppelt seine Schrittgeschwindigkeit. Wenige Augenblicke später sind wir im Audiendsaal.
„Ich komme gleich wieder, fangt ihr schon mal an zu suchen.“
Der Raum ist wirklich groß, so ein großes Zimmer habe ich noch nie gesehen. Ich finde ja, das unsere Bibliothek schon groß ist, aber hier passt sie mindestens dreimal rein. Das Zimmer, oder der Saal, ist aber nicht mal halb ausgenutzt. Es stehen nur drei Schränke, zwei Tische, fünf Truhen und zwei Sofas drin. Gut, die Schränke und Tische sind ziemlich groß, aber trotzdem sieht das Zimmer sehr leer aus, ach ja und eine Tür ist zu sehen, wo die wohl hin führt?
„Ich gehe mal gucken, was hinter dieser Tür da ist, Max.“
„Mach nur, ich nehme mir die Truhen vor, soweit das mit Pfoten möglich ist.“
„Warte, ich mach sie dir auf.“
Die Truhen quietschen ganz schön gewaltig. In ihnen stapeln sich Unmengen von Papier.
„Da findest du bestimmt was. Aber vielleicht ist auch was wichtiges hinter der Tür?“

Ich fasse es nicht. Hier bewahrte Thurles also die Spiegel auf. Der Raum ist weder groß noch klein, so was in der Mitte. Hier sind nur die drei Spiegel. Der in der Mitte ist am größten. Auf jedem der Spiegel steht ein Wort: Time, Fantasy und Worlds. Also, Zeit, Fantasie und Welten. Doch irgendetwas ist an diesen Spiegel ist komisch. Sie spiegeln nämlich nicht mehr, sondern glänzen nur noch und der in der Mitte,… der ist ganz komisch. Es sieht in ihm aus, als ob sich eine schwarze Spirale auf violetten Hintergrund dreht, schnell immer schneller. Nach einiger Zeit höre ich auf in ihn hinein zusehen. Das ist mir zu viel, da wird einem ja ganz schlecht. Doch irgendwie zieht er wieder meine Blicke auf sich. Plötzlich werde ich ganz weiß.
„Max? Max komm mal her, bitte beeile dich, sonst werde ich noch wahnsinnig.“
„Was ist den Mag? Siehst du Gespenster?“
Max schaut durch die Tür.“
„So was in der Art. Ich habe eben Killarney und Thurles in diesem Spiegel gesehen. Das war echt komisch. Ich glaube ich werde…
Da! Da ist es schon wieder!“
Max schaut fasziniert auf den Spiegel. In ihm sind Thurles und seine Frau zu sehen. Sie sind verschwommen, aber man sieht, dass ihr Gesicht vor Angst verzehrt und ihre Münder offen stehen. Bereit zu schreien, aber keiner kann sie hören.
„Sind sie das wirklich?“
Max legt den Kopf fachsimpelnd zur Seite.
„Wie es aussieht, ja.“
„Max? Mag? Wo seid ihr? Ach hier. Ich dachte schon die Trolle haben euch gefund…!“
Was jetzt passiert ist, ist echt nicht zum Lachen, erst recht nicht, was dabei zu Bruch gegangen ist ist, aber Max und ich konnten nicht anders. Larne ist über seine Füße gestolpert, wie er das auch immer geschafft hat, und ist der Länge nach auf den Boden gefallen. Das Tablett flog nach vorne und Krachte gegen den ersten Spiegel, der darauf gegen den Zweiten knallte und der wiederum den Dritten mitriss. Jetzt liegen vor uns ein kleiner Gnom und ein Haufen von Scherben. Obwohl ich jetzt erwartet habe, dass Thurles und Killarney befreit werden, wenn man die Spiegel zerschlägt, sehe ich nichts von ihnen. Aber die Scherben, die zum Spiegel der Welten gehörte sind jetzt nur noch mit Thurles und Killarney versehen, natürlich nur die Einzelteile und die Münder sind immer noch offen, so als ob sie schreien würden. Na ja, deshalb lachen wir natürlich nicht, sondern weil die ganze Situation einfach Filmreif war. Larne sieht so lustig aus, wirklich zum krank lachen.
„Ach du Schreck, jetzt habe ich die Spiegel zerstört! Ich bin so ein Trottel.“
„Mach dir nichts draus. Sie waren sowieso nicht mehr magisch. Wir haben sie vorhin schon auf einem rituellen Weg ausgeschaltet. Du hast jetzt eigentlich nur den Rest erledigt. Ach ja, wir wissen jetzt wo unsere beiden Vermissten sind und dort werden sie in tausend Jahren auch noch sein.“
„Wo sind sie denn?“
„Sieh dir mal die Spiegel Stücke genau an, fällt dir was auf?“
„Oh mein Gott! Das kann ich einfach nicht glauben.“
„Ich ehrlich gesagt auch nicht, aber sie scheinen gerade vorgehabt zu haben uns zu überfallen, als wir die Spiegel vernichteten. Jetzt sind sie für immer in diesen Spiegeln gefangen und du kannst wieder dein Schloss regieren.“
„Das ist ja toll. Aber was machen wir mit den Trollen?“
„Da habe ich eine Idee. Könntest du zum Oberhaupt der Trolle gehe und ihm sagen, dass Thurles was wichtiges mit ihm zu besprechen hätte und er ganz schnell zum Audiendsaal kommen soll. Er soll aber kein aufsehen erregen, weil das Ganze geheim bleiben soll.“
„Das kann ich machen, aber wie willst du ihm sagen, das sie abziehen sollen?“
„Wir werden ihn in eine Falle locken und ihm die Spiegelscherben zeigen. Ich hoffe er wird uns glauben.“
„Was anderes bleibt uns ja leider nicht übrig. Ich werde ihn jetzt holen und dann endlich was zu Essen holen.“
„Larne, warte mal! Müssen wir jetzt noch nach Dingel? Ich habe die Karte mit den Geheimgängen gefunden. Wenn du sie noch brauchst, du findest sie in der roten Truhe da, ganz oben auf dem Stapel Urkunden.“
„Danke Max, aber ich denke, wir müssen jetzt nicht mehr dort hin.“

Zwanzig Minuten später, meine Uhr geht ja wieder, kommt Larne mit dem Trolloberboss an. Der Troll tritt ein und die Tür kracht zu. Max hat sie von hinten zu gemacht. Jetzt bin ich mit ihm alleine. Hoffentlich kommt er nicht auf den Gedanken mich zu zerquetschen. Er ist mindestens doppelt so groß wie ich, gegen ihn habe ich kein Chance.
„Was wird hier gespielt? Wo ist Thurles, dieser miese…!“
„Thurles wird nie wieder kommen. Du kannst mit deinen Männern abziehen. Oder hast du einen Grund hier zu bleiben?“
„Nein, habe ich nicht, aber wieso wird Thurles nie wieder kommen? Das musst du mir jetzt genauer erklären. Wo ist er denn?“
„Hier! Und er wird dort für immer bleiben.“
Ich gebe dem Troll einen Haufen Scherben in die Hand. Die Scherben vom Spiegel.
„Das ist ja wohl nicht wahr! Der König und die Königin, beide nicht mehr da! Oh Gott! Du hast uns nicht im Stich gelassen. Jetzt wird alles gut.“
„Wie heißt du?“
„Abisko. Und du? Wie heißt du? Du hast uns den Segen geschenkt. Weißt du das?“
„Ich heiße Mag, aber euer Segen ist noch nicht vollständig. Eure Frau, Pajala, sie ist in Dingel gefangen. Nicht wahr?“
„Ja. Woher weißt du das?“
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Auf einmal wusste ich es. Ich glaube, ich muss noch sehr viel über mich lernen.!
„Tja…, ist doch egal. Wir müssen sie jetzt erst mal befreien. Und dann geht ihr in eure Heimat, okay?“
„Einverstanden. Am Besten, wir brechen sofort auf.“
„Sofort, ich muss kurz meine Männer zusammen trommeln.“
So ein entsetztes Gesicht habe ich noch nie gesehen. Abisko guckt gerade so, als ob ich gesagt hätte, das ich jetzt mit ihm kämpfen will. Auf Leben und Tod. Gut, dass ist ein schlechtes Beispiel, aber er guckt echt so.
„Männer? Wie viele willst du denn mitnehmen? Wir brauchen doch nicht gleich die ganze Nation zusammen rufen, nur weil wir meine Frau finden wollen.“
„Ich muss kurz nachzählen. Ein paar muss ich schon mitnehmen, so als Begleitschutz. Es könnten ja Räuber kommen, um uns zu überfallen.“
„Du willst mich auf den Arm nehmen.“
„Stimmt. Nein, wenn ich ehrlich sein will, dann will ich nur Max und Larne mitnehmen.“
„Max ist aber kein Wesenname.“
„Das ist ja auch mein Hund, als Wesen heißt er Oginos.“
„Ach so. Na dann trommele deine Männer mal zusammen. Ich warte solange draußen vor dem Schlosstor.“
„Wieso vorm Schlosstor? Der Weg nach Dingel ist doch hier. Hier im Schloss.“
„Da hast du aber was nicht mitbekommen. Nein, draußen im Garten. Unter einem Busch, da ist der Weg nach Dingel. Ich warte draußen. Beeile dich.“
„Ist gut. Ich komme so schnell ich kann. Max? Wo bist du?“
„Hier. Im Nachbarzimmer. Bei Larne. Wir essen gerade.“
Schnell gehe ich rüber zu den beiden. Das Zimmer in dem sie sitzen ist winzig. Zumindest im Vergleich zu dem Audiendsaal.
„Ihr seid gut. Esst hier gemütlich zu Abend und ich verhandele hier schwer mit Trollen. Ich dachte die Männer sind für das Geschäftliche zuständig?“
Max antwortet mit vollem Mund: „Auschnahmn beschtädigen die Regln.“
„Kommt jetzt. Wir müssen noch nach Dingel. Ein Trollfrau befreien. Dann sind wir die Probleme erst wirklich los.“
Larne springt auf und schluckt mühevoll sein Essen runter.
„Dann mal los.“
Schnell nehme ich mir noch ein Stück Käse. Es ist zwar nicht Dundalks, aber er schmeckt auch nicht schlecht.

Mir ist eben erst aufgefallen, dass ich zur Zeit die meiste Zeit meines Lebens in dunklen Tunneln oder Schächten bin. Diesmal ist es was dazwischen. Tunnel kann man es nicht nennen, weil es zu niedrig ist und Schacht kann man es auch nicht nennen, weil es zu lang ist. Was ist es nur? Langsam bewegen wir uns voran. Wir haben leider keine Taschenlampe. Es ist Stockdunkel. Nur am Ende dieses Ganges, da sieht man einen hellen Punkt. Ich gehe mal davon aus, dass es Licht ist und wir, wenn wir da ankommen, da sind.
Warum haben wir uns keine Lampe mitgenommen? Larne! Du wolltest eine mitnehmen.“
„Reg dich nicht so künstlich auf, Max. Du hast immer noch die besten Augen von uns. Ich habe sie eben vergessen. Jeder macht mal Fehler. Nobody ist perfect.“
“Ihr wollt eine Lampe? Sagt das doch, ich dachte schon ihr fragt nie!“
„Abisko! Das ist ein Scherz, oder? Du willst uns doch wohl hoffentlich nicht sagen, das du die ganze Zeit eine dabei hattest, oder?“
„Ihr habt ja nie danach gefragt. Woher soll ich wissen, das ihr Licht braucht. Ich dachte hier ist es üblich im dunkeln spazieren zu gehen. Ich kenne eure Sitten zu wenig um das wissen zu können.“
„Ist jetzt auch egal, es wäre nur nett, wenn du das Licht jetzt anmachen würdest.“
Endlich Licht! Ich dachte schon ich müsste hier jetzt für immer versauern. Denn das Tempo das wir hatten, hätte ein Schnecke längst überholt. Jetzt sehen wir endlich etwas und können unser Tempo etwas steigern.
„Was glaubt ihr erwartet uns in Dingel, Jungs?“
„Du klingst so verängstigt Mag, so kenne ich dich gar nicht.“
„Mach dich nicht Lustig über mich Max!“
„In Dingel ist nichts. Rein gar nichts. Deshalb hat Thurles dort meine Frau eingesperrt und gesagt, er würde ihr einfach kein Midrulat mehr zukommen lassen, wenn ich seine Befehle nicht ausführe. Ich weiß noch ganz genau, es war vor ungefähr 50 Jahren, da kam Thurles zu mir nach Trondelag, das liegt bei uns in Norwegen. Er wollte, dass ich ihm helfe ganz Irland zu erobern. Ich zeigte ihm den Vogel und erklärte ihm, dass ich keinen Krieg führe, wenn er mich nichts angeht.
Er ist darauf verschwunden und ich habe 35 Jahre lang geglaubt, das er nie wieder kommt. Aber ich habe mich geirrt. Er kam wieder. Nachts. Er entführte meine Frau und erpresste mich mit ihr fünfzehn ganze Jahre. Jetzt sehe ich sie endlich wieder.“
„Hast du sie die ganzen fünf Jahre nie gesehen?“
„Doch Larne, aber nur einmal im Jahr. Zu ihrem Geburtstag. Aber einmal im Jahr ist mir zu wenig. Jetzt kann ich sie wieder Tag und Nacht sehen. Endlich.“
Abiskos Geschichte hat uns ganz schön gerührt. Thurles war ein ganz schön gemeiner Hund. Hätte ich nicht gedacht. Max sieht mich nachdenklich an.
„Weißt du, wie lange Thurles schon ein Verräter ist? Fünfzig Jahre ist ganz schön heftig, findest du nicht?“
Soll ich Max erzählen, das er schon wesendlich länger ein Ganove ist?
„Max? Fünfzig Jahre, das ist noch nicht mal die Hälfte von der Zeit, in der er dich schon betrog. Schon vor hundertfünfzig Jahren hatte er das Schloss besetzt, das eigentlich Larne und seiner Familie gehörte.“
„Hundertfünfzig Jahre? Sag, dass das nicht wahr ist. Und ich habe ihm von Anfang an geglaubt und vertraut. Die Hälfte meines Lebens hat er mich also schon betrogen? Dann sollst du vergammeln Thurles, vergammeln in deinem geliebten Spiegel. Mit deiner geliebten Frau.“
So erbost habe ich Max noch nie gesehen.
Den Rest der Zeit, die wir im Tunnel verbringen herrscht Ruhe. Jeder macht sich Gedanken über die Situation in der wir uns jetzt befinden. Ich denke mal, dass Abisko an seine Frau denkt und sich auf sie freut und dann mit Freuden nach Hause fahren will. Larne wird an sein Schloss denken und sich gerade überlegen, was er alles neu und anders als Thurles machen will. Max grübelt darüber nach, wieso er nicht schon längst bemerkt hatte, das Thurles in betrügt. Und er wird sich Vorwürfe machen, das er an allem Schuld ist, was passiert ist. Ich für mein Teil, male mir gerade aus, wie in Dingel aussehen könnte. Abisko meinte, dort wäre niemand außer seine Frau und jemand der sie mit Midrulat versorgt. Hoffentlich tut dieser jemand das auch wirklich.

„Wir sind da!“
Wow! Diese Stadt ist unglaublich! Sie ist riesig! Sie glänzt in der Sonne, Moment, hier gibt es gar keine Sonne, die Stadt ist unter einer Art Glaskuppel. Um die Stadt rum ist nämlich Wasser. Hinter dieser Kuppel kann man die Fische sehen, wie sie im ozeanblauen Wasser schwimmen.
Wir sind gerade aus einem Loch gekrochen, dass in der Wand der Glaskuppel ist. Jetzt weiß ich, warum der Tunnel so unendlich lang war. Er durfte nur ganz leicht runtergehen, damit man ihm am Ende wieder hochklettern konnte. Der Tunnel ist durch einen Felsen gehauen, damit er nicht zusammenbricht, und verbindet diese Unterwasserstadt mit dem Festland, dass garantiert über fünfzig Meter über uns ist.
Es sieht hier echt aus wie im Paradies. Die Stadtmauer ist hoch, aber das Schloss, das mitten in der Stadt ist, ist noch viel höher. Um das Schloss herum sind mehrere Terrassenhänge auf denen kleine Häuschen stehen. Diese Stadt ist echt genial, aber warum lebt hier keiner? Ich verstehe das nicht!!
„Wo sind nur die ganzen Wesen hin? Wollt ihr mir sagen, das hier noch nie jemand gelebt hat? Larne! Du müsstest es wissen! Du lebst seid dreihundert Jahren in Achill Head. Du hättest doch was mitkriegen müssen! Vielleicht wusstest du nicht wo Dingel liegt. Das ist ja auch okay, aber hast du nie bemerkt, das Thurles etwas großes vorhatte? Oder das er sich einmal riesig gefreut hat? Nichts dergleichen? Oder hast du mitbekommen, ob deine Eltern was gemacht haben? Nun sag schon!!“
Larne schaut mich beschämt an. Sein Kopf sinkt immer tiefer und sein Körper sinkt immer mehr ein.
„Sei mir bitte nicht böse! Ja, ich wusste, das es Dingel gibt. Auch, wo es liegt. Die Bewohner von Dingel haben sich geweigert Thurles zu gehorchen, sie haben widerstand geleistet. Das gefiel ihm nicht. Deshalb hat er kurzerhand die Öffnung, die wir gerade durch gelaufen sind, verriegelt. Und sechs Monate nicht geöffnet. Die Wesen in Dingel hatten nie Midrulat vorrätig. Sie waren zu sorglos gewesen. Sie sind alle Tod, alle.“
Das ist ja schrecklich! Mein Gott. Die armen Wesen.
„Dieser Teufel! Er hat es verdient auf ewig in diesem Spiegel gefangen zu sein.“
„Ja.“
Abisko ist schon die ganze Zeit so komisch! Warum nur? Oh nein! Ich Idiotin! Ich bin so bescheuert! Wir reden hier die ganze Zeit von Tod und Untergang, und er will nur zu seiner Frau. Ich bin so doof!!!
„Sollen wir dich zu deiner Frau begleiten?“
„Das wäre nett Max. Wir müssen da lang. Die Gefängnisse sind unten im Schloss.“
Schweigend folgen wir ihm. Abisko scheint sich in dieser Stadt ziemlich gut auszukennen. Er überlegt keine Sekunde, ob hier oder da abbiegen soll, ob er die linke oder rechte Tür nehmen muss oder ob er die Treppe rauf oder runter gehen soll. Nachdem wir einmal durch die Stadt, einmal durchs Schloss und einmal die Treppen hinab gestiegen sind, sind wir da. Das Kellergewölbe in Thurles Schloss fand ich ja schon gewaltig, aber das hier ist unbeschreiblich. So groß…
„Pajala! Wo bist du? Hörst du mich?“
Eine zaghafte, kaum zu verstehende Stimme antwortet: „Hier! Ich bin hier. Abisko? Bist du es?“
Sofort stürzt Abisko in die Richtung, aus der die Stimme kam. Max, Larne und ich versuchen mit ihm Schritt zu halten, aber das ist fast unmöglich. So schnell wir können eilen wir ihm hinterher. Als wir bei ihm ankommen, liegt schon eine junge, hübsche Frau in seinen Armen. Ihr laufen Tränen über das Gesicht und er schluchzt.
„Pajala! Nie mehr habe ich erwartet, das wir uns jemals mehr so umarmen können! Thurles ist gestürzt und wir können nach Hause.“
Es ist wirklich süß, wie die beiden sich lieb haben. Pajala ist übrigens keine Trollfrau, so wie ich erwartet habe, sondern ein anderes Wesen. Sie ist sehr klein, zierlich und schmal. Sie hat lange rote, richtig feuerrote, Haare und ein gesprenkeltes Gesicht. Ihre Kleidung ist zerrissen und fällt ihr bald vom Leib.
„Ich danke euch, dass ihr mir geholfen und Thurles gestürzt habt. Ich werde jetzt zum Schloss zurückkehren, meine Gefolgsleute abholen und nach Hause gehen.“
„Wie willst du bitte nach Hause gehen?“
„Da der Spiegel der Welten zerstört ist, wandern. Wieso?“
„Kommt gar nicht in Frage. Ihr nehmt das Grab. Ihr wisst wo es ist?“
„Ja, aber…!“
„Kein aber. Ihr benutzt es und basta. Es gehört jetzt mir, so wie das ganze Grundstück. Euch wird klein Leid geschehen. Lebt wohl!“
Mit diesen Worten verschwindet Abisko aus unserem Leben, aber vielleicht werden wir ihn ja irgendwann wiedersehen?
„Und was machen wir drei jetzt? Du kennst dich hier vielleicht schon aus Larne, aber ich und Mag wollen uns hier noch ein bisschen umsehen. Thurles hat uns einen Schatz geklaut. Ich denke er hat ihn hier versteckt. Wir müssen ihn unbedingt finden. Geh du schon mal zurück und kläre das mit deinem Schloss.“
„Ich glaube ohne mich findet ihr den Schatz nicht. Das Schloss ist so groß, ihr wüstet gar nicht wo ihr anfangen sollt zu suchen.“
„Dann sag uns einfach wo es ist. Wir finden es dann schon. Du musst zurück, sonst bricht das Chaos aus.“
Mich würde ja eins mal interessieren. Wenn Thurles jemals vorgehabt haben sollte Athlone und mich hierher zu bringen, was hätte er uns dann gesagt?? Hier wohnt doch niemand. Ob er das mit den bezahlen der hier lebenden Wesen auch erfunden hat?? Oh meine Güte. Diese Person habe ich nie verstanden und werde es wohl auch nie tun.

Kapitel 26

Der Raum, in den uns Larne geschickt hat, ist ziemlich klein und sieht aus wie ein Büro. Hier ist auch eine Kiste. Aber sie ist verschlossen, deshalb suchen wir gerade den Schlüssel.
„Max! Ich habe ihn. Er war unter einem Buch. Komm, wir wollen jetzt gucken, was in der Truhe ist.“
„Was ist das denn?“
„Hast du noch nie ein Buch gesehen. Darin kann man lesen und Buchstaben angucken. Manchmal sind da auch Bilder drin. Für Leute, die nicht so gerne Lesen. Damit sie aber wenigstens was zum Anschauen haben.“
„Sei nicht so zynisch. Mir ist schon klar was ein Buch ist. Aber ich meine nicht das Buch, sondern das, was darunter ist. Würdest du so nett sein und mir das mal zeigen. Ich kann ja leider nichts anfassen.“
„Schon klar. Hier.“
Max schaut sich die Papierrolle in meinen Händen genauer an.
„Das ist eine Schriftrolle. Die ist mindestens tausend Jahre alt. Mach sie mal auf.“
„Die Schriftzeichen kenne ich. In der Schrift war auch der Zettel geschrieben, den mein Vater im Buch liegen lassen hat.“
„Kannst du sie entziffern?“
„Ich glaube ja. Aber ich brauch einige Zeit. Moment mal.“

Ich glaube nach zwei Stunden hab ich es endlich geknackt. Max hat während dessen eine Küche gesucht. Er hat auch eine gefunden. Aber es gab dort nichts essbares.
„Max! Ich habe es. Hör zu:

Zauberritual

Es gibt eine Möglichkeit dem Fluch von Midrulat zu entkommen. Man muss nur ein magisches Ritual bei Vollmond vollziehen. Es sind sieben Nymphen erforderlich, mehr sind aber besser. Bei Vollmond muss ein Kessel aufgestellt werden, in den folgende Zutaten, nacheinander, immer mit einer Minute Abstand, geworfen werden sollen:

3g Midrulat
200ml Adaramilch
2l Wasser
50g Ton
100g schwarze Erde
100g pulverisierte Blätter und Nadeln
(je 10g Eiche, Birke, Esche, Linde, Tanne, Buche, Fichte, Kastanie, Kiefer und Weide )

10g Rinde
20g Kieselsteine
30g Waldbeeren

In den Pausen, die zwischen den reingeworfenen Zutaten stattfinden, wird immer eine Prise Sand in den Kessel geworfen. Der Sand muss aus unmittelbarer Nähe kommen.
Wenn alle Zutaten im Kessel sind, fassen sich die Teilnehmer um den Kessel an den Händen und konzentrieren sich auf die Flüssigkeit, die jetzt im Kessel ist. Wenn sie anfängt zu kochen und Funken versprüht, dann ist der erste Teil des Rituals erfüllt. Jetzt muss die ganze Flüssigkeit, über das ganze Land verteilt werden. Dabei darf in keinem Land zu viel oder zu wenig verteilt werden. Ein paar Tropfen hier und da reichen. Wenn Flüssigkeit übrig bleibt, dann muss sie nur im Kessel drei Tage lang unter einer Fichte stehen bleiben, dann löst sie sich in Luft auf.
Zwei Tage nachdem dieses Ritual ausgeführt wurde, braucht kein Wesen mehr Midrulat. Aber jetzt sind die Wesen auch nicht mehr unsterblich. Schwere Verletzungen können sie jetzt töten, aber leben tun sie immer noch bis in alle Ewigkeiten, es sei denn, sie sind an Verletzungen, Ersticken, Ertrinken oder Ähnlichem vorher gestorben.“

„Glaubst das klappt?“
„Ich weiß es nicht. Mich würde mal interessieren, wer sich das ausgedacht hat. Wenn das wirklich klappen soll, dann müsste es doch schon mal ausprobiert worden sein, oder? Aber ihr seid trotzdem immer noch vom Midrulat abhängig.“
„Vielleicht hat sich das ja ein Gott ausgedacht, und es so lange versteckt, bis er der Meinung war, das es jetzt gebraucht wird.“
„Kann sein…. Was steht eigentlich in dem Buch?“
„Es ist in der gleichen Schrift gelesen, wie schon die Schriftrolle. Versuch du mal.“
„Die Überschrift des Buches heißt: Rieten der Länder. Hmmm…!“
Ich blättere ein bisschen im Buch rum. Die Schrift ist sehr klein. Handgeschrieben. Wer hat das nur so lange ausgehalten. Das Buch hat mindestens siebenhundert Seiten. Eng und ziemlich klein beschrieben. Das war bestimmt eine Höllenarbeit.
„Das Buch schreibt über alle Rituale, Traditionen und Bräuche aus anderen Ländern.“
„Und das soll der Sagenumwogene Schatz sein?“
„Sag das nicht so abweisend. Die Sachen sind ziemlich viel Wert. Und wenn das Ritual mit dem Midrulat klappt, dann seid ihr ein nervendes Problem los. Ist das nichts?“
„Doch, doch. Natürlich ist das was. Lass uns zu den anderen gehen. Ich habe Hunger und es ist mir hier zu einsam.“
Einsam. Das ist die Idee! Hier ist keine Menschenseele. Und…!
„In Tipperary ist doch Krieg, oder?“
„Ja, leider. Die Riesen und Zwerge bekämpfen sich wie die Irren. Man kann sie einfach nicht zur Vernunft bringen.“
„Warum bekämpfen sie sich?“
„Weil das Land zu klein ist. Wer am Ende siegt, der bekommt das Land.“
„Warum gehen die einen nicht einfach weg?“
„Weil sie in der Gruppe zu viele sind, sie würden nirgendwo Platz haben. Und trennen wollen sie sich nicht.“
„Warum gehen nicht die einen hier hin? Hier ist genug Platz. Wohnen tut hier ja keiner mehr, also würden sie niemanden stören!“
„Das ist keine schlechte Idee! Ja, das machen wir. Hier kommen die Zwerge hin und in Tipperary bleiben die Riesen.“
„Schön, dann haben wir endlich richtigen Frieden, im ganzen Land.“
„Ja, und jetzt gehen wir zurück.“

Jetzt ist endlich alles gut. Die Zwerge sind jetzt alle in Dingel. Hier scheint wieder die Sonne und unsere Leute machen gerade Party. Tralee kommt gar nicht mehr zur Ruhe, alle zwei Sekunden will jemand einen neuen Drink.
Warum? Midrulat war gestern. Das Ritual hat tatsächlich geklappt. Keiner muss jemals wieder an Midrulat denken.
Demnächst werde ich Briefe an alle anderen Länder schicken, damit sie dieses Ritual ebenfalls durchführen können. Das wird eine Heidenarbeit. Wie viele Länder hat die Welt?? Ich will gar nicht darüber nachdenken! Wenn ich es hinter mir habe, dann bin ich wenigstens ein Ass in schreiben.
Morgen bauen wir ab und jeder fährt wieder nach Hause. Larne wurde als Besitzer des Schlosses in Achill Head akzeptiert und alle Zwerge, die für Thurles arbeiten mussten, sind jetzt bei ihren Familien in Dingel.
Morgen sehe ich nach Monaten meine Familie wieder. Irgendwie vermisse ich sie ganz schön. Auch wenn ich mich bei meinen Freunden sehr wohl fühle, hier herrscht ein ganz anderer Lebensstil als zu Hause. Bei Lissy ist das was anderes. Sie ist Waise und lebt nur bei ihren Zieheltern. Sie braucht diese Freunde, damit ihr Leben einen Sinn hat.
„Hey Mag! Komm doch mal zu uns rüber!“
Offelays tiefe Stimme höre ich überall raus. Ich drehe mich um und schaue in die Richtung, woher die Stimme kommt. Athlone, ihr Bruder und Offelay sitzen um einen Pilz, der als Tisch dienen soll. Lissy sitzt mit Max und meinem Großvater an einem Pilz daneben.
„Ich komme.“
Athlone begrüßt mich mit einem strahlendem Lächeln.
„Du siehst geknickt aus, was ist los?“
„Nichts, nur.. unser großes Abenteuer ist jetzt zu Ende. Und keiner weiß was noch kommt.“
„Keine Angst. Früher oder später kommen neue Abenteuer auf uns zu. Vor allem, weil du die Auserwählte bist. Da wird noch viel auf dich zu kommen, keine Angst.“
Plötzlich erhebt sich eine Stimme vom Nachbartisch.
„Die Reise China wird übrigens verschoben. Wir wollen uns erst mal ein bisschen ausruhen, ich muss zum Beispiel ganz dringend nach Cork. Mehrere Wesen wollen den Rat des großen Nuadus und ich muss den Vermittler spielen. Das ist eben meine Aufgabe. Wir wollen in drei Monaten starten. Ihr könnt euch also in aller Ruhe darauf vorbereiten. Es sei denn ihr habt keine Lust mehr, dann muss ich mit Mag alleine Reisen. Sie muss nämlich mit.“
Ein einstimmiger Protest kommt mir zu Ohren.
„Natürlich wollen wir mit. Was glaubst du denn?“
„Schön, dann lasst uns unsere Gläser austrinken und ins Bett gehen. Morgen wird ein anstrengender Tag, glaubt mir.“
„Bevor wir ins Bett gehen muss ich noch eine Sache loswerden. Meine Schwester und ich haben uns entschlossen, dass Mag einen neuen Namen bekommt. Der zumindest hier in unsere Welt benutzt wird. Sie ist jetzt schließlich eine von uns und braucht auch einen passenden Namen.“
„Gute Idee Carlow! Welchen Namen soll sie denn bekommen?“
Lissy ist total entzückt von der Idee. Ich ehrlich gesagt nicht. Wer weiß welchen Namen ich bekomme?
Diesmal antwortet Athlone.
„Wir dachten an Fermoy.“
Na, das geht ja noch. Der klingt gar nicht mal so schlecht.
„Danke schön. Ich bin euch sehr dankbar, aber wenn ich einen kriege, dann muss Lissy auch einen bekommen.“
„Nein, nein, dass ist nicht nötig. Ich bin mit meinen Namen ganz zufrieden.“
„Doch, du bekommst auch einen.“
„Na gut, aber welchen? Athlone hast du eine Idee?“
„Ja. Ich dachte an Kilkee.“
Alle sind mit den beiden Namen einverstanden. Jetzt heiße ich also Fermoy und Lissy Kilkee. Daran muss ich mich erst mal gewöhnen.
Nun spricht wieder das Orakel.
„Jetzt geht es aber ab ins Bett. Keine Widerrede!“
Murrend, schließlich ist es eben erst richtig lustig geworden, gehen wir in unsere Zelte. Der Mond ist hell am Himmel. Es ist…
„Vollmond. Beeilen wir uns, damit die anderen von der Verwandlung nichts mitbekommen.“
Max geht als erstes ins Zelt, ich folge ihm erst ein bisschen später, damit er sich erst anziehen kann.
„Du kannst rein kommen.“
Es ist schon ein komisches Gefühl. Letztes Mal war Max halb tot geschlagen gewesen und das Mal davor war er fast zu Tode verletzt. Es ist jetzt das erstemal, das ich ihn als gesunden Mensch sehe.
„Wollen wir nicht draußen schlafen? Die Nacht ist so schön Sternenklar. Es wäre sowieso krank im Zelt zu schlafen. Hier ist es kochend heiß!“
„Ist gut. Holst du unsere Schlafsäcke mit raus? Ich suche uns mal einen Platz, wo uns nicht jeder sieht.“
Zehn Minuten später liegen wir hinter unserem Zelt und unterhalten uns leise über Sachen, die wir morgen erledigen wollen und schauen uns die Sterne an. Da! Eine Sternschnuppe. Was wünsche ich mir denn? Genau, Max soll sich nicht in einen Hund zurückverwandeln!
„Gute Nacht!“
„Schlaf schön und Träum was süßes!“
Wenige Minuten später bin ich eingeschlafen.

Es ist früh am Morgen. Ich liege hinter unserem Zelt. Der Mond ist noch zu sehen, aber nur ganz blass. Gleich fängt die Morgendämmerung an. Wie spät es wohl ist? Neben mir liegt … Max. Aber nicht als Hund.
„Ist denn das zu fassen! Max! Wach auf!!!“
„Was ist denn los?“
„Schau mal!“
Max macht die Augen auf und setzt sich auf. Vor Schreck hat er sich gleich wieder hingelegt.
„Das ist nicht zu glauben! Wie ist das passiert? Warum bin ich kein Hund? Das glaube ich jetzt nicht. Kneif mich mal!“
Das tu ich gerne.
„Au ! Spinnst du ?“
„Nein, ich spinne nicht. Du wolltest doch gekniffen werden, oder?“
„Nimm doch nicht immer alles ernst, was man dir sagt. Sage mir lieber, warum ich jetzt kein Hund bin.“
„Tut mir leid, das weiß ich genauso wenig wie du. Sei damit zufrieden und lass es dabei, oder willst du wieder ein Hund werden?“
„Nein, natürlich nicht, aber komisch ist es doch trotzdem, oder?“
„Ja klar, aber ich weiß nicht warum es so ist, wir können allenfalls meinen Großvater fragen.“
„Das machen wir! Komm mit!!“
Mit einen Satz springt er auf und zieht mich hoch. Zusammen laufen wir zum Zelt von meinem Großvater.
„Orakel? Bist du wach?“
Eine mürrische Antwort kommt zurück.
„Was macht ihr denn schon so früh auf den Beinen. Wir haben es fünf Uhr morgens! Seid ihr verrückt geworden? Kommt rein.“
Im Nachthemd und mit Schlafmütze kommt uns mein Großvater entgegen.
„Wer bist du denn?“
„Das ist Max. Als Mensch. Wir haben irgendwie den Fluch gebrochen, wir wissen aber nicht wie.“
„Ganz ruhig. Du bist Max?“
„Ja. Ich bin eben aufgewacht, war aber kein Hund, sondern ein Mensch.“
„Soso, Mag? Oder nein! Fermoy? Hast du gestern eine Sternschnuppe gesehen?“
„Ja.“
„Hast du dir was gewünscht?“
„Ja, aber…? Meinst du wirklich, das dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist?“
„Ja natürlich. Hast du vergessen? Du hast magische Kräfte. Irgendwie hast du es geschafft, dass dieser Stern deinen Wunsch wirklich erfüllt hat.“
„Ich glaube es nicht!“
„Musst du aber, und ich will jetzt weiter schlafen. Lissy und Tralee sind auch schon wach. Sie sitzen im großen Zelt. Die beiden könnt ihr meinetwegen nerven. Ich brauche meinen Schlaf.“
„Komm Mag, wir gehen zurück. Ich will auch noch ein bisschen schlafen. Wenn du mich nicht geweckt hättest, dann.“
„Kein Streit. Streit ist nie gut. Schlaft schön. Wir sehen uns in drei oder vier Stunden beim Frühstück.“
„Gute Nacht Orakel!“
Zusammen mit Max verlasse ich das Zelt.
Als wir bei unseren Schlafplatz ankommen, legt er sich sofort hin und schläft weiter. Ich kann es ihm nicht verübeln. Wir waren gestern lange auf und müssen Kraft haben, damit wir nachher, wenn wir abbauen, nicht zusammenklappen. Aber ich kann nicht schlafen, mich hält ein Wichtiger Gedanke wach. Wie erkläre ich meinen Eltern, das unser Hund Max jetzt kein Hund mehr ist, sondern ein Mensch?

2003 © Janine S.I.Wenzel

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